Sonstiges

Xing: Quartalsergebnis

die vorläufigen Daten fürs 1. Q/08:

Accounts: 5,71 Mio
davon Premium: 0,42 Mio
= Umsatz: 7,5 Mio
= EBITDA: 2,64 Mio

Gegenüber dem Vorjahresquartal 01/07 verdoppelte sich die Accountanzahl (+170%), aber die Premiumaccounts stiegen lediglich um 63%. Lediglich? Dafür, dass mit Sicherheit die Aktivitätssterblichkeit (User, die inaktiv werden) nicht gerade niedrig sein dürfte, ist das Wachstum bei den zahlenden Kunden gar nicht mal so schlecht.

Einnahmequellen:
– Premiumaccounts: 5,91 Mio (80%)
– Werbung: 0,52 Mio (7%)
– Marktplatz: 0,96 Mio (13%)

Was die Werbung angeht: Wenn ich es richtig gelesen habe, verzeichnete Xing 900 Mio Impression im 1. Quartal. Oder war das auf Werbeeinblendungen bezogen? Wenn gesamt, dann wären das bei einem Einsatz von Google AdSense, einer angenommenen 1%-Klickrate und einer Einnahme von 10 Cent pro Klick ungefähr 1 Mio USD pro Quartal (man kann auch gern die Klickrate auf 0,3% senken und dafür die Einnahmen pro Klick auf 30 Cent erhöhen, denn im Business-Bereich sind Klickpreise tendentiell höher). In Euro wären es rund 660.000 pro Quartal. So performed das jetzige Werbemodell nur leicht besser als das Alternativmodell AdSense. Sprich, die Werbeabteilung von Xing arbeitet suboptimal.

Ich bleibe aber dabei: Xing schafft es in D nicht, einer breiten Masse von arbeitenden Menschen den Wert eines solchen Netzwerks zu vermitteln. Insofern werden große Potentiale verschenkt. Das momentane Ergebnis ist nett und ernährt über 100 Mitarbeiter, es ist aber nicht exzellent imho. So verbleibt Xing die Ehre als einziges, deutsches Web 2.0-Startup der Neuzeit spürbare Einnahmen und einen deutlich positiven Cash Flow zu verzeichnen, immerhin! Somit ist und bleibt das Xing das 2.0-Vorzeigestartup schlechthin, wovon StudiVZ nur träumen kann zur Zeit. Ob das nun als Kompliment für die gesamte Webzene der Neuzeit anzusehen ist, die versuchen, zweinullige Elemente einzusetzen? Ok, das wissen wir erst in ein-zwei weiteren Jahren. Nein, bei den vielgerühmten Amis sieht das nicht groß anders. So muss man lange suchen, bis man dort eines der großen, bekannten Startup überhaupt findet, die über hohe, positive Cash Flows verfügen. Say Woot, say Photobucket, aber was ist mit den abertausenden anderen Startups? Nein, kein Grund zum Schämen, deutsche Kaufleute sind nicht dümmer als die US-Kollegen. Angesichts der Möglichkeiten in den USA muss man sich eher fragen, was da drüben eigentlich los ist.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

14 Kommentare

  • Ein Punkt, besonders bei den Premium-/Aktiven Nutzern: Zu viele Selbstdarsteller, Freiberufler, usw. Wenn man dann noch davon ausgeht, dass die Zeitsouveränität haben, dominieren die die z.B. Foren. Das ist für den normalen angestellten Mitarbeiter nicht sehr interessant. Ich kenne die Strategie von XING nicht, aber ohne die Koopration mit Unternehmen/Konzernen wird die kritische Masse nicht zu bekommen sein.

    Auf der anderen Seite haben die Unternehmen natürlich die nicht unbegründete Angst, dass sie mit XING ihre Mitarbeiter den Headhuntern zum Frass vorwerfen. Sind ja auch alle Mitglied bei XING.

    … und jetzt bitte nicht wieder die Argumente, dass Offenheit zählt, gutes Arbeitsklima die Leute hält oder Headhunter auch andere Wege finden. Die Wirklichkeit in der Automobilindustrie, bei Banken, Pharmakonzernen oder im Maschinenbau sieht anders aus.

  • Find ich ja witzig, dass Du heute über die Zahlen schreibst. Wir hatten XING heute beim Mittagessen als Thema und kamen auch drauf, das dass für viele viele Leute, die ihre Schwerkraftvertriebswege haben, absolut uninteressant ist. Imho könnte man mal versuchen regional ein wenig mehr zu machen als online Leute vernetzen. Meine Erfahrung ist, bevor man ein Geschäft macht schaut man den Leuten doch immer gern ins Gesicht. Also häufiger Treffen!

  • Ja es wird leider überschätzt, es finden sich zwar sehr viele Kontakte mit denen man sonst auch Geschäft macht aber leider hat man sonst keinen Nutzen von Xing.
    Nur Social Networks die wirklich einen sofortigen Nutzen bieten ,werden mit der Zeit überleben. Wir haben das gerade für die IT Branche gemacht und ein Social Network mit einem „Virtuellen“ Lagerbestand für „End-of-Life“ Produkte und Sonderposten kombiniert. Aber dieses Social Network ist eben nur für die IT Branche und dort auch nur für Leute die Produkte suchen die es nicht mehr bei Distribution gibt.

  • Tja hm also ich bin ein „heavy StudiVZ“ Nutzer, wobei es Leute gibt die es noch viel öfters nutzen und ich kann irgendwie nicht so ganz glauben das paid content oder paid social networks nicht funktionieren.
    Bei Xing geht es ja scheinbar aber wieso versuchen Facebook oder StudiVZ nicht auch eine „Premiummitgliedschaft“ anzubieten.
    Also alles bleibt wie bisher aber wenn man bezahlt muss man keine Werbung sehen+kann unbegrenzt Nachrichten versenden+ StudiVZ Nachrichten werden auf mobile devices umgeleitet oder so.
    Ich hätte kein Problem damit 5 Euro pro Monat für StudiVZ zu bezahlen, ich hätte dann einen Mehrwert und VZ wäre nicht nur auf Werbung angewiesen. Klar, die meisten würden kein Geld ausgeben wollen aber bei 5 Millionen Mitgliedern doch gewiss schon einige hundert Tausende und schon würde es sich doch lohnen?

  • Business Case, Quantenphysik und die Gesetze von Schätzungen…

    Wir sind momentan ziemlich beschäftigt mit unserem Business Case. Sollte man ja eigentlich nicht für möglich halten bei drei ehemaligen Beratern, deren früheres Leben ja zu 10-20 % aus der Erstellung, Verifizierung und Begutachtung …

  • Ich nutze Xing als Businessadressbuch, mit dem Wissen, dass die meißten es auch pflegen.
    Was mich aber viel mehr interessieren würde, ist wieviele Leute über Xing tatsächlich neue Aufträge (neuen Job finden) generieren…da habe ich große Zweifel, weil wie schon thomas sagte, möchte ich doch neben der total aussagekräftigen Vita auch einen persönlichen Eindruck haben und den bekomme ich eher weniger durch Xing….

  • Hallo Mirko,
    meine Erfahrung (Websoftware,Webdesign) ist: ich erreiche auch Leute, die ich vorher nicht kannte, ich komme mit Ihnen ins (Telefon)gespräch, aber im Konkurrent zu einem lokalen Anbieter vor Ort kann ich mich meist nicht durchsetzen. Aussage der gewonnenen Neukontakte: Den sehe ich auch mal. Der ist hier vor Ort. Etc.

    Trotzdem habe ich schon Aufträge durch XING aquiriert – dann meist in regionalen Gruppen (Wuppertal, Bergisch Land) – und man hat sich auch mal getroffen.

    Interessant finde ich XING noch als Ausgangsbasis für die Aquise in großen Unternehmen. Eine Kollegin von mir macht Ihre gesamte Aquise über XING – auch recht erfolgreich.

    Aber diese Überlegungen bestärken in mir das Gefühl, dass der regionale Charakter von XING noch zu schwach ausgeprägt ist. Natürlich kann man auch die Suche ergiebiger bemühen – aber eine stärkere Sichtbarkeit des regionalen – ich fänds nicht schlecht.

  • gab mal Umfragen, frag Xing am besten. Und was das mit den Jobs per se angeht, vielleicht haste es noch nicht gehört, dass des Headhunters liebstes Kind Xing geworden ist. Nicht nur wegen Dating.

    @thomas, yep, die Umkreissuche fehlt extrem, die jetzige Suche nach Bundesland ist zu schwach…

  • Hey Thomas,

    danke für die ausführliche Antwort!

    Ich denke, dass spricht aber letztendlich dann doch für xing/berlin, xing/ffm usw. weil man dann die Möglichkeit hat Leute zu treffen. Ferner glaube ich auch, dass innerhalb der Onlinebranche die Schwelle niedriger ist einen Auftrag an jemanden zu vergeben, als in eher „klassischen Branchen“.

    Headhunter ist für mich nur ein „Okay-Argument“, da meines Erachtens das auch nur ab eines gewissen Jahresgehalts relevant ist. Sieht man Xing allerdings als Managertool, dann habe ich nix gesagt 😉

  • Wenn man sich mal anschaut, wer da so jobsuchend unterwegs ist – viel finde ich das nicht. Okay – die Kopf(geld)jäger suchen natürlich Leute, die gerade Ihren Mann/Frau stehen – aber es gibt doch immer wieder Leute, die joblos, oder einfach jobsuchend sind. Aber zeigt man das bei XING so gerne.

    Warum nicht ein Flag setzen – das wiederrum nicht jeder sehen kann. Okay – das wird elitärer – könnte aber auch ein interessantes Einnahmemodell sein. Wenn die Headhunter mal mehr zahlen, weil sie von geflaggten Leuten mehr sehen.

    Ja – die Branchen – ist ja nett, dass die ganzen Kreativen da sind – viel Geld liegt aber auch in den „Schwerkraft“branchen. Der Affinität zu XING sehe ich nicht. Die fehlen dann aber auch bei den Regionaltreffen oder anderen Themen. Denn treffen sich „nur“ immer die Kreativen, dann artet das imho in so eine gewisse Selbst… aus.

  • […] Finde ich aber nur zur Hälfte zu Ende gedacht. Xing hat einen Marketplace, der u.a. auch Jobanzeigen beinhaltet. Studenten sollten zum Ende ihres Studiums auf einen Klick hin die Möglichkeit haben, sich dort automatisch eintragen zu lassen. Wie das im Detail nun aussieht, ist mir ziemlich egal, obs den Premium-Studenten nix kostet oder nur den Non-Premium-Studenten oder für alle frei ist. Und spiegelverkehrt sollten Mitglieder die Möglichkeit haben, im Profil ein spezielles Feld anzuklicken, dass man an Hochschulabsolventen interessiert ist. Auch da ist es mir egal, wie das im Detail dann aussieht (genaueres Filtering bspw.). Auch die für Studenten oftmals nervige Suche nach Praktika-Stellen ist ein denkbares Mittel, Studenten das Leben zu erleichtern und den Mehrwert von Xing zu erhöhen und dem Marktplatz mehr Gewicht zu verschaffen, der immerhin bereits 13% des Umsatzes ausmacht. […]

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