Sonstiges

der Untergang militärisch organisierter Unternehmen?

warum auch immer, aber Unternehmen sind wie die Militärs organisiert: Der King thront oben, sein Hofstatt um ihn herum (die Vorstandskollegen und Bereichsdirektoren), darunter weitere Leitungsebenen und ganz unten die Fußsoldaten. Die Kommandostruktur ist kristallklar top down orientiert. Wer aufmuckt wird geköpft, Befehlen ist unbedingt Folge zu leisten. Mehr oder minder stellt das verkürzt und trotz einem modernerem Fokus auf Teamplay die heutige Unternehmensorga dar. Dieses Modell ist nicht in Stein gemeißelt, es gibt viele, denkbare Alternativen. Beim Dieter findet Ihr zu dem Thema einen sagen wir mal neuen Ansatz. Es geht nicht darum, wie man die Hierarchien abschaffen kann, es geht mehr um das Thema, wie man mit Hilfe moderner Kommunikationsmedien, die wir alle aus dem Web 2.0 kennen kann, die Hierarchien weiter verflachen, zudem die Mitarbeiter, Kunden und Partner stärker als je zuvor in den Unternehmensalltag einbinden kann. Das Ganze wird nicht theoretisch abgehandelt, sondern am Beispiel der Synaxon AG aufgezeigt. Inwiefern das Wunschdenken ist und ob sich der Alltag für Fußsoldaten letztlich genauso wie zuvor darstellt, weiß ich natürlich nicht.

Spannend? Ich denke ja, denn momentan schwirren zwar Begriffe wie Enterprise 2.0, Wikinomics, Open Source Marketing, und was weiß ich durch die Gegend, doch die Praxis muss zeigen, ob die rein theoretischen Ideen standhalten. Momentan beziehe ich mich meistens auf Mozilla, wenn es um die Konkretisierung geht, die ein Role Model für andere Unternehmen sein können, was die offene Kommunikation und Produktion angeht. Ich kenne kaum ein anderes „Unternehmen“, das in so kurzer Zeit weltweit einen derartigen Erfrolg vorzuweisen hat. Das wird mit Sicherheit eben an der Offenheit liegen, nicht nur am guten Produkt (Firefox). Das Produkt ist mehr ein Ergebnis der offenen Zusammenarbeit, aber nicht die Ursache.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

14 Kommentare

  • Ich beobachte derzeit eher den umgekehrten Weg.

    Ich sach ma: Wir in Deutschland haben vielerorts noch eine gewisse Basisdemokratie, wo zumindest ein kleiner Gestaltungsspielraum in den unteren Ebenen vorhanden ist. Und wenn die Herren Abteilungsleiter, Bereichsleiter, Standortfürsten merken, dass da was gegen den Strich geht, können sie die ganze Organisation lähmen.

    Nach und nach aber wird das anglo-amerikanische Modell eingeführt. Ein einziger CEO sagt, was zu tun ist. Und genau so muß es gemacht werden. Und zwar sehr schnell, denn das nächste Quartalsende naht. Da wird nicht lange geflunkert und diskutiert. Machen und Ruhe da. Guck dir die alte Deutsche Bank und ihren CEO (Chef Exekutor) mit dem Executive Commitee an. Die anderen Vorstände machen Personal, Stab, IT und so Gedöns. Ein einziger bestimmt aber was wirklich läuft.

    Die selbstorganisierende Modell (selbstlernende Organisationen wie Ameisenstaaten) entdeckt man gerade. Spannend was da abläuft. Mich würde das mal in einer großen Organisation interessieren. Ein mittelständisches Unternehmen mit 500 bis 2000 Mitarbeiter wäre schon spannend genug. Synaxon hat 130 Mitarbeiter. Eine Größe, bei der es interessant wird, die Entwicklung weiter zu beobachten.

    In virtuellen Projektteams sind ebenfalls solche neuen Ansätze zu beobachten. Ich glaube, es wird noch einige zahlreiche Jahre brauchen, bis die unumdenkbare Generation unsereiner die Parkbänke anwärmt und unsere Kinder das umsetzen. Mittel- bis langfristig werden gut vernetzte kleinere Einheiten wesentlich flexibler handeln und die alten Organisationen ausbremsen. Dein Mozilla-Beispiel zeigt das bereits.

    Noch ein Augenzwinker aus der Ecke Deutschpolizei: In Stein gemeiselt, kommt das von den Meisen, die meiseln (also: singen)? Oder wollt es gemeißelt heißen, weil der Steinmetz mit dem Meißel es unwiderbringlich in den Stein reinhämmerte – meißelte?

  • Das ist eine sehr spannende Frage, die ich mir schon seit Jahrzehnten immer wieder neu stelle. Cluetrain hat große Hoffnungen geweckt, die ich persönlich im globalen Kontext allerdings nicht mal ansatzweise erfüllt sehe.

    Von BWL/VWL habe ich ja überhaupt keine Ahnung. Deswegen klingt es möglicherweise ein wenig laienhaft, wenn ich sage: der verstärkte Wandel hin zur Unternehmensgründung und -erweiterung mit Fremdkapital ist keine Hilfe – er trennt die Kunden- und Mitarbeiterinteressen noch viel deutlicher von denen des Unternehmens. Ich finde, daß man das gerade in letzter Zeit immer immer stärker wahrnimmt. Das einzige, daß sich m.E. verändert hat, ist die Selbstdarstellung der Unternehmen (persönlich, sozial, unbürokratisch, verantwortungsvoll), die aber immer weiter von der Realität (Heuschrecken) differiert.

    Die einzig interessante Frage – oder vielleicht eh‘ die einzige Frage: wie lange lassen die Menschen das mit sich machen? Schließlich kann man auch den Trend zu mehr Individualität und mehr (Lebens-)qualität nicht ganz leugnen.

    Daß Unternehmen, die aus diesem Schema ausbrechen, möglicherweise deutlich erfolgreicher sind, als der Rest, läßt sich m.E. leider nur schwer beurteilen, da diejenigen, die mir dazu spontan einfallen, eh‘ personifizierte Erfolgsgeschichten sind – Google, Camper Shoes, …
    Schwer zu sagen, ob die nun erfolgreich sind, *weil* sie anders sind, oder ob sie es sich schlicht *leisten können*, anders zu sein, weil sie erfolgreich sind…

  • Ich habe vor über 10 Jahren mal einen Artikel im deutschen !Forbes geschrieben, der Unternehmen zeigte, die alte Strukturen völlig neu dachten: die Mitarbeiter legten ihre Gehälter (in gewissen Grenzen) selber fest, die Hierarchien wechselten mit jedem neuen Projekt, … einige von denen machen das heute nicht mehr, von anderen hat man nichts mehr gehört. ich fand das modell damals sehr spannend. viele leser auch. aber es hat sich offenbar nicht durchgesetzt. der markt hat entschieden, würde der klassiker sagen.

  • Interessant wird’s übrigens, wenn die Leitung eines diktatorisch geführten Unternehmens versäumt, sich beizeiten nach einem Nachfolger umzusehen. Da kann man nur frühzeitig das Weite suchen 😉

  • „Durch diese Position greift Frank Röbers direkt das „traditionelle Middlemanagement“ an, das oftmals allein in der Vermittlung zwischen Fachabteilungen und strategischer Unternehmensführung agiert, mit der Gefahr zu manipulieren, bzw. zu verzögern.“ (aus Dieters Artikel)

    Das passt genau zu Deinem Bildnis von der Betonschicht in der Mitte, die ihre „Pfründe“ verteidigen will. Sie ist die Problemzone, wenn es um den Schwenk von hierarchieorientierter hin zu rollenbasierter Führung geht, d.h. jeder kann verschiedene Rollen ausüben. In einer ist er Führungskraft (besser: Koordinator), in der anderen ist er „nur“ Macher – das fließt ständig je nach Aufgabe (auch selbst ermittelter Aufgabe).

    Aber dies fordert jeden und auch seine Verantwortung deutlich mehr heraus. Per Order Mufti lässt sich das nicht durchziehen.

    Andererseits ist eine stark autokratisch oder militaristisch geführte Organisation nicht per se schlecht, es hängt dann aber total von dem Kopf der Organisation ab, der totalitär sein kann oder auch hilflos der Betonschicht gegenüber. Und gefährliche Köpfe hatten wir in der Vergangenheit auch einige…

    Bei Kapitalunternehmen, besonders AGs, fehlt auch oft den Köpfen das nötige Herzblut, mit dem sie an dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern hängen. So sehr Patriarchen grausam sein konnten (gibt es sie noch?) – sie hatten manchmal doch etwas, das heute den meisten sogenannten Verantwortlichen fehlt: Verantwortung, langfristiges Denken und Loyalität ihrer Mitarbeiterfamilie gegenüber.

  • Hm, die Vorstellung von „Militärisch geführt“, die hier zum Ausdruck kommen, sind ja interessant…

    Ich sag‘ mal: Das Militär ist weniger schlimm als ihr euch das vorstellt (nein, ich bin kein Soldat, habe aber viel mit dem Laden zu tun). So was wie Auftragstaktik wäre da ein interessantes Stichwort (im Übrigen auch für eine Unternehmensphilosophie).

    Und Unternehmen sind schlimmer als ihr euch das vorstellt…

  • @Thomas Ich war ein paar Jahre bei der Bw und hatte durch Auftragstaktik teilweise wesentlich mehr Freiheiten als in der sog. „freien“ Wirtschaft.

    Entscheidend ist immer, welche Köpfe man über, unter und neben sich hat und wie eine Philosophie tatsächlich gelebt wird. In meiner Bundeswehrzeit hat die Innere Führung sogar meistens funktioniert.

  • @ #9 ja, die Patriarchen gibt es noch. Neben Einzelfällen vom Hörensagen kann ich das für die Bekleidungsbranche in unserem Land definitiv bestätigen (eine gute Handvoll der größten Bekleidungsunternehmen, die meistens auch Global Player sind, stehen noch unter dem Pantoffel…)

    @ #11 ich stelle mir Unternehmen ja vor allem so vor, wie ich sie selbst erlebe und erlebt habe. Beispiel: bei einem sozial engagierten Arbeitgeber (Ehefrau Pädagogin, umweltbewußt, vollbiologische Ernährung, Birkenstock fester Bestandteil des Chef-Outfits, auch als Unternehmer noch Gewerkschaftsmitglied, so der Typ „Du-da-müssen-wir-aber-mal-drüber-reden-du“) wurden per Zufall Belege über die Teilnahme an Workshops gefunden, die im Normalfall von Leuten besucht werden, die sich hauptberuflich mit psychologischer Kriegsführung beschäftigen (kein „Hörensagen“, die beteiligten Personen sind dem Kommentator persönlich bestens bekannt…)

    Insofern hast du recht mit der Einstufung von Unternehmen auf der Menschlichkeitsskala, bist aber nicht ganz allein mit deinem Wissen 😉

  • Am Ende läuft es doch auch in Unternehmen darauf hinaus, dass Menschen Verantwortung übernehmen müssen. Das gilt für die Manager und alle anderen im Unternehmen genauso, wie für Kunden oder Aktionäre. Verantwortung braucht Mut. „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ hat Kant gesagt. Und: „Es ist so bequem, unmündig zu sein.“ Ohne aufgeklärte Manager und Mitarbeiter wird es die Technologie nicht richten.

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