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Facebook im Siegestaumel: Größtes Netzwerk in Deutschland

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Es ist kein Geheimnis, dass die VZ-Netzwerke nicht in die Pötte kommen. Viel zu spät wurde angekündigt, die Plattform für externe Entwickler zu öffnen und mit Hilfe von Open Social den Nutzern neue Produkte anzubieten. Doch selbst diese Ansage lässt die potentiellen Partner kalt: Heute Morgen haben GMX und Web.de angekündigt, zum Konkurrenten überzulaufen und eine OpenID-Verbindung zur Facebook-Community zu öffnen. Die Folge? Der monströse Kundenstamm der beiden größten Freemail-Anbieter Deutschlands kann nun mit einem einzigen Klick auf das US-Kontaktportal zugreifen. Was vor wenigen Jahren noch niemand zu träumen gewagt hätte: Für StudiVZ und Co. wird es eng.

Diese These unterstreichen auch die neuen Zahlen, die Nielsen heute vorgelegt hat. Der Marktforscher hat errechnet, dass Facebook seine Reichweite zwischen März und Juli um die Hälfte steigern konnte: 6,2 Millionen unterschiedliche Nutzer hat das Netzwerk in Deutschland und damit mehr als StudiVZ, MeinVZ oder SchülerVZ und sogar Wer-kennt-wen für sich genommen: Nur, wenn die VZ-Mitgliederzahlen summiert (und um Doppelzählungen bereinigt werden) liegt das Holtzbrinck-Projekt mit 8,7 Millionen Nutzern noch vorne. Ob das noch lange so bleibt, ist mehr als zweifelhaft. Die großen Wachstumsschübe auf den drei Plattformen bleiben aus, einzig MeinVZ wächst mit der Behändigkeit einer Schnecke weiter.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kann sich jedenfalls die Hände reiben: Derzeit beträgt die Zahl der Mitglieder 250 Millionen, noch in diesem Jahr soll sie sich verdoppeln – langfristig wird die Milliarde angepeilt (zum Vergleich: China hat 1,33 Milliarden Einwohner). Proportional dazu soll die Belegschaft mitwachsen und um die Hälfte auf insgesamt 1.500 Mitarbeiter zulegen. Finanzierungsprobleme sieht Zuckerberg nicht, immerhin sollen in diesem Jahr 500 Millionen Dollar umgesetzt werden, zudem halten die Investoren die Füße still: kürzlich ist die russische Gruppe Sky Technologies für 200 Millionen Dollar eingestiegen und hat dafür knapp zwei Prozent von Facebook bekommen.

(André Vatter)

Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

29 Kommentare

  • Es ist schon unglaublich, was diesen social Netzwerk Wahn angeht… Fast keiner verdient das Geld, was er ausgibt, aber von Milliarden träumen sie alle.
    Eine der größten Gruppen auf Facebook mit 5,2 Millionen Mitglieder: We Will Not Pay To Use Facebook. We Are Gone If This Happens … zeigt den wahren Geist der Teilnehmer.
    Mit anderen Worten muss die Zuckerhügel-Gemeinde andere Geldquellen erschließen. Irgendwann halten auch die Investoren die Füße nicht mehr still, nämlich dann wenn sie merken, dass hier gar keine Milliarden zu verdienen sind.
    Dass Community Mitglieder auch nicht wie wild auf Google Ads und andere Werbung klicken, hat nicht nur die VZ Gemeinde zu spüren bekommen.
    Aus meiner Sicht sind diese Communities Auslaufmodelle, denn wer sich damit ausgiebig beschäftigt hat, wird merken, es sind Zeitkiller. Im Web 3.0 wird man wieder vernünftig und konzentriert sich auf Kontakte im „real Life“ – wetten?

  • @Andreas:

    Nun ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Social Networks
    Auslaufmodelle sind. Sicherlich wird man nach einem anfänglichen
    Hype weniger Zeit in den Netzwerken zubringen. Dennoch ist es
    für viele ein wichtiges Mittel um mit Freunden in Kontakt zu bleiben.
    Es hilft ungemein und spart eine Menge sonstiger Korrespondenz
    und somit teilweise sogar mehr Zeit, als wenn man die Netzwerke nicht
    nutzt.

    bezüglich des Artikels:

    Im Prinzip ist es den Usern bei Sozialen Netzwerken doch relativ
    egal wo sie sich befinden, solang ihre Freunde dort anzutreffen sind.
    Solang sich zB der Großteil meiner Bekanntschaft bei den VZ Netzwerken
    aufhält Wechsle ich doch nicht zu Facebook. Es sei denn, und da wird
    Facebook erst richtig interessant, ich habe Bekannte/Freunde im Ausland.
    Denn zum „Freunde finden“ taugen diese Netzwerke nicht unbedingt,
    so sind zumindest meine Erfahrungen bisher. Vielmehr zum „Freunde bleiben“…

  • Ich für meinen Teil finde facebook klasse, schade ist nur das „wir“ mal wieder hinterherzuhinken scheinen und es nicht schaffen dem Wettbewerb standzuhalten. Wo sind unsere Innovationen, warum fallen wir zurück und lassen uns von facebook überholen? Wenn wir jetzt nicht an Fahrt zunehmen seh ich in einigen Monaten das Überwandern von VZ’lern zu facebook, was denkt ihr?

    Beste Grüße

    Florian

  • Facebook ist nicht schlecht, aber der Reiz ist auch wieder schnell weg. Und wenn die ‚Freunde‘ nicht mehr regelmässig was Interessantes posten, was soll man dann noch auf Facebook??

    Ich frag‘ mich deshalb auch, wie die damit Geld machen wollen!? SO lebenswichtig ist der Service auch wieder nicht …

  • Ich glaube 250 Mio. registrierte User (Tendenz steigend) sprechen eine andere Sprache.
    Allein der Wert von facebook ist immens. Lebenswichtig trifft es in diesem Zusammenhang vielleicht nicht. Aber für viele Web – Enthusiasten ist facebook eine wahrlich wichtige Plattform und ein super Traffic- und Konverstations Driver.

  • Verkauf von Nutzerdaten (Spekulation), aber ich schätze mal, darüber hinaus das Anbieten von Werbeschaltung. Die Möglichkeiten reichen wohl ziemlich weit. In meinen Augen ist es für viele im Bereich der Social Networks noch ziemlich schwierig das passende Geschäftsmodell zu finden, da ist facebook keine Ausnahme. Aber die Basis ist da.

  • Ich stimme mit Florian überein. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

    Facebook ist auch gerade für viele User, die sonst nicht besonders internetaffin sind, eine Plattform zum Sharen von News, Videos, Links etc. geworden.

    Mit „Bling bling“ hat die Facebook-Oberfläche meines Erachtens nichts zu tun. Da geht Myspace viel eher in die Richtung. Auch, wenn es sich um ein anderes, Musik-orientiertes Portal handelt, der Augenkrebs-Faktor bei Myspace ist nach wie vor hoch. Facebook hat dagegen eine relativ cleane Oberfläche. Mit Facebook Lite wird das Design und die Usability sicher noch weiter vereinfacht.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass Facebook in naher Zukunft Premium-Accounts für die User einführen – und damit Erfolg haben wird.

    Dass im Zeitalter von Web 2.0 es bei studiVZ noch nicht einmal möglich war, Videos direkt auf der Website abspielen zu lassen, war schon schwach.

  • Interessant, habe das aber schon irgendwie denken können.

    Mal schauen, kenne auch schon einige die jetzt gewechselt haben, selbst der eigentliche Gründer von studiVZ ist mittlerweile kontaktmäßig nur noch über Facebook zu erreichen ;D (laut eigener Aussage)

  • Hmm – irgendwie bin ich wohl etwas altmodisch, aber mit diesen Plattformen kann ich gar nix anfangen. Genau wie bei Twitter und Co. Das ist mir irgendwie alles zuviel. Möchte nicht, dass sich mein ganzes Leben plötzlich auf einer virtuellen Basis abspielt. Ich bin zwar auch bei Xbox Live und schätze die Leute dich ich da kennen gelernt habe, auch zocke ich ein MMORPG (HDRO), aber mit diesen Netzwerken wird in mir irgendwie eine innere Grenze überschritten.

    Ich sehe den Sinn nicht so und sehe sie daher eher kritisch …

  • Also im Gegensatz zu den VZ Netzwerken hat Facebook soweit ich das gelesen hab, weit weniger Probleme damit Geld zu verdienen. Oder habt ihr die 500 Millionen überlesen? Und das ohne Premium Accounts. Und Investoren kommen noch oben drauf.

    Dass viele in dem Netzwerk bleiben wo die Freunde sind, mag so stimmen. Andersrum kann man es auch formulieren, nämlich, dass viele schon lange lieber Facebook benutzen würden und sich aufgrund der Freunde gezwungen sehen, bei VZ zu bleiben. Inzwischen übrigens nicht mehr. Zumindest die meisten meiner Bekannten sind inzwischen alle auch auf Facebook unterwegs. Natürlich gleichzeitig noch bei StudiVZ angemeldet. Ich frag mich wie die Benutzerzahlen aussehn würden wenn man sie um die ganzen Leichen bereinigen würde.

  • 2 Kritikpunkte:
    Wieso entzieht sich Facebook der Messung durch IVW? Ich wuerde diese Zahlen erstmal anzweifeln, wenn man es bei google trends misst liegt facebook deutlich hinter den VZ Seiten/
    Zudem darf man nicht vergesen, dass Facebook ueber 200 Millionen Mitglieder hat und diese reisen um die Welt, nicht zu knapp nach Deutschland wo sie sich dann im Hotel oder Internetcafe einloggen.
    Das ist aber fuer die deutsche Werbewirtschaft uninteressant weil sie waehrend ihres 3 Tage Trips ganz sicher nicht nen Handyvertrag abschliessen werden oder nen Auto kaufen.

  • Ich denke das Facebook wohl das lezte „große“ Social Network werden wird. Denn nach ihnen wird niemand mehr darauf reinfallen das man dort kein Geld verdienen kann. Eigentlich ist der Kampf zwischen den Plattformen sehr spannend anzusehen aber wenn wir ehrlich sind ist es nur Zeitvertreib…

  • @Alf

    Das muss nicht unbedingt so sein bzw. so kommen. Die SNs werden sich langfristig halten bzw. wirtschaftlich (rentabel) expandieren, die von Beginn an eine konsequente Monetarisierungsstrategie etablieren und die Performance-Latte klug halten (Best Practice Bsp. XING).

    Ich persönlich finde es höchst bedenklich, wenn sich 5,2 Mio Nutzer schon mal prophylaktisch offen zu „werde nie zahlen“ formieren, ohne bisher irgend eine Ankündigung im Anschein gesehen zu haben. Mehr als fragwürdig finde ich es, wenn Nutzerseits gar nicht eine etwaige Entgelthöhe oder eine Leistungshöhe („was würde ich denn für mein Geld bekommen?“) hinterfragt wird. Wo liegt die Schuld und Ursache: An dem Plattformbetreiber, es zu verschlafen zu haben oder an der Mentalität, die die Nutzer heraus entfaltet haben? Das Dumme nur: Eine solche Position wird auf andere Businessmodelle im Netz reflektiert. Für eine fehlende Nachhaltigkeitsentwicklung ist diese fast schon gesellschaftliche Einstellung („wenn es etwas kostet, nutzen wir es nicht“) im Netz als hoch kritisch zu sehen. Auch für den Konsumenten hat das langfristig Nachwirkungen. My two cents.

    Zu FB selbst: Die aufkomulierenden laufenden Kosten werden nach Investition massiv zusetzen. Meine Einschätzung.

    Virtueller Marktwert bleibt häufig auch mal unreal.

  • Kein social network der Welt wird je mit FB Schritt halten können. Das ist ein ungleicher Kampf… Welche Maschinerie hinter Facebook steckt kann man nur erahnen, ein unglaubliches effizientes und technologisch in allen Bereichen überlegenes Unternehmen.

    Was Facebook an Technik-, Entwicklungs- und Serverkosten pro Monat hinlegt- wer weiss es schon? Wer weiss schon, ob Verluste geschrieben werden oder wie die Gesamtstrategie dieses Unternehmens ist?

    Es ist unfair und – man möge mir verzeihen- schon fast dumm, deshalb auf die deutschen Networks wie die VZ-Gruppe und Konsorten zu schimpfen und ihnen Faulheit und technologischen Rückschritt vorzuwerfen. Keine Firma die hinter einem SN in der Größenordnung von z.b studivz oder lokalisten steht, hat auch nur die Chance ansatzweise den Weg zu gehen den Facebook geht- da sich diese Unternehmen diese Kosten für Traffic, Technik und Personal schlichtweg nicht leisten können. Diese social networks haben einfach nur damit zu kämpfen nicht rote Zahlen zu schreiben- so ist das nun mal. Manche Kritiker machen es sich schon sehr leicht, die „Konkurrenz“ als unfähig zu bezeichnen weil sie sich nicht in dem Maße entwickeln wie Facebook.

    Meiner Meinung nach wird Facebook als einziges Kommunikationsmedium der Welt langfristig bestehen bleiben. Der Rest dümpelt hinterher- reine Flirtfarmen, getarnt als Freundesnetzwerke.

    Schade. In einer perfekten Welt sähe es anders aus.

  • Nun, das war wohl das Wort zum Sonntag vom Pressesprecher von Facebook oder einem Zuckerberg? 😉

    Natürlich verbrennt Facebook Millionen für den Serverpark, deshalb brauchen die ja auch ständig neue Investoren. Einzelheiten hier: http://www.crm-netzwerk.biz/wblog/?p=250

    Die VZ Portale sind als Plagiat ursprünglich aus Facebook hervorgegangen und man hat dann einen eigenen Weg gesucht. Das muss nicht schlechter sein aber ob es werthaltig ist und damit dauerhaft wird sich zeigen.
    @Simon : Facebook aber als das ultimative Portal hinzustellen, dem niemand das Wasser reichen kann – dem Google der Netzwerke, halte ich schlicht für verfrüht. Es muss sich erst einmal beweisen, dass diese „Laberportale“ überhaupt auf Dauer gebraucht werden. Da warte ich schon sehnlichst auf Google Wave, wo dann zig-tausende von Netzwerken entstehen, die untereinander vernetzt sind und kein Vordenker a la Zuckerberg die Richtung vorgibt.
    Im Übrigen ist Facebook nicht auch nur geklaut? http://www.crm-netzwerk.biz/wblog/?p=131 Gab es da nicht ConnectU???
    Also wozu die Aufregung? …
    Vielleicht will deshalb niemand für die Nutzung zahlen?

    Morgen kommt ein neuer Trend so wie Twitter über Nacht auf der Bildfäche erschien und Facebook stirbt aus.
    Warten wir mal ab, wie sich das in 2010 entwickelt…

  • Ungeachtet der wirklich interessanten Diskussion über Erfolg/Nichterfolg und die möglichen Businessmodelle hab ich heute im Blog mal die genauen Nutzerzahlen wie sie von Facebook kommuniziert werden festgehalten. Auf 6,1 Millionen Nutzer kommt man da leider nicht. 3,8 Millionen aktive deutsche Nutzer sind es laut Facebook zurzeit, die meisten im Alter von 18 – 34 Jahren. ca 8-10% davon kommen allein aus Berlin… http://facebookmarketing.de/zahlen_fakten/facebook-nutzerzahlen-in-deutschland-august-2009

    @Simon, ich gebe Andreas da auch Recht. Facebook als einzigstes wirklich erfolgreiches Kommunikationsmedium der Zukunft darzustellen ist übertrieben. Dazu ist das alles viel zu jung und dynamisch. Einfach mal Abwarten was in den nächsten Monaten und Jahren noch so alles kommt…

  • Ein Netzwerk mit 250 Millionen Usern stirbt nicht einfach von heute auf morgen und auch der Wachstum spricht eine ganz andere Sprache.

    Nur weil neue Ideen im Internet erscheinen „z.B Twitter“ werden Community oder Freundenetzwerke nicht aussterben.

  • Denke mal Facebook wird sich noch lange halten. Ist ja nach wie vor ein Lauffeuer. Und wer noch nicht angemeldet ist, muss es trotzdem ständig hören, lesen usw.

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