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YouTube-Marketing: Loriot versucht Monty Pythons Geheimrezept

loriotHabt ihr eigentlich das mit Monty Python mitbekommen? Im vergangenen November wurde von der Truppe beschlossen, den Kampf gegen das Netz aufzugeben – und stattdessen vom Netz zu profitieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Fans der Komiker massenweise Sketches auf YouTube hochgeladen – teils in brutal schlechter Qualität. Monty Python (die sicherlich zunächst nicht übermäßig erfreut waren) nahmen das als Anlass, um die Marketing- und Vertriebsstrategie für die DVD-Boxen grundlegend zu ändern: „Für euch alle, die grieselige, gestohlene Python-Schnipsel anglotzten und trotz des ergaunerten Mülls, der auf Youtube hochgeladen wurde, keinen Spaß daran hatten“, ließen die Komiker damals mitteilen – und eröffneten einen eigenen YouTube-Kanal, in dem großzügige HD-Auszüge aus der Filmographie zu finden sind. Wer mehr möchte, schaue doch bitte auf der offiziellen Website vorbei – oder bei Amazon und iTunes, wo die Sketche auf ihre Käufer warten, bat Monty Python.

Und nun, liebe Zweifler und sonstige Kritiker kostenloser Inhalte im Netz, aufgepasst: Seitdem der YouTube-Kanal seine Pforten öffnete, konnte der Umsatz bei Amazon mit DVD-Boxen von Monty Python um 23.000 Prozent (in Worten: dreiundzwanzigtausend) gesteigert werden.

Wie gerade bei Kress zu lesen ist, hat der Erfolg wohl auch in Deutschland einigen Eindruck gemacht. Dem Studio Hamburg Distribution & Marketing (SHDM) gehören die Rechte am Gesamtwerk von Loriot und nachdem erst kürzlich die Best-Of-Loriot-Sammlung ins Shop-Portfolio von iTunes aufgenommen wurde, ist nun YouTube dran. Der offiziellen Kanal von Vicco von Bülow ist offiziell gestartet. Auch hier finden wir den Hinweis: „Moooment! Alle Loriot-Sketche und Cartoons aus 40 Jahren Fernsehgeschichte sind in voller Länge jetzt auch bei iTunes erhältlich!“

Wollen wir hoffen, dass das Konzept genauso in Deutschland aufgehen wird. Euch zumindest kann ich ja fragen: Überzeugt euch das Angebot?

(André Vatter)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

24 Kommentare

  • Diese 23.000% sind verdächtig und klingen nach Statistiktrickserei … in welchem Zeitraum? im Vergleich zu wann genau? Zahlen, Zahlen, Zahlen, bitte …

  • Pah, und die Loriot-Videos kann man sich nur in Deutschland anschauen … wieso?? Was haben die zu verlieren? Dass Deutsch-Belgier oder Luxemburger ein Loriot-Video bei Amazon kaufen? Oops, das wäre ja gar kein Verlust … oder?

  • Ist leider völlig wurscht, ob man die nur in Deutschland ansehen kann. Sie sind gekürzt. Gekürzte Videos wie die fliegen bei mir durch. Genau wie gekürzte Feeds …

  • Eine grundlegende Frage wird hier leider ausser Acht gelassen:
    Warum sollten wir diese DVD-Boxen kaufen müssen und warum sollte es illegal sein die Inhalte kostenlos ins Netz zu stellen?

    Loriot gehört zum deutschen Kulturgut des 20ten Jahrhunderts. Vicco von Bülow hat lange Zeit gut gelebt von seiner Arbeit und wird jetzt wohl auch nicht am Hungertuch nagen. Von den Gewinnen der Verkäufe wird wenig Geld bei Loriot landen, und er wird nicht mehr gross davon profitieren
    a) hat er genug
    b) kann es es nicht mitnehmen (möge er noch lange leben, aber ewig lebt keiner).

    Aber anstatt uns jetz daran zu erfreuen zu können, bekommen wir wieder nur Schnipsel und hinweise auf die Kaufmöglichkeit.

    Wohin das führt durfte ich grade in Irland erleben, wo man regelmässig in Kirchen eintritt zahlen darf. Man stelle sich die Entwicklung unserer Kultur vor, wenn schon vor 300 Jahren Künstler nicht die Kirchenfenster gesehen hätten, weil sie sich nicht den Eintritt hätten leisten können? Jede Kultur entsteht durch die Beeinflussung durch vorher dagewesene Kultur.

    Unsere „Kultur“ wird immer mehr zurückgedrängt ins Kommerzielle. Grosse Architektur gibt es nur bei Firmengebäuden, öffentliche Kunstwerke sind eine Seltenheit, Text werden nicht mehr verlegt, dürfen aber auch nicht kopiert werden und alle Kulturwerke werden beschützt, als wären sie noch Kultur, auch wenn sie niemand ansieht.

    Es ist also kein grosser Schritt, sondern nur eine Marketingentscheidung. Und nicht mal eine besonders einfallsreiche, sondern nur eine Kopie.

  • 23.000%… alle Achtung, auch wenn ich das kaum glauben kann. Ok, aber wenn es nur annährend in diese Richtung geht ist es auf jeden Fall ein guter Schachzug des Marketings gewesen.

  • Die Idee ist jetzt schon Tod, wenn man Videos nur in D-Land sehen kann. Ich bin darüber eigentlich nur verärgert, so das ich sicherlich nicht die alten Kamellen kaufen werde.Aber zum Glück gibt es ja noch „The Pirat Bay“.
    (*moderiert*)

  • Ich finde es auch ein bisschen dürftig, dass das ganze a) nur in Deutschland geht und b) nur gekürzte Videos sind. Das ganze anzuschauen macht etwa so viel Spaß, wie einem Comedian beim Aufbau eines Gags zuzusehen und dann vor der Pointe den Raum zu verlassen.

    Es war zwar eine gute Idee, sich von der Monty Python-Aktion inspirieren zu lassen, aber leider hat man wohl den hauptsächlichen Punkt falsch verstanden. Diese Inhalte sind für mich weniger Kaufanregungen, sondern eher ein Grund die Finger von einer solchen Geldmacherei zu lassen.

  • Mir stösst es nur sauer auf, dass das einfach eine Gelddruckmaschine für das Studio Hamburg Distribution & Marketing ist. Die Sketche wurden schon x-fach wiederverwertet. Erst im TV, dann auf VHS, dann auf DVD, dann nochmal in Boxen. Die Aufbereitung fürs Inet = Aufwand geich Null und der Sketch kostet dann wohl 99 Cent.

  • Die Anspruchshaltung, dass Inhalte im Internet kostenlos sein müssen und nur ja keine Werbung darstellen dürfen, ist für mich vollkommen unverständlich. Und bei Loriot handelt es sich nicht um gemeinfreien Content, nur weil einer meint, er sei damit schon im TV aufgewachsen. In meinen Augen, handelt es sich hierbei um eine geschickte Marketingmaßnahme, die auf ein Angebot auf iTunes hinweist. Wo ist das Problem? Wer davon ausgeht, dass solche Angebote im Internet keinen Aufwand darstellen, übersieht, dass eine Menge Gespräche, Verhandlungen, Verträge etc. dazu notwendig sind. Bezeichnend in diesem Thread ist der Beitrag, der auf illegale Filesharing Alternativen hinweisen möchte… Alle, die in dieses Horn blasen, sind sowieso nicht ernst zu nehmen.

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