Sonstiges

Carr über Google

Nicholas Carr hat auf strategy busines einen ziemlich guten Artikel über Google veröffentlicht, The Google Enigma, da Google zunehmend als die Paradefirma des 21. Jahrhunderts von immer mehr BWL-Professoren angepriesen wird, deren Organisationsmodell es nachzuahmen gilt, was Nicholas aufgreift und unter die Lupe nimmt. Am Rande: So wußte ich nicht, dass AdWords keine eigene Idee war, sondern von einem anderen Suchmaschinenanbieter namens GoTo bereits eingesetzt wurde, nur eben ohne ein Auktionssystem (das auf die Maximierung der Umsätze ausgelegt ist, betrachtet man den Mechanismus genauer, wie die Bannerpositionen sortiert werden, es entscheidet nicht allein der Preis pro Klick, sondern die Performance!)

Zur vermeintlichen Kostenlosstrategie Googles schreibt Carr sehr treffend:

Because the sales of complementary products rise in tandem, a company has a strong strategic interest in reducing the cost and expanding the availability of the complements to its core product. It“€™s not too much of an exaggeration to say that a company would like all complements to be given away. If hot dogs became freebies, mustard sales would skyrocket. It“€™s this natural drive to reduce the cost of complements that, more than anything else, explains Google“€™s strategy. Nearly everything the company does, including building big data centers, buying optical fiber, promoting free Wi-Fi access, fighting copyright restrictions, supporting open source software, and giving away Web services and data, is aimed at reducing the cost and expanding the scope of Internet use. To borrow a well-worn phrase, Google wants information to be free „€” and that is why Google strikes fear into so many different kinds of companies….
It routinely introduces half-finished products and services as online „€œbetas“€? because it knows that, even if the offerings fail to win a big share of the market, they will still tend to produce attractive returns by generating advertising revenue and producing valuable data on customer behavior. For most companies, a failed launch of a new product is very costly. For Google, in general, it“€™s not. Failure is cheap

Es mag sein, dass in Relation zu Googles Finanz- und Manpower die halbgaren Betas nicht sonderlich teuer sind. So wüsste ich dennoch liebend gern, ob ein Produkt wie GMail tatsächlich sich selbst finanziert oder nach wie vor subventioniert werden muss. Ich tippe mal auf das Zweitere. Das auch nochmals zu den vermeintlichen niedrigen Kosten, die so ein Dienst verursacht. Doch Trade Offs entstehen auf einer anderen Seite durchaus, wenn man es nämlich immer wieder schafft, mit Produkten, die nicht dem Google-Anspruch (den die Kunden an Google stellen) genügen, rauszukommen. Noch überstrahlt Googles Branding diesen Produktionsapparat.

Nicholas dazu:

So far, the record has been less than outstanding. Google has introduced dozens of new services, but with only a couple of exceptions, notably Google Maps, they have failed to capture dominant shares of their markets… Many of the most innovative and successful of Google“€™s new ser ­vices are, in fact, ones it has acquired rather than created. Those include the hugely popular video-sharing service YouTube… When it comes to innovation, Google is starting to look less like a sower than a harvester, less like an inventor than an exploiter. That“€™s a natural and perhaps necessary progression for a rapidly growing company, but it belies the firm“€™s popular image as a wildly successful innovator.

Ich dachte schon, ich sei recht allein mit der Meinung, dass Google nicht mehr wirklich innoviert, was möglicherweise mit der stetig wachsenden Größe der Firma zusammenhängt. Und dadurch sein Geschäft nach wie vor alleine auf dem Suchmaschinenprodukt basiert, was Google verletzlich macht (das gibt Eric Schmidt immer wieder unumwunden zu, was man aber primär wohl als Argument gegen zunehmende Monopolkritiken verstehen kann, denn solange der Kunde nur einen Klick vom Konkurrenten entfernt sei, könne man nicht von einem Monopol sprechen), wenn es nicht anfängt und diversifiziert, was jedes Unternehmen dieser Größenordnung tut.

Auch Nicholas hat in Erinnerung, dass das Google-Management angeblich darauf reagiert hat:

There are signs that Google is coming to recognize this problem. Over the past year, its management has begun tightening the reins on its organization, imposing some restrictions on the company“€™s freewheeling and free-spending culture. Late in 2006, in what CEO Schmidt called „€œa big change in the way we run the company,“€? it ordered its innovation teams to focus on fewer initiatives and reduce the overall number of products under development by 20 percent

Letztendlich, die Frage stelle ich mir auch die ganze Zeit:

We don“€™t even know whether its approach to management, and in particular its approach to innovation, is a cause of its success or a product of its success „€” a crucial distinction. Second, we don“€™t know how well Google“€™s example applies to other businesses.

Nicholas nennt zum Schluss drei maßgebliche Faktoren aus seiner Sicht, die Googles Erfolgsstory ausmachen, überraschende Schlüsse, die er zieht. Zentrale Denkansatz: In a sense, Brin and Page have tried to recreate the graduate school milieu inside the halls of a for-profit corporation

via Photo Matt

Weitere Google-Stories:
– Perez Hilton macht mit YouTubes neuem Werbesystem mit 25 Mio Views rund 5000 USD, wenig oder viel
– wie man GoogleApps nutzen kann, um Usern einen GMail-Account zu schenken und das via Pressemeldung für PR-Zwecke zu nutzen


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

15 Kommentare

  • Dass von Google sehr wenige Innovationen kommen sehe ich auch so. Abseits der Suche ist das AdSense&AdWords-System doch das einzig erwähnenswerte.
    YouTube und die diversen Apps hat man sich alle schön zusammengekauft. Aber das machen Yahoo, Microsoft und eBay doch auch nicht anders…

  • GoTo wurde dann später in Overture umbenannt. Aber das müsste dir doch ein Begriff sein ;). Google hat ja dann kurz vor dem Börsengang auch ca. 1,5 Milliarden an Overture zur Beilegung des Rechtsstreits gezahlt.

    Na das nennt man dann wohl CopyCat ;). Idee kopiert und verfeinert und dem ursprünglichen Markt-Ersten deutlich verdrängt. So läufts manchmal…

  • Die debate wird schwierig.
    Unklug wäre es zu behaupten, dass bei Google garnichts innovatives gibts. Erstman muss man sich vor Augen halten, dass Larry Page und Sergey Brin hochbegabte Mathematiker waren und ihre PHD (also Promotionen) recht früh absolviert haben und das gelingt nicht jedem.
    und wie wäre es mit der 1/5 Regel – Die arbeiter dürfen 20 % der Arbeitszeit für private Projekte aufwenden? das gibts in Unternehmungen extrem selten!

    Das Innovative dabei ist: dass genau in deisen 20 % der Zeit die besten Google Produkte entstanden sind – wie zum Beispiel Google News die auf Clustering-Methoden basieren,

  • Letzlich ist doch zu hoffen, dass das „graduate school milieu“ ein gutes Rezept ist, schliesslich wird es überall auf der Welt an Universitäten angewendet. Die Unis wollen doch theoretisch auch gute Forschungsergebnisse erzielen. Von daher würde ich die Strategie als nicht so sensationell bewerten.

  • Nun ja, alles in allem nicht viel neues. Klar ist das System der Suchmaschine natürlich fast unschlagbar. Allerdings ist ausser dem Suchalgorithmus und AdSense annähernd alles zugekauft. Irgendwie erinnert das alles an eine gewisse „Erfolgsstory“ aus Redmond…
    Und ähnlich wie Microsoft entwickelt sich dadurch langsam aber sicher eine Monopolstellung; etwaige Konkurre.. ähhh „Mitbewerber“ werden kurzerhand gekauft. Man denke nur an die Übernahme von DoubleClick.
    google entwickelt sich meiner Meinung nach auch immer mehr zur Datenkrake. Achtet mal auf die Statuszeile eures Browsers, wie offt dort steht warte auf analytics.google.com oder … statistics.google.com. Und man verrennt sich in manchen Projekten zu sehr. Ich erinnere an die Erweiterung zu googleMaps (hochauflösende Aufnahmen der Umgebung), wegen derer der Konzern derzeit in USA stark in der Kritik steht (auf den Aufnahmen konnte man Passanten, Autokennzeichen, Einrichtungsgegenstände und teilweise sogar Namensschilder an Klingeln erkennen)…
    Reporter: Wie sollte Ihrer Meinung nach die perfekte Suchmaschine sein?
    Antwort Larry Page: Wie Gott. Sie kann Dir sagen, was Du anziehen, essen, trinken und tun sollst……………………

  • Google muss doch gar nicht innovativ sein! Andere haben tolle Ideen, werden erfolgreich – Google hat Geld und kauft die kleinen Unternehmen.
    Dass Services wie Analytics, GMail usw. kostenlos angeboten werden, obwohl Sie nur Kosten bringen, ist doch klar: Sie sind ne tolle Werbung.

  • Ob Google Analytics oder GMail nur Geld „kostet“…?
    Google erhält dadurch wertvolle Profile, die später für
    (noch) gezieltere Werbung genutzt werden können.
    Bei Analytics fallen zudem wichtige Daten für das Ranking an.

    Nicht alle börsennotieren Unternehmen schielen nur auf das Quartalsergebnis.
    Es soll auch welche geben, die langfristig „investieren“. Man muss nur genau hinsehen.

    Ob das Google-Organisationsmodell für eine generelle Verallgemeinerung taugt,
    da bin ich nicht sicher. Zumindest vom Modell der Personalauswahl könnte sich so manches Untenehmen eine Scheibe abschneiden.

    Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es Google nur deswegen gibt, weil zum richtigen Zeitpunkt einige Zufälle günstige Gelegenheiten ergeben haben.
    Ich finde es jedenfalls noch heute witzig oder auch nachdenklich, dass die beiden Gründer damals ihre Idee wie sauer Bier namhaften Unternehmen angeboten hatten. Unter anderem waren sie zusammen mit dem Präsidenten der Stanford University (eine der renommiertesten Unis der Welt!) bei Yahoo. Dort hat man nur
    die Nase gerümpft. Mit Suchmaschinen könne man kein Geld verdienen.
    Yahoo hatte also seine Chance… Und viele andere auch.

    Schließlich hat ein Gesellschafter von Sequoia Capital (VC-Geber) die erste Mio aus seiner Privatschatulle als Scheck an die beiden ausgestellt. Brin und Page wollten eigentlich nie großes Geld verdienen. Nach einigen Jahren ließ sich das offenbar nicht mehr vermeiden… Ob man eine solche „Denke“ und das zusammenführen von Zufällen zum richtigen Zeitpunkt an der Uni lehren kann? Das wage ich zu bezweifeln. Und noch mehr, ob man das Org-Modell auf bestehende Unternehmen anwenden kann. Google ist damit von Anfang an gewachsen. Die Entwickler spielen dort oft mehr, als sie den Eindruck haben zu arbeiten. Dazu braucht man die richtigen Mitarbeiter. Wobei wir wieder bei der Personalauswahl wären… 😉

  • Das ist die Stelle, an welcher mancher wieder in die Verschwörungsecke driftet…
    Ist doch da die Rede von Profilen und der öminösen Sequoia Capital, welche ja angeblich von der CIA geführt und kontrolliert wird 😉

  • Nein nein, aber laut diversen Berichten entstammt das Startkapital für google, welches je nach Quelle zwischen 1 und 30 Mio US$ schwankt, der oben genannten Firma (welche in fast allen Quellen genannt wird, also scheint zumindest das wahr zu sein). Und eben Sequoia Capital soll angeblich Geld aus schwarzen Kassen der CIA als Risikokapital unter die Leute bringen; vornehmlich zu solchen Unternehmen, von welchen man sich im Nachhinein einen irgendwie gearteten Nutzen erhofft.
    Schaut man sich aus dem Blickwinkel dann das google´sche Datamining an, kann es einem schon mulmig werden. Mal gespannt, wann die MiB vor der Türe stehen 😉

  • Einfach mal „Die Google Story“ von David A. Vise lesen. Da wurde an den Quellen recherchiert, also mit den betroffenen Leuten gesprochen. Falls der Verfasser oder die Betroffenen nicht bewusst lügen, halte ich das für eine vertrauenswürdigere Quelle als das Nachgeplapper von Wichtigmachern.

    Und noch eins geht mir durch den Kopf. Ockhams Rasiermesser. Dass die CIA über Sequoia Capital mittels schwarzer Kassen Einblick/Einfluss auf Unternehmen nehmen soll… (Seit wann bekommen den Risikokapitalgeber direkten (!) Einblick in operative Betriebsdaten?). Die CIA bekommt auch so die Daten, die sie haben wollen – im Rahmen der dort geltenden Gesetze. Klar lesen die und das FBI bestimmte Dinge mit. Überall. Echelon? Dort wird eh alles mitgeschnitten. Dazu brauchen Sie keine illegalen Deals über Unternehmensbeteiligungen.

    Aber wir waren ja auch nicht auf dem Mond. War alles ein gigantischer Betrug. Eines Tages wachen wie sicher in Nährlösungen auf (siehe Matrix) und erkennen, dass die Umwelt wie wir sie wahrnehmen von der NSA gemacht wurde. Wir sind alle nur Computerchips. Oh Herr schmei? Hirn vom Himmel… 😉

  • Re comment #10: What proof is there regarding Sequoia Capital being connected to the CIA? – and therefore any CIA connections leading directly or indirectly towards GOOGLE ?

  • Die Unis wollen doch theoretisch auch gute Forschungsergebnisse erzielen. Von daher würde ich die Strategie als nicht so sensationell bewerten.

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