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das Blutgeld der Quandts?

die Doku namens „Das Schweigens der Quandts“ habe ich damals (im TV im November 07 ausgestrahlt) leider verpasst. Umso schöner, dass mich ein Kommentar daran erinnert hat. Wobei „schöner“ ein ziemlich unpassender Begriff ist. Schön ist die Doku mit Sicherheit nicht zu nennen. Eher aufschlussreich, wie eine der reichsten und hochangesehensten Familien Deutschlands ihre mörderische Vergangenheit anscheinend bewusst unter den privaten Teppich kehrt.

Die Autoren durchbrechen mit dieser Dokumentation eine Mauer des Schweigens. Seit mehreren Generationen verbirgt eine Industriellen-Dynastie sorgsam ihre Geschichte und die Herkunft von Teilen ihres Vermögens. Die Familie äußert sich niemals öffentlich und die Archive ihrer Firmen sind Journalisten aber auch Historikern verschlossen. Für diese Dokumentation recherchierten die Autoren vier Jahre lang in Archiven im In- und Ausland. Mit Hilfe der exklusiven Dokumente, die sie im Laufe ihrer Spurensuche zusammentrugen, gelingt es ihnen, Stück für Stück – wie in einem Puzzle – die wahre Herkunft des Familienvermögens offen zu legen. Der fehlende Wille, sich der eigenen Schuld zu stellen, die Selbststilisierung der Täter zu Opfern und die Versuche, sich einer Aufarbeitung zu entziehen – all dies ist typisch für „€œDie Familie“€? aber auch für andere Unternehmerfamilien. Allerdings gibt es einen maßgeblichen Unterschied: Anders als anderen Industriellen-Dynastien gelang es der „€œFamilie“€? bis heute, die Quellen ihres Reichtums zu verschleiern und sich dem kritischen Blick der Öffentlichkeit zu entziehen. Die Dokumentation „Die Familie“€? schließt diese Lücke.“ (Quelle)


videolink

Ein ZEIT-Artikel analysiert den Film und korrigiert einige Aussagen aus dem Film: Die Quandts und die Nazis. „Korrigieren“ ist btw ironisch gemeint.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

17 Kommentare

  • Ich habe damals den Film gesehen, muss aber sagen, dass ich froh bin nochmals den Artikel eben gelesen zu haben. Es zeigt doch auch nochmals mehrere andere Perspektiven auf. Insofern halte ich den Artikel für weitaus informativer, da neutraler.

    Beim lesen fällt mir aber auch auf, dass die Vorgänge nach dem Krieg, egal bei welchen Industriellen, sich noch heute in zahlreichen Postkriegsschauplätzen wiederholen. Ganz gleich ob Warlord oder korrupter Unternehmer (dies bezieht sich auf die jüngsten Kriege in afrikanischen Ländern, wie Liberia, Sudan usw.).

    Es bedarf immer Personen die die Wirtschaft oder Infrastruktur aufbauen können, das ist der sauere Apfel in den jede Demokratisierung beißen muss

  • Der Artikel der ZEIT korrigiert nicht Teile des Films, sondern wiederholt die altbekannten Ansichten des langjährigen Quandtbiographen Rüdiger Jungbluth. Die Autoren des Films haben Jahrelang neue Fakten entdeckt und im Film vorgetragen. Jetzt die alten Ansichten zu präsentieren, kann man schlecht als „Korrektur“ bezeichnen.

    Welche Sichtweisen hier recht haben, also der wahren Geschichte entsprechen, weiß ich leider auch nicht, aber der Artikel ist ein wenig billig.

  • Der Artikel gibt nur die Argumentation der Familie wieder:
    Aber vorstellbar ist, dass diese Unternehmerfamilie ihre heutige Stellung auch dann erreicht hätte, wenn auf die Weimarer Republik die Bundesrepublik gefolgt wäre.

    Darum geht es eigentlich nicht in dem Film. Das „Blutgeld“ spielt eine untergeordnete Rolle. Wobei die durch die Konsequenzen auch für das Vermögen nach einer Verurteilung in Nürnberg sicher die Unternehmensgeschichte auch wirtschaftlich anders verlaufen wäre.

    Dass BMW und Altana zu den Gründern der Stiftungsinitiative gehören, ist rühmlich. Weil dies Unternehmen sind, die später in den Besitz der Familie kamem, war das möglich. Die Beteiligung der Familie an Verbrechen konnte so draussen gehalten werden.

  • > Wobei die durch die Konsequenzen auch für das Vermögen nach einer
    > Verurteilung in Nürnberg sicher die Unternehmensgeschichte auch
    > wirtschaftlich anders verlaufen wäre.

    Naja, nicht wirklich. Schau Dir Krupp an. Zu 12 Jahren verurteilt und enteignet. Nur 3 Jahre später war er frei und hatte sein Unternehmen wieder.

  • Der Historiker Golo Mann sagte zum Verbleib deutscher Wirtschaftsbosse in Deutschland während des III. Reiches: „Es ist halt leichter, mit einem Roman als mit einer Fabrik unterm Arm ins Ausland zu gehen.“

    „Die deutsche Wirtschaft“ war in einer merkwürdigen Zwitterrolle von Vor- und Nachteilen: einerseits profitierte man von der Förderung im III. Reich oder dem billigen Unterdennagelreißen von jüdischem Vermögen und andererseits kotzte man über das außenpolitische Porzellan, daß insbesondere durch die antisemtische Politik des III. Reiches zerschlagen wurde…und die Exportindustrie ruinierte.

    Gerade die Beschäftigung von „Fremd- und Zwangsarbeiter“ ist ein ganz düsteres Kapitel – es gibt allerdings kaum eine Firma, die deren Einsatz wirklich gerne gesehen hat. Ihr Einsatz wurde als Kompensation für die stärkeren Fronteinsätze von Arbeitskräften, die forcierte Produktionsausweitung gesehen … und wer überhaupt Skrupel hatte, hatte diese nach dem Bombardierungen als vernachlässigenswert betrachtet.

    Das Ideal von Krupp&Co. lag im Kaiser- und nicht im III. Reich: Wer sich das Verhalten einzelner Firmen während des Krieges ansieht, kann keine „Deutsche Arbeitsfront“ zum „Wohl der Volksgemeinschaft“ erkennen, sondern einen „Kleinkrieg“ untereinander, der hart am Rande der „Wehrkraftzersetzung“ lag.

    Die „Verluste“, die man nach ´45 einstecken mußten, lagen weniger in der Enteignung, sondern in der aufoktroyierten Betriebsverfassung, die durch „Mitbestimmung“ die dt. Wirtschaft im nationalen Vergleich schwächen sollte, im vorzunehmenden Wiederaufbau und in der Wirtschaftsspionage, die einen großen Teil der „immateriellen Wirtschaftsgüter“ ausländischen Konkurrenten zur Verfügung gestellt hat – eine Folge ist die vgl.weise geringe EK-Quote dt. Unternehmen.

    „Das Schweigen von XXX zum III. Reich“ erzeugt wohl auch weniger „Empörung“, sondern ist Macht- und Herrschaftsinstrument .. ich wüßte nicht, wer für seine persönliche oder intellektuelle Verantwortung für die Massenunterdrückungen oder -morde außerhalb des III. Reiches tatsächlich „gesühnt“ oder sich auch nur entschuldigt hätte. Man kann z.B. Spitzenrepräsentant des DDR-Justizsystems gewesen sein und trotzdem everybodies talkshow-Darling .. und sagen, jetzt müsse endlich mal Schluß sein mit der ständigen Kritik an der Diktatur…. 🙂

  • Schweigen über die Vergangenheit und das Aussitzen der Vergangenheit ist eine Kunst, die verschiedentlich bei anderen ebenfalls beobachtet werden kann.

  • @derherold
    –Zitat Anfang:
    Gerade die Beschäftigung von „€œFremd- und Zwangsarbeiter“€? ist ein ganz düsteres Kapitel – es gibt allerdings kaum eine Firma, die deren Einsatz wirklich gerne gesehen hat. Ihr Einsatz wurde als Kompensation für die stärkeren Fronteinsätze von Arbeitskräften, die forcierte Produktionsausweitung gesehen „€¦ und wer überhaupt Skrupel hatte, hatte diese nach dem Bombardierungen als vernachlässigenswert betrachtet.

    Das Ideal von Krupp&Co. lag im Kaiser- und nicht im III. Reich: Wer sich das Verhalten einzelner Firmen während des Krieges ansieht, kann keine „€œDeutsche Arbeitsfront“€? zum „€œWohl der Volksgemeinschaft“€? erkennen, sondern einen „€œKleinkrieg“€? untereinander, der hart am Rande der „€œWehrkraftzersetzung“€? lag.

    Die „€œVerluste“€?, die man nach  ´45 einstecken mußten, lagen weniger in der Enteignung, sondern in der aufoktroyierten Betriebsverfassung, die durch „€œMitbestimmung“€? die dt. Wirtschaft im nationalen Vergleich schwächen sollte, im vorzunehmenden Wiederaufbau und in der Wirtschaftsspionage, die einen großen Teil der „€œimmateriellen Wirtschaftsgüter“€? ausländischen Konkurrenten zur Verfügung gestellt hat – eine Folge ist die vgl.weise geringe EK-Quote dt. Unternehmen.
    –Zitat Ende

    Dieses dumme relativierende und revisionistische Gelaber geht mir auf den Nerv.
    Die armen Fabrikbesitzer während der Nazizeit. Die wollten die Nazis gar nicht, das Ideal war die Kaiserzeit, Zwangsarbeiter wollten die auch nicht, aber nach dem die bösen Alliierten die armen Fabrikanten bombardierten hatte die ja kaum eine andere Wahl. Solche Meinungen sehe ich so gerne, unglaublich.

  • das stimme ich moritz 100% zu. dieses relativierende rumgeiere. einfach nur schlimm und zeigt wie stumpf doch manche User sein können.

    Und genau, die armen armen Fabrikbesitzer und Industriellen – die konnte ja auch gar nichts dafür. Die mussten ja. *kopfschütteln* Das ist nur die alter Leier sich selbst zum Opfer zu machen um nicht als Täter darzustehen. Eva Gö ääh Blondie ääh Herrmann lässt grüßen.

  • Ach, Jungs (@moritz und @tim), Ihr wollt doch sicherlich ernstgenommen werden …

    Zum Thema „Stiftung“ ist das Verfahren seit ca. 20 Jahren bekannt: sobald „Kritik“ auftaucht, wird sich mit „Meinungsträgern“ in Verbindung gesetzt, um zu erfahren, was gezahlt werden soll.

    In früheren Jahren gab es dann „Forschungsaufträge“ für polit. genehme Historiker, die der Firma (oder auch der Stadt) dann bestätigten *Überraschung*, ganz dolle „aufarbeiten“ zu wollen. Das ganze läuft nach dem Prinzip des „Ablaßhandels“ und ist u.a. deshalb so schräg, weil die tatsächlichen(!) Profiteure, sofern sie frühzeitig ihre Aktien oder Geschäftsanteile verkauft, an den Zahlungen gar nicht teilgenommen haben. 🙂

    Meine Analyse steht und es dürfte schwer werden, hier vernünftige Gegenargumente zu finden. Aber ich bewundere Euch für Euren denunziatorischen Eifer … 😉

  • @derherold
    Zitat:
    [Meine Analyse steht und es dürfte schwer werden, hier vernünftige Gegenargumente zu finden. Aber ich bewundere Euch für Euren denunziatorischen Eifer … 😉 ]

    Dieses Argument wird von Deinesgleichen immer gerne gebraucht, trotzdem ist es und bleibt auch weiterhin falsch. Gegenargumente gegen Deine tolle „Analyse“ sind einfach zu finden, man sieht sich einfach die historischen Fakten und Gegebenheiten an. Das Du das vielleicht anders siehst interessiert mich nicht im Geringsten. Und ich denunziere äußerst gerne Menschen die der Meinung sind, das was damals getan wurde relativieren und verharmlosen zu müssen.

  • Deinesgleichen ? Du meinst intelligente und unglaublich gutaussehende Menschen wie mich ? Ehemalige Mommsen-Schüler der RUB ?

    „Relativieren“ ist selbstverständlich das Handwerkszeug jeder Wissenschaft und es ist beeindruckend, wie seit etwa 10 Jahren dies als Denunziationsformel „umgerubelt“ wird.

    „Verharmlosung“ dürfte überdies in keinem meiner Beiträge auftauchen. Aber wir sollten hier abbrechen, weil diese Diskussion Robert nicht gewollt und @timmoritz sich eigentlich schon genügend blamiert hat. 😉

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