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Die Story von Vivendi: Manager und ihre Fehlentscheidungen

schöne Doku auf Arte, die ich mir gerade reinziehe: Edgar Bronfman Jr. und Jean-Marie Messier sind die Gründer eines der größten Medienkonzerne der Welt. Das Unternehmen musste 2002 mit über 23 Milliarden Euro einen Rekordverlust hinnehmen – der höchste Verlust, den ein französisches Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt zu verkraften hatte. Mit Hilfe von Archivmaterial und Berichten aus erster Hand beschreibt der Dokumentarfilm Aufstieg und Fall von Vivendi Universal.

Das Witzige: die schwerreiche US Familie Bronfmann kontrollierte damals die Firma Seagram (ehemals größte Spirituosenfirma der Welt) und besaß u.a. Anteile an Dupont (24%!), die ihnen damals rund 300 Mio USD Dividende sicherte, ohne einen Finger rühren zu müssen. Doch dem neuen, jungen Chef, Edgar (dritte Familiengeneration der Bronfmans), reichte das nicht. Er wollte Seagram in ein Medienunternehmen umbauen. Seagram sagte sich also von den DuPont-Anteilen los und erwarb für fast 6 Mrd USD MCA (woraus später die Universal Studios und die Universal Music Group wurde). Doch auch das reichte nicht. Man kam sich mit Vivendi näher, die unter der Fuchtel vom ehemaligen Managerstar Messier standen und der ebenso wie Edgar sein Heil in der Medienbranche sah (Vivendi war vormals ein stinknormales Wasserver- und enstorgungsunternehmen). Und nun das Verrückte: Vivendi „fusionierte“ mit Seagram für rund 34 Mrd USD und die Bronfmans wurden mit Aktienanteilen von Vivendi abgespeist:))))) Aber sie fanden das wohl cool, denn zu der Zeit war „Vizzavi“ (Internetportal von Vivendi) mit rund 20 Mrd USD an der Börse bewertet. Kein Wunder also, dass man gierig war. Zu gierig.

Ende vom Lied: Nach dem Abenteuer (New Economy Crash) war die Bronfman Familie 6 Mrd USD los. Die Augen gingen ihnen erst dann auf, als man sah, dass Vizzavi lediglich aus Businessplänen bestand, LOL:)) Wahnwitz, wie man so schnell so viel Geld verlor:) Vizzavi wurde btw später für 142 Mio Euro an Vodafone verscherbelt. Messier im hohen Bogen rausgeschmissen (20 Mio USD Abfindung, die er später zurückzahlen musste): Vivendi stand mit 12.3 Mrd Euro Nettoschulden am Rande der Pleite. Seagram existierte nicht mehr.

Und warum das? Weil zwei entscheidende Figuren, Edgar und Messier, jeweils 1994 das Ruder in ihren Firmen übernahmen und in rund 8 Jahren mit einer Reihe von Fehleinschätzungen gigantische Vermögenswerte verbrennen durften. Das aber erst, als man anno 2000 zusammenkam. Also nicht 8 Jahre, sondern eigentlich 2 Jahre und zig Milliarden Dollar. Wahnsinn:)) Heute betätigt sich Messier als Berater und Edgar fummelt bei der Warner Music Group herum.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

2 Kommentare

  • Heute betätigt sich Messier als Berater und Edgar fummelt bei der Warner Music Group herum.

    Was mal wieder beweist, dass man ziemlich viel Scheiß machen kann wenn man nur genügend Kontakte hat, denn dann kommt man doch wieder irgendwo unter und kann das Geld mit Händen rauswerfen.

  • „als man sah, dass Vizzavi lediglich aus Businessplänen bestand“
    Aha, man muss also seine Zahlen nur auf Milliarden trimmen, und dann geht das richtig gut ab.

    @Sonja: Herrn Bronfmann kann man halt zu Konferenzen schicken ohne dass man Gefahr läuft sich zu blamieren. Er weiß wie man Kaviar löffelt und Hummerscheren knackt. Und das macht schon Eindruck. 😉

    Übrigens hätte man das mit Messier ahnen können. Das steckt doch „mess“ schon im Namen. 🙂

    Und hier noch was vom Januar 2002: Vodafone-D2-Portal „Vizzavi“ startet in Deutschland.

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