Sonstiges

Blog: unreal network

Burkhard verweist auf eine kleine Umfrage, warum Businessblogger denn ihr Blog betreiben: Der geschäftliche Erfolg von Weblogs, von Frank Bärmann erstellt.

Meine Antwort ist eigentlich sehr simpel. Wenn ich die Augen zumache und an 2002 und weiter zurückdenke, habe ich eben das Leben eines normalen Real Life Bewohners geführt:) Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen. Ich habe keine Ahnung, aber ich schätze, der etwas engere Kontakt (Gespräche halt) hat sich pro Woche auf rund 100-200 Personen beschränkt, der Großteil natürlich während der Arbeitszeit in einer Großbank. Gekannt (wie intensiv auch immer ) haben mich wohl an die 500-1000 Personen. Auch nur rein eine bauchmäßige Schätzung. Zudem war es aufgrund der räumlichen wie auch zeitlichen Dimension völlig ausgeschlossen, mit dieser Vielzahl von Personen regelmäßig in Kontakt zu bleiben.

Nach 2002 hat sich das mehr oder minder dramatisch geändert: ich habe heute keine Ahnung mehr, wie viele Personen ich direkt via Blog anspreche, da der Großteil sich nicht zu Wort meldet. Nur hin und wieder lerne ich zB auf Veranstaltungen jemanden kennen, der mich kennt, den ich aber nicht kenne. Die kennen mich weitaus besser natürlich als ich diese Personen. So nehmen mich irgendwo zwischen 5000-6000 Personen alleine schon durch den RSS Feed wahr. Dazu kommen noch zahlreiche Direktbesucher pro Woche. Die flüchtigen Google-Besucher nicht einmal mitgezählt. Wenn ich aber den großen Kreis der mir unbekannten und nur vage bekannten Personen auf einen engeren Kreis von mir näher oder sehr nah bekannten Personen einschränke, ergibt sich gegenüber der realen Vorzeit eine immer noch ungleich größere Zahl zu den o.g. 100-200 Personen. Was bedeutet das schon groß? Na, sehr viel. So war es damals nahezu ausgeschlossen, eine Veranstaltung ins Leben zu rufen, ohne dass man irgendwelche Massmailings und Einladungen rausschickt. Und davon kommen dann gerade mal 10-20 Personen. Heute kannst Du zB ein spontanes Bloggertreffen ausrufen und es kommen so wie in München ohne große Mühe locker an die 30-40. Oder wie damals zur DLD aufgrund der Vernetzung untereinander auf einen Schlag über 120 Personen zusammen. Sprich: der Kontakt beschränkt sich nicht nur auf „weak ties“ via Netz, sondern es bilden sich auf „stronger ties“ durch den Übersprung ins RL. Ich kann heute in alle Herren Länder dieser Welt fahren und irgendwo ist dann jemand meistens, den man kennt. Schweiz, Österreich, England, Spanien, Frankreich, Australien, USA, Canada, Niederlande, Schweden, und und und.

Das eine Leben -mit Blog- hat das andere Leben -ohne Blog- nicht ersetzt, sondern schlicht und einfach ergänzt. Man kann sagen, dass das eigene Leben durch das Blog um eine Ecke mehr reicher geworden ist, da ich virtuelle Kontakte nicht als durch lediglich bits und bytes induzierte Beziehungen auffasse. Vergleicht man also die Dimension der Größe des eigenen Beziehungsnetzwerks vorher und nachher, erscheint das einem fast schon irreal, man reibt sich die Augen und denkt, man träumt. Kann auch sein, dass man sich an diese Vorstellung noch 100% gewöhnen muss. Die Frage also, warum man bloggt, kann ich mit sachlichen Business-Argumenten nicht wirklich beantworten, da sie auf der persönlichen Ebene mehr als nur unwichtig erscheinen würden.

Mehr noch, meine Informationswelt würde ohne Blog wieder in sich zusammenfallen auf die herkömmlichen Kanäle wie persönliche Gespräche und mediale Klassikerkanäle wie Tageszeitungen und TV. Gerade die letzteren Kanäle erzeugen eine Bedeutungswelt, die sich nicht unbedingt mit meiner eigenen deckt. Dennoch hätte ich keine anderen Infokanäle. Klar, ich könnte zB in alle möglichen Foren gehen und mich dort informieren. Doch wirst Du als Person kaum wahrgenommen. Man ist halt ein Forenuser, den man nur per Nickname kennt. Eine Nummer im Themengebiet XYZ.

Ein vorher-nachher Bild:
rl und vl


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

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