46.000.000.000: die Medien pennen?

Robert Basic

so viele Euros sollen es 2006 laut BITKOM gewesen sein, die E-Commerce Anbieter im B-2-C Bereich in D umgesetzt haben. Bücher, Reisen, Klamotten, Musik, Filme, Tickets, etc etc etc. Im B2B sollen gar fast 400 Mrd Euro gewesen sein.

ecommerce umsatz 2006
(klick = größeres Picture)

Was mir nicht bekannt ist, wie hoch der Umsatzanteil deutscher E-Commerce Betreiber im B2C und B2B Bereich war. Weiß das jemand zufällig?

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Was kommt noch hinzu? Unterschiedliche Schätzungen besagen, dass rund 1 Mrd an Werbegeldern ins deutsche Netz fließen wird, das fast schon als Peanuts gegenüber den Onlinehandelsumsätzen zu bezeichnen ist.

Vergleichen wir doch mal die Umsatzdaten mit denen der Automobilindustrie, auch wenn man Branchen mit Vertriebswegen nicht verwechseln darf, VDA Bericht 2007:

Die deutschen Hersteller von Personenkraftwagen und Nutzfahrzeugen erzielten 2006 einen Gesamtumsatz im In- und Ausland von über 171 Mrd. Euro (+8 Prozent). .. Der Inlandsumsatz konnte um 5 Prozent auf 54 Mrd. Euro verbessert werden. Der Anteil des Auslandsumsatzes am gesamten Umsatz ist damit deutlich gewachsen. 2006 erwirtschafteten die deutschen Hersteller mehr als zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland. .. Die deutsche Zulieferindustrie blieb 2006 weiter auf Erfolgskurs. Insbesondere dank ihres deutlich gewachsenen Auslandsgeschäfts und des anhaltenden Trends zu besser ausgestatteten und höherwertigen Fahrzeugen weiteten sie ihren Umsatz um 6 Prozent auf über 72 Mrd. Euro aus. Zwar bauen die Zulieferer auch in Asien und Osteuropa neue Fertigungsstätten auf – sei es, um vor Ort präsent zu sein, sei es aus Kostenüberlegungen -, trotzdem steigerten die deutschen Hersteller ihren Auslandsumsatz (+9 Prozent auf knapp 32 Mrd. Euro) drei Mal so stark wie ihren Inlandsumsatz (+3 Prozent auf 40,5 Mrd. Euro).

Also: die deutsche Automobilindustrie kommt auf einen Gesamtumsatz iHv rund 100 Mrd Euro. Das ist gerade mal das Doppelte von dem, was im deutschen B2C eCommerce umgesetzt wird. Und man kann wohl davon ausgehen, dass die Automobilindustrie nicht mal annähernd 10% via eCommerce umsetzt, da PKWs nach wie vor zum größten Teil nicht per Internet gekauft werden. Und wenn man jetzt in der Lage wäre, die Zahl der Arbeitsplätze zu vergleichen, die jeweils von Automobilen oder eCommerce Aktivitäten abhängen, dürfte es wohl einen Gleichstand geben.

Dieser zugegeben etwas schräge Größenvergleich verdeutlicht aber, wie wenig die Bedeutung des Internets in der deutschen Printpresse, im Radio und im Fernsehen widergespiegelt wird. Ich verwette meinen Hintern, dass der Berichtsanteil der Automobilindustrie mehr als doppelt so groß ist. So wichtig die New Economy Zeit auch war, dem eCommerce zum Durchbruch zu helfen (was offensichtlich viele vergessen, weil sie lediglich auf die blöde Börse bzw. den Crash von damals schauen), so lange scheint es noch in vielen Köpen nachzuhallen, dass das Netz nicht so berichtenswert ist. Das wiederum gereicht lokalen Anbietern gegenüber der mächtigen Auslandskonkurrenz wie eBay, Amazon und Google oftmals zum Nachteil. Die ihe Power natürlich auch medial besser zur Entfaltung bringen. Es ist eben sexier über eBay zu berichten, als über einen lokalen Konkurrenten. Doch es geht ja nicht nur um die etablierten eCommerce Anbieter mit Webshop Charakter. Es geht um die zahlreichen neuen Anbieter wie Dealjäger, Smava, Edeligt, Dawanda, StudiVZ, Joinr, Qype, Sevenload, YouMix, und und und. Wo ist Eure Medienlobby? Es reicht eben nicht, wenn man eine PR Agentur beauftragt. Was könnt Ihr zusammen machen und erreichen? Fällt den niemandem auf, dass Anbieter wie eBay, Google und Amazon des Deutschen liebste Kinder sind und eBay wie auch Google quasi Monopolisten in D sind? Diese Liebe zur Größe ist ja fast schon systemisch zu nennen und damit auch defintiv ein Faktor, um den ich mir Sorgen machen würde. Weitaus mehr als in anderen Ländern.

Wenn Deutschland als eine der führenden Wirtschaftsnationen nicht ins Hintertreffen geraten will, muss es auch einen medialen Push geben, der die Bedeutung dieses -nennen wir es mal- Virtual Spaces unterstreicht. Letztlich geht es hierbei um die Frage, ob Deutschland im Netz zum Importeur wird, lieber wäre es mir, wenn man auch hier von einer postiven Exportbilanz reden könnte.

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Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.