Sonstiges

Social Networks: crossed the chasm

Okaaay, die comscore-Auswertung spricht eine eindeutige Sprache. Das heißt nun für mich, dass sich angesichts der Nutzungsdaten das Thema Social Networking erledigt hat. Erledigt hat? Na ja, es ist nicht mehr ein Ding der frühen Nutzer (early adaptors), sondern offensichtlich im Massenmarkt angekommen (siehe crossing the chasm). War ein sehr langer und weiter Weg seit 2002 mit Friendster, der Mother of all Social Networks. Warum war Friendster so wichtig?

Friendster: der Urknall des Common Sense von Social Networks
Friendster hat sämtliche Social Networks von dem Funktionsset her geprägt, es diente als die Schablone, wie ein SN auszusehen hat. Ohne, dass man zu Beginn unmittelbar Friendster den Namen Social Networking verpasst hätte. Dieser Begriff ist schon sehr viel älter als Friendster, ebenso die Idee des Six Degree Ansatzes. Friendster hat sozusagen die beiden Ansätze in eine usergerechte Form gepresst, die umgehend zunächst in den USA mächtig Anklang fand anno 2003-2004. Und die Vorlage schlechthin wurde, auch für Facebook und MySpace ebenso wie Xing und viele andere Monsterseiten. Ab 2004 kam die Wachablösung durch MySpace, das nun vollends SNs in den USA etablierte. Durch die vehemente Zunahme zahlreicher CopyCats in den USA wie auch international wurde aber auch zugleich eine Art von gefühlter Standardisierung geschaffen, die so immens wichtig ist, was die breite Akzeptanz angeht. Im kaufmännischen Sinne würde man althergebracht davon spechen, dass man gemeinsam einen eigenen Markt schafft, obwohl jede Unternehmung für sich alleine agiert. Mail, Foren, Chat, Usenet… alle beinhalten für sich jeweils die gleichen Kernfeatures und sie werden unter einem jeweils etablierten Namen subsummiert, dessen Bedeutung common sense ist = allgemein verständlich im Kulturgebrauch einer Gesellschaft. Ohne common sense keine Verbreitung!!! Und es spielt dabei imho keine Rolle zunächst, dass zu Beginn einer frühen Etablierung einer wie auch immer gearteten Lösung der User nicht weiß, dass er sich auf einem Social Network bewegt! Kein einziges Social Network, das mir bekannt ist, hat jemals damit geworben, ein Social Network zu sein! Es hieß nie „kaufen sie ein Auto“, sondern immer nur „kaufen sie einen BMW“. Erstaunlich, oder? Klassischerweise geht man davon aus, dass man dem Kunden ein Produkt erklären muss, bevor er sich für die Marke interessiert. Diese Vorgehensweise scheint im Netz der vernetzten User keine große Rolle beim crossing the chasm zu spielen?! Man weiß also nicht, dass ein SN ein SN ist, dennoch nutzt man es? Wo ist dann der Common Sense, der so wichtig ist für einen Massenmarkt? Ohne einen gemeinsamen Begriff setzt sich etwas durch? Natürlich, es liegt ja nicht am Begriff, sonden an der sichtbaren Nutzung bzw. den Features, die man wiedererkennt, die den User so anziehen. Er muss nicht wissen, dass die Maschine, an deren Hebeln er rumfummelt, SN heißt. Er erkennt lediglich die Hebelanordnung wieder. Das ist Common Sense! Ich brauche keine Sprache, um den anderen Menschen zu zeigen, dass Feuer Feuer ist, nur wie es gemacht ist und wozu es dient:) Und es kann auch sein, dass die Rolle der early adaptoren ungemein wichtig dabei ist, dass eine Lösung überhaupt die Chance bekommt, die den anderen zeigen, wie man Feuer macht.

Social Networking Geschichte in D
Speziell auf Deutschland bezogen, hat es also rund 5 Jahre gedauert, dass diese Anwendungsklasse nun „angekommen“ ist. Eigentlich sogar eher weniger, da Xing erst 2004 so langsam ins Gespräch kam, bei einer etwas zunehmenderen Masse an Usern. Lange Zeit gab es nix links und rechts, viele andere Social Networking Anlaufversuche im privaten Sektor waren komplett gescheitert. Und dann kam StudiVZ anno 2006, die die ganz große Glocke läuteten, die zudem den deutschen Startupmarkt einen entscheidenden Impuls gaben. Auch das darf man nicht verkennen, völkische Beobachter hin, PRobleme her. Was ich nicht weiß: welche Rolle spielten die Lokalisten? Für mich aber insgesamt ein erstaunlich kurzer Zeitraum, rechne ich persönlich angesichts dem Beharrungsvermögen der sturen german users eher mit 5-10 Jahren.

Where is the Money?
Ach ja, das Monetizing? Wie finanzieren sich all die Social Networks? Keine Ahnung, das ist mir eigentlich völlig egal, denn das ist nun reines Marktgeschehen. Ich finde frühe Märkte spannend, keine reifen oder überreifen. Darum gehts mir auch nicht im Kern bei einem frühen Markt, was nun mit der Kohle ist, immer nur darum, was den User interessiert, was ihn bewegt, wie lange was dauert und wo die Reise weiter hingeht. Wer das versteht zu lesen, wird immer vorne mitschwimmen. Monetarisierung von Trends ist dann nicht mehr das Problem, wenn man rechtzeitig die Hand am richtigen Trigger mit dem richtigen Toolset hat (siehe StudiVZ: funktional gesehen eine armseelige Plattform, aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort, guter Schuss Marketing, prima Zielgruppe, roger). Dafür gibt es die Melker, die sogenannten „Manager“, weniger die Pioniere. Aber, viele der jetzigen und kommenden SNs werden es nicht schaffen, andere werden überleben, nur ganz wenige SNs werden fett und zugleich lahm. Dafür ist die Zuwachs der SNs in D viel zu hoch, um jedem einen Platz am Tisch No.1 zu bieten. Bis was Neues kommt, das kann aber dauern. Momentan kann man von einer Fragmentierung sprechen, in vertikale und horizontale Bereiche hinein (was weiß ich, Muttis untereinander, dann wiederum Muttis, Schüler, Rentner nebeneinander auf einem SN). Wird wohl eine ähnlich Form wie die Foren annehmen. Für alles und nix wird es kleinste bis hin zu großen Foren geben. Kommerziell, zentralisiert, dezentralisiert (da wird sich wohl noch ne Menge tun), kostenlos, Open Soure und dergleichen.

Ausblick
Tja, was heißt das nun für mich? Kann gut sein, dass ich mich nun in Zukunft weniger mit Social Networks des Typs „Friendster“ befassen werde, was sie tun, was es Neues gibt, wie sie aufgebaut sind etcpp, sondern die Fokussierung auf neue Felder verlagere. „ße hype is over now its daily buzieness“:)


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

5 Kommentare

  • Es wird wirklich Zeit für was neues. Im Moment gibt es jede Ausprägung von Social Networks. Hab auch so ein halb dahin entwickeltes, wird wohl gar nicht an das Licht der Öffentlichkeit gelangen, auch wenn es gar kein richtiges ist. Davon abgesehen fängt mich das Web2.0 an zu langweilen. Es muss dringend mal wieder was neues spannendes her. Was auch immer.

  • 🙂

    Das Gesagte unterschreibe ich gern.

    Allerdings:
    Reserven sehe ich in allen Bereichen. Da wird gekleckert, was das Zeug hält.

    Was bleibt?
    Nun, ein riesiger Krümelhaufen, von dem sich Viele im Longtail ernähren können, wachsen können, Millionenumsätze generieren. Die Zeit der Mashups und Clone. Nicht 1,2,3…nein…Hunderttausende.

    Was kommt?
    Systeme mit offenen Schnittstellen, benötigen Systeme, die wiederum neue Schnittstellen anbieten. Insellösungen werden eingeflochten ins Gesamtsystem. Ähnlich der Evolution der Tier- und Pflanzenwelt wird sich das Netz weiterspinnen, feinere Fäden werden gewebt. Neue dicke Stränge eher selten. Die totale Vernetzung. Google hatte unlängst angekündigt, sich zur Metacommunity zu erheben…Warum wohl? 😉
    Erwartet Ihr noch große evolutorische Sprünge im Automobilbau? Eine lahmende Branche, die etabliert, nur noch das System am Laufen hält. Die Einstiegsbarrieren sind einfach zu groß geworden…

    Was wird die Engstelle?
    Die Engstelle wird der Zugang zum Netz und die Aufmerksamkeit der Nutzer. Ums Netz prügeln sich nach Jahren der Marktliberalisierung nurmehr eine handvoll Hinterbliebener. Die Machtzentren werden zukünftig die Netzinhaber sein. Sie halten quasi das „Herz“ in den Händen. Alle verdienen am Internet. Ihre Zeit wird noch kommen. Ähnlichkeiten zum Verhalten der Stromkonzerne sind dann nicht zufällig. Die Aufmerksamkeit als rares Gut verteilt durch Google und den Rest der Werbeindustrie.

    Noch ne Engstelle?
    Ja. Die Nerven der Nutzer. Tradiertes gelerntes Verhalten wird sich weigern, wegen jedem kleinsten evolutorischen Sprung zu folgen. Da braucht es schon mehr. Da braucht es schon Größeres. Denn Masse zieht Masse an.

    Fazit?
    Wenn Alle nach Gold graben, sind Schaufelverkäufer gefragt. Schaufeln herzustellen ist Handwerk – nicht Zufall. Handwerk ist Arbeit. Wer gelernt hat zu arbeiten, der ist schonmal gut für die Zukunft aufgestellt. Alle anderen versuchen die Nuggets panisch im Netzhaufen zu finden. Oder sind bereits Profis, die daraus ein Handwerk gemacht haben und es sich leisten können, mit dem Großraumbagger den Markt umzupflügen. Wohl dem, der viel Geld für große Schaufeln hat…oder der arbeiten kann.

    Zukunft?
    Wer aus den Krümeln ganze Kuchen formen kann.

    Ich bin gespannt, wo`s überall lang geht.

  • Kann mir nicht vorstellen das der Hype vorbei ist. Für die Webmaster wird es vielleicht langweilig, aber nicht für die normalen User. Wenn ich bei mir im Bekanntenkreis frage ob jemand überhaupt schon den Begriff WEB 2.0 kennt, ernte ich nur Schulterzucken. Ich denke mal, dass das alles noch ein Weilchen anhalten wird.

  • Stimme Thomas zu. Auf keinen Fall ist der Hype vorbei. Uns wird nur langweilig. Und wenn man nach den Zahlen geht, lieber Robert, müssten wir dann nicht kurz vor der späten Mehrheit stehen :P? Die Zeit der Early Adopters (!) oder Frühen Folger müsste der Theorie nach lange vorbei sein. Gucke ich mich so um, kann ich das aber noch nicht so recht glauben.

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