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Burma Action: Zwischenfazit II

eine Analyse der Netzaktion, nicht ihrer Wirkung für die Sache selbst! Learnings für nachfolgende Netzaktionen aus organisatorischer Sicht. Denn, ein impliziter Teil der Netzaktion war auch das Wecken eines Bewußtseins, dass ein jeder mitgestalten kann, egal um was es geht.

Blogging Tom hat sich die Unterschriftenliste auf Free-Burma.org angeschaut und festgestellt, dass sich Menschen aus 146 Nationen eingetragen haben. Leider leider -aber ich will mich null beschweren- wurde das Unterschriften-Widget fertig (dessen Unterschriften sind noch nicht in der Zahl auf free-burma berücksichtigt), als schon die Aktion am 04.10. drüben in Asien durchgelaufen war und sich zeitmäßig mitten in Europa ausbreitete. Das Widget wurde kaum wahrgenommen, weil das Zeitfenster sich geschlossen hatte, das noch mitzuteilen (wir hatten keine Mailingliste! = learning). So hätten wir wohl auch die Unterschriften von zahlreichen Lesern eingesammelt, nicht „nur“ von den Blogs/Webmastern.

Inwieweit noch Teilnehmer aus der sog. „Gruppenliste“ dazukommen, weiß ich nicht. Vom Social Network Joinr weiß ich zB, dass gestern gegen spät Nachmittag bereits rund 6.400 Nutzer den „Free-Burma“-User geaddet hatten. Mal schauen, was wir aus der finalen Liste noch rausholen können, welches Land sich wie beteiligt hatte. Was wir natürlich nie erfahren werden, wieviele Leser man insgesamt „erreicht“ hatte. Dazu müsste man die Blogleserzahlen kennen, die Reichweite der Medienorgane (auch, wie viele Menschen Radio Free Asia in Burma selbst erreicht hat), die darüber auch berichtet hatten, dazu die angeschlossenen Social Networks und Social News Aggregatoren. Wenn ich es grob schätzen würde, brauchen wir unter 1 Mio nicht anfangen zu rechnen, was aber eh ne Milchmädchenkalkulation mangels Basisdaten ist.

Benedikt hat die Ausbreitung innerhalb der Blogosphäre in D, FR, IT, CH und AU analysiert, seine Folien stehen nun zur Verfügung:
Patterns of mobilization in the blogosphere (English version)
Mobilisierungsmuster in der Blogosphäre II

Stefan Weidele, der unser Projekt-Wiki aufgesetzt hat, hat nunmehr seine Trafficdaten soweit roger: Das 8-Tage-Wiki. Stefan, ist es irgendwie möglich, dass Wiki zu freezen und einen Abzug irgendwo dauerhaft zu speichern, wenn Du es nicht unter der URL weiterlaufen lassen möchtest (hab ich richtig verstanden, oder?)?

Philipp Hausser und Christian Hahn / Free-Burma.org werden die Tage auch ihre Daten soweit zusammen haben.

Umfrage
Währenddessen bittet Marc/Wissenwerkstatt zusammen mit Benedikt um die Teilnahme an einer Umfrage betreffend der Burma-Aktion. Eventuell habts Ihr Lust dran teilzunehmen, damit wir evtl. schon fürs Barcamp Umfragedaten haben.

Gab es für mich eine persönliche Enttäuschung überhaupt? Nein, es waren nicht die Kritiken, teils auch sehr persönlichen, denn das war und ist angesichts der Sache völlig unwichtig fürs Ego, aber sehr wichtig für die Sache, insofern die Kritiken sachlich waren. Gabs also was? Ja, durchaus. Nämlich die Uberblogger aus den USA. Mein jetziger Infostand: Obwohl wir über verschiedene Ecken an die herangetreten sind, haben wir nicht einen einzigen Ton von denen gehört, ob man uns helfen möchte oder wenn nicht, warum. Gerade weil die Uberblogger als internationale Drehscheibe dienen, hätte das annahmegemäß sehr gut geholfen, uns noch besser zu vernetzen. Aber nix. Gut, so isses, fertig. Da ich kein Feedback habe, warum da nix kam, kann ich keine Lehren draus ziehen, das ärgert mich letztlich am meisten. Wer das Warum nicht kennt, kann keine Schlüsse ziehen. Zumal das internationale Bridgebuilding (also das Verknüpfen der verschiedenen „Blognationen“ untereinander), das hat auch diese Aktion gezeigt, steckt noch in den sehr frühen Anfängen und zZt fungiert das alles dominierende und international themensetzende Zentrum der Blogosphäre (USA) eher als eine Einbahnstraße ohne Rückkanal.

Was gabs noch? Ich habe gestern mit einem Beteiligten noch ein Feedbackgespräch geführt und wir haben beide festgestellt, dass ich ab einem bestimmten Zeitpunkt die koordinierende Funktion auf diesem Blog unbedingt hätte loslassen und parallel ein Blog auf Free-Burma aufziehen müssen. Das zeigt auch deutlich die Auswertung oben von Benedikt, dass mein Blog zu den Zentren gehört hat. Rein koordinationstechnisch gab es damit drei Anlaufstellen: das Wiki, Free-Burma.org und das Blog hier. Nicht gut. Und das Blog auf free-burma wäre dann auf englisch zu führen gewesen. Aus rein persönlichen Gründen wäre mir das auch lieber gewesen, da man unweigerlich als Person zu weit heraussteht, wenn man sich zu sehr als Koordinierungsstelle etabliert, was dann aber in Teilen von der Sache ablenkt.

Hast Du mehr ein internationales Planungsteam, erhöht sich die Verbreitungsgeschwindigkeit annahmegemäß. Denn es ist immer auch eine Vertrauensfrage, als Person bei einer Aktion zu Beginn mitzumachen, wenn man jemanden im Netzland kennt, um dann selbst aktiv zu werden und die Message weiterzutragen (so kennt keiner Dario/IT in USA, mich kennt keiner in den USA, Phil/Free-Burma kennt keiner in FR, Dario kennt keiner in Spain, usw usf). Mit einem internationalem Team schafft man Bezugsköpfe, die im Ausbreitungskern einer Message die notwendige Basis für eine spätere, weitaus breitflächigere Ausbreitung erschaffen.

Um es anders zu sagen: vernetzte Strukturen brauchen bestimmte Initiierungspunkte, von da an läuft es ungemein vernetzt und dezentral weiter. Eine vernetzte Aktion setzt also andere Planungsstrukturen voraus als zentral initiierte Aktionen in der Realwelt. Meine Annahme. Warum habe ich also nicht rechtzeitig losgelassen? Ich hatte wohl Angst, dass wenn man loslässt, die zeitlich extrem enge Aktion möglicherweise versandet, sobald man den Fokus der Koordinationsstelle von A nach B verschiebt. Ich war so fokussiert auf das Ziel, die Message zu spreaden, dass ich nicht mehr links und rechts geschaut habe, dass man zur Seite treten muss endlich, verdammt.

Interessanterweise bin ich auch sehr happy, dass im Ausland keiner meinen Namen kennt und auch erwähnt, in D ist leider gerade wegen dem Einsatz hier auf dem Blog das Gegenteil eingetreten, dass zu viele mich als Initiator genannt haben. Ich halte das für einen selbstverschuldeten, sehr negativen Aspekt, sich überhaupt mit Einzelpersonen zu beschäftigen. Denn, die Message muss sein: jeder, aber auch jeder kann etwas tun und muss sich nicht auf einzelne Köpfe verlassen oder auf diese warten. Es muss klar werden angesichts der Art der Aktion, dass es kein oben und unten gibt. Nur so lernen Netzuser, dass sie selbst es sind, die etwas mitstarten, mittragen und weitertragen. Es bedarf keiner Zentralstellen, lediglich Planungsstellen, die über die Art der Aktion informieren. Planung also im Hinterstübchen zusammen mit Vielen und zugleich Koordinatoren, die die Stränge zusammenführen, nach außen hin ausführen durch alle! So habe ich imho der Sache leider geschadet, was die Nachhaltigkeit und das Fortpflanzen einer Idee angeht, die das heißt Eigenverantwortung wahrnehmen und Netzaktivitäten initiieren. Dafür bitte ich von meiner Seite um Entschuldigung, es tut mir persönlich sehr weh, ich kann jetzt nur daraus lernen und bei den nächsten Aktionen soweit wie möglich meine Person extrem zurücknehmen. Und vor allen Dingen diese Erfahrung weitertragen.

Was ich aber noch nicht gelöst habe: inwieweit schafft man in einer Kultur einer dezentralen Aktion eine eherne Basis, dass man im Rahmen der Aktion von allen Maßnahmen Abstand nimmt, die uU ein markantes Risiko in sich bergen, anderen Menschen zu schaden? Denn, wenn man sehr flach plant, verselbständigen sich Ideen. So gab und gibt es Ansätze, den Ölkonzern Total unter Druck zu setzen, die in Burma produzieren. Ich halte das in meinen Augen für unverantwortlich, da man nicht weiß, was passiert, wenn sich der Konzern tatsächlich zurückziehen würde. Kommt man vom Regen in die Traufe? Werden Arbeiter in Burma ihre Jobs und damit die Ernährungsgrundlage für ihre Familien verlieren?

Dennoch verfolgen einige dieses Ziel aktuell, ich bin heilfroh, dass unsere Aktion nicht in diese Richtung abgeglitten ist, es wäre nicht zu verantworten gewesen, mit Schicksalen anderer Menschen zu spielen. Denn, obwohl es eine Netzaktion war und ist, heißt das nicht, dass es keine realen Auswirkungen hat. Man trägt verdammt nochmal Verantwortung, ob man das nun will oder nicht. So haben wir es anscheinend geschafft, keinen chinesichen Blogger in einem Moment der Unüberlegtheit zu verleiten, dass er doch bitte über Burma schreiben möge, denn annahmegemäß kommt das nicht gut bei den Herren von China. Das ist eben der Bestandteil einer solch globalen Aktion, man muss höllisch aufpassen, welche kleinen Steine man wo ins Rollen bringt womöglich. Ich hatte für meinen Teil richtiggehend Schiss, das wir irgendeine Scheiße bauen, die wir alle noch lange bereuen würden.

Um das nochmal explizit klarzumachen, dass Netzaktionen nix mit bits and bytes zu tun haben, sondern mit Menschen. Es geht nicht um bedeutungslose iPhones und dergleichen Spielzeug. Wer was auch immer mitträgt und startet, der muss sich dessen bewußt sein, was Verantwortung bedeutet und muss zwingend ohne Ausnahme verantwortungsbewußt handeln, selbst wenn man Abstriche bei der Stärke eines Signals in Kauf nehmen muss. Für mich eines der ganz großen Punkte bei Netzaktivitäten. Das ist die Grundlage von allem. Verantwortung und Respekt vor Menschen.

All das ist auf dem Barcamp zu besprechen. Wenn sich jemand für die Session interessieren wird (Benedikt/Viralmythen, Marc/Wissenswerkstatt und me)

Weitere Stimmen, wie habt Ihr es für Euch wahrgenommen, als Blogger oder what ever?

Jobs in der IT-Branche


Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

59 Kommentare

  • Trotz der Einbahnstrasse liegen die USA aber immerhin an zweiter Stelle in Bezug auf die Anzahl Teilnehmer. Immerhin. Hätte man die Uberblogger erreicht, wären die wahrscheinlich (oder hoffentlich?) in der Überzahl gewesen…

  • Wenn man die Darstellung und kurze Diskussion auf wired gelesen hat, ist es irgendwie verständlich. Das zentrale Kommunikationsproblem lag wohl in dem Begriff „Schweigen“. Es ist zu Anfang nicht genügend verständlich gewesen, dass es darum geht, den üblichen Blogoutput zugunsten eines Burma-Artikels zu stoppen und nicht: gar nichts zu bloggen. Vielleicht ist es aber wirklich auch eine Art „VIB, Very Important Bloggers“-Gefühl, das dahinter steckt, wie Dario vermutet.

  • das würde ich unter dem Kapitel Meme aufschlagen, das sich verselbständigt hatte, da die Botschaft vermengt wurde und nicht früh genug klar wurde, was Sache ist. „Hinten planen“, nach vorne posaunen, was nun Sache ist. So rum klappts besser.

  • Junge, Junge, ich bewundere dich (ernsthaft) für dein Pensum an der Tastatur.
    Aber ein Tipp zum Thema Lesbarkeit:
    Schlag öfters mal auf die Return Taste. Glaub mir, die verkraftet das 😉
    Hau rein Sportsfreund!

  • Die USA schert sich wenig um ausländische Probleme, das spiegelt sich in den täglichen amerikanischen Nachrichten, egal auf welchem Sender, wider. Es wird faktisch so gut wie nie über Themen im Ausland berichtet, Irak natürlich ausgenommen. Ich denke daher, dass die Wahrnehmung bei den US-Bloggern durch die tv-mediale Unterpräsenz des Themas nicht oder kaum vorhanden war.

    Ich fand die Aktion im Grunde ganz okay und ehrenwert, wobei ich auch Meinungen teile, dass viele da auch einfach mitmachen um dazuzugehoeren. Das ist aehnlich wie damals in der Schule (1990 rum), dass sich Leute irgendwelcher „Kein Blut für Öl“-Demos anschlossen obwohl sie an dem Thema im Grunde null interessiert sind. Nuja, jetzt ist es eh vorbei und in einer Woche auch wieder vergessen.

    Vielleicht findet sich bei einer nächsten Aktion Hebel und Mittel um eine gewisse Nachhaltigkeit einer solchen Aktion sicherzustellen. Die genannten Ansätze im Artikel zur Verbesserung der Organisation sind ein guter Erster Schritt.

    Rocco

  • Tach,

    ich finde es gut, dass du eine kritische Auswertung formulierst. Aber ich finde sie insgesamt zu negativ.

    Innerhalb einer Woche (also von Freitagabend bis Donnerstag) haben sich über 11.000 Leute auf free-burma.org eintragen? Internationalisierung hin und leichte Erreichbarkeit durch das Internet her, weißt du wie lange du in einer Fußgängerzone für eine solche Zahl an Unterschriften bräuchtest? Das ist schon großes Kino.

    Ein einheitlicher, klarformulierter Slogan bzw. eine einheitliche Zielsetzung wie „ein Posting für Burma am Donnerstag und keine weiteren Beiträge am Do.“ wäre schon zu Beginn sicherlich besser gewesen. Aber auch nur um den Preis einer vorgefertigten/vorgegebenen Aktion. Und ob sich dann wirklich so viele Beteiligt hätten und die Aktion aktiv unterstützt hätten?!

    Zum Technischen: Ja, eine öffentlich einsehbare Mailingliste fände ich komfortabler als ein unübersichtliches, weil neues, Wiki mit super kleiner Schriftgröße. Und einem untauglichen RSS-Feed, der mir nicht die neuen Infos auf einen Blick zeigt. Vielleicht auch ein mehrsprachiges Blog, das Informationen, Ideen, Aktionsvorschläge usw. sammelt. Aber wer darf dann da schreiben? Auch dieser komische TK, der mit seinen NPD-Parolen überall herumspamt? Oder Leute mit einer fundierten, vernünftigen Kritik an dieser Aktion?

    Und ja, wer eine solche Aktion startet/promotet, der steht in der (öffentlichen) Debatte. Aber gerade dies gibt einer solchen Aktion auch einen persönlichen Touch. Und ganz ehrlich: Bei einer ominösen Aktion irgendeiner „Free Burma“-Gruppe hätte ich mich nicht so schnell – wenn überhaupt überzeugen lassen. Auch nicht, wenn irgendwo unter Unterstützer ein Robert Basic steht. Dann schon eher, wenn statt zahlreicher, komischer Musikvideos nachts einige Infos über deinen RSS-Feed reinkommen.

    my 2 cents
    Gruß Marc

  • Free Burma! Zwischenfazit II auf Basic Thinking…

    Auf Basic Thinking gibt es ein weiteres, sehr ausfürhliches Zwischenfazit der gestrigen Aktion. Robert zieht erste Erkenntnisse aus der Sache, die auf jeden Fall zukünftige Aktionen ähnlicher Art hilfreich sein werden. Dabei ist das Fazit längst ni…

  • Danke für die detaillierte Auswertung. Ich finde, es ist dir hoch anzurechnen, dass du dich jetzt nicht der Selbstbeweihräucherung hingibst (wobei ich deine Selbstkritik fast schon zu hart finde). Ich denke, die Aktion hat uns einiges gezeigt (siehe dazu auch den Beitrag in meinem eigenen Blog (wollte eigentlich nen Trackback machen, habs aber nicht hinbekommen, ich Anfänger…, naja die Adresse meines Blogs habe ich ja Website angegeben)

  • Warum Interesse an Burma?…

    Woher kommt auf einmal dieses große Interesse am Thema Burma? Seit 45 Jahren herrscht dort das Militär. 1988 rebellierte das Volk und tausende Menschen kamen um. Doch weder eine Diktatur noch Menschenrechtsverletungen werden die Hauptinteress…

  • mich würde noch brennend interessieren:

    wieviele verschiedenen referrer gab es über den aktionszeitraum auf die free-burma seite und wieviele besucher insgesamt?
    denke daran kann man am besten den erfolg der aktion messen. über 6000 links von technorati sind ja schonmal ganz nett, aber die refs dürften mehr als doppelt so hoch sein.

  • Als ich „Hang ‘em High“ auf Deinem Blog gelesen habe, warst Du bei mir unten durch. Mit „Free Burma“ hat sich das geändert.

    Respekt!

  • @Stefan,

    danke für die Aufbereitung. Stampfst Du das Wiki ein? Wenn ja, bitte vorher sicher, damit wir es auf eine alternative URL verschieben können, würde ungerne die Arbeit von so vielen Menschen verlieren gehen sehen.

    @Simon, kA, der verknüpft zig Stränge und knotet die komplett durcheinander. Irgendwie habe ich aber momentan keine Power, das dem auseinanderzuknoten. Vielleicht am WE.

  • Einstampfen: Nein. Da „stots.de“ sozusagen meine „Sammeldomain“ ist, tut mir freeburma.stots.de nicht weh.

    Aber ich denke, dass ich das ganze „read-only“ machen werde…Korrektur: Gemacht habe 🙂

    Ich denke, das geht in Ordnung – free-burma.org ist ja eine gute Anlaufstelle für Follow-ups. Ein „Abzug“ des Wikis dort wäre vielleicht auch eine Idee – Stichwort URL-Konsolidierung 🙂 Ich sprech das wohl am besten mit Philipp ab…

  • Ein kleines Fazit aus dem „Extreme Longtail“:

    Alle, die sich an dieser Aktion organisatorisch so hervorgetan haben, dürfen verdammt stolz auf sich sein – und das gilt ganz besonders für Robert und Phil! Kein Grund zur bloggerischen Selbstverbrennung!!!

    Das du, Robert, in diesem Falle für den deutschspracigen Raum die „Johanna von Orleans“ gegeben hast war wesentlich für den „Erfolg“ der Aktion. Es ist nunmal so, dass die Horde eher dem A-Blogger-Papst folgt. Eine solche Aktion braucht eine Gallionsfigur. Das lenkt nicht von der Sache ab, sondern gibt ihr eine Identität.

    Wäre eine zentralere Anlaufstelle besser gewesen? Ja, mit Sicherheit! Es ist dem Überblick einfach nicht zuträglich, in 5, 6, 7 Blogposts + immer unübersichtlicher werdendem Wiki Informationen und Diskussionen zu haben. [Dies ist mein „Ich habs doch gleich gesagt“-Moment *g*]. Auch ziehe ich daraus einen anderen Schluß: Ich hätte mir nicht weniger Basic-Koordination, sondern sogar mehr Basic-Basta gewünscht! Das Schweigen-Mißverständnis wäre vermeidbar gewesen, wenn man frühzeitig auf eine einzige griffige Formel gesetzt hätte, anstatt verschiedene Unterslogans (Blogpost, Text, Keystroke) aufrechtzuerhalten. Auch das basisdemokratische Unvermögen, eine einheitliche Grafik, einen „Brand“ für die Aktion zu installieren, fand ich schade, weil man sich damit weiterer PR-Möglichkeiten beraubt hat – und es hätte – offenbar ja ganz in deinem Sinne – dazu beigetragen, mehr Scheinwerfer-Licht von Dir abzulenken.

    Denzentralisierung in der Message-Verbreitung schön und gut, aber in vielen Prozessen braucht es dennoch eine Hierachie, eine Entscheidungsgewalt, ein letztes Wort. Ich hätte damit kein Problem gehabt und ich denke, daran hätte sich auch kein anderer gestört – die meckernden Trolle sind ja trotzdem gekommen 😉

    BN

  • Lehrreich. Erstaunlich die vielen Ansätze zur Diskussion sei es nun Pro oder Contra.
    Und manche Menschen, nämlich die, die nur das Schlechte in der Aktion sehen wollten und lieber gar keinen Finger rühen aussser zu nölen, verstehe ich immer noch nicht.

    Aber ich habe viel gelernt in der letzten Woche. Das war Bloggerbildungsurlaub. Wenn auch der Anlass kein guter war.

    Danke!

  • „Eventuell habts Ihr Lust dran teilzunehmen, damit wir evtl. schon fürs Barcamp Umfragedaten haben.“ Robert, du legst ja mal wieder ein Tempo vor. Unglaublich. Aber wenn bis heute Nacht 100 ausgefüllte Bögen vorliegen, lässt sich vielleicht schon etwas mit den Daten machen. Live-SPSS oder so.

  • Burma Action Fazit…

    …oh je, der Robert ist aber unnötigerweise ziemlich selbstkritisch mit seiner Aktion Free Burma. In seinem Post Burma Action: Zwischenfazit II hat er Bilanz gezogen.
    Genauso wie Robert habe ich in den letzten Tagen ein paar interessante…

  • Die Statistik zur Aktion finde ich recht interessant, insbesondere die Auswertung der Referer nach den Ländern. Liegt die deutschlastigkeit an der verwendeten Sprache oder wurde die Aktion hier nur ganz einfach am meisten propagiert?

  • @ Jenser:

    Die Deutschlastigkeit liegt wahrscheinlich daran, dass 1) die Amis keine nationale Kennung haben (nicht aufgeführt werden, sondern unter .com und .net laufen) und zum anderen die Mitarbeit im Wiki sicher eher in Deutschland propagiert wurde.

    Für die Website dürfte das anders aussehen…

  • […] der Burma-Aktion gab es einige kritische Stimmen im Netz. Lesenswert ist hierzu Roberts Zwischenfazit, in dem er z.B. bedauert, das er selbst zu sehr im Mittelpunkt der Aktion stand und dadurch das […]

  • Meinungen zur Burma-Aktion…

    Nach der Burma-Aktion gab es einige kritische Stimmen im Netz. Lesenswert ist hierzu Roberts Zwischenfazit, in dem er z.B. bedauert, das er selbst zu sehr im Mittelpunkt der Aktion stand und dadurch das Ganze zu sehr auf eine Person fokussiert war. B…

  • Ich denke auch, dass die Aktion nicht so gut gelaufen wäre, wenn nicht ein Name als Initiator hätte genannt werden können! Und auch wenn viele drauf herumgeritten haben, waren das eh die, die es sowieso falsch verstehen wollten.
    Wäre es denn vielleicht eine Idee, für (a) die weitere Bewertung der Aktion, (b) als Basis zukünftiger Information und vielleicht auch (c) zur Integration anderer Themengebiete, wie Darfur etc. ein Blog aufzuziehen? Wenn das Fazit lautet: So ein Blog hätte früh erstellt werden müssen, kann man es dann nicht jetzt gründen?

  • Schöner Gedanke , Joerg , aber :

    Überlegt man konkret , was passiert ,
    würde man ( wer ist „man“ – Du mit deinem x-Rang , ich als Nullsumme etc. ) ein // Arbeitstitel // „Blog für Menschen Recht“ // Arbeitstitel // einrichten , was stünde zu erwarten ?! –
    Sobald der „Pop“- Appeal vorbei ist und prominente Links- und Backlinks nicht mehr winken , dann Gute Nacht .

    Das sagen wir jetzt nicht , weil wir es so besser wüssten , geschweige denn , die besser denkenden Menschen wären . Ne ne ne . Immerhin haben wir’s geschafft , gegen die Schüssel- Haider- Regierung 2000ff zwei Jahre lang jeden Donnerstag demonstrieren zu gehen . Aber das letzte Fähnlein Fieseschweif hat immerhin bis zum bitteren Ende jener Regierung jeden Donnerstag vor dem Bundekanzleramt gelesen . Un keiner ging hin .
    Interessant wurde die Unternehmung DANN plötzlich wieder , als deren Initiandin bei der „Millionenshow“ gewann und damit a. „Promi“ und b. anschnorr- Person wurde.

    Das war jetzt partly Off Topic . Sorry . Aber vielleicht doch auch ein Baustein zur Frage : Wie wäre Kontinuität und Regelmässigkeit einer solchen Gemeinsamen Aktion möglich ?

  • […] Robert Basic berichtet aus organisatorischer Sicht zu jenem Ereignis. Was sind die Learnings? Je sozialer solche Aktionen sind, um so höher dürfte der Widerstand sein. Die Verbindungen unter den Ländern haben sich während der Aktion sehr locker und instabil gebildet. Diese sind denn auch die schwächsten Stellen im Netzwerk. Die Sprachgrenzen dürften hier dazu beigetragen haben. Die zentrale Anlaufstelle bildete das Wiki und vor allem die statische Website. Die zentralen Köpfe sind unabdingbar bei einer solchen Aktion. […]

  • http://www.radio-g.net/burma.html

    Ein Banner soll ich posten, aus Solidarität. Eine weiße Friedenstaube auf rotem Grund. Oder ich soll einen Schweigetag einlegen, oder was verlinken. Oder protestieren, oder demonstrieren, oder irgendwas tun. Die Burmesen unterstützen bei ihrem Kampf um die Freiheit.

    Unsinn, denke ich. Burma liegt bei China. Da kann ich von hier aus gar nichts machen.

    Aber dann: Ich kann doch nicht einfach drüber weg gehen. Als wenn nichts passiert wäre.

    Und dann: „€œKampf um Freiheit?“€? So ein Quatsch. Buddhisten kämpfen überhaupt nicht.

    Und dann: Dieses blöde Banner. Vorgefertigtes Pathos, McDemocracy. Diese beschissene, infame Taube wieder. Die hat noch nie was gebracht.

    Und dann dieser Artikel.

    Und dann das Zitat: Jedes Volk hat die Regierung die es verdient.

    Und dann: Mein Mitgefühl mit den Menschen. Es ist da.

    Die Entscheidung:

    Ich poste dieses Banner nicht.

    Ich bitte alle Leser für einen Moment nichts zu tun – gar nichts – sondern an die Burmesen zu denken.

    Wenn ihr an die Burmesen denkt, denkt nicht an leidende Menschen. Das ist die Gegenwart.

    Denkt an die Zukunft. Denkt daran wie es sein soll. Denkt an fröhliche, glückliche Menschen. Stellt euch vor dass sie eine bessere Regierung haben und dass Frieden ist. Wünscht ihnen Erfolg und Kraft.

    Danke!

  • Mann kann auch kämpfen ohne einem die Fresse zu polieren, oder gar abzuknallen!
    Aber dein letzter Abschnitt hat den vorderen Teil doch wieder aufgewogen.
    Danke dir.

  • Nur eine kleine Zwischennotiz, die zeigen soll, dass der Kampf gegen Verletzer von Menschenrechten nicht hoffnungslos ist:
    Ein Großteil der Kinder von General Pinochet befindet sich z.Zt. in chilenischen Gefängnissen in U-Haft wg. Veruntreuung von Öffentlichen Geldern.
    Chile ist btw. inzwischen auf der Transparency International Korruptions-Statistik auf Platz 22 (relativ kurz hinter Deutschland, vor Spanien und weit vor Griechenland oder Italien).
    Lucía Pinochet beschwert sich darüber, dass die Verhaftung überraschend war und sie nichts ins Gefängnis mitnehmen konnte. Die zwischen 1973 und 1989 Verhafteten hatten sicher gravierendere Probleme (z.B. Erschiessungen, Scheinerschiessungen, Vergewaltigungen, Folterungen von Angehörigen vor dem/der Verhafteten, Eintauchen in Exkremente, und ähnliche „Kleinigkeiten“).
    Mónica Madariaga, die noch in jungen Jahren maßgeblich daran beteiligt war, der Legitimität des Pinochet-Regimes einen formaljuristischen Anstrich zu geben, bezeichnete die Verhaftungen der „Idioten“ (tontos) – mit Ausnahme ihres mitverhafteten Bruders – als gerechtfertigt im Sinne der Anklage.
    (http://www.emol.com/noticias/nacional/detalle/detallenoticias.asp?idnoticia=277893)

  • Die Aktion hat uns inspiriert, unser freitäglich wechselndes „Shirt der Woche“ Burma zu widmen. Um uns wenigstens ein bisschen dem Vorwurf der blossen Geldmacherei entgegen zu wirken: 2€ von jedem verkauften Shirt werden an Amnesty International gespendet, plus ein bisschen was dazu. Man bedenke, dass die Shirts der Woche in der aktuellen Woche eh schon immer um 5€ reduziert sind.
    Flagge zeigen kann man also damit, und es sieht ja leider auch so aus, als hätte sich das Problem nach dem 4.10. auch nicht vollkommen erledigt.

  • Wer meint, er könne hinter seinem Rechner sitzend etwas bewegen, der ist mehr als naiv. Das hat noch nie funktioniert. Nur wer auf die Straße geht, bewirkt gelegentlich etwas.

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