Gründerwellen und Timing

Robert Basic

Andreas hat sich im Rahmen seiner Master Thesis The Emerging Market for Web-based Enterprise Software mit Gründungswellen von Internetunternehmen beschäftigt, Unternehmensgründungen: Timing ist entscheidend. Und stellt eine interessante, aber kaum überraschende Häufung anno 1999 und 2005 fest:
Gründungswellen

Häufig wird ein Faktor übersehen, der schwer zu greifen und zu beeinflussen ist, aber einen ganz entscheidenden Einfluss auf Überleben und Erfolg einer neuen Firma hat: Das richtige Timing. Spezifisch: Der Zeitpunkt, an dem eine Firma in den Markt eintritt. Man beobachtet in vielen (Technologie-)Märkten, dass die erfolgreichen Firmen alle in einem Zeitfenster von 2-3 Jahren entstanden sind.

Und er begründet die Wichtigkeit des Timings mit vier Ursachen: Konjunkturzyklen, Investitionsbereitschaft, Konkurrenz und Adaption.

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Dennoch erklärt das nicht, warum ausgrechnet zwischen 2001-2004 alle bekannten, als Web 2.0 bezeichneten Unternehmen gegründet wurden, die in ihrer jeweiligen Klasse die Vorlage für viele Nachahmer spielten: Wikipedia (2001), Digg (11/2004), Del.Icio.Us (09/2003), Bloglines (30.06.03, Mark Fletchers Startposting, wie süß), Technorati (07/03), Woot (07/2004), Flickr (02/2004), Friendster (03/02), Etsy (06/05), YouTube (02/05). Manche davon sind noch immer die unangefochtene No.1 (Wikipedia, Woot, Digg, Flickr), andere haben ihre führende Position verloren (Friendster an MySpace und Facebook, Technorati wackelt, Bloglines an Google Reader). Insofern stimmt die Aussagen von Andreas nicht, dass nicht der „Erste“ das Szepter tendentiell abgeben muss. Natürlich kann man noch weiter zurückgehen und einen Vorgänger finden:) Aber, was auffällt, dass eine ganze Reihe von Ideen zu einer Kulmination von „zusammengeschusterten“ Werken beigetragen haben. Wenn man so will, ist zB Flickr entscheidend von Friendster (social connecting via Profilen), del.icio.us (tagging), Blogs und RSS beeinflusst worden. YouTube wiederum von den Embedding-Funktionen von Flickr. Andrew Baron von Rocketboom hat mir erzählt, dass seine Idee auf der Vernetzung von Ereignissen beruhte: Blogs waren gut im Kommen, aber es gab wenige Videoblogs. Das fand er spannend. Da er zu der Zeit für eine US-Politiker mit Videofilmchen via Netz gearbeitet hat, fiel ihm auf, dass viele Browser bereits Flash verstehen können. Also kombinierte er seine Flash-Erfahrung mit der Blog-Idee. Und so wurde Rocketboom geboren. Ganz einfaches Beispiel dafür, wie bestehende Dinge mit hochkochenden Dingen kombiniert werden.

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Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.