Sonstiges

46.000.000.000: die Medien pennen?

so viele Euros sollen es 2006 laut BITKOM gewesen sein, die E-Commerce Anbieter im B-2-C Bereich in D umgesetzt haben. Bücher, Reisen, Klamotten, Musik, Filme, Tickets, etc etc etc. Im B2B sollen gar fast 400 Mrd Euro gewesen sein.

ecommerce umsatz 2006
(klick = größeres Picture)

Was mir nicht bekannt ist, wie hoch der Umsatzanteil deutscher E-Commerce Betreiber im B2C und B2B Bereich war. Weiß das jemand zufällig?

Was kommt noch hinzu? Unterschiedliche Schätzungen besagen, dass rund 1 Mrd an Werbegeldern ins deutsche Netz fließen wird, das fast schon als Peanuts gegenüber den Onlinehandelsumsätzen zu bezeichnen ist.

Vergleichen wir doch mal die Umsatzdaten mit denen der Automobilindustrie, auch wenn man Branchen mit Vertriebswegen nicht verwechseln darf, VDA Bericht 2007:

Die deutschen Hersteller von Personenkraftwagen und Nutzfahrzeugen erzielten 2006 einen Gesamtumsatz im In- und Ausland von über 171 Mrd. Euro (+8 Prozent). .. Der Inlandsumsatz konnte um 5 Prozent auf 54 Mrd. Euro verbessert werden. Der Anteil des Auslandsumsatzes am gesamten Umsatz ist damit deutlich gewachsen. 2006 erwirtschafteten die deutschen Hersteller mehr als zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland. .. Die deutsche Zulieferindustrie blieb 2006 weiter auf Erfolgskurs. Insbesondere dank ihres deutlich gewachsenen Auslandsgeschäfts und des anhaltenden Trends zu besser ausgestatteten und höherwertigen Fahrzeugen weiteten sie ihren Umsatz um 6 Prozent auf über 72 Mrd. Euro aus. Zwar bauen die Zulieferer auch in Asien und Osteuropa neue Fertigungsstätten auf – sei es, um vor Ort präsent zu sein, sei es aus Kostenüberlegungen -, trotzdem steigerten die deutschen Hersteller ihren Auslandsumsatz (+9 Prozent auf knapp 32 Mrd. Euro) drei Mal so stark wie ihren Inlandsumsatz (+3 Prozent auf 40,5 Mrd. Euro).

Also: die deutsche Automobilindustrie kommt auf einen Gesamtumsatz iHv rund 100 Mrd Euro. Das ist gerade mal das Doppelte von dem, was im deutschen B2C eCommerce umgesetzt wird. Und man kann wohl davon ausgehen, dass die Automobilindustrie nicht mal annähernd 10% via eCommerce umsetzt, da PKWs nach wie vor zum größten Teil nicht per Internet gekauft werden. Und wenn man jetzt in der Lage wäre, die Zahl der Arbeitsplätze zu vergleichen, die jeweils von Automobilen oder eCommerce Aktivitäten abhängen, dürfte es wohl einen Gleichstand geben.

Dieser zugegeben etwas schräge Größenvergleich verdeutlicht aber, wie wenig die Bedeutung des Internets in der deutschen Printpresse, im Radio und im Fernsehen widergespiegelt wird. Ich verwette meinen Hintern, dass der Berichtsanteil der Automobilindustrie mehr als doppelt so groß ist. So wichtig die New Economy Zeit auch war, dem eCommerce zum Durchbruch zu helfen (was offensichtlich viele vergessen, weil sie lediglich auf die blöde Börse bzw. den Crash von damals schauen), so lange scheint es noch in vielen Köpen nachzuhallen, dass das Netz nicht so berichtenswert ist. Das wiederum gereicht lokalen Anbietern gegenüber der mächtigen Auslandskonkurrenz wie eBay, Amazon und Google oftmals zum Nachteil. Die ihe Power natürlich auch medial besser zur Entfaltung bringen. Es ist eben sexier über eBay zu berichten, als über einen lokalen Konkurrenten. Doch es geht ja nicht nur um die etablierten eCommerce Anbieter mit Webshop Charakter. Es geht um die zahlreichen neuen Anbieter wie Dealjäger, Smava, Edeligt, Dawanda, StudiVZ, Joinr, Qype, Sevenload, YouMix, und und und. Wo ist Eure Medienlobby? Es reicht eben nicht, wenn man eine PR Agentur beauftragt. Was könnt Ihr zusammen machen und erreichen? Fällt den niemandem auf, dass Anbieter wie eBay, Google und Amazon des Deutschen liebste Kinder sind und eBay wie auch Google quasi Monopolisten in D sind? Diese Liebe zur Größe ist ja fast schon systemisch zu nennen und damit auch defintiv ein Faktor, um den ich mir Sorgen machen würde. Weitaus mehr als in anderen Ländern.

Wenn Deutschland als eine der führenden Wirtschaftsnationen nicht ins Hintertreffen geraten will, muss es auch einen medialen Push geben, der die Bedeutung dieses -nennen wir es mal- Virtual Spaces unterstreicht. Letztlich geht es hierbei um die Frage, ob Deutschland im Netz zum Importeur wird, lieber wäre es mir, wenn man auch hier von einer postiven Exportbilanz reden könnte.

via Handelskraft


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

13 Kommentare

  • Ich kann nur zu Büchern und dem Versandhandel etwas sagen. Bei Büchern gehen ca. 10% über das Internet zum Kunden. Meine Einschätzung ist, dass hier ein Potential bis 25% ist. Bildbände, Schulbücher, Taschenbücher sind und bleiben die Domäne des Einzelhandels vor Ort.

    Im Versandhandel zeigt Otto sehr schön den Trend. Die Kunden bestellen lieber online, als per Katalog oder gar Otto-Center. Die Bestellcenter verschwinden daher immer mehr.

    Wer einmal online gekauft hat, kauft wieder und
    wieder und wieder…

    Eigentlich ist egal, ob die Zahl stimmt. Der Trend ist entscheidend.

  • Es ist natürlich auch die Frage, wie die B2C- und B2B-Umsätze berechnet werden.

    Schon vor 6, 7 Jahren war es üblich, daß sich Interessierte vor einem Autokauf via Internet über Angebote informierten – besehen, getestet, gekauft wurde im *real life*. Sind das jetzt Internet-Umsätze ?

    Bei B2B wird zudem häufig nicht der Verkauf, sondern „nur“ die (Nach-)Bestellung via Internet abgewickelt. 😉

    Statt des Umsatzes von Branchen sollte man lieber den Anzeigenverlust von printmedien berechnen, die im Bereich Auto/Immobilien drastisch verloren haben.

  • Also die 46 Mrd € sind bei 82 Mio Einwohnern rund 561€ Umsatz pro Einwohner in D.

    Der Konsum in D dürfte bei ca. 30.000€ pro Einwohner liegen. Also laufen in D ca. 1,8% der Umsätze von Konsumenten über das Netz.

    Hab ich mich da verrechnet oder ist das wirklich sowenig.

  • „Bildbände, Schulbücher, Taschenbücher sind und bleiben die Domäne des Einzelhandels vor Ort.“

    Kann ich für mich nicht bestätigen. Wenn ich mal wieder in einem Buchladen stehe und ein interessant scheinendes Werk in der Hand halte, stelle ich mir drei Fragen:

    – Was haben andere Leser zu diesem Buch gesagt?
    – Gibt es andere Bücher dieses Autoren/aus diesem Verlag/zu diesem Thema, die gelungener/besser/lesenswerter sind?
    – Gibt es jemanden, der es mir günstig gebraucht verkaufen kann?

    Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt ein Buch in einem Laden gekauft habe…

    Bei allen Waren, die bei jedem Händler gleich sind und deren Eckdaten ich kenne, wird es ähnlich gehen.

    Es wird sicher noch ein paar Jahre dauern, bis das breite Bevölkerungsschichten erreicht, aber 25 Prozent halte ich persönlich für eher pessimistisch.

  • nö:) Link?

    @Sascha, 30.000 Euro Konsumausgaben sind bisserl viel, bedenke, dass das durchschn. [!!] Bruttoeinkommen in D bei rund 3.500 Euro liegt, das durchschn. Nettoeinkommen irgendwo um die 2.500 Euro. Die Konsumquote beträgt in D um die 80%, heißt, dass rund 2.000 Euro pro Monat für den Konsum aufgebraucht werden, wovon alleine um die 30-40 Prozentpunkte für Miete und rund 10-20% für weitere Grundbedürfnisse wie Nahrung und Klamotten verbraucht werden. Bleiben also irgendwo um die 50% für weitere Dinge, wozu auch Verkehr, KFZ Steuer, Versicherungsprämien zählen. Dann kommen noch Energiekosten hinzu, Warmwasserscheiße. Nebenkosten eben der Mietwohnung. Schwer zu schätzen, aber es sind dann noch rund 20%-40% für „Spaß“ (was Urlaub, die DVD, aber auch die Autoreparatur etc sein kann).

    Statistisch ist es also korrekt, dass man von rund 24.000 Euro an Konsumausgaben ausgehen kann, bei Weitem geht das aber nicht für Dinge drauf, über die wir gerne frei verfügen würden. Ach ja, und rund 10% wird gespart (Sparquote). Insofern sind 46 Mrd Euro an Handelsumsätzen immens hoch. Es sind also nicht um die 1-2% ich kann aber zugleich nicht sagen, ob 10% an Konsumausgaben übers Netz abgewickelt wird, oder viel mehr oder viel weniger. Wie gesagt, das alles im Durchschnitt, teilt man das in einzelne Haushaltstypen auf, sieht es leider nicht mehr so ganz rosig einfach aus.

    „Während „junge“ Haushalte ihren Konsum stärker auf Mobilität und Kommunikation ausrichten, erlangen mit zunehmendem Alter die Ausgaben für Wohnen und Gesundheit überdurchschnittliches Gewicht. So gaben die Haushalte der 80-Jährigen und Älteren fast jeden zweiten „Konsum-Euro“ für diese Zwecke aus, während es bei den unter 25-Jährigen nur jeder dritte Euro der Konsumbudgets war. Dafür verwandten die „Jungen“ 22% ihrer Konsumausgaben für Verkehr und Kommunikation, während es bei den ganz „Alten“ nur 8% waren.“

    so heißt es auch:
    „im Zeitraum 1998 bis 2003 haben sich zum Teil erhebliche Verschiebungen in der Struktur der Konsumausgaben der Privathaushalte ergeben. So stieg etwa der Anteil der Verkehrsausgaben von 13,7% auf 14,4% der Konsumbudgets und löste die Ausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren (14,0%) als zweitgrößte Ausgabenposition hinter den Aufwendungen für Wohnen (32,5%) ab. Hinter der rund 10%igen Zunahme der Verkehrsausgaben seit 1998 stand vor allem die starke Verteuerung von Kraftstoffen infolge steigender Rohölpreise und der Ökosteuerreform.“

    Siehe hierzu bitte:
    Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte im ersten Halbjahr 2003 (statistisches Bundesamt)
    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2004/Einkommens__und__Verbrauchstichprobe/Statement__Hahlen,templateId=renderPrint.psml

    der ganze Spaß:
    https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1017460

    und
    http://www.bpb.de/wissen/I500U6,0,Monatliches_Haushaltseinkommen_pro_Kopf_nach_Haushaltstyp.html
    was ein ziemlich realistisches Bild zeichnet

  • Was soll da besprochen in allgemeinen werden?
    Für diejenigen, die ihr Zeugs übers Internet verchecken soll das nur funktionieren. Der Rest sind Experten-Diskurse, die Leute, die da nicht zufällig drin arbeiten, nicht interessiert.

    Für mich haben neue Frameworks für object-relational mappings starke emotionale Attribute, aber für die meisten anderen eben nicht.
    Selbst sowas Endanwender-nahes wie die tollen neuen Sachen rund um Adobe Air kannst du schwer an ein nicht-sowieso-schon-Freak Publikum vermitteln.

    Vielleicht schon eher neue Entwicklungen im betrieblichen Organisationswesen oder der Wirtschaftspsychologie/soziologie. Hab mal gehört, dass dies in den U.S. of A. viel breiter rezepiert wird. Das würde ich mir wünschen.
    Ein öffentlicher Diskurs über Scrum/Agile oder neuere Entwicklungen im Projekt-Management wäre vielleicht für einen weiteren Kreis spannend, weil das unsere Arbeitswelt irgendwie stärker prägt als viele denken.

    Das Problem an der Rolle der Medien in der new economy war ja, dass die überhaupt nicht die Ausbildung hatten, um kompetent darüber zu berichten. Das endet dann in verlogene Personality Stories über Leute, die a)Glück hatten in einem schnellen Lamborghini zu sitzen und b) 4 Kurven weiter dann gegen einen Baum gefahren sind. Der einzige vernünftige Grund sowas zurück zu wünschen wäre Sympathie mit Boo-Company (mehr Material).

    Und massenkompatiblere Technik-Journalisten wie vowe oder Sommergut les ich nur, wenn ich mich aufregen will, weil eben die emotionale Komponente, die da immer mitschwingt irgendwie auch den Blick trübt.

  • Die Zahl 30.000 war auch mehr ein Schuss ins Blaue, bin halt von der Verwendungsseite des BIP pro Kopf an die Sache gegangen. Die Sparquote lag im letzten Jahr so bei 10,5% (http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/Sparquote-BIP.htm) beim BIP hatte ich eine Zahl von 33.800 irgendwie im Kopf.

    Vom Nettolohn auzugehen halte ich aber für falsch. Sozialabgaben auf der einen Seite stehen nach der Umverteilung ja in erster Linie auch für den Konsum zur Verfügung. Rentner, Arbeitslose, Studenten (Beamte :-)) -also die Empfänger staatlicher Alimentationsleistungen- müssen ja auch leben.

    Der Anteil der Internetumsätze am dispositven Einkommen ist natürlich größer.

    Ich fand die Zahl 1,8% des Ausgabenbudgets nur im Vergleich zum Zeitbudget welches für das Internet verwendet wird na sagen wir mal erstaunlich.

    In dem Zusammenhang stell ich mir auch grad die Frage was ich hier grad (Volkswirtschaftlich gesehen) mache. Komsumiere ich (deinen Blog) oder produziere ich.

    Meine Freundin sagt grad „Philosophieren“ 🙂

  • >Letztlich geht es hierbei um die Frage, ob
    >Deutschland im Netz zum Importeur wird, lieber
    >wäre es mir, wenn man auch hier von einer
    >postiven Exportbilanz reden könnte.

    Hier hätte man nach der Antwort suchen können:
    http://9to5.wirnennenesarbeit.de/

    Glaubt ihr, der Erfolg von amerikanischen Internetprojekten ist nicht das Ergebnis von Politik?

    Ach so, wir drehen uns ja im kleinen Kreis. Irgendwo klingelt ein Handy. Privilegien sind so ermüdent.

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