Entscheidungsportal Hunch.com: Der Segen der Unentschlossenen

André Vatter

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Entscheidungen sind ja eigentlich selten geworden, weil viele Menschen nur noch reagieren. Ich glaube, der Impuls hat im Alltag die Kontrolle übernommen. Dennoch gibt es hin und wieder Situationen, in denen bewusst Alternativen abgewogen werden müssen: Soll ich dem Boss mal die Meinung sagen? Soll ich die Freundin verlassen und macht es Sinn, sich einen Hund anzuschaffen? Wer hat schon auf Anhieb eine Antwort auf die Fragen. Für genau solche Zweifel in der Entschlusskraft wurde Hunch.com geboren. Wenn ich ein wenig aufgeregt klinge, sagt es ruhig, aber ich habe heute nach geschlagenen sieben (!) Tagen endlich meine Einladung zur Private Beta bekommen.

Was ist Hunch? Hunch („Vorahnung“) ist ein Entscheidungsportal, das auf klassisches Crowd-Sourcing setzt und ist das neueste Projekt von Caterina Fake, die seinerzeit Flickr als Miterfinderin auf die Welt brachte. Grob gesagt geht es darum, mittels maximal zehn Fragen seiner Entscheidung näher zu kommen.

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Hier ein profanes Beispiel: Soll ich mir eine Katze als Mitbewohner anschaffen? Hunch wirft dann den Fragekatalog an: „Macht es dir etwas aus, auf dem Wohnzimmerboden rumzurobben?“, „Magst du Laser-Pointer?“, „Bringst du gerne den Müll raus?“ usw. Am Ende erhalten wir eine Antwort, die in Prozentzahlen ausgedrückt wird, dazu werden die Meinungen anderer Nutzer zum Thema angezeigt. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch daran erinnert, das ganze ähnelt ein wenig dem 20Q-Spiel, in dem eine KI in zwanzig Fragen einen vorher ausgedachten Gegenstand errät (klappt fast immer). Hunch hat darüber hinaus den Vorteil, dass nicht nur Ja/Nein-Fragen beantwortet werden können:

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Die Fragen kommen natürlich von den Mitgliedern selbst, deren Motivation durch die Einbindung in eine Community gestärkt wird. Hunch.com hat dafür sogar eine abgespeckte Version von Twitter mit an Bord (Following / Followers). Ich habe gerade nicht auf dem Schirm, wann die Plattform online gegangen ist (ich meine Mitte März) und man ist schon etwas erstaunt, wie viele „Decision Trees“ zu den verschiedensten Themen angelegt wurden – wie ihr oben seht, sind auch deutsche Nutzer mit dabei (btw: und die Antwort lautet WoKi :).

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Noch etwas: Um immer akkuratere Resultate zu liefern, erstellt Hunch für jeden Nutzer eine Art Geschmacksprofil. Dazu werden sowohl die Ergebnisse bei den Entscheidungsfragen als auch gesonderte Persönlichkeitstests herangezogen („Glaubst du an die Entführung durch Außerirdische?“). Genau dieses gesammelte Wissen der Maschine könnte sich später als idealer Vermarktungsansatz heraustellen: Noch ist Werbung nirgendwo auf der Plattform zu finden, doch wenn der Rollout beginnt, kann man sicher sein, dass der Streuverlust minimal sein wird. Ich bekäme beispielsweise nach meiner Frage Ads für Katzenfutter vor den Latz geknallt.

Ich kann ich nur jedem empfehlen, es einmal auszuprobieren und einen Testaccount anzufordern. Man sollte Hunch nicht so ernst nehmen, aber ein paar kritische Fragen vor einem Entschluss haben noch niemanden geschadet. Wer ganz ungeduldig ist, kann mich übrigens kurz per E-Mail anschreiben (s. Impressum). Ich habe noch zwei Einladungen zu vergeben.

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.