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Finanzkrise und Startups

Andreas Göldi hat auf dem Blog Netzwertig seine Meinung zur aktuellen Lage und den Auswirkungen auf die Internet-Startup-Szene erläutert. Was die deutsche Webszene angeht, bin ich mir nicht sicher, ob seine Analysen auch hierzulande zutreffen, da wir hier meistens von Finanzierungen sprechen, die meistens weit weit niedriger ausfallen als in den USA. Heute Nachmittag werde ich aber etwas schlauer sein, da ich auf dem IdeaLab an der Otto Beisheim School of Management bin. Wo ich ab 14:30 Uhr ein Panel „Deutschland – ein Land der Pioniere?!“ moderiere (TN: Oliver Samwer / European Founders Fund, Julia Kleine / Focus Online, Prof. Dr. Malte Brettel / RWTH Aachen und Oliver Jung / Adinvest). Habt Ihr dazu schon einmal Anregungen, welche Themen ich anbohren sollte?

Werde nach der Veranstaltung über meine Eindrücke berichten, was zahlreiche anwesende Investoren und Gründer zur aktuellen Lage auf den Finanzmärkten denken und ob es ihrer Meinung nach einen konkreten Handlungsbedarf gibt, Strategien und Taktiken zu ändern.

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

27 Kommentare

  • Ich fürchte, dass auch europäische Startups keineswegs verschont werden. Natürlich ist in Europa Venture Capital nicht ganz so wichtig wie in Amerika. Aber Business-Angels, die allein diese Woche vermutlich 20% ihres Portfoliowerts verloren haben, sind auch nicht gerade in toller Investitionsstimmung.

    Man fühlt sich wirklich wieder an die Lage etwa Anfang 2001 erinnert, als auch der Finanzmarkt in übler Verfassung war und man in der „Realwirtschaft“ noch nicht so viel spürte. Aber bald ging es auch da abwärts, und es dauerte nochmal fast drei Jahre, bis der tiefste Punkt erreicht war.

  • Reden wir mal von den Marktchancen – die Grudnlage für Investments. Inflation, Rezession, Konsumeinbruch, Arbeitslosigkeit. Davon kann sich auch das Internet-Business nicht abkoppeln.

  • Ich höre immer nur, dass Anleger jetzt andere Möglichkeiten suchen ihr Geld an zu legen.
    Und das Risiko bei einem frischen Startup ein zu steigen ist ja keinen deut höher als in der Boomzeit, weil sie ja ausschießlich im Wert steigen (können).
    Und wenn man in 5 Jahren den Exit plant, gibt es bestimmt wieder ne gute Phase und man hat gewonnen.
    Viele erfolgreiche Startup’s werden doch genau zu so einer Unzeit (also wohl im kommenden Jahr) gegründet.
    Sicher hat keiner mehr die ganz großen Beträge im Füllhorn…aber die gab’s in Deutschland ja sowieso noch nie.

  • Unter normalen Bedingungen möglicherweise. Aber es ist abzusehen, dass im Finanzwesen ein kompletter Umbruch stattfindet, mit neuen Regeln, veränderten Marktteilnehmern und unter strengerer staatlicher Aufsicht. Wie bisher VC agieren konnte, ist wohl Geschichte. Umdenken ist angesagt. Bei den Anlegern/Investoren und bei den Gründern.

  • ich weiß nicht, ob die alte Regel noch gilt, dass man 9 Startups verliert, aber 1 den Ret trägt, was das Investmentportfolio angeht. Magere Chance, die besser wird, je hypiger ein Markt ist, da sich schneller Käufer (Exit) finden. VCler sind Zocker, nix anderes. Der Hype ist nun brutal gekappt worden, nun quatschen alle VCler was von CashFlow und betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Ach… Normalerweise haben sie kein gesteigertes Interesse an einem gesunden, wachsenden Business, sie wollen primär ein schnelles Business, mit einem aufgeblähten Körper -ob mit imaginären oder echten Ertragsstrategien- das man kurz-mittelfristig gut verkloppen kann. Hauptsache es verkauft sich, egal wie. Das sind zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen, die man im Auge behalten sollte, wenn man von VC-Finanzierung und den Firmen redet, die das Laufen noch kaum erlernt haben, geschweige denn ein solides Einnahmemodell etabliert haben.

  • VC-Geber setzen nicht nur eigenes Geld ein, sind ja in der Regel VC-Gesellschaften. Die agieren bisher ausserhalb des geregelten Kapitalmarktes. Ich denke nicht, dass dies so bleiben wird. Zockern wird es schwieriger gemacht.

  • Hallo Robert, versuche doch einmal herauszubekommen, welchen Anteil die eigenen Portfoliounternehmen bereits an den aktuellen Investments der Finanziers haben. Und wie sich dieser Anteil zu Lasten der Neuinvestments zu entwickeln beginnt.

  • Ich glaube, StartUps, die bereits Geld verdienen, sind hier im Vorteil gegenueber denen, die ausschliesslich von ihrer Finanzierung leben müssen und weit vom Break Even entfernt sind. Meist brauchen die zeitnah eine Folgefinanzierung, sonst müssen die bald dicht machen. Koennte schwerer werden als gedacht, auch wenn die Konzepte gut sind. Erinnern wir uns an 2000 – wieviele hat es da mitgerissen, deren Geschaeftsmodelle (!) heute gute Gewinne abwerfen. Wir hatten ja eh in letzter Zeit so ein Gefuehl von einer kleinen Blase, nun durch die Finanzkrise wird die sicher doch noch platzen. Na, warten wir es ab.

  • @Tim: Du hast absolut recht, wir bewegen uns in völlig neuem Territorium. In der VC-Szene haben schon viele seit Jahren gesagt, dass das aktuelle VC-Modell langfristig nicht überleben kann, und das wird jetzt fast sicher Wirklichkeit.

    @Robert: Die Regel ist eher, dass 1/3 der VC-Investments pleite geht, 1/3 gerade so durchkommt, aber kaum Geld abwirft und 1/3 wirklich grosse Profite macht. Dieses Verhältnis wird durch die schlechten Finanzmärkte (keine IPOs, kaum mehr Akquisitionen) massiv erschüttert, und darum kommt das Businessmodell der VCs massiv in Gefahr.

    @Stefan: Der Anteil der bestehenden Unternehmen am Gesamtfond hängt vom Punkt im Lebenszyklus eines VC-Fonds ab. Die Laufzeit ist ja meistens 10 Jahre; in den ersten fünf wird investiert, im Rest erfolgen die Exits. Man kann also keine generelle Aussage dazu machen, aber in den letzten Monaten sind sowohl die Investments in neue Unternehmen als auch die neu eingesammelten VC-Gelder massiv gefallen.

  • @Robert: Direkt fragen ist meistens zwecklos. Ein ernstzunehmender VC wird nicht mal unter Folter zugeben, dass er nicht mehr in neue Firmen investiert, denn er will ja möglicherweise interessante Deals nicht vergraulen.

    Aber wenn man mit Insidern nach dem dritten Bier spricht, hört man die Wahrheit: Zumindest in den USA ist der Markt für frisches Kapital so gut wie geschlossen, in Europa sieht es spätestens nach dieser Börsenwoche kaum anders aus.

  • kennst Du zufällig das theoretische Volumen des European Founders Fond?

    Andere Frage zum IDeaLab: Denkst Du, dass innovative Modelle im Web überhaupt noch eine Chance haben? Innovation heißt ja nicht selten, dass es so neu ist, dass man erstmal die Kunden überhaupt daran gewöhnen muss, das Risiko also ungleich höher ist. Wirkt die jetzige Finanzkrise (die mit Sicherheit auf Jahre hinaus Auswirkungen zeigen wird) noch hemmender auf Innovationen?

  • @Robert: yub. Ist aus Sicht eines Finanziers auch verständlich. Ein ROI ist in der jetzigen Situation durch Portfoliounternehmen im Mittel vermutlich eher zu erzielen, als mit einem frischen Start-up. Nur sagt man dies nicht offen, dies würde ja den Deal-Flow dicht machen – siehe auch Andreas Posting.

    @ Andreas: In Sachen VC-Fonds gebe ich Dir völlig recht. Ich denke hier allerdings insbesondere an das Seed Capital. Es war schon immer rar in diesem Land, nur jetzt könnte diese Quelle zu einem Rinnsal vertrocknen.

  • ist denn die Summe des Seed-Capitals für Webfirmen überhaupt bekannt? In den USA spricht man von 30 Mrd USD, was sich aber auf alle Unternehmen bezieht, nicht nur auf Web eingegrenzt ist. In D würde ich super grob auf nicht einmal 20 Mio Euro tippen, die letztes Jahr an Seedcapital für junge Webfirmen investiert wurde. Eher 10 Mio, und auch das erscheint mir viel.

  • @Robert: Gute Frage.

    Stellt der High-Tech-Gründerfonds Seed Capital im klassischen Sinne, d.h. „privates“ Risikokapital, zur Verfügung, weil er so gemanaged wird? Dann sind es sicherlich mehr als 10 Mio € p.a.

    Oder ist der HTGF doch eher staatliches Förderprogramm, weil die bundeseigene KfW mehr als 90% des Fonds gezeichnet hat? Dann sprechen wir wahrscheinlich von einer kleineren zweistelligen Millionensumme p.a. aus privaten Quellen.

  • @Robert: Ich hab nur Daten zur ganzen VC-Branche: 2007 wurde in den USA $30.3 Mia. investiert, davon 57% in IT-Firmen (wozu logischerweise auch Internet gehört).

    In Europa wurden ca. 4.6 Mia. Euro investiert, davon etwa die Hälfte in IT (Internet und ähnliche Services scheinen etwa bei 16% zu liegen). Der Löwenanteil der Investments ging nach Grossbritannien und Frankreich, Deutschland macht etwa 12% der 4.6 Mia Euro aus. Anders gesagt: Aufgrund dieser Zahlen kann man in etwa annehmen, dass in Deutschland letztes Jahr ca. 88 Mio. Euro in Internet-Dienste investiert wurde.

    Quelle: Dow Jones Venture Source (nicht öffentlich zugänglich)

  • Das Verhältnis ist genau gesagt: 16% (des ganzen VC-Kuchens) in Information Services/Internet, 11% in Software, 10% in Halbleiter, 9% in andere Elektronik. Internet ist also etwas grösser als Business-Software.

    Auch interessant: Ca. 50% des Geldes geht in Seed- und erste Venture-Runden (Series A), der Rest in spätere Runden für bestehende Firmen. Aber eben, das war 2007, das Verhältnis hat sich seither stark verschoben hin zu den späteren Runden.

  • @ Robert: Frage die Damen und Herren doch auch einmal, welche (operativen) Ratschläge sie Start-ups geben, um die kommenden Zeiten abzuwettern.

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