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Online-News: Reines Copy & Paste?

ich greife mir ein beliebiges Beispiel heraus: Wandernde Magma-Kammer unter dem Vesuv

Betrachtet man die einzelnen Onlinedienste, so steht bei allen mehr oder minder ein nahezu gleicher Inhalt. Keiner ergänzt den Text durch Querverweise auf andere Quellen, keiner verlinkt auf die Originalquelle, kein professionell betriebener Pressedienst versucht auch nur ansatzweise, die Inhalte mit eigenen Recherchen und Gedanken anzureichern. Es spielt keine Rolle, ob ich den einen oder den anderen Dienst nutze. Keiner unterscheidet sich voneinander.

Was ich jetzt nicht weiß: Wie hoch ist eigentlich der Anteil der Copy&Paste Inhalte bei diesen Diensten? Gibt es dazu Zahlen?

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

42 Kommentare

  • Mach mal Google News auf. Da sind in der Regel immer ähnlich Beiträge aufgelistet – erschreckend…

    Obs allerdings konkrete Zahlen gibt?!?

  • Ich glaube um solche Zahlen zu bekommen muss man sich die Kundenzahlen der „Informationsdienste“ ansehen (dpa, sid, etc.). Häufig werden die von dort ankommenden Meldungen einfach weiterverwurstet, wodurch sich plötzlich die Meldungen der „Großen“ wie ein Ei dem anderen gleichen. Sehr schön kann man das übrigens beim Fußball beobachten: Einfach mal die Spielberichte einzelner Sportseiten vergleichen… oft unterscheidet sich (wenn überhaupt) nur die Überschrift.

  • Also ich habe mal für eine relativ große Nachrichten-/Zeitungswebsite den News-Bereich programmieren dürfen (ist immer noch online ;)) und da werden die News von der dpa automatisiert als XML+Bilder angeliefert, in das CMS eingegliedert und dann im Design der Zeitung wieder ausgeworfen – soviel zu eigener Recherche.

    Zur Abmiliderung sei noch erwähnt, dass die Seite sonst viele selbst recherchierte Artikel hat, die sich mit regionalen Themen beschäftigen – aber die großen News werden einfach durchgereicht 🙂

  • Das werden in der Regel schlicht Agenturmeldungen sein. Schlag mal eine beliebige Zeitung auf und schaue nach den Autorenkuerzeln — in der Regel wird da im ueberregionalen Teil ddp, dpa, ap etc. stehen, nur selten ist da noch irgendwas von eigenen Redakteuren. Bei der Zeitung faellt dir das nur nicht auf, weil du vermutlich keine fuenf davon am Morgen liest 😉

    Im Umkehrschluss heisst das aber auch, dass ein riesiger Teil der Zeitung, die du bezahlst, aus Agenturmeldungen besteht, die du tags zuvor schon z.B. auf Google News gelesen hast — oder aber auch, dass die Agenturmeldungen in der Regel ungeprueft und unkorrigiert ins Blatt finden. Siehe z.B. hier: http://www.behindertenparkplatz.de/cl/2007/06/06/799/

  • @stk, der Zusammenhang dürfte geläufig sein, genau daher interessiert es mich ja, wie hoch der Anteil des Eigeninhalts ist;)

    @Sven, kannst Du grobe Zahlen nennen (Fremd/Eigeninhalte)?

    @Balu, nope, stimmt keinesfalls

  • Also vom reinen Content-Umfang würde ich so über den Daumen sagen 1/3 bis 1/2 (bin gerade nochmal über die Seite gesurft und habe mir die anderen Bereiche mal angeschaut). Überregional sind es halt nahezu 100% (es gibt aber immer mal wieder Schwerpunkttexte, die aus der eigenen Redaktion kommen und das dann ergänzen – heute 9/11 zum Beispiel).

    Vom Rest stammt dann das meiste aus der gedruckten Ausgabe (per Import aus dem Redaktionssystem) und einigen speziellen Online-Servies.

    Detailierte will ich dazu nix sagen – irgendwann könnte man sonst vielleicht die Seite erraten und ich werde sicherlich nicht meinen alten Auftraggeber an den Pranger stellen

  • @Robert: Könntest Du den Link zu meiner Website aus allen Kommentaren rausnehmen – auf dem Weg könnte man sonst vielleicht rausfinden, bei welcher Zeitung das war und das möchte ich nicht – danke 🙂

  • @2:
    Schon klar, wenn da allerdings aufgelistet ist: 77 ähnliche Beträge, dann ist das schon ein gewisses (zugegeben sehr schwammiges) Zeichen fürs „Weiterverwenden“

  • kostenlose onlinemedien mit korrespondenten an allen orten der welt, die schneller als nachrichtenagenturen und ihre konkurrenten sind, mit spitzer feder schreiben und täglich nen skandal aufdecken, das ganze 24/7: ich fürchte, dies ist ein kaum erreichbares ideal. übrigens ist auch schon die auswahl von nachrichten ein job.

    zur ausgangsfrage:
    vielleicht haben sich publizistische institute mit dem thema beschäftigt.

  • @journalist: Gibt es doch. Das Internet als Gesamtheit, aggregiert und verlinkt auf diversen Seiten. Nur die Auswahl, der Nachrichten oder der Aggregatoren, ist dem muendigen Nutzer vorbehalten.

  • nix gegen träume, aber finanzieren soll sich das auch alles. das gilt für eine bild, eine welt, einen stern, ein handelsblatt, wen auch immer – in print und online. online wird zudem echtzeit nachgefragt. interessanterweise geht manche kurze nachricht klickmäßig bedeutend besser, als hintergründiges. die frage nach dem verhältnis nachricht und längere formate kann man gerne stellen. aber es wird immer verschiedene formen der darstellung geben müssen. und: nachrichtenagenturen werden deshalb abonniert, um möglichst umfassend und vor allem schnell sowie korrekt zu berichten.
    anyway:
    nix gegen träume oder ideale (letzte sollte man auch haben) – aber ich kenne keine branche, in der jeden tag das rad neu erfunden wird. gerne auch für umsös‘.

  • @rbasic: also, interessant, wenn es dazu eine geschichte gibt
    @stk: habe nix gegen mündige nutzer und leser – bin ja auch einer. mein statement bezog sich auf das auswählen der nachrichten durch journalisten, das einfach zum job dazugehört – und natürlich auch nicht da enden soll . was ein leser zudem an infos reinholt (je nach interesse, zeit etc), ist des lesers sache.

  • Denke schon dass die Copy&Paste-Quote sich für verschiedene Medien stark unterscheidet. Bei ibusiness würde ich schätzen: 100% Copy&Paste. Da werden sogar Laien-Ebooks von Schülern aufgeregt als Expertentipp verbreitet, nur weil irgendein Reichweiten-Blog darauf verlinkt hatte…

    (PS: Schüler können für spezielle Themen sicher schon Expertenwissen mitbringen, das ist nicht mein Punkt. Die Ebooks, die ich meine, erhielten aber kein Expertenwissen)

  • Das Problem Online-News-Dienst (wenn es denn eines ist) liegt wohl schon im Namen selbst: Dienst.

    Es sind Dienstleister, Vermittler von Informationen – also gerade keine Rechercheure oder Redakteure. Das Ermitteln und Prüfen der Informationen gehört (zum Glück oder leider) immer noch in die Verantwortung der Journalisten usw., die die Meldung aufsetzen oder weiter verarbeiten.

    Ich frag mich auch, wer sich den Riesenaufwand an eigenen recherchierten Meldungen in dem Bereich noch leisten kann, ohne in nahezu kürzester Pleite zu gehen.

    Nachtrag: Lustigerweise steht in vielen Blogs auch nahezu dasselbe. Ein Zufall? 🙂

  • ? ich sehe erstens unterschiedliche Texte und zweitens lese ich Meinungen. Von Menschen geschrieben, nicht von Journalisten, die wegen Geld schreiben. Diese Vergleiche Blogs-Presse ermüden mich, wie Du merkst:)

  • ! Mir geht es nicht um den Vergleich Presse-Blog, sondern um den Inhalt der Meldungen/Meinungen.
    Es machen sich in beiden Fällen nur wenige die Mühe, nachzurecherchieren. Was dabei rauskommt: (Fast) immer der gleiche Inhalt, aber wenig Hintergrundwissen oder neue Verbindungen.

    Übrigens sind Journalisten auch Menschen – man soll es nicht glauben:)

  • Durchreichen von Infos *gähn* – das gilt auch für Blogs. Was ich lieber lesen/finden würde wär ein Blog(post) eines Geologen oder physischen Geographen, der da arbeitet – möglichst in deutsch oder englisch. Oder von mir aus von jemandem, der da Urlaub macht und ein paar Eindrücke (z.B. von der Bevölkerung da) aufschreibt. (Sonst noch Wünsche? Kannste doch vergessen!)
    Ich fürchte, selbst wenn es jemanden geben sollte, der da momentan Messungen anstellt und darüber schreibt, man würde es wegen der Masse der Nachrichtenabschreiber und SEO-gepimpten Durchreichseiten schlicht und einfach nicht finden.

  • Reines Copy & Paste bringt mich zum Gähnen. Andererseits, wie will man über Geschehnisse schreiben, wenn sie nicht gerade vor der eigenen Haustür stattfinden?
    In meinem noch jungen Blog tobe ich gerade meine Bedürfnisse aus, bestimmte Nachrichten dieser Welt aus meinem Blickwinkel darzustellen. Natürlich gehört das Verlinken auf Quellen zu meinen Standards. Ich stelle aber auch fest, dass es sehr viel Zeit kostet, wenn die Informationen mit eigenen Gedanken und Sekundärquellen angereichert werden. Eine Steigerung, die mir bei bestimmten Themen vorschwebt (jedoch an Zeitmangel scheitert) ist, direkte Recherche an der Quelle zu betreiben. Leider motivieren fehlende Rückmeldungen nicht unbedingt, den aktuellen Zeitaufwand auszuweiten.

  • Ich frag mich immer, warum Leute Dinge posten, zu denen sie keine Meinung haben und evtl. keine haben können, weil es einfache Fakten sind: Einfache Weitergabe von Infos (dasunddas ist soundso und/oder hierunddort passiert), die aus irgendeiner Quelle stammen (alte Medien via Agenturen). Was bringt sowas? Klicks. Sowas findet zwar mittels Blogsoftware statt, hat aber mit der Textsorte (ist es eine?) Blogpost und demnach ‚Bloggen‘ nichts zu tun.

  • Man muss nur einmal eine Woche lang den Teletext der deutschen Sender von ö-r bis privat mitlesen: Da sind sogar die Tippfehler kongruent!

    Im www/Blogiversum werden mitunter ja auch die schicken Schaufensterlösungen vorgezogen, die via bot Inhalte fensterln – ich habe da grad heute jemanden dazu gebracht, zumindest vorübergehend seine Seite abzuschalten, indem ich ihm seine eigene Schande ins Fenster gelegt habe – das tut vielleicht gut!

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