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Volksnetz: Wer-Kennt-Wen gegen MeinVZ

IVW bringt jeden Monat am sechsten Werktag die neuesten Klickstatistiken heraus. Heute ist es also soweit, man kann die Daten für August 08 einsehen.

Mich interessiert speziell, wie Wer Kennt Wen abgeschnitten hat und wie dem gegenüber der direkte Konkurrent MeinVZ.net performed. Denn beide Social Networks sind „general interest“ SNs, im Gegensatz zu StudiVZ und SchülerVZ. Beide Netze bezeichne ich für mich als Volksnetz. Als Analogie für die Annahme, dass sich in D ähnlich wie in den USA ein MySpace durchsetzen wird.

Die Daten für den August 08, sortiert nach PIs:
IVW

Und die Daten für den Monat Juli 08:
IVW

WKW hat bei den Page Impressions um 9% zulegen können, MeinVZ verzeichnet dahingegen einen Rückgang um 4%! Bei den Visits verhält es sich etwas anders. Da hat WKW ebenfalls um 9% zulegen können, MeinVZ hat um 16% zugelegt.

Die Anzahl der Visits steht für die Anzahl verschiedener IP-Adressen = Besucher, die innerhalb von 30 Minuten mind. 1 Seite besucht haben. Besucht 1 User eine Seite ständig, wären das im Monat 30x24x2 = 1.440 Visits. Was nicht mit Unique Visitors zu verwechseln ist. Hier zählt man strenger, indem man doppelte IPs aus der Zählung streicht. Würde ein Besucher immer nur mit derselben IP eine Seite besuchen, wären das maximal 1.440 Visits im Monat, aber nur 1 UV!

Wie kann man nun das Ergebnis deuten? Die PIs sind bei WKW hoch, bei MeinVZ runter. Aber, die Visits sind bei MeinVZ schneller gestiegen als bei WKW. Erstens sind prozentuale Ausschläge bei nierigeren Ausgangszahlen extremer. Ein Anstieg von 1 auf 2 Besucher entspricht +100%. Ein Anstieg von 1 Mio auf 1,1 Mio Besucher entspricht „nur“ +10%. Das sollte man bei einem Vergleich WKW / MeinVZ berücksichtigen. Denn WKW ist rund 2x-3x so groß wie MeinVZ, was die groben Userzahlen angeht. WKW konnte sein Ratio aus Besuchen zu PIs ungefähr konstant halten. Bei MeinVZ ist die Aktivität (!) dafür heruntergegangen. Die User besuchen zwar die Seite, aber die Aktivität zieht nicht mit dem Anstieg der Besuche linear mit. Was ein Indikator dafür sein kann, dass MeinVZ nicht mehr so gut wächst wie zum Start.

Woran das liegen kann? Annahmegemäß geht die Aktivität auf einem Social Network herunter, wenn sich die User mit ihren Buddies vernetzt haben und keine neuen mehr hinzukommen. Und die gesamte Plattform wenig Möglichkeiten bietet, sich über das reine Vernetzen hinaus, auf Foren oder sonstige Aktivitäten auszutauschen. Beide Plattformen bieten so ziemlich den gleichen, bescheidenen Funtkionsumfang. Daraus könnte man eben schließen, dass MeinVZ Schluckauf hat, was das Userwachstum hat. Noch ein Punkt, der einen Schereneffekt zwischen PIs und Visits erklären kann: Es kann sein, dass neue User auf MeinVZ mehr Probleme haben, sich mit anderen zu vernetzen. Dazu müßte man aber die durchschnittliche Zahl der Buddies auf MeinVZ und auf mein WKW kennen. Tue ich aber nicht.

Aber man könnte es anhand der regionalen Ausbreitung ableiten. Angenommen, wir haben ein SN, das sich ungemein stark von einer benachbarten Mikroregion zur nächsten Mikroregion ausbreitet. Die Chance, dass sich Personen kennen, ist weitaus höher. Als? Bei einem SN, das sich nicht durch eine starke, regionale Ausbreitung auszeichnet. Das eher gleichverteilt wächst und pro Mikroregion eine geringere „User-Dichte“ in Analogie zur Einwohnerdichte aufweist. Genau das ist der Fall bei MeinVZ und WKW. MeinVZ zeigt eine relativ gleichmäßige Verteilung bei der regionalen Nutzung auf:
MeinVZ
MeinVZ ist lediglich in einer Region recht gut vertreten, die anderen Regionen sind relativ schwach ausgerpägt

Dahingegen WKW:
WKW
WKW ist tatsächlich dafür bekannt, in manchen Mikrolokationen bis zu 80% der Internetnutzer als User abgdeckt zu haben!!! Ausgehend von der Annahme, dass bei einem general interest SN die Regionalität bei der Vernetzung wie auch Ausbreitung ein wesentlicher Faktor bei der Nutzungsaktivität ist, hat WKW gegenüber MeinVZ einen strategischen Vorteil, was die weitere Ausbreitung angeht. Der sich zugleich umkehren kann, wenn die regional bedingten Beziehungsgeflechte bei einer räumlichen Ausbreitung zu sehr ausdünnen. Dann allerdings muss WKW eine andere Strategie fahren. Noch müssen sie es nicht, MeinVZ wohl schon eher.

Warum ich darauf herumkaue? Wie schon so oft gebetsmühlenartig erklärt, weisen general interest SNs Besonderheiten auf, die man verstehen sollte und daraus Ableitungen bilden kann, um sein eigenes SNs nach vorne zu bringen. Je nachdem, was es ist. Ein special oder ein general interest SN.

Übrigens, achtet mal oben auf die beiden „special interest groups“-SNs SchülerVZ und StudiVZ. Die Nutzungsaktivität ist bei beiden spürbar herunter, während die Visits ungefähr gleich geblieben sind. Aufgrund der Besonderheit, dass wir Schulferien und Semesterferien haben, kann darin ein Grund zu suchen sein. Oder eine systemisches Ursache vorliegen, die man durchaus auf die baugleiche Seite MeinVZ übertragen kann. Ideen? Vergleicht das mal mit Facebook-Daten;) Auf Deutsche-Startups heißt es dazu:

studiVZ-Chef Marcus Riecke nennt als Grund für den rasanten Rückgang die Einführung von Ajax-Technologie – dadurch seien die Page Impressions kalkuliert gesunken. Benutzerfreundlichkeit heißt das Zauberwort: „€œMusste zuvor beispielsweise jedes Foto in einem angelegten Album einzeln angeklickt werden, so gibt es nun eine Foto-Slideshow, die pro Nutzung jeweils nur eine Page Impression generiert“€?. Durch weitere Optimierungen soll die Zahl der Page Impressions künftig weiter sinken. Dies nimmt Riecke gerne in Kauf: Die hohe Anzahl der Seitenabrufe sei zwar ein relevanter, aber dennoch nur ein Erfolgsfaktor. „€œMindestens ebenso wichtig sind uns beispielsweise Unique Users, Verweildauer, Mitgliederzahlen „€“ und vor allem die einfache Bedienbarkeit unserer Seiten und die daraus resultierende Nutzerzufriedenheit.“€œ

Folgt man dieser These, kann MeinVZ hinsichtlich der Visits auf ein Plus von 14% hinweisen. Oder in absoluten Zahlen auf +5 Mio Visits. WKW verzeichnet aber +9 Mio Visits. Die Ajax-Argumentation ist schön und gut, aber gerade bei SchülerVZ und StudiVZ setzt man auf simple Funktionen. Wenn man so will, sind beide Seiten etablierte Plattformen, die sich mit Facebook vergleichen lassen müssen. Die deutlich aufzeigen, wo der Weg einer zunehmend alternden Plattform hingeht. Weniger in der Strategie, vom Funktionsumfang her überschaubar zu bleiben, was in der Wachstumsphase 100% richtig ist imho (und damit auf WKW und MeinVZ zutrifft). So komisch es sich auch anhört: Ich geben einem neuartigen, deutschen Startup gute Chancen, noch ist dieses Segment nicht dicht. Die müssen nicht einen auf einfach machen;) Das haben die User hinter sich.

WKW macht das Rennen, meine Wette:) Neben der regionalen Stärke, die man auch als Schwäche auslegen könnte, zeichnet WKW zwar eine ähnliche Simplizität wie das bewährte VZ-Muster aus. Aber hinzukommt eine noch weitaus massenkompatiblere Sprache und Layout der Funktionsarchtitektur. Meine Meinung. Bauch. Nix Kopf.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

29 Kommentare

  • Die Zahlen sind nur für Werber interessant.

    Wieviele User dort wirklich aktiv sind wieder meist verschwiegen oder beschönigt.

    Und mal ehrlich: WKW + MeinVZ sind 2 tote Communities im 90er Stil wo einfach nichts abgeht außer Fotos hochladen + Freunde adden.

  • Regional gesehen ist WKW teilweise noch relativ unbekannt. Beispielsweise in der Region wo ich wohne, kennen kaum welche WKW. Dagegen sind aus meinem Bekanntenkreis sehr viele Nichtstudenten, die zuvor ein Profil in studiVZ hatten, nun in MeinVZ vertreten.

  • Ich bezweifel das die User bei den beiden Plattformen den Großteil ihrer Freunde mit drin haben.

    Das ist mehr wie ein Cafe wo man gelegentlich auch mal (notgedrungenerweise) mit reinschaut in der Hoffnung ev. paar Bekannte da zu treffen. Nichts mehr.

    Klar wird das SN mit den meisten Freunden bevorzugt, allerdings ist die ganze Freunde-Sachen overhyped!

    Echte Freunde erreiche ich per Anruf, SMS, eMail oder ICQ – dazu muss ich nicht in ein SN gehen.

    In SNs nimmt man Leute als „Freunde“ auf, die lediglich Bekannte sind die man ev. im RL gar nicht mal mag aber der Güte willen nicht abweist.

    Bis jetzt hat mir die Freundeliste bei Lokalisten + StudiVZ nicht viel gebracht außer nervigen Kettenbriefen von den Leuten sowie „ich-brauch-euch-für-meinen-Umzug“-Bettelmails.

    Warum hier ständig eine drittklassige 90er-Style-Community gepusht wird ist mir nach wie vor schleierhaft (auch wenn sie derzeit in einigen Regionen ein paar kleine Anfangserfolge feiert).

  • Also ich benutze StudiVZ bzw. MeinVZ und die Lokalisten-Seite täglich. Ich wundere mich aber, weshalb wer-kennt-wen so schnell so erfolgreich wurde. Ich finde da niemanden meiner Freunde! Unglaublich. Jeden einzeln zu suchen ist doch total dämlich. Wie kann das nur so schnell wachsen? Ich blick’s echt nicht. Sieht ja nichtmal gut aus.

  • Tja, so unterschiedlich sind die Erfahrungen.
    Aus meine Bekanntenkreis melden sich ausschliesslich Leute über wkw, StudiVZ oder MeinVZ kennen die gar nicht oder lehnen es ab, sich dort überhaupt anzumelden. Zielgruppe ist dabei allerdings > 30 Jahre. Und das sind alles Leute, die nicht primär über’s Netz ‚communitieren‘, sonder sich eher im real life treffen.

    wkw hat aus meiner Sicht das breitere Zielpublikum, daher die etwas grössere Verbreitung. Interessant bei wkw ist ja auch nicht unbedingt die direkte Suche eines Einzelnen, sondern die regionale Suche.

  • @Robert:

    Nein das ist nicht nur „meine“ Sichtweise sondern auch die meiner „Freunde“ in den jeweiligen SNs. Und das sind nicht nur 3 Hansel sondern jeweils 50 – 100.

    Auch wenn ich mir die Freundeslisten meiner Freunde anschaue, dann weiß sogar ich das mind. 50% von denen NICHT deren „Freunde“ sind.

    Fassen wir zusammen: In den SNs habe ich meine echten Freunde, mit denen ich aber meist NICHT über das SN kommuniziere. Von den „anderen“ Freunden hört man so gut wie nichts via SN, weil diese nur mit ihren „engeren“ Freunden kommunizieren (vermutlich auch hier nur außerhalb des SN). Alles andere wie Fotohochladen, Rumklicken und Statusmeldung ändern ist lediglich schwachsinniger Zeitvertreib. Aber das merken die Leute erst nach einiger Zeit…

    Zu WKW: Vielleicht wird WKW auch in anderen Regionen irgendwann mal mit bischen Fuß fassen, aber ich wurde neulich von einer SN-affinen Userin gefragt ob man sich da auch noch anmelden „muss“ oder Lokalisten + StudiVZ usw. reichen…

  • ob man sich da anmelden muss? Hehehe.. cool:))
    Ob die SNs auf Dauer ausreichen, sich als Kommunikationsplattform unter Buddies zu etablieren: Gute Frage, ich kann das für mich schwer sagen. Und zu beobachten gibt es noch nicht so viel, solange diese Seiten allesamt immer noch recht jung letztlich sind.

  • So, habe nun volks-community.de registriert. Robert sag Bescheid wenn wir loslegen sollen .-) Du schreist immer danach, wir bauen Dir das 🙂

  • wegen der Vollständigkeit:
    1 User, der eine Seite ständig besucht = 30×24×2 = 1.440 Visits im Monat
    1 User, der eine Seite ständig besucht = 30×1 = 1.440 Unique Visits im Monat – bei DSL-Zwangstrennung 🙂

  • @Robert:

    Naja das „muss“ war eher die Frage ob es Sinn machen würde sich da anzumelden 🙂 StudiVZ war ja damals auch „Pflicht“.

    Vielleicht bin ich auch einfach zu alt für den Quark, jedenfalls gab es solche Communites mit fast identischen Features schon vor 10 Jahren (Google Maps und AJAX mal ausgenommen).

    Ich konzentrier mich jetzt lieber auf Dinge wie Rejaw…

  • WKW kommt aus Koblenz, endlich ein bisschen Fame für meine Stadt! Die beiden „Erfinder“ haben damit ne richtige Stange Geld am laufen…einfach nur krass, wie sich das entwickelt hat.

  • „WKW ist tatsächlich dafür bekannt, in manchen Mikrolokationen bis zu 80% der Internetnutzer als User abgdeckt zu haben!!!“

    Wie definiert sich „Mikrolokationen“?
    Gut, in meiner Firma ist auch jeder zweite bei WKW.

  • Schon krass wie rasent schnell sich WKW mit so seinem hässlichen Seitenlayout entwickelt hat oder konnt. Da hat aufjedenfall der Glückgott ordentlich mitgeholfen.

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