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Facebook F8: die andere Seite der Medaille

uninformation.org versucht aufzuzeigen, dass Facebooks offene Plattformschnittstelle auch Nachteile birgt, derer man sich stets bewußt sein sollte. Den Vergleich zu AOL anno dazumal, die etwas Ähnliches auf die Beine gestellt hatten, ist der Versuch, eine historische Parallele aufzuziehen, doch hinkt das sehr arg imho und bringt auch nix.

Was ich nicht verstehe: Jeder, der dort Geld verdienen möchte, darf sich also über die Facebook-Plattform freuen. Wem mehr das Web als gesamtes, als kultureller Raum, am Herzen liegt, eher weniger… Seit wann muss alles, was man im Web tut oder aber in Facebook integriert mit Kultur zu haben bzw. umgekehrt? Es schließt sich weder aus, noch muss man das eine vom anderen scharf trennen. Schon mal Bilder betrachtet und dann auch gekauft? Oder ins Theater gegangen? Musik genossen? Bücher gelesen? Wo ist das Netz anders? Wenn ein Buchautor mit senem Verlag unzufrieden ist, geht er eben zu einem anderen Verlag. Der Künstler zu einem anderen Galeristen. Der Schauspieler zu einem anderen Schauspielhaus. Im Netz ist das wesentlich einfacher. Walled Garden hin, Lock-In Effekte her.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

11 Kommentare

  • Robert, ich glaube Du siehst Facebook zu sehr aus den Augen eines Kindes im Spielzeugparadies: Überall blitzt, funkelt und piepst es, Du bist ganz begeistert von all den Möglichkeiten.

    Ebenso wie das Kind siehst Du aber nicht die Einschränkungen, denn all die Möglichkeiten begrenzen sich auf das, was Facebook zulässt und einen ganz elementaren Punkt lässt Facebook nicht zu: Die Benutzerverwaltung

    Macht zB Facebook morgen dicht, weil Zuckerberg verstopfung hat und in Facebook den schuldigen sieht, stehst Du mit deiner Firma im nassen, kalten Regen.
    Beginnt Facebook morgen Gebühren für die Nutzung der F8 Plattform zu verlangen, musst Du wohl oder Übel die Kohle abdrücken.

    Das Internet hat AOL, Compuserve, das Mailboxsystem und BTX überlebt, weil es frei ist. Als F8 Anbieter bist Du eben genau dies nicht mehr und genau das meint Uninformation mit „Kultur“. Netzkultur hat nichts mit Schöngeistigem zu tun, sondern damit, dass man offene Standards schafft, diese nutzt und somit einen Mehrwert für die Allgemeinheit schafft. Facebook ist ein „walled garden“ und darin gedeiht nur das, was der Gärtner nicht als Unkraut ansieht.

  • Hey Robert,

    erst einmal ist F8 keine offene Plattform, sondern eine geschlossene. „Nix zahlen zum Mitmachen“ heisst nicht automatisch offene Plattform. Diese Kategorie hat primär nichts mit Geld zu tun.

    Und dann meint Kultur in dem Zusammenhang natürlich nicht Bilder und Musik, sondern die offene Kultur des Netzes, die z.B. so etwas feines wie Blogs 😉 überhaupt erst möglich gemacht hat.

  • „offen“ ist natürlich missverständlich, hätte auch sagen können API/FQL/FBML, die offen zugänglich sind. „Offen“ wird ja heutzutage nur noch mit OpenSource gleichgesetzt, was natürlich Nonsens ist.

    @Marnem, bitte:) Seit wann lehnt sich eine Firma an ein Partnerunternehmen so sehr an, dass es sich davon abhängig macht? Wenn man es tun muss, weil es ökonomisch klug erscheint, um zu wachsen, wird man mit der Zeit alles dransetzen, das Risiko zu minimieren (weniger Alphakunden, mehr Lieferanten, etcpp). Das ist doch nun wahrlich nix Neues, höchstens für einen ITler, der nie links und rechts schaut. Und gilt insofern für mich nicht als Argument, Fcaebook F8 eher abzulehnen, sondern mitzumachen, aber sich nicht darauf alleine zu verlassen auf die Dauer, versteht sich doch von selbst;) Das habe ich nie geschrieben vorher, weil es kristallklare Hühnebrühe ist.

    Der andere Punkt mit der freien Netzkultur: Du musst mir nochmals „frei“ definieren. Frag einen Facebook User, was für ihn Netzkultur innerhalb und außerhalb von Facebook bedeutet. er kann das tun, was ihm gefällt, was ihm nicht gefällt, nutzt er nicht. Er ist frei. Facebook wird und kann ihn nicht daran hindern. Zuckerberg ist smart und hats auch geblickt, dass er nicht umsonst davon spricht, dass er keine Community baut und grabbed, sondern der Community eine Plattform bietet. Das ist ein etwas anderer Denkansatz als der der herkömmlichen Communitygrabber.

  • Wenn man Anwendungen entwickelt, die auf Funktionen und APIs Anderer aufsetzen, auf die man keinen Einfluss hat, macht man sich von diesem Anderem in gewisser Weise abhängig.

    Solange wie es genug verschiedene „Andere“ gibt, ist das auch kein Problem. (ausser dem Mehraufwand für das wechseln der API).

    Sobald es aber einen gibt, der eine beherrschende Position bekommt (eine Art Monopol), kann dieser seine Position ausnutzen, wenn es keine Kontrollinstanz gibt.

    Und da Facebook die Web Weltherrschaft (genauer: „Facebook möchte nicht weniger als das »social operating system« des Webs sein!“) anstrebt, ohne sich selbst kontrollieren lassen zu wollen, kann man diesem Ansinnen durchaus sehr skeptisch gegenüber stehen.

    Eine API sie zu knechten, sie ewig zu binden… 🙂

  • Naja, als Datenkrake ist Google ja schon verdammt nah dran…

    Es gibt ja schon sehr viele Online-Unternehmen, die vom Wohl und Wehe von Google abhängen, und die ihren Laden schliessen könnten, wenn Google mal Schluckauf hat, und der Shop um 10-50 Plätze weiter hinten in den Ergebnissen landet …

    Ob Facebook das wirklich schafft ist eine andere Sache. Nichtsdestotrotz kann man sich über mögliche Konsequenzen ja schon Gedanken machen, bevor etwas in den Brunnen fällt.

  • Robert,

    Gegenfrage zu „Seit wann lehnt sich eine Firma an ein Partnerunternehmen so sehr an, dass es sich davon abhängig macht?“:

    Wie viele Firmen bauen denn bereits Webanwendungen auf Basis von Amazon S3?

    Gruß,
    Jochen

  • O’reilly hat das Thema im Rahmen der „SLA“-Artikel ziemlich gut besprochen. Solange Amazon keine Garantien gibt, würde ich einen Teufel tun. Oder „die anderen“ sind schlauer als wir denken und haben in der Tat mit Amazon als Alphakunden eigene Vereinbarungen getroffen.

  • @Robert
    Sicher, solange man wie iLike Facebook nur als neue Zugangsart zum bestehenden Angebot nutzt und dabei den eigenen Firmennamen immer schön präsent hält, besteht eine gute Chance, dass Nutzer auch im Falle eines Rauswurfs von F8 den Service weiter nutzen. In dem Falle wäre aber F8 für das Unternehmen „nur“ eine sehr praktische Werbeplattform, auf der aufwändige Widgets eingebunden werden. Falls das so ist, wundere ich mich, warum Du das Thema mit 12 Artikeln in 34 Tagen coverst…

    Momentan ist in F8 richtig Musik drin, da lässt sich gut Kohle verdienen, nur finde ich den Hype etwas übertrieben. Mittel bis langfristig wird die Plattform so überschwemt werden mit apps, dass sich der Aufwand und das Risiko nur für die wenigsten lohnen wird.

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