Sonstiges

10 Jahre Blogs

Off The Record verweist auf einen Artikel im Wall Street Journal „Happy Blogiversary„, während sich Times Online mit Blog-Monetizing beschäftigt, „Blogging for dosh„.

Warum eigentlich 1997? Wikipedia: Der Begriff Weblog tauchte 1997 erstmals auf der Website von Jorn Barger auf, die Kurzform „Blog“ im Jahr 1999, dem Jahr, in dem allgemein der Boom dieser Art von Webseiten begann

Wobei das nicht ganz richtig ist, wie man in der englischsprachigen Wikipedia nachlesen kann: The term „weblog“ was coined by Jorn Barger on 17 December 1997. The short form, „blog,“ was coined by Peter Merholz, who jokingly broke the word weblog into the phrase we blog in the sidebar of his blog Peterme.com in April or May of 1999.[5][6][7] This was quickly adopted as both a noun and verb („to blog,“ meaning „to edit one’s weblog or to post to one’s weblog“).

Das Schicksal von Jorn Barger zeichnet einen traurigen Lebenslauf:

Previously a longtime resident of the Rogers Park neighborhood in Chicago, Barger was living in Socorro, New Mexico as of late 2003. Several bloggers initiated an outpouring of concern and speculation in December 2003 when Barger had not been seen online for some months. However, Barger had been known to take unexplained absences from the Internet before, and his departure turned out again to be temporary; Robot Wisdom returned in February 2005.

In a July 2005 Wired magazine item, writer Paul Boutin reported encountering a „homeless and broke“ Barger walking with a mutual friend in San Francisco, California. The article said that Barger, „living on less than a dollar a day“[1] had allowed his weblog’s domain registration to lapse, but that Boutin found Robot Wisdom back online a few weeks later. Boutin claimed in the story that upon subsequently meeting him at a pub, Barger told him that the previous time they had met he had been carrying a panhandling sign he had not shown him. Barger reportedly told him the sign had read, „Coined the term ‚weblog‘, never made a dime.“ Barger has since said that the Boutin article was mostly „fiction.“ For his part, Boutin published a clarification in his own weblog, saying the headline Wired had chosen might have misled readers into thinking Barger was „living on the street,“ rather than staying with friends.

Robot Wisdom went offline again in late January 2007. On 10 February, Barger placed a note on his „auxiliary“ free hosted weblog soliciting $10 (US) donations, payable to his web host, to help „save robotwisdom.com“. By 12 February, robotwisdom.com was online again.

As of April 2007, Barger is in El Dorado, Arkansas, and most days can be found hanging out at the Barton library

Update: natürlich gibt es kein fixes Datum, wann denn nun Weblogs geboren wurden. Manche bezeichnen Tim Berners-Lee als einen der ersten „Blogger“, da er bereits sehr früh schon angefangen habe, Webseiten zu kommentieren, die er auf seinen Surftouren entdeckt hatte. Wie auch immer, anbei zwei Blogartikel, die sich dieses Themas annehmen, wer denn nun der erste Blogger war, was ich für ziemlich müßig halte: a short history of blogging und Wall Street Journal Tries to Re-Write Blogging History

Und was ist mit den frühen Anfängen der deutschen Blogosphäre? Kann ich wenig zu sagen, da ich erst 2002/2003 als Blogger geboren wurde und mich zu Beginn recht wenig auf die deutschen Blogs fokussiert hatte, mehr international (ein Lotus Notes Fachblog war das hier mal). Wahrscheinlich wissen Blogger wie Jörg Kantel, Oliver Gassner und andere mehr zu berichten, wie und wann das damals hier anfing?

Jobs in der IT-Branche


Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

32 Kommentare

  • Ich recherchiere zur Zeit für eine Forschungsarbeit die mediale Berichterstattung über Weblogs von ihren Anfängen her. Einer der Kandidaten für den Ursprung ist ein Artikel in der SZ vom 23.1.1999, in dem Johanna Adorjan über das Ende von Rainald Goetz‘ Blog-Experiment „Abfall für Alle“ berichtet. Siehe auch hier: http://www.eigenarbeit.org/blog/

  • Also meine ältesten Einträge sind jezt bald sechs Jahre alt, aber damals wusst ich noch nicht dass das eigentlich ein Blog ist. Und die selbstgeschriebene Software war auch sehr unterentwickelt.

  • Mein ältester, online noch einsehbarer Eintrag, ist vom 12.9.2003. Damals™ noch bei Freenet und unter der Bezeichnung „log“ (bzw. Log-Buch). Freenet bietet, soweit ich es beurteilen kann, seit Januar 2002 den Dienst der Logbücher (bei Freenet bis zum heutigen Tage als „Tagebuch“ bezeichnet) an. Somit dürfte Freenet einer der ältesten Bloghoster in D sein.

    Die Blogger die am längsten bloggen und in meinem Feedreader auftauchen, wären zum einen Holger Struck (alias Bananajoe) mit dem Bananablog (30.12.2001) (unter anderem bekannt durch Blogread). Und zum anderen Carola Heine (alias Melody) die seit 1996 Irgendwasmitinternet macht. Ihr Archiv reicht zurück bis zum 29.7.1996.

    Bleibt noch die Frage zu klären, wann die erste Uni den Studiengang „Internetarchäologie“ anbietet 😉

  • Du wirst lachen, aber ich glaube ehrlich dran, dass es eines Tages so ein Exotenfach geben wird. Wohl eher im Bereich Geschichte, Wirtschaftsgeschichte und IT angesiedelt. Aber auch die gesamten Sozialwissenschaften werden das Netz immer stärker beackern.

  • melody war bis 2001 onlinetagebüchlerin. mein erstes blog gab es seit januar 2000 und vor mir waren mit sicherheit schon ein dutzend andere da.

  • Der Grund warum man Archäologie zur Wissenschaft erhob war ja der, das man dachte man müsse wissen wo man her kommt um voraus zu sagen wo man hin geht.

    Allerdings zweifele ich daran das es einen realen Nutzen hat zu wissen was früher war, da man anhand dieses Wissens kaum Rückschlüsse auf die Zukunft ziehen kann. Immerhin wurde Email&Co unabhängig von dem Wissen erfunden wann der erste Brief geschrieben wurde oder die erste Briefmarke Verwendung fand.
    Selbst das Wissen um die jüngere Geschichte, z.B. die des Dritten Reiches, ist mittlerweile derart löchrig und voller Irrtümer und Mythen das man sich eher Sorgen machen sollte.

    Ich denke also nicht das die Vergangenheit die Zukunft signifikant beeinflusst. In gewissen Grade vielleicht, aber nicht grundsätzlich.
    Archäologie (im weitesten Sinne auch Geschichtskunde) ist somit zwar recht interessant, jedoch ohne jegliche Anwendungsmöglichkeit.

    Gelacht habe ich trotzdem nicht. Denn Wissen lies sich schon immer irgendwie gewinnbringend verkaufen. Es gab zu jeder Zeit irgendwelche „Berater“ die meinten sie könnten anhand ihres Wissens über die Vergangenheit voraussagen wie etwas in der Zukunft aussehen wird. Warum sollte es also in 10 oder 20 Jahren nicht irgendwelche Berater geben die damit Werbung machen, dass sie die Internetgeschichte erforscht haben?
    Don Alphonso ist in meinen Augen bereits solch ein Mensch. Jemand der keine Gelegenheit auslässt um zu erwähnen das er damals™ schon dabei war und gerade deswegen ganz genau weiß wie es morgen aussehen wird. Ein Sehender quasi. Allerdings ein Sehender der ständig zurück blickt.
    Anfangs war es manchmal noch ganz interessant Dons Rückblicke und die daraus abgeleiteten Vorhersagen zu lesen. Mittlerweile merkt man aber das seine Aussagen eher zufällig zutreffen. Er täuscht sich genauso oft wie er zufälligerweise recht hat. Und je öfter er darauf hinweist das er ja bereits zur Ära der großen Dotcomblase dabei war, desto mehr erinnert er mich an Grandpa von den Simpsons („Damals als wir noch jeder eine Zwiebel am Gürtel trugen. Nur das man damals den Gürtel nicht Gürtel nannte, sondern blablubb…).

    Ich finde es etwas erschreckend das man heutzutage recht genau nachverfolgen kann wer wann welchen Begriff geprägt hat. Erschreckend deswegen, weil sich dadurch ein riesiger Berg an Wissen anhäuft, den kaum jemand noch zu überschauen vermag. Aber nützt dieser Berg an Wissen irgendwem etwas? Nütz es irgendetwas zu wissen seit wann es den Begriff „Weblog“ gibt?
    Es ist ganz interessant so etwas zu wissen, jedoch als Wissenschaft, von der ich mir einen gewissen Nutzen erhoffe, finde ich das dann doch sehr übertrieben.
    Ich denke solches Wissen ist so, als wenn man den Kopf in den Sand steckt und jedes Sandkorn einzeln beim Vornamen benennen kann. Jedoch unfähig ist zu sagen ob man sich gerade in der Wüste Gobi oder am Timmendorfer Strand befindet.

  • @Ralf: manche Entwicklungen und Denkweisen lassen sich tatsächlich besser verstehen, wenn man versucht, ihnen archäologisch (oder vielleicht besser: genealogisch) nachzuspüren. Zum Beispiel die in den alten Medien immer wieder vorkommende Gleichsetzung von Weblog und „Seelenstriptease“. Das kann man verstehen, wenn man sieht, über welche Weblogs zum Beispiel Zeitungen in der Vergangenheit berichtet haben und über welche nicht. Übrigens lassen sich auch Denkfiguren wie „Ich denke also nicht das die Vergangenheit die Zukunft signifikant beeinflusst“ sehr schön historisieren 😉

  • Also das erste deutschsprachige Blog, das ich regelmäßig wahrgenommen hab, ist der Schockwellenreiter. Obwohl ich mir langsam schon denke, dass ein dezentes grafisches Update der ehemals recht zeitgeistigen Seite gar nicht sooo schlecht täte.

  • Blogistan Panoptikum Woche 28 2k7…

    Ein neuer Server steht an, dafür fällt der Wochenrückblick vergleichsweise kurz aus. Aber bei dieser Affenhitze kann man sich ja nicht mal ernsthaft über die aktuelle Sponsored-Theme Links Debatte aufregen…
    ……

  • Wer sich mit den Wurzeln des Bloggens beschäftigt, sollte sich mal Dave Winer und seine Aktivitäten näher anschauen. Ich bin etwa 2000 auf seine aus heutiger Sicht etwas eigenwillige Blog-Software „Radio Userland“ aufmerksam geworden – ein Client-Tool mit Upload-Funktionen. Winer hat einige Standards wie RSS und XML-RPC (mit)entwickelt oder beeinflusst und bloggt angeblich seit 1997. Näheres hier bei Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Dave_Winer

  • Melody gehört sicherlich zu den deutschen Bloggerinnen der ersten Stunde. Ich habe die ersten Schritte ins Blogger- bzw. Online-Tagebuchleben im März 1999 gemacht und damals viele Kontakte in die Szene gehabt. Auch wenn wir damals noch nicht vom Bloggen gesprochen haben, war es das faktisch schon.

  • @15:
    Wer war 1999 die „Blogger-Szene“? Der Wellenreiter-Tagebuchwebring?

    Ich kann mich nur entsinnen, dass wir alten Hasen Ihr erstes Blog bei 20six ziemlich belächelt haben. Das war allerdings erst ab März 2003.

  • @15: Wann war denn der Entzug aus „der Szene“? Und war es schwer? Hat es weh getan? 😀

    @Klaus Eck & kris:
    Nun gut. Jetzt wissen wir ab wann die ersten in Deutschland einen Computer mit Internetzugang hatten und diesen dann mehr oder minder regelmäßig benutzten.
    Bleibt die Frage ab wann man in Deutschland vom „Bloggen“ bzw. „Weblog/Blog“ sprach. Und dies dann auch in einem solchen Kontext als das man es als generischen Begriff sehen kann.

    Ansonsten trumphe ich gleich mit meinen Amiga-Files aus den frühen 90er Jahren (so ca. 1990/91) auf. Damals hatte ich regelmäßig Notizen geschrieben und gespeichert. Diese konnte ich aber nicht im Internet veröffentlichen, da mir zu dem Zeitpunkt sowohl das Modem fehlte als auch das Internet in Deutschland noch nicht wirklich als solches vorhanden war. Ich nannte es damals zwar noch nicht Blogging, das war es zweifelsohne aber faktisch schon.

  • Natürlich hatte ich nie ein Blog bei 220six, außer einem Test-Account für einen Artikel über Blog-Systeme.

    Es gab allerdings mehrere Male Fake-Blogs unter meinem Namen, auch bei livejournal.com zum Beispiel. Meine erste Domain mietete ich ab ca. Dez 1996, wenn ich mich richtig erinnere, und es gab für mich nie Veranlassung, auf externe Hoster auszuweichen, wenn ich nicht gerade zusätzlich spielte oder testete.

  • Ah, OK. Whatever 🙂

    Robert: Für mich begann die Blog-Ära ab Permalinks. Sobald man einzelne Beiträge direkt verlinken konnte, beschleunigte und intensivierte sich alles, was an Feedback kam.

  • […] nein, um Gottes Willen, das wird jetzt kein Geschichtsband hier:) Lediglich eine Erweiterung des Artikels “10 Jahre Blogs“. Dort hatte ich gefragt, wann sich denn die deutsche Blogosphäre ungefähr kristallisiert hat. Btw, das hat nun nix damit zu tun, wer denn im Sinne eines Wettbewerbs hier der erste Blogger war. Mich persönlich interessiert mehr, wie sich die Szene formiert hat und wann sich die Websurfer selbst Blogger genannt haben. Dabei tauchen nun immer mehr Infos auf. […]

  • Ich habe seit Ende 2001 ein Blog und hab das auch damals schon so genannt, weil in Computerzeitschriften immer häufiger die Rede davon war.

    Im März 2002 gab es bereits den Weblogcheckup von Patrick. Spätestens da hieß das auch so. Allerdings glaube ich nicht, daß das bis heute zu allen Tagebuchschreiberinnen vorgedrungen ist. So wichtig?

  • […] Die Entwicklung der Blogosphäre finde ich ja sehr interessant. Aktuell findet man dazu zwei lesenswerte Artikel bei Robert über die allgemeine Geschichte des Mediums, außerdem – nicht minder interessant – die Hintergründe über das Ende eines sehr beliebten Blogs, nämlich von Sebas’ wunderbarer Welt. (Bitte alle auf den URL achten und mal kräftig lachen!) […]

  • Aber ich denke, dass Blogs am am Anfang dieses Jahrtausends noch nicht so eine popularität genossen wie heute. Das ging erst so 2003-2004 los.

Kommentieren