YouTube will endlich mit Virals Kasse machen

André Vatter

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Ah, große Erleichterung herrscht beim Publikum, das sich zumindest ab und an mal rasieren muss: Fred ist nicht mehr die Nummer eins! Wer? Na, Fred. Erinnert ihr euch nicht mehr daran, dass der Junge „mit dem Organ eines Streifenhörnchens“ (L.A. Times), der im wirklichen Leben Lucas Cruikshan heißt, die Millionen-Marke bei den YouTube-Abonennten knackte? Damit war Fred der populärste Content-Anbieter auf der Video-Plattform. Doch auch im normalen Netz genoss das Quietschtalent große Aufmerksamkeit, immerhin steht sein Name in den Top-10 der von Kindern eingegebenen Suchbegriffen (übrigens neben „Sex“ und „Porno“).

Doch das ist nun vorbei. Zuletzt konnte Fred 1.370.031 Abonnenten vorweisen. Sein Thronnachfolger, Nigahiga, kommt auf 1.410.756 Abonnenten. Wie zu erwarten war, hat auch Nigahiga eher Video-Spässken im Angebot, die allerdings ein wenig professioneller wirken und nicht nur den lauten Geschmack der Präpubertierenden treffen. Mashable interpretiert diesen Wechsel an der Spitze bereits als ein Erwachsenwerden des allgemeinen Publikums, das sich stetig weiter vergrößert.

YouTube selbst kann der ganze Rummel nur lieb sein, immerhin macht die Google-Tochter mit der Werbeschaltung in und neben solchen Videocasts ihren Umsatz (von Gewinn will ich hier noch nicht sprechen).

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Um die Monetarisierung von YouTube nun noch weiter voranzutreiben, hat das Team nicht mehr ausschließlich ganze Kanäle im Blick. Bislang war es so, dass erfolgreiche Content-Produzenten dem YouTube Partnership Program beitreten konnten, um sämtliche Videos von YouTube vermarkten zu lassen. Sowohl Fred als Nigahiga haben einen AdSense-Account und werden mit nicht zu unterschätzenden Beträgen an den Erlösen beteiligt. Im Fall Fred sprach die L.A. Times damals von mehreren zehntausend Dollar im Monat.

Wie Produkt-Manager Shenaz Zack nun aber in einem neuen Blog-Post einräumt, sei auf diese Weise viel Potential verspielt worden. Immerhin gebe es auch 1-Hit-Wonder: Virals, die über einen kurzen Zeitraum viele Besucher ziehen. Das völlig zugedröhnte Kind David etwa, das sein Vater nach dem Zahnarztbesuch filmte. Oder die beiden kuschelnden Otter.

YouTube würde das eingestellte Angebot der Nutzer ab heute ständig sondieren und nach folgenden Gesichtspunkten bewerten:

1.) Anzahl der Views
2.) Viralität
3.) Übereinstimmung mit den AGB

Sollte ein Video für die Einzelvermarktung in Frage kommen, wird der entsprechende Uploader per E-Mail benachrichtigt. Zudem findet er in den Einstellungen den Button „Enable Revenue Sharing“. YouTube stellt überaus deutlich klar, dass ein solcher Glücksfall nicht automatisch zur Teilnahme am bestehenden Partnership Programm führt. Hier müsse die Bewerbung weiterhin vom Nutzer kommen.

Ein interessanter, neuer Weg, den YouTube da einschlägt. Bislang hat sich die Plattform vehement gegen den Vorwurf gewehrt, dass die überwiegende Mehrheit der Videos eigentlich nur Schrott ist. Nun versucht man, genau aus den… qualitativ zweifelhaften Inhalten Kapital zu schlagen. Traffic ist sicher ordentlich vorhanden, man denke an die „Hier, guck mal! ich schmeiß mich weg! Gerade bei YouTube gesehen.“-Mails, die nicht nur in deutschen Büros massenweise umhergeschickt werden. Auf der anderen Seite bin ich gespannt, was für Werbepartner YouTube für derlei Aktionen an Land ziehen kann. Wer will neben Händchen haltenden Ottern werben? Oder neben einem Kind, das jeder Außenstehende sofort auf Entzug schicken würde. Ein Pharmariese? Coca-Cola?

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.