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Deutsche WebStartups: Zu viel Ingenieursdenke?

Ein Ingenieur habe seinen Task fest im Kopfe: Bau ein Produkt, das für die Ewigkeit hält, maximalen Kundennutzen verspricht und dennoch bezahlbar bleibt. Was sich zunächst sexy anhört, kann für ein Internetstartup tödlich sein. Keine Bugs, Features, die man halt so braucht, um sagen wir mal ein Social Network zu bauen und auch nix koscht. Wieso, hört sich doch wirklich gut an. Nein, ist es nicht. Ein Social Network besteht aus was? Userprofile. Gähn. Einen Activity Stream. Gähn. Messaging. Gähn. Foren. Gähn. Blogs. Gähn. Bildergallerien. Gähn. Video. Gähn. Datenexport. Gähngähn. Datenschutz.*schnarrch* Wer bittschön braucht den Mist? Die User? Soso.. und wo kommen die her, wenn weder Medien noch Nutzer drüber sprechen, weil alles so ausgelutscht ist? Aber man hat doch dafür den Pressemenschen und Marketingfuzzi? Klar, weil Gründer ja über soviel Kohle verfügen, so dass sie einen langweiligen PKW am Markt durchdrücken können. Nee, nee. Natürlich kann man wie manch ein Schülerportal darauf hoffen, dass ein Lehrer vor Gericht zieht und das Fernsehen das Thema aufgrund der Affinität zu einem guten Topic aufgreift. Lotto spiele ich auch, aber mal ehrlich, gewinnen, was man nicht selbst in der Hand hat? Natürlich kann auf die gute, alte Tugend setzen, dass steter Tropfen den Stein höhlt. Wers hat, das Cash, gern. Und selbst wenn man über ganz viel Finanzmittel verfügt (say Combots), heißt das mal gar nix.

Die einzge Frage, die ich mir stellen würde: Bietet das, was ich anbiete, in sich genügend Mundsprech-Power, so dass es neugierig macht? Entweder ist das Produkt schon so gebaut (Flickr, Google) oder man kann Wasser zu Wein predigen. Das Letztere stellt sich schwierig dar, denn die Talente, die das wirklich können, sitzen in der Politik und Vorständen von Großunternehmen. Die kann man nicht bezahlen (auch wenn manch einer das Gegenteil munkelt). Also kommen wir zum Produkt. Damit ein Social Network funktioniert, brauche ich gewisse Features. Ok, das langt halt nicht. Ich brauche mindestens eine sexy Funktion, die auch total unnützt sein kann, aber zum Mitreden anstiftet. Etwas, das ein Ingenieur nie bauen würde, denn er denkt kopflastig. Eine Funktion, die ein Pressemensch cool findet, weil sie ihm eine coole Story verschafft und einen Gummibärchenpunkt beim Chefredakteur. Eine Funktion, die ein User dem anderen weiter erzählt, weil er dafür soziale Gummibärchen bekommt. Wir spinnen jetzt einmal, soll nur assoziativ, nicht feingranular betrachtet werden: Beim Reisen durch die Userprofile nehme ich mein Bild mit. Dummerweise gibt es eine Funktion namens Headshot. Diese Funktion kann jeder User auf seinem eigenen Profil aktivieren. Je aktiver er ist, desto genauer, kräftiger, schneller ballert dieses Teil um sich. Sobald also ein Fremder mein Profil besucht und bestimmte Trigger ausgelöst werden (ein Anti-Profil, „pickeliger Jungspunt“), ballert das Teil los und durchlöchert das mitreisende Userprofilbild. Teile des Bildes werden als Trophäe in einem bestimmten Bereich des Userprofils hinterlegt. Das kann man nun gedanklich -je nach Gusto und zarter Besaitheit- ausbauen. Gefundenes Fressen für die Presse? Möglicherweise? Für Shooter-Fans? Möglicherweise. Sinn der Funktion? Keine, keine kopflastige zumindestens:) Wäre das ein Social Network für Gamer? Möglicherweise ja:)

Ich denke, es ist einigermaßen klar geworden, worauf ich hinaus möchte: Ein in sich sauber gebautes Produkt, über das keiner redet, ist ein totes Produkt (wir bleiben jetzt morbide:). Wie nehme ich ein Produkt auseinander und baue Unsinnsfeature ein, die für sich keinen Nutzen stiften, außer dann man darüber spricht? Antwort: Kasten Bier, locker machen, Ingenieursjacke ablegen und die Nacht durchspinnen. Und geht mir fort mit der kopflastigen Roadmap. Nonsense-Funktionen haben mindestens die gleiche Prio. Einen User mache ich nicht happy, indem ich ein Produkt nur für den Kopf baue.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

37 Kommentare

  • Bauen also alle deutschen WebStartups nur Social Networks? Finde ich nicht. Wäre auch zugegeben recht langweilig. 12 Sportlernetzwerke reichen doch vollkommen, oder?
    Ich denke, du solltest in deinem Artikel etwas differenzierter an die Sache ran gehen. Für diese ganzen sozialen Dingsda stimme ich dir zu. Aber es gibt da noch viel mehr…

  • Ha da unterschätzt du uns Gründer aber. Wir haben uns auch ganz ohne Bier (okay vielleicht nicht ganz ohne) den „I am bored“ Button ausgedacht. Da bekommst du entweder ein zufälliges 2DO angelegt, schreibst einem zufälligen User eine Nachricht, oder startest sonst eine Funktion… Wir überlegen auch Chuck Norris Facts und Rickrolling in der Seite zu verstecken.

    Ob man da mit Presse erzeugt? Ich glaube nicht. Aber wir haben Spaß und das ist schließlich die Hauptsache.

  • @Volker, momentan sind zwar SNs buzzy, aber es hätte ebenso gut was anderes sein können.

    @Daniel, solange User andere darauf ansprechen und / oder die Presse darauf abfährt, ists doch wunderbar:) Btw, i am bored, das kenne ich doch von diesem alternativen Spaß-Nobelpreis mit dem kleinen Mädchen, das sich bei Ablauf der Rednerzeit neben den Vortragenden stellt und immer lauter „i am bored“ oder s.ä. ausruft.

  • @Robert: das kleine Mädchen kenne ich nicht, aber wäre ja auch völlig falsch, auchwenn es bestimmt total süß ist. Schließlich sind nicht wir langweilig, sondern der Nutzer gelangweilt. Also nicht von uns. Hoffentlich… Wie auch immer. -> back to work

  • Robert, mann, das ist jetzt schon der üffendrüftzigste Post zum startupen. Da steckt was in dir und das will raus. Gib ihm nach… 🙂

  • Lustiger Beitrag – lustige Kommentare 🙂

    Vielleicht sollte man auch einfach mal eine Horde Grundschulkinder nach ihren Wünschen im Netz befragen – ich vermute, da kommen auch paar gute Ideen rum 🙂

  • tannenzäpfle = bier.

    ja, immer nur drüber theoretisch sinnieren und abhandlungen bloggen ist doch mega langweilig. wann kommt das lange angekündigte basic startup? was hält dich zurück?
    heutzutage braucht man kein megabudget um was cooles zu erschaffen. guy kawasaki hats gezeigt. auch wenn ich seine ideen nicht soo prilelnd finde, so zeigt es einen alternativen weg. drupal wordpress, expression engines. damit geht so einiges.

    Immer nur bloggen ist doch langweilig.

    „i’m bored“ = stumble upon?

  • schöner würde ich es finden, wenn die Nutzer, mit Ihren Vorstellungen nicht so hinter den Berg halten würden, das würde sicher eine noch Interessantes Netz werden. Aber bei nur 1% die mitmachen ist es echt schade das nicht doch mal Anregungen kommen von den 90% die nur so mitmachen aber nichts sagen.

    MfG

    Michael Finger
    Holztechniker

  • sicherlich, aber das ist usa. in de ist alles kleiner, so auch deine bekanntheit. worauf ich hinaus wollte ist der ansatz. so wie er wordpress für truemors benutzt hat. soweit ich mich erinnern kann hat ihm das projekt nur 13.000 dollar gekostet. kann man auch selber machen. genau wie alltop finde ich die seiten nicht umwerfend aber es zeigt doch, das man heutzutage eine enorme vielzahl von werkzeugen hat, und damit verdammt viele seiten für ein kleines budget zaubern kann.
    die idee zählt. das marketing macht man heutzutage doch eh über seine eigene person.
    siehe jason calacanis. bekannter typ, mittelmäßiges projekt = relativ ansehnlicher efolg (bedenkt man wen er mit mahalo direkt angreifen will).

  • Vollkommen richtig. Allerdings würde mich ein „Userphoto abschießen“ eher abtörnen. Ansonsten dürfte es aber bei all dem sozialen Dingsbums vor Allem um dreierlei gehen: 1. Spass (gegen die Langeweile und innere Leere), 2. Kontakte (gegen die Einsamkeit) und 3. glänzen/brillieren können (Annerkennung bekommen). Und das auf so schnelle und direkte Weise mit so wenig Schnickschnack wie möglich.

    Was mir dabei etwas Sorge macht ist die zunehmende Geschwindigkeit, mit der Alels abläuft bzw. ablaufen muss. Da kommt eine Hektik ins Leben, ein Aktionismus um jeden Preis, den ich nicht gut finde.

  • Mit „Ingenieursdenke“ verbinde ich den Denkfehler, Usernutzen und „Mehrwert“ über techn. Innovation zu definieren, statt eben aus Anwenderperspektive. BTW schon der Begriff „Mehrwert“ ist zu eng – der homo oeconomicus, der für 2euronen immer 2,50 rauskriegen will, ist überholt. Spaß+Entertainment kann manchmal mehr wert sein, als die 50cent Mehrwert 😉
    Hm jetzt gelingt mir der Bogen zu Deinem Artikel nimmer.. auch egal, wer liest schon Kommentare

  • Als (Software)techniker darf ich jetzt aber ein bisschen angepisst sein, oder? o0(Ständig sollen neue Gehirnfürze möglichst gestern umgesetzt sein und dann wird gemeckert, daß das tolle neue Pillepallewidget Tor und Tür für XSS und SQL-Injections öffnet, die Euch dann z.B. Spam auf die Seiten rotzen. Mit der dicken Kreise für die kleinen Patschehändchen kann man auch ganz toll bunte Sachen auf den Asphalt schmieren – dafür brauch man nichtmal all die lustigen Knöpfchen an den heiter surrenden Maschinen begrabbeln…) *grrr*!

  • Ich halte es wie die ersten Kommentatoren. Robert, Du redest (sorry schreibst) sooo oft was alles falsch bzw. nicht gemacht wird.

    Den einzigen Fehler den man meiner Meinung machen kann ist „nur“ über die Dinge zu reden (äh sorry schreiben) und nicht mal selbst anpacken und vielleicht neue Fehler machen.

    Es ist natürlich völlig richtig, dass das „nur darüber schreiben“ der beste Weg all diese Fehler zu vermeiden :-))

  • es mag ja sein, dass Dein Job das von sich aus mitbringt, aber ebenso meiner einer, über was man schreibt, meine Erfahrungen reflektiert:) Btw, wann hast Du mal offen darüber gesprochen, was Du für Unsinn gebaut hast? Naturgemäß macht man mehr Fehler, als etwas richtig zu machen. Oder war das bei all Deinen bisherigen und zahlreichen Vorhaben anders?

  • Du hast sicher recht. Ein wenig „vorbelastet“ bin ich durch meine Arbeit schon. Was ich täglich falsch mache? Fragt mich einfach danach und ich kann es euch beantworten.

    .. und jetzt kommt der Hammer! Auch wenn man täglich die selben Fehler macht, sie gehören einfach dazu und ohne sie ginge es sicher nicht weiter.

    Es gibt viele Tage an denen ich mir die Frage stelle, warum wir da stehen wo wir stehen … trotz der vielen Fehler

  • meine Philosophie ist da recht einfach: Wenn die Chancen bestenfalls 1:10 stehen, dass ein Webvorhaben Erfolg hat, muss man über Problemchen und Fehlerchen reden, damit man sie selbst in Zukunft vermeidet, andere sensibilisert werden und demnach wäre jedes Fachbuch/Blog/Magazin für mich wertlos, das immer nur auf den supa Ideen und Ausführungen rumtanzt. Die kommen seltener vor als die Fehltritte:) Insofern spiegelt sich das hier exakt wieder: Ich tippe mal, dass von 10 Berichten 1 was Tolles anreißt, 9 gehen auf Problemzonen ein. Soweit verständlich?

  • 2 Punkte hierzu.

    1.) wie definierst Du ein erfolgreiches Webprojekt? und 2.) stehen die Chancen nicht eher 1:1000 hierfür?

    Lass mich mal hinterfragen. Wenn es Dein Bizmodell ist andere auf die Fehler aufmerksam zu machen die Du bei einem möglichen Selbstversuch vermeiden würdest, dann ist jeder Beitrag in diese Richtung natürlich ein sehr guter Einstieg 🙂

    Ich muss zugeben, ein wenig Unverständnis bleibt zurück .. . 😉

  • Erfolg ist simpel (ohne die Exit-Jäger zu beachten): Wenn man nach 3-5 Jahren immer noch existiert und nicht pleite ist, hat man das Gröbste hinter sich. Reine Statistik. Wie die exakten Chancen für Webvorhaben stehen, dazu hat mW bisher kein Instititut Zahlenvergleiche aufgestellt, kennst Du vielleicht da was? Mein Bizmodell? Ich habe täglich mit demn Zeugs zu tun:)) Dass dadurch unweigerlich mein hohles Brain aufgefüllt wird, ist lediglich ein Abfallprodukt.

  • Nun, wenn das Deine Definition ist, dann liegen ja fast alle StartUps (Communities) noch im Plan, denn sooo viele haben noch nicht die Tore geschlossen.

    Der Erfolg mit Webprojekten? Die Chancen sind größer als durch einen Lottogewinn zu Geld zu kommen, aber kleiner als mit 3 Monate Arbeit im Sommer mit einer Eisdiele am Strand von Malle 🙂

    Zu Dir. Es wäre doch eine Verschwendung wenn Dir keiner mal bei der Sondierung und Umsetzung der vielen Ideen und Gedanken helfen würde 🙂

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