Sonstiges

Wie kommen Abmahnungen zu Stande?

nehmen wir mal an, es gibt eine Plattform, die Unternehmensbewertungen seitens der User zulässt. Im geekigen Sprachgebrauch User Generated Content genannt. Und so verfasst ein User seine Bewertung, vertauscht aber dummerweise die Telefonnummer des bewerteten Unternehmens mit dem eines anderen Unternehmens und schreibt dazu auch noch den Vornamen des Inhabers falsch? Und das bewertete Unternehmen geht nun ab wie Zäpfchen, droht und mahnt ab, es kann einfach keine Verwechslung sein, denn wer verwechselt schon Vornamen und Telefonnummern? Wieso ruft aber das Unternehmen dann wenigstens nicht beim Plattformbetreiber oder beim User selbst an (von mir wegen Mail) und weist auf den Fehler hin? Vielleicht, weil es darum gar nicht geht? Vielleicht weil man einen Stellvertreterkrieg führt? Vielleicht ist es ja so, dass der Vater das Unternehmen betreibt, das bewertet wurde und der Sohn das andere Unternehmen, dessen Telefonnummer nun im Eintrag prangt, zufällig auch noch mit dem Vornamen des Sohnes statt des Alten? Und es könnte ja sein, dass der Sohnemann dummerweise seine Firma in der gleichen Branche betreibt, also Konkurrent ist und seinem eigenem Vater das Wasser abgräbt? Ist Blut nicht dicker als Wasser? Blut ist dicker als Wasser, Geld ist dicker als Wasser, manchmal ist Geld dicker als Blut, gerade weil:)

*nimmt sich Popcorn und ne Coke*


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

20 Kommentare

  • find das so entsetzlich armselig! will garnicht schreiben was noch alles hinter dieser story stecken könnte – sonst musste mich am ende zensieren oder wirst selber abgemahnt :-p

    aber mal so am rande! woher hast du die info das es sich um vater und sohn handelt? hab ich jetzt was nicht mitbekommen? im blog vom jan schmidt hab ich es nicht entdecken können

  • Das ist wie in der Sandkiste, damals im Kindergarten. Allerdings haben sich dort oftmals die Probleme in Luft aufgelöst weil miteinander kommuniziert wurde.

  • Abmahnungen sind wohl mancher Personen Sex- und Viagra-Ersatz.

    Würde pro Abmahnung ein Kind geboren, würde sich die Bevölkerung Deutschlands schlagartig verhundertfachen.

    Make Sex not Abmahnung! 😀

    Grüße,

    René
    ProBloggerWorld

  • Hallo,

    ich gehöre der zunehmend kritisierten Berufsgruppe der Anwälte an, habe täglich mit Abmahnungen aus Angreifer- und Verteidigersicht zu tun, kenne die mißbräuchlichen und zurecht gescholtenen Fälle, kenne aber auch die berechtigten und alternativlosen Fälle.

    Meine bescheidene Meinung: Die Instrumente des Rechts sind nichts anderes als ein Bestandteil zwischenmenschlicher Konfliktlösung. Die Ideengeber gingen davon aus, dass die Beteiligten Justitia herbeirufen, wenn die sonstigen Mittel der Kommunikation nicht weiter helfen.

    Das wird manchmal (?) bei allen Beteiligten einer solchen Auseinandersetzung übersehen.

    Wer verantwortungsvoll mit Auswahl und Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel umgeht – ob Partei oder RA – fährt meiner Meinung nach besser, als übereilt die ultima ratio zu wählen.

    Eine Frage an die Kritiker: Wie soll die Alternative, etwa nach Abschaffung des Instituts Abmahnung, aussehen?

    Viele Grüße aus Köln
    Stefan Maas

  • An Herrn Maas…

    eine Mail / Anruf / Brief mit der Aufforderung das Problem zu lösen, wenn nach 7 Tagen das Problem nicht behoben ist, erneut ein Mail / Brief / Anruf und 50 EUR Gebühr und wenn nach 2 Wochen das Problem nicht behoben ist – dann kann man gerne soviel verlangen wie man will… wer dann nicht einsieht, dass er einen Fehler gemacht hat, ist selbst Schuld….

    Oft macht man sich gar keinen Gedanken darüber, dass man etwas falsch gemacht hat.

  • @Maas: Das Abmahnungen durchaus häufig nötig & gerechtfertigt sind, will ich nicht infrage stellen.
    Aber bei dem vorhandenen Abmahnwesen stören mich zwei Punkte:
    1) Der Abmahnende kann die Kosten über den Streitwert frei bestimmen.
    2) Sich gegen eine ungerechtfertige Abmahnung zu wehren kostet erstmal Geld, auch abhängig von 1)

    Natürlich kann man den Streitwert hinterfragen, aber auch das ist dann wieder Aufwand.

    Ich wäre dafür die Kosten für eine Abmahnung radikal zu deckeln, z.B. bei den 50€, die schonmal durch die Presse geisterten. Der Abmahnende kann nur dann mehr geltend machen wenn er mit der Abmahnung nachweisen, dass ihm ein entsprechender Schaden entstanden ist.

    Zumindest bei Abmahnungen von Privatpersonen ist so eine Regelung längst überfällig meiner Meinung nach.

  • @Alex
    Volle Zustimmung – Anruf/E-Mail/Fax – kommt auch in der Praxis sehr häufig, vermutlich sogar überwiegend vor, funktioniert bestens und bedarf dann weder eines weiteren Verfahrens oder gar eines RA. Das ist der problemlose und daher nicht öffentlich diskutierte Fall … Das Problem entsteht, wenn eine Verletzung gegeben ist, aber der Anruf, die Mail, das Fax nicht fruchten … gerade in Internetfällen nicht selten zu hören „… ich kenne mich aus, alles unberechtigt …“.

    Und 7 Tage ist in Eilfällen deutlich zu lang – so lang muss kein Verletzter zuwarten und die Beeinträchtigung dulden.

    @Lim_Dul

    zu 1) Richtig – die Kosten sind häufig Anlaß zur Kritik, zurecht. Aber es ist ungeheuer schwierig angemessene Kosten zu ermitteln, erst recht wenn dies ehrlich und ernsthaft versucht wird. Das Gesetz schreibt die Schätzung vor, die natürlich der gerichtlichen Überprüfung unterliegt. In den jeweiligen Bereichen erfahrene Juristen kennen die einschlägigen Sätze und wissen auch, wann der Ansatz angemessen ist und wann nicht. Die Urteile hierzu füllen Bände …

    zu 2) Ja, wehrt man sich gegen eine unberechtigte Abmahnung hat man zunächst einmal selbst Kosten. Nur wer sagt, dass die dort hängen bleiben müssen. In Mißbrauchsfällen gibt es einen Schadensersatz in selbiger Höhe, in unberechtigten Fällen kann negative Feststellung eingereicht werden – übrigens in der Regel auch sofort, ohne Mitteilung an die abmahnende Seite (Ausnahmen bestätigen die Regel).

    Zu der 50 EUR Überlegung: Das ist in Ordnung für alle geringfügigen Fälle. Aber welcher Fall ist geringfügig bzw. ab wann verläßt er die Geringfügigkeit. Hängt das wirklich nur davon ab, ob eine private Person handelt? Der Gesetzgeber dachte sich etwas dabei, als er von einer Ermessensentscheidung sprach. Das Ermessen kann ja überprüft werden … geschieht wohl in der Praxis zu selten. Da sind auch die Gerichte in der Pflicht mit Augenmaß zu operieren.

    Daher – alles gute Gedanken und vieles wird schon lange diskutiert. Mal sehen, was der Gesetzgeber unternimmt …

  • mich wundert nur ein wenig, wie die abmahnung adressiert werden konnte. über die ip wurde der autor sicher nicht ermittelt. bleiben die angaben aus dem profil und eine recherche. da könnten böse zeitgenossen aber auch gefälschte profile von anonymen rechnern aus einrichten und mal ordentlich über die konkurrenz herziehen. das nur meine gedanken dazu um diese uhrzeit.

  • Diese exzessive Nutzung der Abmahnungen durch Unternehmen haben den eigentlichen Nutzungszweck dieses Rechtswerkzeuges mittlerweile total verdreht. Eine Abmahnung sollte nicht da sein um jemanden, der Fehler gemacht hat, zu erniedrigen und zu ruinieren … sondern nur in speziellen Fällen wenn notwendig eingesetzt werden.

  • Eine Abmahnung sollte erst dann erfolgen, wenn andere Möglichkeiten (Anruf, Fax, E-mail, etc.) nicht fruchten.

    Es gibt sicherlich Fälle, bei denen es keinen anderen Ausweg als deine Abmahnung gibt aber ich habe schon das Gefühl, dass Abmahnungen in den letzten Jahren inflationär eingesetzt werden.

    Vielleicht ist das aber auch typisch deutsch!?
    Ich habe mal einen holländischen Geschäftsmann kennengelernt, der 2 Firmen (über 200 Mitarbeiter) hatte. Er war stolz darauf, dass er in über 10 Jahren nicht ein Mal einen Anwalt mit einer Klage oder Ähnlichem einsetzen mußte. Seine Meinung „Ihr Deutschen seid zu Prozeß-freudig. Ihr solltet Eure Kraft lieber in Euren Jobs als vor Gericht einsetzen“.
    Ist ja vielleicht eíne ganz interessante Sichtweise. 😉

  • wegen diesem abmahnwahnsinn überlege ich mir 5 mal, was ich schreibe… und lande dann immer bei logbuch-des-captains-einträgen, weil ich schlicht keinen bock habe, irgendjemanden die anzahlung für den ipod deluxe zu finanzieren.

    ist schon traurig. ich denke, eine menge menschen hätten was zu sagen, was sich zu lesen lohnen würde.

  • Das Problem ist doch auch das es anscheinend recht schlaue zynische und skrupellose Mitmenschen gibt die das Abmahnwesen Im Internet als interessante Bereicherung verstehen. Das sind Leute die es überhaupt nicht interessiert ob jemand geschädigt wurde. Die würden jedes noch so kleine Gesetzteslücke für ihren Vorteil benutzen (hieraus resultiert der bedaurliche aber halt auch verdient schlechte Ruf der Anwälte und Abmahngeier)

    Wenn man dagegen was unternehmen will müssten sich wiederum einige Leute zusammentun Adressen sammeln diese Leute bloßstellen (falls rechtlich ok) und vor allem selbst einen Anwalt nehmen und Klage gegen deren Praxis einreichen. Für sowas würde ich gerne einen Betrag „spenden“.

    Die Erklärungen von Stefan Maas klingen ja schön und rationell und spricht ja auch für ihn das er sich hier stellt aber Abmahnungen werden schlicht und einfach auf zynische Weise benutzt und es ist an einem Punkt wo man vielleicht organisiert und aktiv dagegen vorgehen sollte.

  • @Stefan Maas
    der eigentliche grund für die beliebtheit von abmahnungen liegt doch in dem für die anwälte äußerst vorteilhaften kosten-nutzen verhältniss, sonst könnte man sich die abmahnung doch schenken und gleich eine ev beantragen, gerade bei den „problemfällen“.
    aber für einen formbrief ein paar tausend euro abzukassieren läßt man sich halt nicht gern entgehen, oder!
    vor allem wenn man das geld später noch zusätzlich zu den ev-gebühren bekommt – da wär man doch schön blöd wenn man gleich mit der ev anfängt, nicht wahr…

  • @RA Maas:

    In aller lieber, aber Deine Clienten scheinen da eine große Ausnahme zu bilden. Ich bin mittlerweile seit mehr als 10 Jahren selbständig und seit jeher mit Fokus Internet. Seit Beginn dieses Jahrtausends hat die Zahl der Abmahnungen exponentiell zugenommen. Das mache ich an keiner Statistik fest sondern an der Zahl der Abmahnungen in meinem Umfeld gemessen an der Zahl der Webprojekte/Besuchersteigerung – es ist eine rein gefühlte Angabe.

    Während das was sie sagen (überwiegend telefonische Klärung/per Mail) für die Zeit von vor 5 Jahren noch zutrifft, kann in den letzten Jahren davon keine Rede mehr sein. Ich habe bisher am eigenen Leib 2 mal erlebt, dass sich jemand wegen einer Rechtsverletzung unkompliziert gemeldet und dann auch binnen weniger Stunden eine Lösung erlebt hat. Einmal hat sogar ein Anwalt die Abmahnung zurückgezogen, weil er einsehen musste, dass er keine Ahnung von der Materie hat. Dem gegenüber stehen aber weiter über 50 Abmahnungen wegen diversen – größtenteils berechtigten aber zu 90% lächerlich unwichtigen Verstößen, bei denen die direkte Kontaktaufnahme bewusst vermieden wurde.

    Wenn ich mit Kollegen spreche, höore ich ähnlich lautende Einschätzungen – übrigens auch von einigen Rechtsanwälten, die ohne die Abmahnerei einfach ein deutlich niedrigeres Monatgehalt hätten.

    Wie sähen die alternativen aus? Streichung. Eine EV ist doch genug Möglichkeit bei dringenden Verstößen. Alle weniger dringenden Verstöße können ohne Anwalt perfekt geregelt werden. Wenn das nicht fruchtet, kann man ja eine EV erwirken. Ich sehe offen gesagt keinen Grund warum es dringlich wäre ein Brötchenbild aus einem Blog mit 50 Beuchern am Tag zu entfernen – nur um mal ein bekanntes Beispiel zu nennen. Die Rechtsauffassung ist in Deutschland leider etwas verdreht – v.a. im Umfeld elektronischer Medien.

    Aus Sicht eines Rechtsanwalts mag so manches Vorgehen sinnvoll, ja sogar nötig erscheinen, allen Außenstehenden tut es das aber in vielen Fällen nicht – und dabei geht es gar nicht mal nur um betroffene.

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