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Social Networking: Quo Vadis?

was zeichnet ein Social Network aus und warum gibt es so viele? Eigentlich recht einfach. Ein Social Network zeichnet sich durch ein Userprofil aus, das mit anderen Usern vernetzt wird. Wie geht das? Durch zwei Wege: User laden ihre Kontakte frisch auf die Seite ein und sie suchen sich neue bzw. bekannte Kontakte auf der Seite zusammen, die dort bereits registriert sind. Beide Wege wirken sich vertriebsbegünstigend aus, der erste Weg wirkt direkt, der zweite Weg wirkt indirekt. Der User übernimmt den Vetrieb, ist doch fantastisch, ein Traum.

Mehr noch. Durch das Wachstum des eigenen Netzwerks nimmt die Interaktionshäufigkeit zu (1st degree = 10 Kontakte, 2nd degree = 1.000 Kontakte, 3rd degree… = na?), der User verlagert mehr und mehr Zeit fast schon gezwungenermaßen auf das SN. Und wo hängen dann die Buddies ab? Eben, in der neuen Lieblingslocation. Die man zunehmend da hinlocken wird. Momentan extrem bei wer-kennt-wen zu beobachten. Bis es zu einem Social Place für Viele wird. StudiVZ. Doch es gibt ja nicht nur ein Social Network, es gibt viele Social Networks, für alle möglichen Zwecke, mal fokussierter (Dopplr), mal weniger fokussiert (MySpace). Und was muss man dort machen? Eben, erneut seine Buddies einladen und neue/bestehende Buddies auf dem SN zusammenfinden, bis man ein für sich zufriedenstellendes Netz aufgebaut hat, damit sich das Social Place einigermaßen wohlig anfühlt.

Und? Nun, man kann sich jetzt schon vorstellen, dass das spätestens beim 10. noch so tollen SN irgendwann ermüdend wird, diesen Netzwerkaufbau jedes Mal aufs Neue vorzunehmen. Das langt aber nicht. Wir dürfen ja nicht die Interaktionen auf den 10 SNs vergessen. In jedem hast du 10 direkte Kontakte, 1.000 Freunde deiner Freunde, 100.000 Freunde der Freunde deiner Freunde. Und sagen wir mal, du interagierst (egal in welche Richtung) explizit mit 0.01% dieser noch so entfernten Buddies 3. Grades. Das wären täglich rund 110 Aktionen (Gästebuch, interne Mail, neue Freundschaftsanfrage, Invitation zu einer neuen Applikation -OpenSocial lässt grüßen- Fotos markieren, gruscheln, taggen, bewerten, etcpp). Selbst wenn jede Aktion nur 1 Minute in Anspruch nimmt im Schnitt, wären das fast zwei Stunden pro Tag. Zwar bieten SNs bewußt oder unbewußt unterschiedlich komplexe Interaktionsmöglichkeiten an, damit der User auch mal im Vorbeigehen was machen kann, ohne gleich das Brain anstrengen zu müssen. Und auch nicht immer interagieren muss, sondern auch entspannt duchsurfen kann. Aber, Zeit ist Zeit. Und die zwei Stunden sind übrigens nix Besonderes, viele Friendster-User verbrachten im Schnitt zwei Stunden alleine auf dieser Plattform damals. Das dürfte bei Facebook und MySpace heute nicht groß anders sein.

Nur, 10x 2 Stunden geht nicht. Und jedes Mal ein neues Netzwerk durch Einladen und Entdecken aufbauen auch nicht. Sprich: Der Vorteil, dass User eines SNs die Seite vermarkten, die Vetriebsfunktion übernehmen und auch noch sehr ähnlich gelagerte Zeiteinheiten (was die Arten der Interaktion angeht) investieren, wird schwinden. Mit jedem User, der in einer gewissen Anzahl von SNs aktiv ist bzw. war. Und die SNs buhlen um all diese User. Doch, ein gutes SN knabbert am verfügbaren Zeitkontingent des Users. Auch zu Lasten anderer SNs.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Sobald ich ein Cafe betrete, werde ich aufgefordert, andere User einzuladen. Wenn ich wieder rausgehe, kann ich meine Freunde nicht mitnehmen, die bleiben als Geiseln, damit ich wiederkomme, ja oft und lange wiederkomme. Funktionieren Cafes nach dem Prinzip der Geiselhaft und kostenlosen Vertriebsarbeit für den Inhaber? Social Networks schon. Aber zunächst ein Schwenk zur jüngsten Story von Robert Scoble. Ein kleiner Stein, der eine anrollende Lawine ausgelöst hat möglicherweise.

Habt Ihr die Story mit Robert Scoble mitbekommen? Der wurde von Facebook gekickt, als er ein Script eingesetzt hat, dass Kontakte Richtung Plaxo ausgelesen hatte. Ohne die ganze Story im Detail erzählen zu wollen, das Ende vom Lied ist, dass sich Facebook, Plaxo und Google der sog. Data Portability Group angeschlossen haben. Mission Statement:

As users, our identity, photos, videos and other forms of personal data should be discoverable by, and shared between our chosen tools or vendors. We need a DHCP for Identity. A distributed File System for data. The technologies already exist, we simply need a complete reference design to put the pieces together.

So, was hat Mr. Naseweis Robert B. schon einige Male erzählt? Die Social Networking Anbieter, auch die Großen, werden sich so oder so Gedanken machen müssen, wie man die persönlichen Netzwerke und Interaktionsmöglichkeiten der User zwischen den SNs nicht abschottet, sondern öffnet. Sonst läuft es darauf hinaus, dass die User ermüden, keinen Bock mehr haben, wegbleiben, abwinken. Zunehmend vor der Datenhorterei der SNs zurückschrecken. Man möchte sich letztlich mit seinen Buddies wo auch immer und wann auch immer in das Cafe setzen können, ohne komplexe Formulare ausfüllen zu müssen. Anrufen, Treffpunkt, Uhrzeit, fertig.

Es ging bei SNs nie darum, dass man sich vernetzt, sondern dass man stets einen Teil seines alltäglichen, sozialen Zusammenlebens Stück für Stück auch in ein Social Network überträgt. Denn, Social Networks bilden -so Stand der heutigen Technik- sehr grob das soziale Verhalten von Menschen digitalisiert ab. SNs sind digitale Treffpunkte. Es spielt dabei keine Rolle, welchen eigentlichen Zweck sie haben, ob Schwimmbad, Disco, Bar, Kino, Restaurant, Wohnzimmer, Cafe, Einkaufsmeile, Tankstelle, Bushaltestelle, Dorfkirche, Tanzschuppen, what ever. Man will hingehen, ohne olle, sehr grobe Türsteherprozesse immer und immer wieder durchzugehen. Ohne jedes Mal aufs Neue sagen zu wollen, wer meine Buddies sind. Man hat als SN-Anbieter ohne es wohl zu wollen, ohne es zu ahnen (da die meisten SN-Anbieter CopyCats sind und imho kein Verständnis haben, was sie da tun), eine Tür aufgestoßen und die User nutzen diesen Durchgang, übertragen dabei ihre Erfahrungen aus dem RL auf das SN. „Lass mich einfach rein, lass mich einfach raus, meine Freunde sind keine Geiseln“. Das ist die unausgesprochene Message. Wollen also neue „Cafes“ = Orte = Social Places Erfolg haben, werden sie lernen müssen, was es heißt, reales Sozialisierungs- und Ausgehverhalten zu befriedigen. Sonst werden sie gegen die jetzigen SNs keine Chance haben. Komisch, echte Cafe-Inhaber haben die Tür nie zugesperrt, sie steht offen in beide Richtungen. Und sie haben gelernt, dennoch Erfolg zu haben. Open the Doors, Mister Social Networker:)) Tja, wer hat gesagt, dass Virtualisierung des menschlichen Zusammenseins eine Sache von guten Codern und smarten Marketiers ist? Ein SN existiert nicht allein, es ist in sich selbst in einer vernetzten Umgebung eingebettet. Und damit kann es nicht selbstbestimmend auf Basis der eigenen Aktionen agieren. Jedes SN prägt in der Summe die Erfahrungen der User. Das muss man berücksichtigen, wenn man ein SN plant ode betreibt. Und wie gesagt,es ist ratsam, sich die gesamte Entwicklung anzuschauen, nicht nur die der Konkurrenten.

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

55 Kommentare

  • Ich habe nur eine Handvoll Freunde. Und mit denen telefoniere ich. Das gibt es nämlich auch noch. Manchen schicke ich sogar eine Karte zum neuen Jahr. Alles andere sind Kontakte. Mehr nicht. Die Masse ist anders. Das sind Schwärme. Und da geht’s immer hinterher. Und das bleibt auch so. In tausend Jahren. War nämlich vor tausend Jahren auch so.

  • „Momentan extrem bei wer-kennt-wen zu beobachten.“

    Noch nie vorher gehört! Das „extrem“ kommt Dir also persönlich nur so vor…

    Und wenn ich eine Bar/Cafe/Disco verlasse, dann zwinge ich normalerweise nicht alle anwesenden Freunde woanders hin mitzugehen .-)

    Ich brauche keine SNs weil ich habe die eMail-Adressen, Handynummern und ICQ-UINs meiner „echten“ Freunde alle parat und kann diese direkt kontaktieren ohne umständliche PMs.

    Zumal man in SNs nicht gleichzeitig „zusammen“ abhängt, sondern alle nur zeitversetzt mal reinschauen (gähn).

    In SNs festigt man keine wichtigen Freundschaften sondern lernt eher nur die Freunde der Freunde besser kennen.

    Und übrigens im echten Leben kann man auch nicht von Disco X zu Disco Y ziehen und umsonst reinschauen 🙂

    Ich sehe nach wie vor keine Notwendigkeit für offene Netzwerke. Die dienen nur den faulen Usern und vermindern die Einzigartigkeit von manchen Netzwerken. Zumal die „Offenheit“ auch nur aus Basic-Features bestehen würde… die „geilen“ Funktionen lassen sich nicht plattformübergreifend nutzen.

    Aber mir wuscht, ich bastel derzeit ein geschlossenes System um Ruhe vor anderen zu haben 😉

  • Kannst du dir überhaupt vorstellen wielange mich dieser Beitrag gegeiselt hat? Wieviel Zeit allein du in Anspruch nimmst? Dein Öffnungsprozess beginnt ja momentan (siehe SP) aber wenn du weiter so an deine Texte fesselst werde ich dem Moloch Basic keine neuen Freunde mehr bringen die er vor meinen Augen in die tiefen Internetabgründe ziehen kann!

  • Gab es da nichtmal so ein dreistes SN das die Buddies aus yahoo gmx und outlook gezogen hat? Du auch die Leute so angeschrieben hat als ob Sie schon Mitglied wären?

    Ich finde den mixxed ansatz sehr gut. So kann ich mit einem Profil in jedes Sn was dort exestiert mich anmelden. Das wird derzeit oft bei BarCamp anmeldungen eingesetzt.

  • Danke für den Post, denn ich denke, dass 2008 für diesen Bereich sehr entscheidend sein wird. Das Thema ist ja schon länger etwas heisser und auch auf der Web 2.0 Expo in Berlin konnte man dazu viel sehen und hören (z.B. von David Recordon).

    Meine Idee wäre, dass wir nicht mehr von sozialen Netzwerken sprechen, sondern von sozialen Applikationen, auf denen ich eine bestimmte Sache machen kann, wie z.B. meine Bilder hochladen (flickr). Dann kann ich einem Teil meines gesamten sozialen Netzwerks (was ich an zentraler Stelle definiert habe) bestimmte Rechte geben. Damit wird das Internet wieder zum Netzwerk und nicht jedes neue soziale Netzwerk muss alles bislang dagewesene implementieren und wird es vor allem einfacher haben User zu gewinnen.

    Ich habe dazu auch auf englisch in den letzten Tagen 2 Sachen gebloggt. Das eine ist mehr generell meine Vision:

    http://mrtopf.de/blog/web20/my-vision-for-open-social-networks/

    das andere bezogen auf Content Management Systems:

    http://mrtopf.de/blog/web20/what-is-the-future-of-content-management-systems-related-to-social-networks/

    In diesem Bereich will ich auch definitiv in nächster Zeit aktiv werden. Die Standards, um Daten zu portieren sind ja schon da, was fehlt ist die Definition von Prozessen und natürlich Policies, denn wenn der Scoble-Vorfall eines gezeigt hat, dann dass noch viel Diskussionsbedarf da ist bzgl. Privatphäre.

  • […] 1000 Fragen sind noch offen, nach den überraschenden Ankündigungen von Google, Plaxo und Facebook der DataPortability Workgroup beizutreten. Wie der Name schon sagt, ist es nur eine Arbeitsgruppe, die ein Referenzdesign – unter Berücksichtigung offener Standards und und Protokolle – entwerfen will, um seinen “Social Graph” transportabel zu machen (Eine anschauliche Erklärung gibt es bei Robert Basic) […]

  • Ich verstehe den Hype um diese ganzen SNs gar nicht. Jedes Mal, wenn ich mich an einem dieser sog. Social Networks versucht habe, habe ich es spätestens nach dem dritten Tag aufgegeben. Was bringt es mir, Freunden, die mich doch sowieso schon kennen, mein Profil anzuzeigen? Um ehrlich zu sein, bei LinkedIn o.ä. habe ich auch noch nie einen Kontakt machen können, der sich in irgendeiner Form gefestigt hätte oder für mich von Dauer gewesen wäre.

  • „Der Vorteil, dass User […] Zeiteinheiten […] investieren, wird schwinden.“

    Jetzt nicht mehr, da sich das studiVZ für mich erledigt hat, gehts jetzt im Facebook erst richtig los! 😉

    Btw: In jedem SN wüsste ich nichts in den 2 Stunden anzufangen, im Facebook oder im ehemaligen studiVZ oder auch bei Jappy wüsste ich was mit 2 Stunden (und mehr) anzufangen. Aber bspw. bei XING wüsste ich jetzt nicht, wo ich dort 2 Stunden investieren soll, außer mit Lesen in Foren.
    Bzw. MySpace, Mucke anhören. Ja, und sonst? Gucken welche Bands, Schauspieler und B-Promis die Freundschaftsanfragen angenommen haben 😉 und da hörts dann auch wieder auf… Also um User langfristig und zeitintensiv an eine Plattform zu binden, muss man den Leuten schon ziemlich was anbieten und da fällt mir als aktuelles von mir genutztes SN nur das Facebook ein.

  • Der Vorteil eines SN zeigt sich bei mir vor allem in einem: Geld mit Werbung verdienen! Letztendlich geht es den (gekauften) Betreibern um Einnahmen – ein wirklich offenen SN wird es wohl daher auch in Zukunft nicht geben.

    Wohin gehst Du? ist schon sehr treffend beschrieben – vielleicht heißt es in Zukunft dann auch mal: Wohin socialst Du?

  • Abgesehen davon, dass ich deine Meinung zu offenen SocialNetwork-Seiten teile, hinkt dein Beispiel. Ein Café sperrt nicht die Tür zu und lässt mich und meine Freunde nicht mehr raus. Das ist richtig. Macht aber ein Social Network auch nicht. Jeder kann sich wo anders anmelden, wenn er will. Und auch seine Freunde können das wieder tun – sie müssen sich dann nur neu finden.
    Das ist vergleichbar mit einem Riesen-Café mit mehreren tausend Sitzplätzen, in dem man sich trifft. Man geht rein und muss auch ersteinmal alles abgrasen, bis man seine Freunde gefunden hat. Da sind SNs mit ihren Suchfunktionen sogar schon weiter 😉
    Ein automatischer Mitnahmeprozess der alten Freunde aus einem anderen SN wäre vergleichbar mit einem Café, das einen Limousinen-Service zur nächsten Bar anbietet. Und da müssen dann alle deine Freunde mit – auch wenn sie eigentlich gar nicht hin wollen 😉

    Besser wäre es, die Suchinformationen zu standardisieren. In meiner Stadt habe ich 300 Freunde. Mit 10 war ich eben in einem Café, dann mache ich einen Location-Wechsel und geh in eine Bar. Am Eingang gebe ich eine Liste mit z.B. den Namen meiner Freunde ab und sofort wird mir rausgesucht, wer von meinen Freunden auch hier ist und wo sie gerade sind.

  • Schon spannend in welche Richtung die Kommentare gehen. Aber ich denke auch, dass die Bloglesende und kommentierende Gemeinschaft beim Basic nicht die Masse ist.

    Was ich damit sagen möchte – hier wird viel gegrübelt. Ich schließe mich nur den Netzwerken an, die einen Mehrwert für mich haben und nicht nur um dabei zu sein. Myspace finde ich interessant, aber ich könnte nicht die Zeit aufbringen micht dort richtig zu positionieren – daher lasse ich es (noch).

    Ich finde Akquisition von Freunden und Aufträgen klappt ohnehin um ein vieles besser im Cafe als im Web.

    *rock on

  • Ich gehe nicht ein Monat oder ein Jahr lang immer in das selbe Café. Die Auswahl ist groß, fast ähnlich wie im Internet. Es ist durchaus möglich, dass ich innerhalb von einer Woche in 4 verschiedene Localitäten gehe. Teilweise auch mit unterschiedlichen Freundeskreisen (einmal in der Stadt, in der ich arbeite, einmal mehr in ländlicher Gegend bei mir daheim, einmal mit den Leuten meiner Freundin, …).

  • Da bekommt die Frage „Wohin gehst Du?“ ja eine ganz plastische Bedeutung 🙂
    Bei 300 Live-Freunden bleibt ja nicht mehr viel Zeit fürs Internet oder Arbeit … 😉

  • Die 300 Freunde waren als Beispiel gedacht, um die Relationen zwischen Real-Live und SN gleich zu halten, da Robert eben diese zwei Sachen vergleicht.
    _Echte_ Freunde hat man meiner Meinung nach sehr wenige. Deshalb streube ich mich auch dagegen, in Social Networks den Namen „Freunde“ zu verbrauchen – meiner Meinung nach sind es einfach Kontakte.

  • dann eben Kontakte – ändert das Problem oder die Fragestellung ja nicht. Interessant wäre mal, ob ein SN auch – wie beim Café möglich – bei Überfüllung (kurzzeitig) geschlossen wird?

  • Dann kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten, dass ich mehr als 300 Kontakte im Real Live besitze – auch wenn ich nicht mit jedem Kaffee-trinken gehen würd 😉
    Ob ein SN wegen Überfüllung geschlossen wird? Das liegt am Betreiber. Rein räumlich wird es nie ein Problem geben – wir bewegen uns im Internet ja nicht im dreidimensionalen Raum, sondern der Raum ist unendlich – in alle Richtungen. Die Überfüllung tritt also nicht ein, wenn der Raum voll ist, sondern sobald die Übersicht verloren geht und keiner mehr seine Freunde oder neue Freunde finden kann. Bei heutigen Suchalgorithmen und Power der Server kann ich mir aber ein derartiges Szenario nur schlecht vorstellen – wenn das SN vernünftige Auffindmethoden implementiert hat.

  • Vergesst bei eurer Café-Theorie aber nicht die Tatsache, dass ihr aus physikalischen Gründen nicht in 2 Café’s gleichzeitig, mit unterschiedlichen Arten von Freunden, bzw. Freundeskreisen sein könnt, was die SNs zulassen. Hier ehemalige Kommilitonen, da die besten Freunde, hier alte Schulbekannte, hier berufliche Kontakte. Ein Tanz auf mehreren Hochzeiten den das reale Leben nicht hergeben würde 😉

  • dabei ist Polygamie hierzuladen verboten 😉
    aber alles eine Frage der eigenen Wünsche und Bedürfnisse: ich würd lieber mit einem Kontakt/Freund intensiv im Café trinken gehn als zehn gleichzeitig schreiben und antworten zu müssen …
    oder kurz gesagt: „Wohin gehst Du?“ – ins Café

  • interessanter artikel, ein thema , dass mich persönlich auch schon länger interessiert, obwohl ich in keinen deutschen SN unterwegs bin, sondern eine identy erschaffen habe, mit der ich nur in englischen SN unterwegs bin.

    habe übrigens sowas auch letztes Jahr bei heise gelesen
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25536/1.html

    PS: bin hier durch den perlentaucher gekommen

  • Wenn das Wechseln so vereinfacht wird, wird alles auf ein Monopol hinauslaufen, nicht umsonst hat sich facebook als eines der ersten der Data Portability Group angeschlossen, kann ja nur von Vorteil für den Marktführer sein.

  • Es stellt sich die Frage wer gewinnt und wer verliert hier? Die großen SN´ler wollen Moneten sehen? Daher wenn der eine oder andere Traffic und oder Besucher verliert, dann freuen sich die kleinen Sn´ler 🙂 Bzw. sie müssen sich anstrengen um etwas neues anzubieten, aber was?

  • „Es ging bei SNs nie darum, dass man sich vernetzt, sondern dass man stets einen Teil seines alltäglichen, sozialen Zusammenlebens Stück für Stück auch in ein Social Network überträgt“
    Dem stimme ich absolut zu. Daraus folgt aber, dass das Potenzial neuer SNs entscheidend davon abhängt, um Sie einen „Teil des alltäglichen Zusammenlebens“ überträgt, den andere SNs noch nicht so stark berücksichtigt haben. Ein interessantes Thema hier ist sicherlich Eigentum. Eigentum hat in der Darstellung nach außen auch immer eine soziale Komponente. In der Form, dass Menschen „persönliche“ Besitzgegenstände auswählen (wie Möbel oder Kleidung), die auch einen Teil Persönlichkeit ausdrücken.

  • Auch wenn ich den tieferen Sinn, des Posts immer noch nicht ganz verstanden habe, muss man denke ich zwischen verschiedenen SNs unterscheiden:

    globalzoo.de (mein Tribut zur SN Welt) dient nicht nur dazu mit seinen bestehenden Freunden in Kontakt zu bleiben, sondern es geht darum aktiv Leute finden zu koennen, die ins gleiche Land reisen, Erfahrungen auszutauschen und ganz wichtig: in ihrem Reiseblog den Freunden und Bekannten von ihren Erlebnissen einfach berichten zu koennen.

    Das ist eine Community, die dann Nutzen zeigt, wenn man vor einer Reise steht oder gerade rumreist. Im „Alltag“ muss man die ja nicht jeden Tag besuchen. 😉

    SNs wie „wer-kennt-wen“,“joinr“ etc dienen eher zum Zeitvertreib und zur Befriedigung gelangweilter Menschen, die neue Leute kennenlernen wollen ohne vor die Tuer zu gehen – was ja nicht unbedingt negativ gemeint sein muss.

    Wenn du, Robert, SNs nur als Tool zum „in-touch“ bleiben ansiehst, ist dein Vergleich zum Cafe im echten Leben vielleicht OK.

    Ich sehe viele (nicht alle) SNs, die sich auf bestimmte Interessengruppen spezialisieren und dem Mitglied echten Nutzen bringen, allerdings nicht als solches Tool an.

  • Bei Eigentum und Zusammenleben denke ich spontan an virtuelle Welten 🙂 Aber ich sehe die ja eh als natürliche Erweiterung und Visualisierung von sozialen Netzwerken.

    Und es stimmt natürlich auch, dass es x verschiedene Arten von Social Networks gibt, mehr generelle und mehr spezifizierte. Auch wenn man mal in den Recommmendation-Bereich schaut, braucht es ja dort Leute, die solche schreiben. Und dort würde ich meinen engeren Kontakten vielleicht mehr Glauben schenken als irgendwem, wie es ja auf vielen Hotel-Sites usw. der Fall ist. Hier wäre es ja wunderbar, wenn ich mein soziales Netzwerk einfach mitnehmen könnte und nicht jede Site dies wieder und wieder aufbauen muss. Dann nämlich bekommen diese Verbindungen auch viel mehr Macht.

  • naja, du hast irgendwie recht.
    reinlassen tun die ganzen SN jeden sehr einfach. aber wehe man will mal raus … dann wird gezickt.

    aber das ist ja auch leicht verstaendlich bei unternehmen, deren einzige resource die kunden sind. SNs sind im weitesten sinne parasitaere einrichtungen – man bietet dem kunden nichts, was er auch nicht alleine mit einem mailprogramm hinkriegen koennte. und damit verdient man dann geld.

    wenn der kunde/user nun weg will, wirds schwierig. immerhin hat man ohne den kunden kein produkt, das weitere kunden anziehen koennte und so sieht sich ein SN schnell in seiner existenz bedroht.

    was die SNs noch nicht begriffen haben, ist dass user hoechst positiv auf offenheit reagieren. das ist aehnlich wie die musikindustrie, der erst jetzt dazu laaangsam uebergeht DRM-freie digitale musik anzubieten.

  • Das mit der Dataportabilty war überfällig aus Usersicht, nur linkedin hat wohl Nachholbedarf, die sagten dcoh mal, dass Sie neun MOnate braucehn wrden um sich zu öffnen. Schön, dass die Betreiber der SN sich nun geeinigt haben, auf lange Sicht wird sich dann vielleicht nur ein Netzwerk durchsetzen? NUr wie sieht das nun konkret aus, ein Zeitplan wurde ja nicht genannt.

  • Genau über die „die Daten gehören dem User“ und Data Portability Problematik hat sich wahrscheinlich jeder seit langem geärgert, ich kann mich gut an unzählige Diskussionen darüber auf Barcamps erinnern.
    Umso interessanter fand ich daher den Ansatz, den Oliver uns vor kurzem präsentiert hat – Arbeitstitel Projekt MM und meiner Meinung nach mit gutem Potential einige dieser Probleme zu umgehen.

  • Na da hab ich noch meine Zweifel ob das was wird.
    Die meisten Anbieter einschließlich Plaxo und Google/Gmail sind ja unfähig offene Formate wie vcard für Adressen zu lesen und zu verwenden!!!

    Wie Qwertz schon sagte mein Interessantestes Netzwerk ist immer noch das, das ich mit Telefon, Email und IM selbst aufgebaut habe. Darauf aufbauend könnte man das größte und beste Netzwerk der Welt schaffen. Es wäre eine Art Telefonbuch, das mehr enthält als nur Telefonnummern. Und es bleibt noch Zeit für die Kneipe. 😉

  • An Facebook kommt man heutzutage nichtmehr vorbei.. Allerdings ist XING ja auch grad am umdenken und nähert sich Facebook an.. also sicherlich in der Zukunft auch weiterhin ein heißer Kandidat.

  • Ich kann mir vorstellen das der google sich auch bald in das geschäft einmischen wird, ich meine mit dem +1 button haben die schon in dem ersten monat twitter überholt, warum jetzt nicht noch mit SN probieren…

  • Hallo zusammen,

    ich sehe hier noch nicht unbedingt das Quasi Monopol von Facebook in Gefahr – Die Nutzung von Google+ hält sich ja noch eher in Grenzen und bei den meisten Angeboten fragt man sich dann schon, warum soll ich nicht einfach die analoge Funktion bei Facebook nutzen – wer will schon gerne Kontake und Co. in mehreren Netzwerken parallel verwalten? Den einzigen USP sehe ich da noch bei LinkedIn, die sich über den Business Fokus absetzen können…

    VG
    Jens

  • Ich denke auch das Google+ mehr und mehr zulegen wird und der Hype von Facebook auch wieder abklingen wird. Oder es kommt wieder eine ganz neue Sache auf den Markt, wer weiß das schon…
    Letztendlich werden die Leute davon wegkommen ihre gesamten Daten auf einer Plattform anzugeben!

    Grüße

  • Interessanter artikel. Obwohl ich in keinen deutschen SN unterwegs bin, sondern eine identy erschaffen habe, mit der ich nur in englischen SN unterwegs bin.

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