Sonstiges

kurze Gedanken zum Krieg in Georgien

ich denke nicht, dass ich einer Seite die Schuld geben möchte, die Sache der anderen Seite in Schutz nehmen will. Einer übergreifenden Schuldzuschieberei á la „die haben doch und deswegen…“ habe ich angesichts menschlicher Opfer noch nie etwas abgewinnen können. Natürlich hat der Militärapparatschik der Georgier Gewalt angewendet. Natürlich haben die Russen von den Plänen der Georgier vorher gewusst, auf die Gelegenheit gewartet und dann zugeschlagen, als die Georgier in die Falle gelaufen sind. Machtpolitik as usual seit tausenden von Jahren auf dem Rücken von Menschen.

Was mich eher juckt: Wer steckt die Putins, Medvedevs und Saakaschwilis in den Knast, nachdem sich der Rauch gelegt hat? Wer erhebt Anklage gegen die Spitzenverantwortlichen im Staat, nicht alles getan zu haben, um Menschenleben zu schonen? Wer wird die Soldaten verfolgen und vor Gericht bringen, die womöglich Zivilisten verletzt oder gar ermordet haben? Jeder Mörder wir gesellschaftlich gebrandmarkt, aber nur nicht im Krieg. Jeder Mensch, der in einem zivilisierten Staat einem anderen schadet, muss sich vor Gericht verantworten. Ausnahmslos. Als gälte dieser Grundsatz auf einmal nicht mehr, weil Krieg eben Krieg ist. Wie schnell wird einem Polizisten ein Verfahren an den Hals gehängt, wenn er die Waffe gegen eine Person gerichtet und geschossen hat? Soldaten nicht? Wieso, sind das Ubermenschen außerhalb des Gesetzes? Setzt Krieg Gesetze außer Kraft? Muss sich der Einzelne etwa nicht verantworten? Muss er erst 1000 Menschen in ein KZ stecken und umbringen, um auf die Anklagebank zu kommen? Welcher Soldat meldet, auf wen er welche Kugel wo abgefeuert hat? Warum nicht? Weil wir Tiere oder Menschen sind?

Sollte Stalins Zitat tatsächlich wahr sein? „Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik„?

Was mich aber meisten frustet, wird nicht die erneute Tatsache sein, dass die verantwortlichen Schweine (anders kann ich es nicht sagen, sorry) davonkommen, die Menschenleben auf dem Gewissen haben, sondern die Tatsache, dass man den Tod auf beiden Seiten nicht betrauern wird. Welche Mutter in Russland wird den Tod eines georgischen Sohnes betrauern? Und welche Mutter in Georgien wird das für russische Söhne tun? Keine? Nahezu keine? Welcher Repräsentant seines Volkes wird sich beim anderen Volk für das Schicksal der Verstorbenen entschuldigen? Wann wird jemals ein Kroate vor einem Serben das Knie beugen? Wann umgekehrt? Wann wird das ein Amerikaner vor einem Iraker tun? Wann umgekehrt? Willy Brandt hats getan und damit einen Hoffnungsschimmer aufgezeigt. Aber Brandt war eine spezielle Person. Wie kann man stolz auf seine Geschichte und sein Land sein, wenn man militärische Gewalt hinnimmt? Ist das die Nächstenliebe, die man Menschen seit der Idee des Christentums und des Islam einzuimpfen versucht?

Dieses gesellschaftliche Verhalten, Kriege als gegeben hinzunehmen und das Geschehene einfach so zu übergehen, ist völlig inakzeptabel für mich. Wann werden die Schafe eines Tages wie ein Mann aufstehen und Nein zu einem drohenden Krieg sagen? Der bloße Gedanke an einen Krieg als Alternative muss gesellschaftlich gesehen schlimmer als ein geplanter Kindermord erscheinen. Tut es aber nicht. Dass wir zugleich Wölfe sind, mag sein und ist auch richtig. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies hinzunehmen ist. Wenn wir die Repräsentanten eines Staates nicht zwingen, stellvertretend für alle Bürger eines Landes bedauernde Worte gegenüber dem „gefallenem Feind“ zu äußern und das Knie zu beugen, ist das Land verdammt, gesamtheitlich ein Verbrechen begangen zu haben. Das wird niemals in Russland passieren, auch nicht in anderen Ländern. Niemals?

Mich werden wohl diese merkwürdigen Diskrepanzen im gesellschaftlichen Moralgefüge aller Kulturen dieser Welt nie loslassen. Man regt sich mehr über die Busenippel einer Jackson auf denn über den erneuten Tod eines Kindes im Irak. Man regt sich mehr über Serienmörder denn über den andauernden Tod in irgendeinem Kriegsgebiet auf.

Ich weiß, dass ich ins Wasser furze, wir sind so, wie wir sind. Karma:)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

21 Kommentare

  • In den Nachrichten hat man mir gestern erzählt, dass Krieg in Georgien ist. Und das das doof ist, weil da eine Ölpipeline liegt. Da muss man auch mal nen Moment drüber nachdenken. Was wenn da kein Öl wäre? Wäre das dann wurscht mit dem Krieg?

  • wenn das ein Bananenstaat wäre, würde es keine Sau interessieren und man würde keine Infos via Medien bekommen. Selbstverständlich. Nur gehts in dem Fall bei einer beteiligten Partei um eine ehemalige Supermacht, was per se brisant ist.

  • Ja, ist klar. Ich fands trotzdem bedenklich das die Nachrichten eines öffentlich-rechtlichen Senders (würde behaupten, dass es Bayern 3 war) das so direkt in den Zusammenhang gestellt hat. Krieg = Benzin teuer.

  • kA, kenne diese News nicht, kanns mir aber vorstellen, dass der Ölpreis hochspekuliert wird in Krisenfällen. Die Nachrichtenlogik ist verständlich, aber menschlich irrelevant, wenn Du das meinst?

  • Ich kann nur für Deutschland sprechen: Soldaten sind nicht außerhalb des Gesetzes, sondern haben sogar noch ein eigenes Soldatengesetz, welches sie in so manchen Bürgerrechten beschneidet. Bei aktueller Situation (kein Notstand) muss ein Soldat, der in Deutschland jemanden tötet, sich genauso verantworten, wie jeder andere auch und wird im Zweifel härter bestraft. Selbst wenn er im Notstand oder im Kriegseinsatz einen Zivilisten tötet, wird das afaik untersucht und hat ggf. Folgen (leider gibt es tatsächlich auch im Krieg „Unfälle“).
    Soldaten befolgen im Zweifel nur Befehle, was ein deutscher Soldat auch in gewissen Situationen verweigern kann, ja muss.
    Krieg (im Land) also Notstand setzt tatsächlich manche Gesetze außer bzw andere in Kraft.

    Krieg an sich sollte keine Notwendigkeit sein, ist aber immernoch das einfachste Mittel seinen Kopf durchzusetzen. Seien es Islamisten, Russen, Amerikaner … Gewalt wird als einfache Lösung für die eigenen Probleme betrachtet. Ich befürworte eine europäische Armee (nach den Grundsätzen der deutschen ;-)), welche ausschließlich für Friedensmissionen eingesetzt wird, die leider oft den Nachteil haben, dass sie machtlos zusehen müssen, wie zwei Volksgruppen sich abmetzeln, weil die nicht eingreifen dürfen. Gewalt kann tatsächlich Frieden stiften (schonmal zwei prügelnde Jungs auseinander gezwungen?).

    Ich träume auch noch von einer Welt ohne Kriege – allerdings sehe ich dann Kriege mit anderen Welten als wahrscheinlichste Seite dieses Traums =o/

  • Zu Öl durch Georgien: Georgien wird von den USA so betätschelt, weil es nicht nurr militärisch günstig liegt, sondern weil sie sich über eine Pipeline (Gas?) durch Georgien mehr Unabhängigkeit von Russland versprechen/wünschen.
    Der Ölpreis ging trotzdem runter, weil die Börse erstmal froh war, dass das Öl nicht wirklich involviert ist und keine Schwierigkeiten für das Öl dadurch zu erwarten sind.

  • Der Tenor war eher so, dass man den Krieg ernst nehmen muss weil durch die bedrohte Pipeline der Benzinpreis steigen könnte. Nachrichten- und unsere Logik sind da für mich identisch – am Ende wird ja erzählt was wir hören wollen. Und wenn uns nur noch der Benzinpreis hinter dem Ofen hervorlockt ist das schon traurig.

    @Martn Hiegl: Da hab ich wohl getippt während du geschrieben hast. Die Zusammenhänge waren mir gar nicht bewusst, interessant.

  • @Martin Hiegl
    Und wie sieht das in Afghanistan oder Jugoslawien aus?
    Werden hier Soldaten zur Verantwortung gezogen, wenn Zivilisten getötet werden. Wird es überhaupt untersucht? Oder kaschiert?

    Wer die böse Seite in dem Konflikt ist, sollte zielmlich klar sein: die Putins, Medvedevs und Saakaschwili

  • Robert, Du hast mich echt ins grübeln gebracht…
    Die Supermacht USA führt schon seit jeher Kriege um Rohstoffe. Ein Land in dem es für die USA keine interessanten Rohstoffe gibt, interessiert nicht und darüber berichten auch die Medien kaum.
    Was mich bei all den Kriegen am meisten stört, ist, dass es inzwischen zum Medienspektakel geworden ist. Die Schlacht wird nicht nur auf dem Schlachtfeld geführt sondern auch von den Medien noch zusätzlich angeheizt. Da werden uns ständig irgendwelche Bilder von Zerstörung und Tod präsentiert… Irgendwann machen sich die meisten Menschen keine Gedanken mehr darum, es gehört einfach zum täglichen Nachrichtenblock.
    Ich bin im übrigen nicht der Meinung, dass das letzte Mittel ein Krieg, der immer nur die Bevölkerung trifft, sein muss. Ausschluss und Isolation halte ich für eine wesentlich wirkungsvollere Waffe, als Zerstörung und Tod.

  • Wenn deutsche Soldaten (und nur da weiß ich bissle was) im Ausland Scheiße bauen, werden sie zur Verantwortung herangezogen. Kannst du dich noch an den Skandal wegen den Bildern mit den Totenköpfen erinnern? Wurde hier verhandelt, allerdings gab es keinerlei strafrechtliche/zivilrechtliche/whatever Vergehen, sondern höchstens soldatenrechtliche – das bedeutet einem Zivilisten wär jar nichts passiert, einem Soldaten könnte etwas wegen der schlechten Außendarstellung die er für die Bundeswehr erzeugt hat (keine Ahnung wie das nommal richtig heißt) etwas passieren.

    Engelbert, was passiert denn, wenn du jemanden ausschließt und isolierst und der hat ein paar Soldaten, Raketen, Kampfjets, … mhhhhhhhhhhh

  • Martin, da hast du sicherlich recht.
    Ich ging bei diesem Gedanken auch davon aus, dass auch der Gegner die gleichen „Waffen“ hat und einsetzt. Klar, auf unserer Erde ist das nicht mehr möglich.

  • Es geht wie immer um Öl und militärische strategische Punkte. Was mir aber Sorgen macht ist die Tatsache, dass nicht nur Russland die Öl Pipeline will, sondern auch USA und die europäischen Staaten.
    In den letzten zwei Jahren bemerkt man sehr oft, wie die Amerikaner immer mehr Waffenstellungen, um Russland aufbauen (letztens Konflikt mit den Raketen Stützpunkten).
    Russland müsste in den nächsten Tagen ganz Georgien einnehmen, damit der Westen keine Zeit hat Truppen und Sanktionen zu mobilisieren. Denn wenn der Westen sogenannte Friedenstruppen schickt, oder die Usa Truppen, um Georgiern zu unterstützen, oder der Westen anfängt Russland zu boykottieren, dann kann das wirklich heikel werden, denn Putin ist ein Mann, der sich nicht vom Westen beeindrucken lässt und richtig hart zuschlagen kann.
    Aber raffiniert, während den Iran/Irak/Afghanistan/China Konflikt so einen Krieg stattfinden zu lassen. Die Weltbevölkerung ist so beschäftigt mit China, dass sie das mit Georgien garnicht wirklich verarbeiten können.

    Also, der Georgien Konflikt macht mir viel mehr Sorgen, als der Iran Konflikt.

    Ich geh nicht davon aus, dass Russland und der Westen sich die Pipeline teilen wollen und werden, deswegen gehe ich nicht von Frieden aus. Wenn Russland jetzt schnell siegt und Georgien einnimmt, dann wird der Westen diese Quelle aufgeben und so würde die Chance größer sein dort Frieden in den nächsten 20 – 30 Jahren zu generieren. Falls der Westen in Georgien einen Stützpunkt aufstellt und Russland militärisch die Stirn bietet, dann haben wir die nächsten hundert Jahren fiese Kriege und Konflikte. Und die Ruhe zwischen Westen und Russland ist dann für immer zerbrochen.
    Russland muss siegen, grausam und unmenschlich siegen und in Georgien jeden Widerstand bis aufs kleinste Detail zerstören, damit da unten Frieden herrscht und die Sache nicht weltweit eskaliert. Und das in kürzester Zeit. So grausam das klingt, das ist die einzige logische Lösung, aber ich hasse diese Lösung.
    Ich würde es lieber sehen, wenn alle aufhören würden zu schießen und sich gegenseitig umzubringen. Das alle erkennen das Krieg ein Verbrechen an die Menschheit ist und das man sich Öl und Macht auf der Welt teilen kann und sich gegenseitig ergänzen kann… aber die Realität sieht leider anders aus.

  • M* – ich glaube da liegst zu ziemlich daneben. Sobald Russland auf Tiflis marschieren würde, wären die B-2 im Anflug. Die USA würde sich das nicht gefallen lassen und auf die UNO sch***en. Das könntestärker eskalieren als gedacht und aus diesem Grund hat Russland auch kein Interesse daran das so stark eskalieren zu lassen. Russland hat zwar Atomwaffen und eine Menge Menschen zu verheizen, aber sie sind keine Supermacht mehr.

  • Es geht immer nur um das vermaledeite Öl. Schon die Expansionspläne des Dritten Reiches im 2.WK zielten auf die Sicherung der schwarzen Ressource, ohne die die Nationalsozialisten, wie man gesehen hat, den Krieg nicht führen konnten: Sprit alle.

  • @Martin, die USA würden nicht im Traum dran denken, sich Russland unmittelbar entgegenzustellen, das ist undenkbar. Das ist nicht Kalter Krieg und das ist nicht Kuba, wo man Atomwaffen direkt vor der Haustür einer Supermacht platziert.

  • @Martin
    Der Punkt ist durch. Es waren keine B-2 im Anflug und die Russen haben gezeigt, daß aus dem Westen nur gute Worte zu erwarten sind. Daß in Tiflis keine Russen sind und daß die Ölpipelines noch ganz sind, ist alles russischer Good Will.

    Das Schlimme an den Totenköpfen waren die Bilder. Und wenn es wirklich Opfer gibt, dann gibt es ohne Kameras auch keine Untersuchungen. Vielleicht eine Entschuldigung, wenn es kein Krankenhaus sondern die Chinesische Botschaft war.

  • hi alle,
    zunächst zu den russischen und georgischen müttern:
    (meine frau ist georgierin, deshalb weiss ich bescheid)
    die etwas älteren generationen, ca. >35 jahre alt, verstehen sich eigentlich gut mit russen, abchasen, usw. auf beiden seiten gibt es bedauern.
    die jüngeren generationen sind allerdings dermassen brainwashed seit den kriegen in den 90ern nach dem fall des eisernen vorhangs (bei denen die russen auch schon am hebel waren…), das es sehr sehr schwierig ist, auf ziviler ebene wieder friedlich zusammen zu rücken. georgische kinder haben erlebt, wie die abchasen damals ihren nachbarn die köpfe abgehackt und auf den zaun gespiesst haben (damals haben die abchasen mit russischer hilfe 350000 georgier aus der georgischen provinz vertrieben und angrenzende gebiete georgiens zerstört).

    die pipeline gibts ja schon im gegensatz zu zb afghanistan. und ehrlich gesagt: das ist auch gut so. wenn die nicht wäre, dann wären wir vollkommen abhängig von russlands energie. die russen schielen aber genau deshalb auf das rohr und aus einem anderen grund: die sind immer noch auf aserbaidschan sauer, weil die als erstes nach ihrer unabhängigkeit beschlossen hatten, ihr öl nimmer über russland nach westen zu transportieren. mit der kontrolle über das rohr könnten sie aserbaidschan wirtschaftlich wieder an die kandare nehmen.

    naja, wir werden sehen, was noch kommt. berg-karabach kann jederzeit wieder angeheizt werden.

  • @robert:
    der kalte krieg war ja nur on-hold. putin hat wieder nachgeheizt. aber ich will eigentlich nicht schwarz-weiss-malerei betreiben. usa sind absolute nieten in sachen diplomatie (vor allem bad bush) und haben ja gedacht, sie haben die weltherrschaft 1991 erlangt. dass die russen da ein gegengewicht bilden (wollen?), ist aufgrund ihres charakters klar.

    was ich gut fände, das wäre eine weitere fragmentierung der machtstuktur. also mehr supermächte und weniger kleine länder die nur einstecken müssen wenn sich zufällig dort die interessen der grossen überlappen.

  • @Martin Hiegl
    ich weiß nicht – heute in den Nachrichten, nach den Aussagen Russlands, klang das so, als hätte ich Recht
    aber ich hoffe es endet nicht wirklich in einem neuen kalten Krieg (aber war der kalte Krieg jemals wirklich vorbei?)

Kommentieren