Sonstiges

Zahl was du möchtest

und wieder eines dieser Gaststätten, die auf dieses Pferdchen setzen: der Gast zahlt, soviel ihm es wert war. Dieses Mal wissenschaftlich untersucht und am Ende herausgefunden, dass der Wirt genauso viel Kasse macht wie mit einer fixen Preisangabe. Mehr dazu auf Gastgewerbe Gedankensplitter inkl. zahlreicher Zusatzlinks. Bernd meint, das Geheimnis liege am Vertrauen, was der Wirt dem Gast entgegenbringt und der Gast das dann honoriert. Ich verstehe es als Marketinggag, mehr nicht. Sobald sich herumgesprochen hat, dass die Location was taugt (Ambiente, Service, Essen, Gäste, Lage), werden die Gäste auch weiterhin kommen, ob mit oder ohne fixer Preiskalkulation. Insofern ist das zwar alles ganz nett, aber außer bisserl PR bringt das am Ende aller Tage nix. Denn wenn wir alle logisch denken würden, täten wir niemals für ein Glas Cola 2-4 Euro bezahlen, wohlwissend dass uns eine Colaflasche im Handel um die 1 Euro kostet. Man zahlt nicht dem Pricing wegen, man zahlt wegen dem Socializing-Service, den mir die Gastronomie bietet + für das bisserl gute Essen, was man selbst nicht zubereiten kann zu Hause. Wozu soll ich mir also einen pissigen Cafe in einem verhunzten Ambiente reinziehen, selbst wenn der mich nix kosten würde?? Na, halte wenig bis gar nix von diesen Preismodellen pay as you want. Stattdessen soll sich der Inhaber drum kümmern, dass es den Gästen insgesamt gefällt, er also seinen Laden in Schuss hält und damit glänzt. Die Gäste werden es ihm danken und weitererzählen.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

5 Kommentare

  • Diese zugegeben ungewöhnliche Vergütungsmethode, habe ich selbst schon bei der Erstellung von kleineren Internetseiten in Betracht gezogen aber auch wieder verworfen. Letztendlich ist der Aufwand und der Wert einer Dienstleistung für manche Kunden nicht oder nur schwer ersichtlich.

  • Die Weinerei(en) in Berlin befolgen genau das Prinzip des „Zahl soviel es dir Wert war“ Ich sage, dass genau dies das Erfolgrezept dieser Institution ist, denn es trägt maßgeblich zu der dort herrschenden offenen und herzlichen Stimmung bei. In der Weinerei werden üblicher Weise Weine ausgeschenkt und es gibt ein Buffet. Das Angebot eignet sich also sehr gut für diese Vergütungsmethode. Insgesamt finde ich diese Methode sehr gut und fühle mich als Gast damit wesentlich wohler, als mit dem herkömmlichen Prinzip.

  • Die Studie finde ich echt spannend. Solange das Konzept als Alleinstellungsmerkmal fungiert dürfte es funktionieren. Sobald mehr auf den Wagen aufspringen wird sich auch hier die Wettbewerbstheorie durchsetzen und die Preise werden von allein sinken – weil erstens die Vergleichsmöglichkeit zu geltendem Preisniveau fehlt und zweitens ein geistiger Preiswettbewerb einsetzen wird, auf den die Restaurants dann aber leider keinen Einfluss mehr hätten.

  • Es ist ein Marketing-Gag. Denn er funktioniert ja auch nur, weil die Gäste wissen, was man so zahlt. Wer keine Ahnung hätte, was ein Hefeweizen im Lokal kostet, der zahlt zuwenig oder zuviel. Bei Zuwenig macht der Wirt auf Dauer pleite, bei zuviel kommt der Gast nicht mehr, wenn er es merkt.

  • Man sollte dieses Preismodell nicht über- aber auch nicht unterschätzen. Als generelle Lösung taugt es sicherlich wenig bzw. nur in solchen Fällen, wo man Kunden anspricht, die entweder sehr großzügig sind („Angeber“) oder die zum Betrieb oder Betreiber eine große emotionale Bindung haben, etwa ideologisch begründet oder aus einem Zusammengehörigkeitsgefühl heraus.

    Das Preismodell kann aber nützlich sein:

    – um zu testen, was neue Produkte und Dienstleistungen Gästen wert sind. Man ermittelt damit experimentell eine Nachfragefunktion und kann dann den optimalen Preis festlegen. Man setzt es also nur für einzelne Produkte ein und zeitlich begrenzt.

    – Man kann damit neue gastronomische Betriebe und/oder Produkte bekannt machen (zugegeben nur, solange dieses Preismodell noch Medien verleitet, darüber zu berichten).

    – Man reduziert aus der Sicht der Kunden das Risiko, eine neue oder ihm unbekannte Gaststätte oder ein neues Produkt zu testen, ähnlich wie bei einer Garantie, das man nur zahlen muss, wenn eine Speise geschmeckt hat.

    Es besteht natürlich, insbesondere wenn man nicht steuern kann, wer davon erfährt, die Gefahr, daß Gäste auftauchen, die dieses Angebot gezielt ausnutzen wollen oder auch nur mal testen wollen, ob man wirklich nichts oder ganz wenig zahlen kann. Diese Gefahr kann man Hemmschwellen verringern, etwa durch ein anspruchsvolles Ambiente, Tischbedienung, Altersgrenzen, etwa um Jugendliche auszuschliessen, gezieltes Einladen erwuenschter Gaeste.

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