Sonstiges

Finanzkrise: Eine Entschuldigung der Banken?

Decoien beschwert sich auf seinem Blog, dass ihm die Erklärungen (Obacht, Link zur BILD) des Präsidenten des deutschen Bankenverbandes zu dünn sind und nicht ausreichen, um als Entschuldigung zu dienen. Die er einfordert.

Einerseits ist das verständlich, dass man als Bürger stinkesauer ist. Andererseits muss sich in meinen Augen kein Financier entschuldigen, denn sie haben sich dermaßen bis auf die Knochen blamiert, dass es auch so schon für mich reicht. Wofür soll man sich auch entschuldigen? Man verstehe das eigene Geschäft nicht, „Entschuldigung“? Wikipedia zum Wort Entschuldigung:

Eine Entschuldigung ist im Wortsinne eine Ent-Schuld-igung, eine Form von Vergebung. Mit der Bitte um Entschuldigung gesteht jemand ein, dass eine Tat von ihm eine moralische Verfehlung war. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist eine Entschuldigung allerdings eben diese Bitte. Der Geschädigte der Tat kann die Entschuldigung annehmen oder ablehnen. Durch diese Begriffsverschiebung hat es sich im Deutschen eingebürgert, „sich zu entschuldigen“. Im Wortsinne einer Freistellung von Schuld war dieser Sprachgebrauch in früheren Zeiten Unsinn: Man konnte sich nicht selbst von Schuld befreien. Sinnvoller wäre es beispielsweise, statt „sich zu entschuldigen“ um „Entschuldigung oder Vergebung zu bitten“. Zu sagen: „Ich entschuldige mich dafür (oder für den Fehler)“ war daher falsch, da nur der Geschädigte einen von dessen Schuld insoweit befreien kann, als er diese nicht weiter nachträgt.

In diesem Sinne reicht es mir, wenn Bänker ihre Hausaufgaben besser erledigen, statt mit ollen Sprüchen daherzukommen und für Vertrauen zu werben. Das ist dahin. Das Vertrauen der Kunden werden sie sich nämlich auf lange Jahre hin mühsam wieder erarbeiten müssen. Und dieser Vertrauensverlust ist Strafe genug, als Bänker auf die Imagestufe eines Versicherungsvertreters gesunken zu sein. Wie sagte der Chefredakteur von Finanztest gestern in WISO: „Schön, dass man nun gelernt hat, dass Bänker keine Berater, sondern Verkäufer sind„.

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

10 Kommentare

  • Auch einer schöner Beitrag. Angesichts des Schmunzelns, den er mit entlockt, sollte ich vielleicht gelassen auf weitere Reaktionen verzichten 🙂

  • dein letzter satz.
    ist das wirklich noch nicht durchgedrungen?

    ein banker verkauft das, wozu ihn die bank anweist, es zu verkaufen. da geht es nicht darum, dem kunden das anzubieten, was er braucht, sondern das, was der „berater“ verkaufen muß. dahinter stecken harte quoten, vorgaben, provisionen und schlichtweg druck.

    somit waren die riskanten geschäfte nicht unbedingt „fehler“ der banker, sondern ein auswuchs des drucks, immer mehr und mehr rendite und geld reinzuholen. nun kann man nach dem stinkenden kopf suchen. das getier ist so lang wie eine anakonda. viel spass bei der suche also.

    wenn jeder aus der krise gelernt hat: ich kümmere mich um mein geld selber (auch wenn ich blutiger amateur darin bin). dann hatte sie was gutes. die „profis“ sind nicht besser. also was solls?

  • na ja, das Dumme ist, dass Dir der Bänker schon noch das Produkt erklären muss. Es kommt dann ganz drauf an, ob Du ihm vertraust oder nicht. Wenn nicht, dann wird die Wikipedia alleine nicht reichen. Dürfte nicht easy werden, für beide Seiten nicht.

  • Hatte gerade ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin zu dem Thema und dem Thread hier. Sie fürchtet um ihre in Fonds angelegte Ersparnisse. Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, dass sich die Banken gar nicht entschuldigen brauchen, sondern wir Kunden und Bürger es tun müssen.

    Wir mit überzogenen Renditevorstellungen treiben ja die Banken und Investoren zu immer riskanteren Geschäften. Wir wollen für unsere Geldanlagen eine möglichst hohe Verzinsung bei angemessenem Risiko.

    In unseren Jobs wollen wir ein möglichst hohes Gehalt, und fluchen wir nicht auch, wenn Banken aufgrund mangelnder Bonität dem eigenen Unternehmen keinen Kredit geben wollen? Freuen wir uns nicht, wenn ein Finanzinvestor sich an einem riskanten Unternehmen beteiligt, damit es neue innovative Produkte entwickeln kann?

    Damit ich habe ja schon einen schönes Thema für morgen 🙂

  • Zum Verkaufen gehörne zwei: Kunde und Verkäufer. Wenn der normale risikolose Zins (Festgeld, Bundesschatzbriefe) bei 4% liegt, dann sind 6% schon mal ein Risikoaufschlag von 50%. Was ich bei den Medienberichten bemerke: Besonders werden entäuschte Kunden gezeigt, die nie Kapital hatten und zufällig (Erbschaft, Abfindung, Versicherung) zu ein wenig Geld gekommen sind. Die meinten nun mit ihren paar Kröten (weniger als 50.000 Euro) zum „Grosskapital“ zu gehören, denen ein wenig mehr Zins zusteht als den Sparbuchkunden. „Gier“ wäre zu hart, aber den Drang zum schnellen Geld kann man denen nicht absprechen. Da hat ein Bankmitarbeiter leichtes Spiel beim Verkaufen.

  • Mir reicht ehrlich gesagt die moralische Frage, die hinter der „Schuld“ steht nicht aus. Die systemische Frage ist bislang echt unterbeleuchtet. Wir tun so, als wären ein paar Banker an der Entwicklung schuld, dabei trägt die Eigendynamik des Systems ordentlich dazu bei. Sollte man doch mal fragen: Inwieweit ist das Geldmonopol Teil des Problems? Inwieweit könnte Währungswettbewerb eine andere Dynamik im System auslösen? Ala:
    http://www.regionales-wirtschaften.de/14.50.0.0.1.0.phtml

  • Ich bin der Auffassung, dass sich seitens der Verantwortlichen zu entschuldigen ohnehin niemand etwas bringen kann. Was soll z.B. jemand mit einer lapidaren Entschuldigungserklärung der Bank oder des Bankers anfangen, wenn er zuvor finanzielle Verluste durch deren dubiosen Spekulationen erlitten hat. Da helfen Entschuldigungen wohl sehr wenig, oder?

    Bei diesem ganzen Finanzchaos helfen nur ehrliche Aufklärung und der feste ehrliche Wille, es für die Zukunft besser zu machen, um wieder die Basis für Vertrauen zu schaffen.

    Bedauerlicherweise haben daran aber weder die Banken, noch unsere Bundesregierung ein tatsächliches Interesse. Wer dies nicht glauben mag, dem empfehle ich den „taz“-Kommentar vom 18.10.2008 der wirtschaftlichen Koorespondetin Ulrike Hermann mit dem Titel: „Der Kapitalismus besiegt den Staat“ zu lesen.

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