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Interview mit Sven Schmidt

Sven Schmidt ist zusammen mit Daniel Grözinger Inhaber von Dealjäger und Verwandt.de. Zuvor haben die beiden mit den Plattformen GetGo.de (2000 gestartet, 2002 an CTS Eventim AG verkauft) und Dialo.de (2006 an Telefonbuchverlag Hans Müller verkauft) nicht gerade wenige experience points als Web-Gründer gesammelt.

Dealjäger ist eine Social Commerce-Plattform, 12/2006 an den Start gegangen, also ein eCommerce-Experiment wenn man so will. Und Verwandt.de ist eigentlich eine sehr klassische Anwendung aus dem Bereich Genealogie. Spätestens als im Mai 2007 aus Dealjäger der Ableger Dealjagd entstand, die Dealjäger-Plattform einem Relaunch unterzogen wurde und nachdem dann auch noch im Juni 2007 Verwandt.de gestartet wurde, war mir klar, dass Dealjäger nicht so wirklich funzen tut, geht man von eBay- oder Amazon-Dimensionen aus. Denn die Gefahr ist, dass man sich zu sehr verzettelt, Ressourcen unnötig hausintern aufteilt. Und am Ende nix richtig macht, weil man zuviel gleichzeitig will. Zu viel war in der kurzen Zeit mit Dealjäger nach dem Launch passiert und dann auch noch dieses zweite Projekt ein halbes Jahr später gestartet worden. Als mich jüngst Sven wegen dem Verwandt-Widget angesprochen hat, ob ich das nicht bei mir in der Sidebar gegen Bares einbauen möchte, hat sich die Gelegenheit ergeben, nachzuhaken, um Sven auf den Zahn zu fühlen, was nun Sache ist.
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Rob: Sven, Du hast ja nun einige Abenteuer hinter Dir und einige vor Dir. Angesichts des anscheinend prima laufenden Projekts Verwandt.de und der Expansion ins Ausland musst Du doch Angst und Bange bekommen, dass Du Dich mit all den Projekten (Dealjäger, Dealjagd, Verwandt, Expansion) verzettelst?

Sven: Ohne Frage, gegeben die vielen Themen müssen wir priorisieren. Und das ist manchmal schade. Wir arbeiten zwar z.B. fleißig am Relaunch von Dealjaeger.de, aber es dauert wegen der vielen Aufgaben viel länger als erwartet. Das ist schade, da können wir den Rückenwind durch den Dealjaeger.de-Bericht im Stern vom Donnerstag nicht 100% nutzen.

Uns fehlt definitiv ein Produkt Manager, der Daniel und mich entlastet. Wir haben ein klasse Entwicklungsteam mit neun (!) Entwicklern, aber Daniel und ich haben den Fehler gemacht, uns nicht zu skalieren. Das haben wir falsch eingeschätzt. Jetzt suchen wir gerade händeringend einen sehr Internet affinen Top-Hochschulabsolventen, der Lust auf ein Start-Up hat.

Das ist übrigens eine große Stärke der Samwers. Die setzen sehr viele Themen selbst auf und rekrutieren dafür jeweils ein gutes Team. Wir suchen nur einen guten Produkt Manager und merken dabei, wie schwierig das im aktuellen Markt ist. Robert, Du solltest eine Job-Börse auf Basic Thinking starten.

Rob: Ihr habt einen Haufen Baustellen vor Euch und es ist ja nicht gerade so, dass Ihr nur „Autos“ produziert und Euch damit 100% auf eine Branche konzentrieren könnt (Lernkurve), sondern ziemlich verschiedene Dinge macht. Auf der einen Seite ein Social Commerce, auf der anderen Seite ein relativ klassisches Angebot aus dem Bereich Genealogie.

Sven: Klar, auf der einen Seite sind die Projekte ähnlich, da sie beide auf Nutzer generierte Inhalte setzen. Auf der anderen Seite sind sie sehr verschieden: E-Commerce-lastig vs. Social Networking für Familien. Aber die Erfahrungen von Dealjaeger.de haben uns sehr beim Launch von verwandt.de geholfen. Z.B. im Bereich PR: Stephan Uhrenbacher hat es uns mit Qype im Fall von dialo.de vorgemacht, bei Dealjaeger.de haben wir es dann besser gemacht und verwandt.de ist in der Hinsicht bisher sehr, sehr gut gelaufen. Ist natürlich auch ein Massenmarkt-Thema.

Du hast natürlich auch Recht betreffend der Lernkurve. Gerade bei der Internationalisierung von verwandt.de durchlaufen wir diese gerade wieder. Das haben weder Daniel noch ich vorher gemacht. Wir sind daher auch sehr vorsichtig. Lieber nicht gleich einen Fehler viermal (in Deutschland, Polen, Italien & Portugal) machen. Das wäre dann doch zu teuer.

Rob: Wenn Du den Erfolg von Verwandt.de mit Dealjäger vergleichst, war es nachträglich betrachtet nicht eine Fehlentscheidung auf sowas Neuartiges wie Dealjäger als Vertreter der Gattung Social Commerce-Anwendungen zu setzen? Die in D noch kaum eine massenhafte Durchdringung erfahren haben, sprich irgendwann ist eben Sense mit Wachstum. „Irgendwann“ ist gut, das ging recht flott nach oben, doch dann gings auf einmal nicht mehr so steil weiter. Daher ja auch der Ableger aus diesem Projekt namens Dealjagd.de, um wenigstens etwas Massenfähiges anbieten zu können, das man nicht mehr sooo gewaltig anschieben muss wie Dealjäger.

Sven: Du hast Recht. Aus zwei Gründen. Ein erfolgreiches Vorbild macht es einfacher, weil die Relevanz des Segmentes so quasi bewiesen ist und man dazu das Rad nicht neu erfinden muss. StudiVZ konnte sich primär auf die Exekution konzentrieren und das haben die Jungs grandios hinbekommen.

Im Fall von Dealjaeger.de haben wir dutzende von Features entworfen, getestet und wieder verworfen. Das ist ein aufwendiger und langwieriger Prozess. Leider haben wir dabei das Killer-Feature noch nicht entdeckt. An dem arbeiten m.E. noch alle Social Commerce Player, ob in den USA oder in Deutschland.

Habe dabei zwei, drei wichtige Dinge gelernt: * Das Konzept muss man jedem in zwei Sätzen erklären können. Das ist bei Dealjaeger.de (noch) schwierig! * Das Thema sollte den Massenmarkt interessieren! * Die Homepage muss den Nutzer einfangen! Bei verwandt.de trifft alles zu und über den Erfolg können wir uns wirklich nicht beschweren 😉

Rob: Auf der anderen Seite: gerade neuartige Nutzermärkte („Social Commerce“) bieten die große Chance, sich zu etablieren, nebst dem hohen Risiko eben. Wie wird es also mit Dealjäger weitergehen? Abstoßen und alles auf Verwandt.de setzen? Etwas, das vom Nutzen her einfach vermittelbar ist, ganz im Gegensatz zu Dealjäger? Wozu also noch aufhalten mit schlecht performenden Projekten? Etablierte Konzerne wie Siemens machen es genauso: wenn ein Bereich nicht wie erwartet performt und im Benchmark unten steht, werden die Schotten (zum Leidwesen der Mitarbeiter) dicht gemacht.

Sven: Nein, Dealjaeger.de ist dafür viel zu wertvoll. Und da steckt auch zu viel Herzblut von Daniel und mir drinnen. Dealjaeger.de ist eine klasse Marke, wir haben eine kleine, aber feine und vor allem sehr aktive Gemeinschaft. Und die Domain „reift“ sehr gut und so sehen wir mehr Google SEO-Traffic. Gegen Preisvergleiche wie Guenstiger oder Billiger.de zu gewinnen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir glauben an die Seite, die mit dem Relaunch natürlich Massemarkt-tauglicher werden muss.

Man darf auch nicht vergessen: Dealjaeger.de ist noch nicht mal ein Jahr alt. Man sollte auch in diesen schnellen Zeiten nicht vergessen, Ausdauer zu zeigen. Das hat sich für viele Gründer aus den Jahren 1999 & 2000 auch erst vier, fünf Jahr später bezahlt gemacht.

Rob: Wann machst Du persönlich Schluss? Mit 40? Wenn die erste Yacht da ist? Oder machst Du dann einen auf Lukasz Gadowski und hilfst angehenden Startup-Jüngern? Was reizt Dich also jetzt und was würde Dich noch viel mehr reizen?

Sven: Erstmal haben Daniel und ich aktuell viel zu tun. Und ich bin überzeugt, dass wir mit beiden Babys die nächsten vier, fünf Jahr noch viel Spaß haben werden. Aber auch weiter beide Hände voll! Das ist der Fokus auf absehbare Zeit. Wir haben dazu noch in GoalUnited.de investiert, weil wir an den Markt für Browser-Spiele glauben. Eine Aktivität wie Lukasz entfalten geht aber nur, wenn man sich aus dem operativen Geschäft zurückzieht. Das ist nicht unser Plan, dazu sind wir zu sehr emotional an die Projekte gebunden.

Aber das, was ein Oliver Jung oder ein Stefan Glänzer machen, ist schon spannend. Investieren, Start-Ups aufsetzen & Leute zusammenbringen – das ist sicherlich abwechslungsreich und spannend. Aber dafür muss erstmal ein großer Exit her 🙂
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Habt Ihr noch Fragen?

btw, da Social Commerce auch etwas mit Communities zu hat und das kein Zuckerschlecken ist, zeigen die heftigen Turbulenzen, die gerade Etsy.com durchschütteln.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

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