Sonstiges

Second Life, 3D-Internet: Quo Vadis

Second Life ist einerseits das einst hochgebujelte und andererseits heute das seitens der Medien totgeschwiegene Baby. Ausgelutscht und abgebrannt? Die Medien erschaffen keine Welten, sie gaukeln manchmal nur welche vor. Was aber wirklich da draußen in und um Second Life passiert, sollte man lieber die erzählen lassen, die sich damit auch beschäftigen. Ich habe also Christian Scholz (der in D wohl der bekannteste SL-Experte ist) gefragt, ob er was zu SL sagen möchte. Um einen tieferen Einblick in die aktuellen Entwicklungen zu gewinnen. Ja, SL lebt, mehr denn je. Abseits des Hypes. Was diejenigen kaum wundern wird, die den Möglichkeiten einer dreidimensionalen Welt aus Bits and Bytes aufgeschlossen sind. Für mich persönlich ist es eh genial, auf die Erschaffung einer gänzlich neuen Welt blicken zu dürfen, wenn ich das lese, was Christian da skizziert. So kann ich wenigstens meinen Enkeln sagen „ja, so war das damals, als alles begann“:)

here we go:

1. Christian, stell Dich kurz vor, was machst Du, wer bist Du und wie kamst Du letztlich zu Second Life?

Gerne. Ich bin seit ca. 10 Jahren Python-Programmierer, seit 9 Jahren Zope- und seit ca. 6 Jahren Plone-Entwickler. Seit einiger Zeit kommen auch noch die Webframeworks Django und repoze.bfg hinzu. Bei Plone mit ich ausserdem auch in der Core-Programmierung aktiv und auf vielen Programmiersprints anzutreffen.

Ich bin weiterhin Mitglied der Steering Group des DataPortability Projects und Mitgründer der Firma COM.lounge, wobei wir uns mit den oben genannten Technologien beschäftigen (plus Second Life). Dann blogge, videoblogge und podcaste ich ja auch noch unter mrtopf.de/blog und comlounge.tv

Zu Second Life kam ich im Endeffekt durch Rocketboom. Bei denen gab es im Oktober 2005 einmal einen Beitrag zu Second Life wo (damals noch) Amanda Congdon den Second Life resident Maxx Monde interviewte (den ich dann später auf der SLCC 2007 auch persönlich traf). Das hörte sich recht interessant an, allerdings hat es dann noch bis Februar 2006 gedauert, bevor ich mir auch einen Account zulegte.

Von da an gab es erstmal nichts anderes mehr, da man sich da kreativerweise recht gut austoben kann und zudem noch recht viele coole Leute kennenlernt. Es war auch alles so ein bisschen Pioneergeist damals, denn man konnte noch viele Dinge tun und ausprobieren, die noch niemand zuvor so richtig gemacht hatte. Es fühlte sich für mich so ein bisschen wie die frühen Web-Tage an.

Links:
Python: http://python.org
Zope: http://zope.org
Plone: http://plone.org
Django: http://djangoproject.com
repoze.bfg: http://static.repoze.org/bfgdocs/
COM.lounge: http://comlounge.net
Rocketboom: http://www.rocketboom.com/rb_05_oct_20/
Maxx Monde: http://www.flickr.com/photos/mrtopf/1352063746/

2. Wie nutzt Du SL, rein privat oder auch kommerziell, ingame und out of the game?
Wir bieten mit COM.lounge auch Second Life-Consulting an, aber wie Du Dir vorstellen kannst, ist die Businesslage da im Moment nicht rosig. Wir bieten es aber natürlich nach wie vor an, wobei wir aber nicht so ein Fan von Lösungen sind, wo man einfach was in SL hinstellt und dann vergisst. Eine Firma, die dort eine Präsenz aufmachen will, sollte schon verstanden haben was Second Life ist und auch persönlich dort aktiv sein. Gute Beispiele dafür sind Sun, Cisco, IBM, Amazon und andere.

Ich persönlich habe über die Zeit recht viel gebaut und gescripted (das meiste wohl privat) und im Moment nutze ich es hauptsächlich für Meetings rund um das Open Grid Protocol.

(statt ingame sagen wir übrigens inworld, da viele Residents allergisch darauf reagieren, wenn man das ein Spiel nennt. Ist es im Prinzip ja auch nicht, da es keine Aufgabe gibt. Es ist einfach nur eine Plattform, die man wie auch immer füllen kann).

Ausserhalb der Welt habe ich SL-bezogen auch einige Events besucht, so z.B. die Second Life Community Convention letztes Jahr (wo ich z.B. auch den Amazon Web Service Evangelist Jeff Barr getroffen habe), eine Einladung zu Linden Lab zu einen SL Views treffen (so eine Art Focus Group), die Metaverse08 in Karlsruhe und zwei SL-Meetings in Berlin.
Zudem gab es in Köln mal einen Stammtisch auf dem ich ab und an war.

3. Was sagst Du zum dem gigantischen PR Hype um SL, der nun komplett abgeebt ist? Hat das geschadet? Geholfen? Schadet oder hilft das Schweigen jetzt?
Also geschadet hat es wahrscheinlich dem Ruf von Second Life, da die meisten Firmen dort nur Dinge getan haben, die für eine Pressemeldung gut waren, aber das Potential von Second Life nicht ausgeschöpft haben.

Das ist insofern problematisch, da eben danach die Welle kam, wo die Presse dann festgestellt hat, dass dort überall nichts los ist.
Das ist aber kein Wunder, da man das Medium nicht verstanden hat und war den SL-Residents eigentlich schon vorher klar.

Es gab natürlich ein paar Ausnahmen, wie Jeff Barr von Amazon, IBM, Sun und andere.

Inzwischen sind auch Firmen Orange, Nokia, Cisco und andere mit sinnvolleren Aktionen in Second Life präsent, so werden z.B. regelmässig Events durchgeführt oder man kann Mitarbeiter der firmen auch in SL antreffen. Für Firmen wie Sun oder Cisco dient SL zudem auch als Plattform, wo sich die internationale Belegschaft mal treffen kann, wo Meetings mit Kunden abgehalten oder Schulungen durchgeführt werden.

Bzgl. Cisco kann man dazu noch etwas in meinem Interview mit Jeanette Gibson nachlesen.

Das Schweigen selbst hilft natürlich nicht direkt, aber man sieht, dass sich inzwischen Leute auch ernsthaft damit auseinandersetzen und nicht direkt als Spielerei abtun. So z.B. die Uni Hamburg, die dort virtuelle Vorlesungen hält (etwas, was auch die Harvard Law School schon in 2006 gemacht hat und das NMC eigentlich dauernd macht, inklusive rein virtueller Konferenzen) oder aber die Staatsbibliothek Bayerns.

Links:
Uni Hamburg
Staatsbibliothek Bayern
Harvard in SL

4. Große Frage: Womit beschäftigt sich die Second Life Developer-Gemeinde jetzt? Woran arbeitet man? Wie geht es weiter? Was sind die nächsten Steps, was die großen in Zukunft?
Das grösste Thema ist natürlich im Moment das Open Grid Protocol (OGP). Das Ziel dieses Projekts ist es, so eine Art HTTP für virtuelle Welten zu schaffen, also ein Protokoll welches die Interoperabilität virtueller Welten gewährleistet.

Das Ziel ist also, die ganzen Walled Gardens rund um virtuelle Welten zu beseitigen und im Endeffekt ein 3D-Internet zu ermöglichen. Es soll möglich sein, mit seinem Avatar von Welt zu Welt zu springen, ohne wirklich zu merken, dass man sich gerade von einem Server zum anderen bewegt hat. Es soll also kein neuer Login oder gar eine Registrierung notwendig sein. Im Prinzip ist es also genau das, wofür wir auch im DataPortability Project kämpfen und vielleicht ist OGP sogar ein Teil der Lösung.

Ich persönlich versuche bei diesem Projekt auch immer Web und virtuelle Welten wo möglich zu vereinen, es also zu vermeiden, dass wir Protokolle, die für das Web schon existieren (z.B. OpenID, OAuth, XRDS-Simple und andere) auch für OGP zu nutzen. Zudem ist eine virtuelle Welt ja auch nichts anderes als ein soziales Netzwerk, nur eben mit 3D-Komponente. Man hat auch dort ein Profil, Freund, Gruppen usw.

Zudem ist ein Ziel von OGP, ein bestehendes soziales Netzwerk recht schnell durch die Implementierung der entsprechenden Web Services zu einem Teil der grossen virtuellen Welt zu machen. Hierzu werde ich wohl demnächst noch einmal etwas posten.

OGP ist allerdings noch am Anfang: Es gibt jetzt den Draft 3, der hauptsächlich Login und Teleport umfasst und alle Grundkonzepte erläutert. Zudem gibt es das Open Grid Public Beta-Programm, wo man das Protokoll schon testen kann. Dies besteht aus der Open Source-Server-Implementierung OpenSim und der AgentDomain-Komponente von Linden Lab, die leider im Moment closed source ist (aber dem Protokoll folgt).

Ich bin daher dabei eine Open Source-Variante der AgentDomain zu implementieren, was man auf http://syntronik.de schon in Grundzügen sehen kann.

Parallel zu dem Protokoll arbeite ich auch zusammen mit Linden Lab an einer Python-basierten Implementierung genannt pyogp.

Die nächsten Steps beim OGP sind wahrscheinlich das IM-System (und wie man bestehende IM-Systeme einbinden kann) und der Objekt-Transfer. Gerade letzterer umfasst dabei viele Probleme bzgl. Intelellectual Property Rights und andere Dinge, wobei wir aber (das sei ausdrücklich erwähnt) kein DRM planen.

Der grosse Schritt an sich ist natürlich die Fertigstellung von OGP Version 1 und die Migration von Second Life selbst hin zu diesem Protokoll. Aber schon auf dem Weg wird es sicherlich viele Projekte rund um OGP und OpenSim geben, die die neuen Möglichkeiten ausloten. Was danach kommt, kann man sich wohl nur schwer vorstellen, denn wer hat nach der Erfindung des Web wohl an Web2.0 und all die Services gedacht?

Links:
Open Grid Protocol
OpenSim
Open Grid Public Beta
pyogp

5. Denkst Du, dass SL tatsächlich ein früher Vorläufer des künftigen Webs in 3D-Form werden kann? Oder wird es gar mehr zum User kommen („augmented reality“)?
Ich würde sagen, dass SL zumindest mit OGP die größten Chancen hat, den Standard zu definieren. Das liegt einfach an der Größe der SL-Community. Viele Leute kennen die Plattform, viel Wissen ist in die Lösung vieler Probleme geflossen, es gibt Leute, die wissen, wie man so etwas mehr oder weniger stabil betreibt. Ausserdem gibt es natürlich die Entwicklergemeinde um SL selbst und um OpenSim.

Selbst wenn Linden Lab dieses Projekt nicht initiiert hätte, wäre wahrscheinlich OpenSim diese Rolle zuteil geworden, denn die Community dort ist sehr aktiv und die OpenSim-Entwicklung schreitet flott voran. Ausserdem setzt IBM auf OpenSim (und nun auf OGP/OpenSim).

Second Life hat also in meinen Augen die beste Chance, per OGP zum Standard zu werden. Das heisst dann natürlich nicht mehr Second Life im Ganzen, sondern nur noch das von Linden Lab betriebene Gebiet wird so heissen.

Bzgl. augmented Reality muss man ein bisschen abwarten, denke ich mal, das es auch oftmals eine Hardware-Frage ist. Wenn aber mobile Geräte leistungsstärker und flexibler werden sehe ich da durchaus auch die Möglichkeit, dass ein Protokoll wie OGP oder ein Teil davon eingesetzt werden kann (OGP ist auch mehr eine Sammlung von Protokollen für die verschiedenen Funktionen einer virtuellen Welt).

Interessant wird es auch werden, wenn es mal erschwinglichhe 3D-Monitor oder neuronale Headsets gibt (das von Emotiv soll ja Ende des Jahres in den USA erscheinen). So in Richtung Vollkörperanzug wie man es sich damals vorgestellt hat, wird es aber ja anscheinend nicht gehen 😉

Links:
Emotiv

6. Gibt es neben SL weitere, nennenswerte Initiativen?
In Bereichen die zu einem Standard führen könnten eher weniger, die meisten Firmen setzen leider immer noch auf walled gardens.

Aber im Open Source-Bereich gibt es zumindest noch Croquet und Ogoglio.

http://www.opencroquet.org/index.php/Main_Page
http://ogoglio.com/
http://www.youtube.com/watch?v=5PW92CkwNK8

Mit denen habe ich mich aber bislang nicht weiter beschäftigt.

Bzgl. Firmenkollaboration gibt es auch noch Sun’s Project Wonderland. Hier ein Interview von der letzten Web2.0 Expo.

Ansonsten wäre es wünschenswert, wenn auch andere virtuelle Welten zumindest Web Services bereitstellen, mit denen man z.B. Profile und dergleichen abgleich kann. Dies wäre ja wieder ein Thema für das DataPortability Project.

7. Hast Du umgekehrt an uns Fragen?
Wer ist „uns“? 🙂 An Deutschland habe ich eine Frage: Wo sind die deutschen Mitstreiter beim OGP? Das ist ein sehr spannendes Projekt und man hat nicht jeden Tag die Möglichkeit, bei etwas mitzumachen, was vielleicht mal das neue Internet sein könnte. Zudem gibt es da sehr interessante Herausfoderungen zu meistern, in den Bereichen Policy, Spezifikation und Implementierung.

Man muss ja nicht alles innovative immer nur Silicon Valley überlassen 😉 Mitmach-Link (alternativ)

Jobs in der IT-Branche


Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

30 Kommentare

  • Ich frage mich auch, wo überhaupt die deutschen Mitstreiter in Second Life sind. Haben hier die fähigen Leute (Blogger?) tatsächlich nur den Hype mitbekommen und das anschließend wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen? Ohne Hype kann man im Moment jedenfalls sehr beschaulich in Second Life rumbasteln, trotz ständig wachsender Nutzerzahlen (die peak concurrency ist jetzt bei ca. 70.000; als vor 2 Jahren der Bericht bei Spiegel TV kam und in Deutschland der Hype losbrach, ächzte das System noch beim damaligen Rekord von 20.000 gleichzeitig eingeloggten Usern).
    Wer das Potenzial des 3D-Web nicht sieht, gerade auch in soziokultureller Hinsicht … ja gut, das muss jeder selber wissen, wie 2D-fixiert er bleiben will.
    Aber eines ist auch klar – These: 2D wird es weiter in seiner jetzigen Bedeutung geben. Die beiden „Webs“ werden sich ergänzen.

  • Sehr guter Beitrag, habe ich echt viel wissenwertes um die Welt von SecondLife erfahren… hatte zwar schon mal von gehört aber nicht weiter beachtet, jetzt scheints mir ja eine sehr zukunftsorentiertes programm zu sein. Mal schaun was draus wird, das Interview hat viele Informationen enthalten die mir diese Software näher gebracht haben. Eine Frage hätte ich da noch was kostet die Software den überhaupt?

  • Der Second Life-Client kostet nichts. Linden Lab betreibt die virtuelle Welt und dies bedeutet, dass sie die nötigen Server bereitstellen. Man kann sich dort einen kostenlosen Account holen, kann aber auch einen Premium-Account kaufen, der dann mit einer wöchentlichen Auszahlung und ein bisschen Land daherkommt. Lohnen tut sich der aber eigentlich nicht, man kann auch alles ohne machen (auch Land mieten, wenn man denn will).

    Ansonsten ist der Client Open Source. Der Server nicht. Daher gibt es ja OpenSim, was versucht diese Lücke zu schliessen.

    Bzgl. dem neuen Protokoll sollten mit OpenSim, dem gepatchten Client (das macht Linden Lab, ist aber auch Open Source) und meiner Agent Domain dann eigentlich alles als Open Source zur Verfügung stehen. Ich hoffe mal, dass es nach und nach aber auch noch weitere Implementierungen geben wird. Auch planen wir mit pyogp einen abgespeckten Client zu schreiben.

    Was die deutschen Blogger betrifft, so scheinen sich leider nur sehr wenige SL mal genauer angeschaut zu haben, auch damals schon. Wobei manch ein kritischer Beitrag damals, wie z.B. der von Mario Sixtus, gar nicht so daneben lag, was die Kritik betraf. Allerdings war das kein Problem von SL, sondern eher einer der Marketinagenturen damals, die einfach Plakatwände in SL aufgestellt, aber sonst keinen Mehrwert geboten haben. Hier hilft vielleicht ein Blick in das Cluetrain Manifesto, um zu verstehen, was man machen sollte (http://cluetrain.com).

  • Die Blogger haben nicht nur den Hype um Second Life mitbekommen, sondern durchaus mehr daraus gemacht (etwa Oliver Gassner). Allerdings sind auch einem Blogger da Grenzen gesetzt, wenn seine Leser sich für das Thema nicht sonderlich interessieren. Die Kommentare sind da meist ein guter Indikator. Bei mir im Blog läuft das Thema weiter mit (am Rande), sehr aktiv bloggt nach wie vor der SLTalk: http://www.sltalk.de

  • Sehr interessanter Artikel!

    Ich habe mich schon seit einiger Zeit gefragt was wohl aus Second Life wurde. Die Antwort hast „du“ mir geliefert.

  • Danke für den guten Artikel und den generellen *bump*.

    Ich glaube, dass zur Zeit bei vielen Leuten der Gedankensprung von „SL — gibts das eigentlich noch“ zu „genau das Medium in dem ich XY realisieren koennte“ stattfindet.

    Die Diskussionen und Entwicklungen zum Thema OGP und Interoperability sind jedenfalls hochinteressant, hier ein Mitschnitt von einer Paneldiskussion vom letzten Freitag:
    Interoperability: Where do we stand?

  • Second Life? Habe auch mal versucht in die virtuelle Welt ein Cafe oder eine Kaffeeplantage aufzumachen. War mir leider zu schwierig? Ich glaube wenn man das ganze vereinfachen würde dann könnte Second Life „mehr leben“.

  • Ich denke mal, alle SL-Benutzer werden Dir Recht geben, wenn es um Vereinfachung geht und auch Linden Lab gibt das ja zu. Letzte Woche wurde ja auch angekündigt, dass man an einem neuen Viewer arbeiten würde unter Mithilfe einer „an award-winning interactive design firm“. Bei solchen Ankündigungen bin ich allerdings immer direkt etwas skeptisch 😉

    Ansonsten lebt SL allerdings, d.h. concurrency (die Anzahl gleichzeitig eingeloggter User) steigt stetig. Auch die Landmasse, wenn ich mich recht erinnere.

    (Allerdings muss ich auch sagen, dass mir persönlich die aktuelle Strategie von Linden Lab nicht so sehr gefällt. So hat man nun ein Brand Center und die Benutzung des Namens ist nur unter recht komplexen Regeln erlaubt, Domaininhaber müssen ihre Sites evtl. umbenennen. Man spricht nun von einem Produkt und von Kunden statt Residents. Man reguliert die Welt immer weiter und dergleichen mehr. Es geht also Richtung Mainstream, vielleicht ein Grund, warum ich mich mehr auf das OGP konzentriere. Da ist nun der wahre Pioniergeist 🙂 ).

  • Erstmal Respekt für den immens langen Beitrag!

    Ich kann diese ganze Second Life Euphorie (mittlerweile etwas abnehmend) nicht mal ansatzweise verstehen. Ich habe lange Jahre Computer gespielt und speziell im Internet die Möglichkeiten des Multiplayer zwangsläufig geliebt. Dabei ist man immer wieder auf ähnliche Welten wie Second Life gestoßen, die eine eigene soziale Struktur anboten, in der man sich entwickeln kann – ich fand dies immer befremdlich und bin bei den reinen Spielen geblieben. Mir reichen die Social-Networks, da kann man sich genau so austoben und ist auch noch realitätsnah 😛 … glaube ich!

  • Es ist für mich wirklich besonders interessant, wie das ganze erst zum Hype gemacht wurde und nun komplett ignoriert wird. Da sind die Medien wirklich alle gleich.

  • Also ich will ja nicht meckern, aber Second Life ist nur gehypt worden – ist nichts bodenständiges und es interessiert kaum einen Internetnutzer.

    Ich bin in der IT-Branche tätig und keiner, aber auch nicht einer macht in SL was. Schüler, Studenten, Normalos – wenn ich sie frage: Wie siehts mit SL aus? Antworten die nur: Was?

  • @Mr. Foo: Nichts für ungut, aber solche Sachen haben nicht unbedingt was mit Bodenhaftreibung zu tun. Seitdem die Idee des INTERNETs überhaupt in den Köpfen der Menschen ist, besteht auch der Bedarf an einer räumlichen Interpretation desselben. (Jeder dritte SF-Film bezieht seine spektakulärsten Szenen aus dieser Forderung^^)

    Und da verschenken die meisten zur Zeit entstehenden VW einfach ihre Chancen, wenn sie es nur darauf anlegen, den Hackeschen Markt oder $your_shoe_shop moeglichst naturgetreu zu simulieren. Wozu haben wir denn 3 frei programmierbare Dimensionen, wenn wir nicht auch im RL unmögliche Sachen darin begreifbar/begehbar machen?

    Ob Dein Lieblingsazubi diese Chance kapiert, oder nicht, ist kein Kriterium.

  • Mr. Foo, ganz meine Rede, in Deutschland verschläft man es (allerdings gibt es mit slinfo.de und slinside.de allerdings auch die weltweit größten SL-Communities, wenn man das mal pro Site betrachtet).

    In den USA sieht es da etwas anders aus, da gab es im Rahmen der SLCC auch schon einen „SL Education“-Kongress (Archiv hier: http://sledcc.wikispaces.com/, Programm: http://fleeep.net/docs/SLEDccProgram.pdf)

    Mehr zum Thema auch hier: http://www.sl-educationblog.org/

  • Folgende Aspekte von jemandem mit Tafelblick:

    a) Das ganze Ding hier ist ein Paradebeispiel dafür, warum Blogs informativ sein können.

    b) Zwischen Hype und Ignoranz gab es noch die Phase des Anti-Hypes. Man musste teilweise Bedenken haben zu bekennen, dass man sich dafür interessiert, weil damit Internet-Sucht, Perversionen und Realität-Verleugnung assoziert wurden.

    c) Den Stammtisch in Köln gibt’s immer noch. Der nächste findet am 11.10. statt. Leider, leider habe ich es bislang noch nicht dahin geschafft. Es existieren aktuelle, aber unregelmäßige Stammtische in ganz Deutschland. Ich gehe immer zum Frankfurt-Stammtisch, weil’s main(e) Wohngegend ist.

    d) Zu FirmenrepräsenTanzen und SL:
    Das ist gar nicht so weit weg vom Bloggen in der Struktur:
    „Ich bin eine Firma, die denkt Bloggen ist in aller Munde. Um keinen Zug zu verpassen, denke ich, dass ich auch ein Blog brauche. Da mir das Know-How fehlt, beauftrage ich eine teure Agentur mit der Einrichtung eines Blogsystems. Die Agentur freut sich, weil deren Kasse klingelt. Ich freue mich, weil ich tüchtig Presse-Public werde und damit eine Menge Reklame einher geht. Und nun? Blog ist da und es passiert nichts mehr. Keine neuen Einträge. Meine Mitarbeiter haben keinen Ahnung und keine Motivation das Medium zu nutzen. Ab und zu ist mal davon zu hören, dass Blogs niemanden interessieren, weil Kommentararmut herrscht und überhaupt. Die vermaledeiten User. Warum loben und toben die denn nicht auf meinem Blog? Ich habe zwar keinen Bock da weiter Arbeit rein zu investieren, aber es sieht doch alles so schick aus.“
    So ähnlich war und ist das mit SL und Firmen, wo die ganzen Verwandten von Stromberg sitzen.

  • In Deutschland ist Second Life ein Reizthema und es wird entweder mit Halbwissen berichtet (die Süddeutsche berichtete z.B. am 15.9.2008 von 11 Mio Nutzern, obwohl es da weit über 15 Mio waren), oder extrem negativ.
    Aussagen wie „Second Life am Ende“, „Second Life – Firmen flüchten“, „Teens sind nicht an Second Life interessiert (für diese Zielgruppe ist und war Second Life nie primär konzepiert)“ und dann natürlich die medialen Dauerbrenner wie „Kinderpornographie in Second Life“, „Terroristen üben in Second Life“, „Kriminalität und Markenfälschung (Markenschuhhersteller verkaufen bestimmt weniger Schuhe in der Realität, wenn einige diese Modelle virtuell nachbauen …)“.
    Alles natürlich Dinge die erst durch Second Life entstanden sind!

    So genug der Ironie.

    Nächster Punkt die Wikipedia, als ein wichtiges Informationsmedium inzwischen. Ich hab den Anschein dass im deutschsprachigen Part der Wikipedia bewußt negativ über Second Life geschrieben wird. Kaum Informationen über die Aspekte die SL ausmacht, nämlich communitybezogene Themen und Projekte, sondern größtenteils nur kritische Punkte.
    Daneben wird immer noch von Spiel und Spielern gesprochen, es werden Vergleiche der Grafikqualität mit Onlinegames aufgestellt (deren Grafikdateien hat man ja auch lokal auf dem Rechner installiert und diese werden nicht in Realtime aus dem Web geholt), Zahlen sind nicht aktuell.

    Alles in allem, hat Second Life keinen guten Stand im Moment in Deutschland. Über das Thema virtuelle Welten, deren Türöffner eindeutig Second Life war, wird in anderen Ländern weitaus qualitativer berichtet.
    Siehe hier z.B.:
    http://www.metaversejournal.com/2008/10/06/the-watch-virtual-worlds-in-the-news-40/

    Der deutsche Markt und damit auch die Wirtschaft verpasst wieder mal eine wichtige Leittechnologie der Zukunft und wird in 3-5 Jahren panisch versuchen da noch Fuß zu fassen, während die USA, oder asiastische Länder wieder mal Vorreiter sein werden.

  • Der Aspekt mit Wikipedia ist gut. Im deutschen Wikipedia sind die Gebiete OpenGrid und OGP auch noch recht weiße Landkarten zur Zeit.

  • Arghs!!! … erstmal sorry für die Fehler im ersten Text. Nicht von Vorteil wenn man so nebenher 20 Tabs offen hat und immer mal hier und da schreibt wenn ne Minute Zeit ist^^.

    Möchte auch nochmal Robert, aber auch Christian für diesen Beitrag hier danken. Das Thema in so einem wichtigen Blog anzusprechen ist sehr gut, weil es viele Entscheider und Visionäre erreicht und wenn ich mir Roberts Beiträge über Virtual Worlds so durchlese, denke ich dass er das Thema immer realistisch betrachtet (und vorallem versteht) und ich finde, das gilt auch für die Kommentare auf diese Beiträge.

  • […] Second Life, 3D-Internet: Quo Vadis » Basic Thinking Blog … mal was Vernünftiges zum Lesen zum Thema … (tags: web20 sl) Artikelansicht: Artikel anzeigen Blog-Tags: Abgelegt unter: Links Trackback-Link: TrackBack URI Artikel-Adresse: Permalink-URI  Keine Kommentare – jetzt Kommentar schreiben » Noch keine Kommentare. RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. Einen Kommentar hinterlassen […]

  • Endlich, endlich endlich….

    Ein Artikel, der weder hyped, noch voller moralinsauer getränkter Abwehr über SL herzieht. Sachlich, objektiv und nachvollziehbar.

    Wie lange hab ich das vermisst!

    Auf die Entwicklung offener Standards warte ich schon lange. Es ist dies in meinen Augen ein Anfang wie seinerzeit beim Internet auch. Erinnert sich noch jemand daran? Es gab viele kleine Mailboxsysteme, keinem Standard untertan, einwählbar mit dem Telefon, jede mit einem anderen Angebot (und später auch mit den eigenen Viren…). Das erste größere Netz kam mit FIDO… große Anbieter wie AOL oder der CEPT/DatexJ Dienst (In Deutschland eher unter BTX in Erinnerung) liefen zu einiger Größe auf, blieben aber auch Insellösungen. Erst die übergreifenden Lösungen im Netz selbst, die flächendeckende Verwendung von TCP/IP und dem „Internet-Protokoll“ HTTP brachten dem, was wir heute als Internet kennen, den Durchbruch.

    Die Parallelen sind unverkennbar – die 3D Welten werden nach meiner Meinung auch erst wirklich groß, wenn die geschlossenen Benutzergruppen durch ein universelles und übergreifendes System abgelöst werden, in dem ich inclusive Avatar z.B. von Second Life nach Entropia gehen kann, so wie ich heute einem Link auf einer Webseite folge, um zu einer anderen Seite zu gelangen.

    Ein Haken sei nicht unerwähnt: Der Artikel bezieht sich weitestgehend auf die technische Seite. Es gibt noch andere Seiten der Medaille, das haben Vorfälle in SL und anderswo gezeigt. (Stichworte angebliche Kinderpornographie, Schließung der Casinos und der SL-Banken usw). Die damit verbundenen Probleme werden durch verbundene Grids nicht kleiner.

    Raban

  • „A“-Blogger interviewed OpenSim Pionier…

    Robert Basic befragt Christian Scholz (Real-Name), alias Tao Takashi (Second Life-Name), alias MrTopf (Blog-Name) zu Second Life und 3D-Internet. Für den extrem unwahrscheinlichen Fall, dass jemand BasicThinking noch nicht kennen sollte: …

  • Ein guter, wenn auch sehr technisch gehaltener Beitrag. Aber da auch so einer in der deutschen Medienlandschaft sehr selten ist, ist er sehr erfreulich.

    Wenn ich selber mit den technischen Daten nicht so viel anfangen kann – es klingt äußerst interessant. Es würde sicher mehr Leute geben, die da einsteigen, wenn es in Deutschland eine positivere Presse geben würde.

    Ich selber bin nur ein Internet + PC Normalo-User.
    Nach dem Riesenpresserummel Anfang 2007 hab ich mich mal aus Neugier in SecondLife angemeldet.
    Und nachdem ich erstmal alles gelernt hatte, was man als Neuling wissen muß und die Möglichkeiten entdeckt hatte, die man dort hat … ich bin absoluter ein SL-Fan. Die Möglichkeiten, die einem da geboten werden, sich kreativ in jeder nur denkbaren Variante auszutoben sind immens.

    Es dauert ein wenig bis man die Klaviatur des Ganzen beherrscht – Autofahren kann man ja auch nicht in 2 Minuten – aber dann gibt es so vieles was man machen kann. (Unter Missachtung dessen, was in der Presse so breitgetreten wird; das macht nur einen geringen Prozentsatz des Second Life aus!)

    Und diese Vielfalt macht den Reiz des Ganzen aus. Umsonst steigen die weltweiten Userzahlen nicht an. Auch wenn man in Deutschland mal wieder die Zeichen der Zeit zu verschlafen scheint.

  • hm… hm…. hn… darf ich Dich anmailen, um etwas zur Userseite zu schreiben? Du schaust mir so aus, als könntest Du Dich gut an Deine Newbie-Zeit erinnern. Einverstanden?

  • Das Web 3D wächst mit seinen Inhalten. Das WWW wäre mit wenigen hundert nützlichen Websites auch nicht populär geworden.
    Lernumgebungen sprechen eben nur ein spezielles Clientel an. Die Wenigsten haben jedoch verstanden, wie man ein Geschäftsmodell im dreidimensionalen Raum umsetzt.

  • Ich bin im Dezember 2006 auf SL gestossen, also kurz bevor der richtige Hype einsetzte. Zu der Zeit drängelte sich
    eine im vergleich zu heute, kleine deutsche community auf engem Raum.
    Ich bin immer noch dabei. Nur vermisse ich seit der immer stärker werdenden Reglementierungen
    die Freiheit. Wohl aus diesem Grund widme ich mich dem Opensim Projekt, was mein Interesse an OGP natürlich
    miteinschliesst. Ich vertrete seit langem die Meinung dass es in Zukunft ein 3D Metaversum geben wird das sich
    mit der „platten“ 2D-WWW-Welt kombinieren wird.
    Ich wünsche mir, dass sich die Entwicklung des OGP nicht allzu langatmig darstellt und wir in den nächsten Jahren
    dies Protokoll rege nutzen können.

  • Ich bin sehr gespannt was sich aus OS ergibt. Ich glaube auch das sich Second Life auch viel von OpenSim Projekten abgucken kann da es OpenSource ist und sich bald viele neue Ideen aus OS entwickeln werden. Schliesslich sind OS Projekte nicht auf kommerziellen Erfolg gepolt.

Kommentieren