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Twitter: Sozialer Mitmachzwang?

auf der re:publica haben gefühlt viele „Powerweber“ dieses Kurzgeschnatter-Tool genutzt (ach ja, Twitter sehe ich stellvertretend für all die Tools, die noch kommen werden, es geht nicht um Twitter per se im Folgenden!). Um sich über die Sessions auszutauschen, wo man heute Abend hingehen soll, wie es einem gerade geht, usw. Auf den Barcamps ist das nicht anders. Kein Wunder, wird doch Twitter als eins der idealen Konferenzwerkzeuge angepriesen. Auch so gilt Twitter unter den Trendsettern als das Teil, um sich auf dem Laufenden zu halten und auszutauschen. Twitter ist damit unter dieser Nutzergruppe zu einem „always social online“ geworden. Ein andauernder Austausch führt zum Aufbau sozialer Kontakte. Wer aber das Kommunikationsmuster dieser Nutzergruppe nicht imitiert, wird erst gar nicht zu dieser Gruppe auf Dauer dazugehören. So wie in allem, was das Sozialisieren angeht. Wer anders ist, gehört nicht dazu. Was heißt das für mich? Eigentlich nicht viel, da ich seit jeher nie der große Anpasser war. Was den anderen gefällt, muss nicht mir unbedingt gefallen. Gerade was Kommunikationsmuster angeht. So mag ich Chats eigentlich nicht wirklich, da das dauernde always online mir keine Möglichkeit verschafft, sich zurückziehen zu können. Ständig wird man angechattet, irgendwer muss -auch wenns supernett gemeint ist- dir mitteilen, wie es einem geht. Ebenso Twitter. Ich habe keine Lust, ständig mit Dritten in Kontakt zu treten. Auf meinem Blog kann ich jederzeit asynchron fahren, mal rein, mal raus, wie es mir passt, ohne unmittelbar in Gespräche verwickelt zu werden. Kein Wunder, ein Blog ist kein realtime Tool. Und Twitter unterstützt den Mensch als soziales Gruppentierchen viel besser beim Zusammenkommen und zusammen Miterleben als ein Austausch über Blogs oder Foren oder auch Chats, die idR 1:1 Medien sind. Zum einem rührt das von dem Aufbau des Kommunikationssystem her, zum anderen unterstützt Twitter unterschiedlichste Zugangs/Nutzungswege auf einer sehr simple Art, wobei die Bedienung nicht zeitraubend ist, vaD auch die mobile Nutzung, wozu wir weiter unten kommen werden.

Nun ist es ja nicht ganz so wild mit dem Twitter, solange die o.g. Gruppe das als ihr Kommunikationswerkzeug auserkoren hat. Vormals war das Usenet the hottest shit, dann Foren, dann Blogs, dann Social Networks, nun eben Twitter. Was aber, wenn immer mehr Twitter nutzen, bis hin zu den Normalos? Jeder seinen Befindlichkeiten nonstop Ausdruck verleiht, so dass der Druck immer mehr zunimmt, an diesem Sozialisierungsprozess teilhaben zu müssen? Schüler und Studenten sind heute schon einem Zwang ausgesetzt, bei einem der vielen Social Networks mit dabei sein zu müssen, um Teil der Gruppe zu sein. Facebook hat neuerdings ein Chattool eingeführt, das nach und nach allen Usern zu Verfügung gestellt wird. Die anderen werden wie immer nachfolgen. Wird es eines Tages dann auch auf Google einen globalen Twitterchat geben? Jesus, eine Gruppengrippe ist das:) Nein, es hilft nix, wenn man den Stecker zieht und meint „man müsse das ja nicht mitlesen“. Ums Mitlesen gings ja auch nie, es geht immer ums Mitmachen und Mitsocializen.

Wozu all die Gedanken? Ich mache mir seit jeher den Kopf, was das Netz für die Gesellschaft mit sich bringt. Und normalerweise bin ich ein Zukunftsgläubiger. Eine Vernetzung der Gesellschaft auch länderübergreifend kann ja nur gut sein, eigentlich. Doch kann Vernetzung auch zu einem sozialen Mitmachdruck führen, wo man dem Einzelnen keine Möglichkeiten mehr gibt, sich zurückzuziehen, weil man ständig always social online sein muss. Das, was also jetzt im Ansatz bei Twitter zu beobachten ist, wird sich fortsetzen. Die Tools werden immer leichter zu nutzen, sie werden von überall zugänglich sein, die Architektur dieser Systeme wird dem Sozialierungsstreben eines Individuums immer besser angepasst, so dass auch der letzte User nicht mehr Nein sagen kann. Wir nutzen unseren Mund, das Handy zum Aushebeln der physiologischen Grenzen beim Aufbau des Schalldrucks (sonst könnten wir uns alle ohne Hilfmsittel rund um den Globus zuschreien, interessanter Gedanke:), das Netz vorwiegend über die textliche Austauschform. Der Mensch kennt keine Grenzen, sich Hilfmsittel zur Seite zu stellen, wenn es um die Erweiterung seiner biologischen Kommunikationsmöglichkeiten geht. Da wir nun einmal vom Verhaltensmuster her Herdenwesen sind.

Spätestens mit einer ungleich stärkeren mobilen Nutzung des Internets werden solche unmittelbaren Gruppenkommunikationstools diesen sozialen Mitmachdruck zementieren. Wer heute kein Handy hat, ist schon etwas komisch, wer morgen kein Handy bzw. Internettablet benutzt, um sich twitter-like auszutauschen, wird wohl als Einsiedler bezeichnet werden. Brave new web world? Ne, irgendwie nicht wirklich. Noch sind wir da nicht angekommen, weil der Stand der Technik das nich zulässt. Zu grob und zu menschenfern sind die Techniken. Was auch gut ist, obwohl es zB das Internet gibt, haben viele oW die Möglichkeit, ihr Kommunikationsmuster derart selbst bestimmen zu können, dass sie Ruckzugsmöglichkeiten haben. Unser Sozialsystem verändert sich aber durch die Technik stetig und unaufhaltsam. Das Handy hat ein Stück weit dazu beigetragen, dass wir ständig in Kontakt treten können. Noch hat das Handy aufgrund des Dauerschlafs der Telcos seinen „social networking“-Siegeszug nicht einmal ansatzweise angetreten, da liegen noch immense Entwicklungspotentiale brach. Das Internet hat natürlich ebenso dazu beigtragen, dass wir alle näherrücken. Wenn das aber insgesamt zu einem Abbau der nicht vernetzbaren „Reservate“ führt, kann man das eigentlich nicht wirklich begrüßen. Es wird sich zeigen, wir unser Gruppenverhalten anpassen und auch dem Mitmachdruck begegnen. Oder ob die Technik schneller voranschreitet als wir uns anpassen können.

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

28 Kommentare

  • Naja gibt auch genügend Leute die man NICHT im Web findet und „nur“ per eMail erreicht. Die Kommunikation mit denen beschränkt sich meist auf das Wesentlich eund ist auch zuverlässiger als Leute die in ICQ ständig „away“ sind oder bei Twitter nur ihren langweiligen Müll ablassen und auf meine Twitterei gar nicht reagieren.

  • Die Masse wird vielleicht so abhängig von twitter wie in früheren Zeiten vom Klatsch und Tratsch im Treppenhaus und wie heute vom Handy. Die technische Entwicklung ist eben nicht unbedingt ein Segen für die real existierenden Menschen. Individuell muß man halt überdenken, inwieweit man solche Moden nutzbringend mitmacht oder eben auch nicht. Letzteres könnte ein Anfang sein zur Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit.

  • Ich habe jetzt zwei Tage einen Twitteraccount. Kittyluka hat mich verführt. Ihr Beispiel von der re:publica gibt der Sache einen Sinn
    http://www.kittyluka.de/index.php?/archives/1434-Wie-Twitter-meine-Lebenseinstellung-aenderte-based-on-a-true-story.html

    Ob der auf mich zutrifft kann ich noch nicht sagen, aber ich hatte das Thema vor kurzem schon einmal aus einem anderen Grund:
    http://www.duckhome.de/tb/archives/2315-UEberall-erreichbar.html

    Ich glaube wir brauchen das Rufen des Rudels oder des Schwarms.
    Ich muss ja nicht permanent zuhören, ich kann ja weghören. Aber dann nach einer Zeit des Alleinfluges ist Schwarm doch wieder schön. So etwas wie Heimat?

  • betrachtet man die Nutzung von Social Networks durch Schüler, so definiert man sich über die Teilnahme an bestimmten Gruppen (Foren…) innerhalb des SNs, zu welchen Gruppen man dazugehört, wie viele Freunde man hat, vaD wer mit wem was hat. Abschalten? Schön wärs.

  • Ein sehr guter Beitrag. Für mich bedeutet Twitter auch die Stufe, die ich nicht mehr nehmen will. Social Network Updates und Mails via Blackberry. Das Maximum. Und auch dieses Maximum, über das schon so viel Geschäftliches und immer mehr Privates läuft, schalte ich am Abend und WE zunehmend aus.

    Es gibt außerdem nur sehr wenige User, die ihren Arbeitsprozess oder etwas ähnlich (für mich) Spannendes oder Interessantes über Twitter abbilden. Nur da klink ich mich ab und zu ein. Passiv und Lesend.

    Mich nervt schon, wenn bei uns im Büro zuviel Kommunikation über Mails abläuft, obwohl wir nur ein paar Meter auseinandersitzen. Wie soll das erst werden, wenn alle Twittern „müssen“? In ein paar Jahren erscheinen sicher ein paar Bestseller über die Qualität und Vorteile mündlicher Kommunikation…

  • Robert, ich finde Deine Überlegungen wirklich wichtig, mir geht immer wieder mal in Ansätzen Ähnliches durch den Kopf. Andererseits musste ich gerade sehr schmunzeln, als ich Dich las:

    „Was aber, wenn immer mehr Twitter nutzen, bis hin zu den Normalos? Jeder seinen Befindlichkeiten nonstop Ausdruck verleiht, so dass der Druck immer mehr zunimmt, an diesem Sozialisierungsprozess teilhaben zu müssen?“

    Klingt irgendwie seltsam, so was aus der Feder des Ober-Bloggers zu lesen. Irgendwie hört sich vom Tonfall her das an wie die Warnungen unserer Eltern vor – ja, vor was? Rockmusik? Kleidungsstilen? Videospielen? Blogs? Na, egal….

  • schwer zu sagen, wenn man für etwas eintritt, sollte man sich doch ebenso in eine andere Position versetzen können. Wie nennt man das? Reflektieren. Immerhin sind diese Kommunikationswerkzeuge sehr jung, nicht einmal 20 Jahre, was geschichtlich gesehen wirklich wenig ist. Da finde ich es überaus spannend zu beobachten, wie das die Gesellschaft verändert, insofern man das überhaupt aus dem Jetzt heraus beobachten kann.

  • Der große Vorteil Internet-vermittelter Kommunikation, dass man nämlich auf den „Mitmensch on demand“ zugreifen kann (E-Mail, Website, Foren) oder eben nicht, wendet sich durch diese „Kurzgeschnatter-Tools“ (Chat bis Twitter, FriendFeed & Co.) ins Gegenteil: den „Mitmachzwang“.

    Ich denke mal, vor allem Jüngere (die sich durch „dabei sein“ definieren) sind da sehr anfällig, aber auch sie werden älter und dann wird es ganz von selber wichtiger, WAS man macht und WARUM – und weniger wichtig, dass alle Welt jeden Furz mitbekommt.

  • @Robert: Du hast vollkommen recht. Und das Reflektieren ist sehr, sehr wichtig. Da gibt es noch sehr vieles zu bedenken. Aber als ich Deine Zeilen gelesen habe, ist mir zunächst nur die erwähnte Assoziation durch den Kopf gegangen. Wobei die Warnungen der Älteren ja nicht per se verkehrt sein müssen 😉

    Zum Thema: Ich schwanke selbst auch sehr stark in meinem Urteil gegenüber den vielen neuen Kommunikationswegen und -plattformen. Letzte Woche habe ich mal spaßeshalber Twitter auf dem Handy gelesen, als ich zwei Tage unterwegs war. Ehrlich gesagt war ich wieder froh, es wieder abzuschalten…

  • Shit auf twit…
    Ich habe nicht einmal ein Handy, na und? Bin ich dadurch etwa anders?
    Ich fürchte, dass aufgrund der alles vereinfachenden Technik und des Gruppenzwanges in Zukunft einige Probleme haben werden den eigenen Hintern Richtung Kloschüssel zu transferieren, sollte einmal der Strom für längere Zeit ausfallen. 🙂

  • Hm, ich weiß nicht. Ich finde diese Diskussionen seit jeher müßig. Ich glaube, ich bin zu pragmatisch. Ich benutze diese Tools, weil ich sie praktisch finde. Ich renne keinem Trend hinterher und fühle mich in meiner Rückzugsfähigkeit auch nicht bedrängt.

    Ich hatte lange kein Handy. Erst als ich in der Uni merkte, dass es auf einmal sehr praktisch wäre, besorgte ich mir eins. Bin ich deshalb ständig erreichbar, auch dann, wenn ich es nicht unbedingt möchte? Nein. Mein Handy ist aus, wenn ich im Zug sitze oder wenn ich einfach keine Lust habe, mit Leuten zu reden.

    Fühle ich mich verpflichtet, auf SMS sofort zu antworten? Nein. SMS ist asynchron. Wer ne sofortige Antwort von mir erwartet, hat mit SMS den Kanal verfehlt.

    Ich habe seit Jahren IM (ICQ/Jabber), schon viel länger als ein Handy. Hab das Ding auch immer zu laufen. Viele Leute beschwerden sich, ständig angeschrieben zu werden. Habe ich ein Problem damit? Nein, denn wenn ich keine Zeit oder Lust habe, bin ich auf DND oder Away. Kein Problem mit nervigen Chattern — vielleicht habe ich auch einfach zu wenig oder zu disziplinierte Freunde.

    Ich nutze Twitter sehr gern. Erfahre schnell neue Dinge, kann Leute schnell erreichen, von denen ich nie weiß, ob ich in deren Blog-Kommentaren oder Support-Mailaccounts evtl. untergehen könnte oder ewig warten müsste. Wer hat mal geschrieben, dass Twitter der Wasserspender der Freelancer-Community ist? Finde ich ganz passend. Man muss nicht hingehen, vor allem wenn man arbeiten will, aber ab und zu ist es ganz nett und man kann teilweise bessere Geschäftgespräche führen als bei einem „echten“ Meeting (bääh, das böse Wort mit M).

    Ich bin bei MySpace, Facebook und Xing, weil ich dort ein paar Freunde (hauptsächlich auch aus der Realwelt) habe. Habe ich deswegen auch noch 1000 andere Buddys, die ich „pflegen“ muss? Oder 500 Bands? Nein. Wozu?

    Kommunikationsstress? Nö.

  • Ich wurde schon manchmal gefragt, ob ich auch bei Twitter sei. Ich finde ja schon den Namen merkwürdig 😉 – Aber ich finde Bloggen schon zeitaufwändig. Da spar ich lieber Twitterzeit und stecke diese in das Bloggen. Überhaupt gibt es ja Menschen, bei denen noch nicht mal Email richtig angekommen ist. Man kann es also auch übertreiben, wenn man von allen Twittern verlangt 😉
    Doch so falsch ist die Vorhersage nicht, dass die ständige Onlineverfügbarkeit von einem technikafinen Kreis verlangt wird.

    Jemand der nur über snail mail zu erreichen ist, kriegt von mir signifikant seltener Post, als Menschen, die über Email zu erreichen sind. Das könnte natürlich noch andere Zusammenhänge haben 😉

    Bis das mir so mit Twitter und Konsorten gehen wird, dauert es aber bestimmt noch ne ganze Weile. Sogar die ganzen Messenger sind (bis auf GTalk) so gut wie immer offline. Es geht eben nichts über Email.

  • Ich denke, dass jemand auf Dauer nur twittert, wenn er darin einen Wert für sich sieht. Dieser Wert kann auch das soziale Zugehörigkeitsgefühl sein, das in der Hierarchie menschlicher Bedürfnisse bekanntlich einen wichtigen Rang einnimmt ( http://tinyurl.com/43fj9 ).

    Für jene, die sich Face-to-Face schwer damit tun, kann Twitter da hilfreich sein. Das bedeutet im Umkehrschluss überhaupt nicht, dass die Twitter-Fans generell twittern, weil sie auf persönlicher Ebene zu wenig Austausch haben. Aber sicher kann ein Zwang entstehen, wenn Twitter ohne Notwendigkeit genutzt wird, nur um dabei zu sein. Da ist dann einfach Selbstbewusstsein gefragt, nicht mit der Masse mitzuschwimmen.

    Mit dem Handy würde ich Twitter nicht gleichsetzen, ein Handy ist in den meisten Fällen unverzichtbar. Twitter wird es vermutlich stets nur für einige sein.

    @Claudia: Ich zähle mich mit 24 zu den „Jüngeren“, twittere aber (wenn auch erst seit kurzem) wegen des konkreten Nutzens – und nicht deshalb, weil alle Welt jeden Furz von mir mitbekommen soll. Der Nutzen für mich: Literaturtipps, Meinungsaustausch mit interessanten und intelligenten Menschen und anderes mehr. Trotz gelegentlicher Basic-Thinking-Besuche wäre ich auf diesen Artikel zum Beispiel vielleicht nicht oder nur sehr spät gestoßen 😉

  • #11 „Hm, ich weiß nicht. Ich finde diese Diskussionen seit jeher müßig. Ich glaube, ich bin zu pragmatisch. Ich benutze diese Tools, weil ich sie praktisch finde. Ich renne keinem Trend hinterher und fühle mich in meiner Rückzugsfähigkeit auch nicht bedrängt.“

    Genauso wird es sein: die Vierzehnjährigen, die noch den Druck verspüren bei jeder sozialen Gruppe dabeisein zu müssen, werden vermutlich auch twittern, smsen, rund um die Uhr erreichbar sein müssen. Aber genauso, wie wir alle es gelernt haben Bannerwerbung im Internet einfach nicht mehr wahrzunehmen, werden die Youngsters mit 20 gelernt haben abzuschalten, wegzuhören, auf „beschäftigt“ zuschalten.
    Robert, ich glaub das ist tatsächlich die Schwarzmalerei der Älteren 😉 und erinnert mich an die Prophezeiungen, der menschlicke Körper könne die Geschwindigkeit von 40 KM/h im Zug nicht aushalten.

  • @Amei Poensgen #14
    „Aber genauso, wie wir alle es gelernt haben […] werden die Youngsters mit 20 gelernt haben abzuschalten, wegzuhören, auf „€œbeschäftigt“€? zuschalten.“

    Die Botschaft hör‘ ich wohl, doch allein mir fehlt der Glaube! Wenn „die Youngsters“ erst’mal lange genug drinstecken im Denk- und Sachzwang nur noch mediale Kommunikation geht, wie sollen die dann noch lernen?

    Es gibt Dinge, die man erst am Eingang der Geriatrie (ich bin sicher noch’n paar Jahre älter als Robert) wahrnimmt, die man erst dann reflektiert. Daher fürchte ich, Robert hat mit seiner Warnung (? ich’s nenn’s ‚mal so) leider recht!

    Im 18ten Jahrhundert hieß es in Paris: „Wenn das so weiter geht mit dem Verkehr, wird Paris im Pferdemist ersticken!“ Nein, Paris ist nicht im Pferdemist erstickt … Auch vergißt Du, und andere Parteigänger der von Dir vertretenen Meinung, dass hinter Twitter & Co. wirtschaftliche Interessen stecken (müssen), da ist Altruismus fern! Und: Technische Lösungen führen in aller Regel nicht zu solchen sondern erhöhen lediglich das Problemniveau (Btw: Welches Problem lösen eigentlich Twitter & Co.? Wozu, Hand auf’s Herz, muss es das eigentlich geben? Noch mehr: „Dabei sein!“? Wozu? Was verpass‘ ich?)! Das große Problem ist, dass die Fernwirkungen solcher „Lösungen“ mit einem Zeitverzug von vielen Jahren, u. U. Jahrzehnten, erst eintreten!

    Das Beispiel, dass Du abschließend anführst, hinkt (wie jedes Beispiel – war ja wohl auch mit ’nem Schuss Ironie versehen, gelle). So wie es damals gemeint war (wörtlich), ist es natürlich wiederlegt. Trefflich kann man trotzdem darüber streiten, ob es nicht „schöner“ ist (sprich: „für den Menschen gesünder“), mit dem Zug von Köln nach Wien zu fahren statt zu fliegen (nb: die Zugfahrt ist teurer!). Erstes ist für mich: Nach Wien reisen, zweites ist für mich: Nach Wien düsen! Nachdem ich in der Vergangenheit viel gedüst bin weiß ich heute die Vorzüge des Reisens zu schätzen: Vorzüge für Leib und Seele.

    Beste Grüße
    Vogel

    PS.: Natürlich hinkt mein Beispiel auch. Ich hoffe trotzdem, in einem metaphorischen Sinn, rüber zu kommen!

  • @ Vogel 15
    Ich bin 50. Vom ersten 300 baud Modem im Arpanet, über fidonet, mailboxen, usenet, web bis heute. Ich lebe online. Ich habe lange nichts mit Twitter angefangen weil ich keinen Sinn sah. Ich muss ja nicht dabei sein. Ich schreibe vielleicht drei SMS im Jahr, manche Jahre auch gar keine. Ich halte nichts von den SocialNetworks weil ich deren Sinn nicht erkenne.

    Aber all jene die da sind und das haben wollen oder brauchen haben für sich recht. Das was da vor unseren Augen passiert, ist Evolution. Ausprobieren, was erfolgreich ist bleibt, der Rest stirbt aus. Erinnert sich noch wer an btx. Ich hab irgendwo noch ein btx-Telefon mit monitor. Schick. Aber ausgestorben. Kein Bedarf.

    Geben wir den Dingen Zeit. Jedes Urteil das wir treffen verändert sie ja nicht.

  • Ich kam mir auf der re:bublica ehrlich gesagt etwas „old school“ vor. Ich hatte weder das oligatorische MacBook noch mein „dienstlich geliefertes“ ThinkPad auf dem Schoß. Ich twitterte nicht und schickte auch keine sms auf die Wand. Ich hörte ganz einfach zu. Genau deswegen war ich dort.
    Mein soziales Netzwerk nahm, über die 2 Tage meiner Abwesenheit, keinen nennenswerten Schaden und funktionierte auch danach noch einwandfrei.
    Zudem drängt sich mir die Frage auf wie die mobilen Aktivitäten der Zuhörerschaft auf die Referenten wirken. Trägt das zur Motivation bei, wenn die Hälfte des Publikums scheinbar „arbeitet“?

  • @Vogel #14 Stimmt, ich habe ein bisschen provoziert. Und ich bin ja auch schon längst im Zeitalter der Faltencremes angekommen und habe noch nie getwittert (und bisher auch kein Bedürfnis verspürt es auszuprobieren).

    Allerdings habe ich hier eine kleine Feldstudie von 4 „youngsters“ zwischen 10 und 21 zuhause und finde es hoch interessant zu beobachten, wie die mit sms, facebook, studiVZ un Co umgehen. Es ist sicher richtig, all die Freundezählerei ist gefährlich, gerade bei den Jüngeren. Aber spätestens der 21jährige geht absolut souverän damit um. Vielleicht sind wir nicht typisch, weil wir immer mal wieder umgezogen sind, unsere Studienobjekte nach dem Abi für einige Monate nach Südamerika wollen und sich durchaus vorstellen können, auch mal im Ausland zu studieren.

    Aber für diese mobile Generation sind die Netzwerke eine geniale Methode um mit seinen ebenfalls mobilen Freunden in Kontakt zu bleiben, sich schnell neue reale Netzwerke aufzubauen (der Freund eines Freundes wohnt doch auch am neuen Studienort) und nicht immer und überall neu anzufangen.
    Es ist richtig:
    „Auch vergißt Du, und andere Parteigänger der von Dir vertretenen Meinung, dass hinter Twitter & Co. wirtschaftliche Interessen stecken (müssen), da ist Altruismus fern!“
    Aber keine Industrie zwingt uns Twitter und sms auf, wir nutzen diese Möglichkeiten ganz freiwillig, vielleicht tatsächlich auch, weil sie ein neues Bedürfnis erfüllen.
    Natürlich schafft jedes neue technische Phänomen auch neue Probleme (als Gutenberg den Buchdruck erfand, war das auch nicht jederman recht, man erfand die Zensur als Gegenmittel, das Fernsehen ist auch nicht in jedem Fall als Segnung zubetrachten). Wie immer und mit allem im Leben muß man halt lernen Maß zu halten, das galt für uns, die wir uns als Kinder den ganzen Tag mit 3 Fernsehprogrammen beschäftigen konnten genauso wie für die Generation der „Youngsters“, die sicher eines Tages den Wert der Langsamkeit wiederentdecken wird.
    Und meine Studienobjekte zuhause können manchmal viel besser abschalten als ich, ich lass noch immer alles stehen und liegen, wenn das Telefon klingelt 😉

  • Zitat aus #6: „Irgendwie hört sich vom Tonfall her das an wie die Warnungen unserer Eltern vor – ja, vor was? Rockmusik? Kleidungsstilen? Videospielen? Blogs? Na, egal….“

    Genau so sehe ich das auch. Lasst doch die Leute erstmal ’ne Runde Twittern. Tut doch niemandem weh. Und wir schauen, was passiert! Wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass wir auf der Straße telefonieren und SMSen?

    Finde Twitter sehr interessant, vorallem, weil es intelligent konzeptioniert ist: man kann es mitnehmen (einbinden in den Blog, auf Facebook, etc.), man kann einstellen, von wem man welche Benachrichtigung bei Updates haben möchte (für unterschiedliche Devices: Handy + Web). Und es gibt bereits zahlreiche Tools, wie z.B. http://quotably.com, die die Flut an Informationen nach eigenen Bedürfnissen sortieren lässt.

    Ich würde das auch nicht vom Alter abhängig machen. Youngster oder nicht – wer neugierig ist, probiert Twitter. Und wie bei jedem Social Networking-Dienst, macht es erst richtig Spaß, wenn man ein paar Kontakte hat. Mit wem soll man denn sonst networken? 🙂 Falsch ist, denke ich – das gilt ja bei fast jedem Thema – urteilen ohne es ausprobiert zu haben. Vorallem bei Innovationen kann das ein großer Fehler sein…

    Also wovor Angst haben? Seien wir gespannt, was noch kommt!

  • Zu der Diskussion über das Alter passt ein spruch von Douglas Adams ganz gut:

    „Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.“

    http://en.wikiquote.org/wiki/Douglas_Adams

  • @Jochen Hoff, (und Angela #20)
    bin achtundfuffzig, „IT-technisch“ leider mit zwei linken Händen und zehn Daumen ausgerüstet.
    Du hast ja recht. Aber dass Evolution – wie alles – ihren Preis hat, weißt Du auch. Daher Mahnung und Warnung! Mir fallen ein: „Das höchste Zeichen von Intelligenz ist der Zweifel.“ Francois Mauriac und: „Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“
    Bertrand Russell (Die Zitate sind nicht persönlich gemeint!)
    @Amei Poensgen,
    so’n Zufall, meine „Feldbeobachtung“ geht auch über vier Kizz (20 – 28, 2 + 2, alle im Studium), kommen noch vier Partner dazu, also acht. Außerdem: Bin direkter Anlieger an einem Schulweg (HS 100 m, Gym 300 m, RS 400 m), auch ganz eindrucksvoll und aufschlussreich. Bei unseren Kizz geht also nix ohne StudiVZ, SMS & Co. Trotzdem: Die haben mich vor ca. 1 Jahr sensibilisiert! Sie zählen sich zur Minorität der bewussten Nutzer, das unreflektierte Dabeisein ist (sei) eher die Regel (hängt stark vom fam. Hintergrund ab!!)!
    „Aber keine Industrie zwingt uns Twitter und sms auf […]“ Stimmt nur oberflächlich und kurz- bis mittelfristig betrachtet! Die Interessenvertreter „der anderen Seite“ wirken barometrisch und mittel- bis langfristig! Gerade darum ging’s Robert in seinem Post! Dein Vergleich mit Gutenberg (Buchdruck) und Braun (Kathodenstrahlröhre –> Fernsehen) ist Klasse, auch und gerade wegen der Fernwirkungen! Heute geht’s ’n bisschen schneller als zu Gutenbergs Zeiten, ich bin noch jung genug, viel von dem Allen zu erleben und zu beobachten – und Du sicher auch!
    @J
    Danke für das Zitat. Ich fasse es bestätigend auf (okay?) und nehm’s mit in meine Sammlung!

    Beste Grüße
    Vogel

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