Sonstiges

Kwick und Zusammenarbeit mit der Polizei

Kwick ist keine mehr so junge Plattform (2001), die also nicht in der Web 2.0-Ära entstanden ist. Und die vaD in Baden-Württemberg sehr etabliert ist (in der Wikipedia findet Ihr eine Beschreibung über Kwick). Gerade weil Kwick nun doch schon etwas länger am Markt existiert un damit Prozess-Know-How aufgebaut hat, finde ich diese Pressmeldung von Kwick interessant:

Weinstadt, 17. April 2008 – Polizeianfragen gehören mittlerweile zum täglichen Geschäft von Community-Betreibern. Auch KWICK! arbeitet regelmäßig mit den Behörden zusammen. Bis zu 20 Anfragen wöchentlich erreichen die KWICK! Zentrale. Dabei geht es meist um grobe Beleidigungen, radikales Gedankengut, Stalking, Verleumdung oder Verstöße gegen das Urhebergesetz. Aber auch schon bei der Aufklärung eines Mordes sowie bei einer Entführung konnte gemeinsam erfolgreich ermittelt werden. Communitys wie KWICK! sind nach dem aktuellen Telemediengesetz dazu verpflichtet, Behörden Auskunft zu erteilen. Allerdings bedarf es dazu erst einer Anzeige oder eines Durchsuchungsbeschlusses seitens der Staatsanwaltschaft. Um eine möglichst reibungslose und für alle Seiten anwendbare Lösung zu schaffen, trafen sich eine Sondereinheit der Polizei und KWICK! zum Gespräch an einem Tisch.

Ein für Deutschland ungewöhnliches und sicher einmaliges Zusammentreffen ist es ja schon, wenn sich die Macher einer Community mit den Strafverfolgungsbehörden an einen Tisch setzen, um über Ermittlungen im Internet zu diskutieren. So geschehen aber, als letzten Monat eine 16-köpfige IUK Sondereinsatztruppe (Informations- und Kommunikationsgruppe) der Polizei der Einladung von KWICK! folgte. Ziel des Ganzen war es, eine optimierte Lösung zum Ablauf bei Polizeianfragen zu schaffen. Bis zu 20 davon gehen wöchentlich bei KWICK! ein. In den meisten Fällen geht es um Strafanzeigen bezüglich radikalem Gedankengut, Verstöße gegen das Urhebergesetz oder auch um Verleumdung.

Anbieter von Communitys sind nach dem aktuellen Telemediengesetz dazu verpflichtet, Behörden gegenüber Auskünfte über Benutzerdaten zu erteilen. Doch spätestens als die Medien darüber berichteten, dass eine bekannte deutsche Community bereits bei „Kifferbildern“ freiwillig Daten weiter geben würde, erreichte die Sorge um den Datenschutz eine neue Stufe. Dabei ist die Regelung klar: „Daten werden ausschließlich bei begründetem Verdacht und mit Hintergrund einer Anzeige oder einem Durchsuchungsbeschluss weiter gegeben“, sagt Kai Hummel, Pressesprecher der KWICK! Community. Weiter betont er: „In zivilrechtlichen Angelegenheiten geben wir in keinem Fall Daten an Privatpersonen, Firmen oder Anwälte weiter.“

Rund 500 Freiwillige arbeiten Tag für Tag mit, KWICK! sauber zu halten. Sie bearbeiten fast rund um die Uhr Verstoßanfragen. Die eigens dafür eingerichtete Abteilung bei KWICK! kümmert sich speziell um diese rechtlichen Belange und Anfragen. „Bei fast 1,2 Millionen angemeldeten Profilen lassen sich Rechtsverstöße nicht komplett verhindern. Durch unsere gute Zusammenarbeit mit der Polizei ist aber eine optimale Präventionsgrundlage geschaffen“, so Kai Hummel.

Die 16-köpfige IUK-Gruppe der Polizei zeigte sich wissenshungrig, was den gesamten Ablauf einer solchen Plattform wie KWICK! angeht. „Wir kennen keine Toleranz gegenüber strafbaren Inhalten, seien es Urheberrechts-Verletzungen, Beleidigungen, Einstellen von pornografischen Bildern oder Verunglimpfung von Personen“, so Kripoleiter Thomas Schöllhammer. „Wenn alle Internet-Anbieter einen ähnlichen Ehrenkodex hätten wie KWICK!, wäre es im Netz wesentlich jugendfreier und sicherer“, so Schöllhammer weiter.

Erfolge der Zusammenarbeit gibt es schon einige zu verzeichnen: Erst kürzlich drohte ein Jugendlicher, Amok zu laufen. Durch die rasche Bearbeitung der Anfrage, konnte der mutmaßliche Täter noch dingfest gemacht werden, bevor er das Haus verlassen hatte. In einem anderen Fall hatte KWICK! die gesamte Community zur Mithilfe aufgefordert und stellte eine Grobbeschreibung eines Entführers online. Die entscheidenden Hinweise kamen direkt aus der Community.

Hummel: „Wir begrüßen die professionelle und konstruktive Zusammenarbeit mit der Polizei sehr und freuen uns an unserem Beispiel zeigen zu können, dass solche Kooperationen gefördert werden sollten. Bei über einer Million registrierten Nutzern auf einer Internetplattform ist es unumgänglich, dass diese Zusammenarbeit reibungslos funktioniert. Wir sind sehr darauf bedacht, unsere Plattform möglichst frei von Straftätern zu halten.“

Was nun leider nicht in der Presemeldung steht, wie man denn die Zusammenarbeit nun geregelt bzw. verbessert hat. Wollt Ihr das nicht präzisieren, könnte ja auch für andere Plattformbetreiber interessant sein?

Update: Hatte per Mail nachgefragt und konkrete Beispiele genannt bekommen

Konkret haben wir zum Beispiel eine Notfall-Hotline eingerichtet, damit Behörden uns rund um die Uhr erreichen können. Natürlich setzt das eine enorme Dringlichkeit voraus. Aber in Fällen von Amok- oder Mordandrohungen sollte das natürlich gewährleistet sein. Des Weiteren haben wir auch besprochen, dass wir Kampagnen der Polizei (Präventionskampagnen zu Alkohol und Drogen) bei uns im Magazin mit einer kontinuierlichen Serie unterstützen. Auch waren wir uns einige, dass der Ablauf einer Polizeianfrage verbessert werden wollte, deshalb gibt es fortan Kontaktbeamte, die sich gerade mit KWICK! sehr gut auskennen und dann Kollegen zur Seite stehen, weil viele Polizisten natürlich nicht auf dem neuesten Stand sind, was Communitys angeht


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

12 Kommentare

  • Was mich generell stört ist, dass bei solchen Untersuchungen Unschuldige ohne ihr Wissen gescreent werden. Informelle Selbstbestimmung würde für mich heißen, dass mir zumindest seitens der Behörden nach Abschluss der Ermittlungen mittgeteilt würde, dass ich im Raster war.
    So würde der Öffentlichkeit zumindest bekannt in welchem Ausmaß untersucht wird. Gerade bei Communitys sollte eine PM an alle Untersuchten im Bereich des Möglichen liegen.
    Generell finde ich es übrigens auch bedenklich, dass ich z.B. bei StudiVZ anonym auf anderen Profilen schauen kann. Das geht bei Xing meines Wissens nach nicht und das finde ich auch gut so.

  • Das Beispiel mit dem Typen, der Amok laufen wollte und „noch vor Verlassen des Hauses dingfest“ gemacht wurde zeigt doch, dass die Regelung mit einer benötigten Anzeige/Durchsuchungsbeschlusses nicht eingehalten wird. Ein Saftladen, der der Polizei offensichtlich in den Arsch kriecht.

  • @ Anonym: Sorry aber deinen Beitrag verstehe ich nicht. Wenn die Polizei die Daten beantragt hat, gab es ja sehr wohl im Vorfeld eine Anzeige wegen Amoklauf. Willst du erst abwarten, bis in der Zeitung steht: „10 Tote bei Amoklauf“ und dann Anzeige gegen den Täter erstatten?

  • „Unschuldige ohne ihr Wissen gescreent werden“ – das war wohl ein Witz? Guten Morgen, es ist das Internet! Alles was Du da reinschreibst wird für die nächsten 10000 Jahre für jeden der es will nachzulesen sein. Billiarden von automatisierten Data-Mining-Spidern werden jedes Bit dass Du jemals öffentlich gemacht hast auf jede erdenkliche Weise analysieren. Mit anderen Worten: selbst Schuld, wenn Du Dein Zeug im Internet veröffentlichst.

    Und bei Amokläufern finde ich es OK, ohne Polizeianzeige aktiv zu werden. Ist eigentlich bei den meisten Verbrechen so, dass erstmal Zivilpersonen die Polizei rufen.

    Ach ja, zu Xing: man kann die Profile doch sogar aufrufen, ohne überhaupt bei Xing eingeloggt sein. Kann man zwar wegkonfigurieren, aber als Standardeinstellung ist es glaube ich möglich.

  • als ich kwick beitrat, im aug. 2001, war das noch eine nette community, bei der man viele leute kennenlernte und zusammen was unternahm.
    praktischerweise hab ich dort auch meinen gatten kennen gelernt.
    mein moderatorenamt gab ich auf, als der laden zu gross wurde.
    und was jetzt daraus geworden ist, schreckt mich nur ab.
    schade.

  • Ich finde es auch etwas seltsam, dass die angeblich so tolle Zusammenarbeit nicht näher beschrieben wird. Für mich klingt das so, als sei die Zusammenarbeit etwas intensiver als es den Nutzern lieb sein könnte.

    Aber vielleicht ist auch einfach die Pressemeldung nicht gut geschrieben.

  • Bei aller Kritik sollte man denen jedoch eines gutheißen – sie kommunizieren das offen. Wenn also jemand so blöd ist über Kwick seinen kriminellen Machenschaften nachzugehen, dann hat er es auch verdient, dass Kwick und die Polizei dem nachgehen (ich rede von extremen Fällen – nicht von Kifferbildern o.ä.)

  • Beleidigungen sind strafrechtliche Vergehen.

    (Nicht dass ich es gutheißen würde jetzt wegen jedem „Du Depp“ zur Polizei zu rennen, aber man übersieht das leicht…)

  • Andere Communitys versuchen ihre User zu schützen, Kwick richtet extra eine Hotline für Behörden ein, wieder ein Grund mehr sich da abzumelden. Nachher steht noch die Polizei bei mir vor der Tür weil ich mal einen User als Depp bezeichnet habe.

Kommentieren