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@call @xyz: Twitter soll zur Telefonzentrale mutieren

André Vatter
Aktualisiert: 17. September 2009
von André Vatter
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jajah_logoLauft mal hier durch die Redaktion und befragt die Leute über Voice over IP: „Och. Ja. Kann man machen“, ist dann die meistgegebene Antwort. Seien wir ehrlich: VoIP hat ein wenig an Bedeutung verloren, seitdem Überseegespräche zumindest aus dem Festnetz spottbillig geworden sind. Ich kenne einige regelmäßige und begeisterte Skype-Nutzer, doch die große Mehrheit verlässt sich bei telekommunikativen Aufgaben eher nicht auf spezielle VoIP-Clients.

Doch gerade werden wir Zeuge eines rapiden Image-Boosts der guten alten Internettelefonie. Dass Facebook plattformweit Voice-Dienste anbieten will, ist eine spannende Entwicklung im Social Media-Markt. Doch es könnte noch spannender werden, denn nun hat JaJah (gesprochen: „DschaDscha“) testweise einen kleinen Service für Twitter im Angebot. Das langfristige Ziel soll es sein, Twitter in eine Art VoIP-Telefonzentrale zu transformieren. Ganz ausgereift scheint der Dienst aber noch nicht zu sein.

Im Moment können wohl nur eine handvoll Mitglieder am geschlossenen Beta-Test teilnehmen. Ob ihr zu den Auserwählten gehört, seht ihr in eurem JaJah-Profil, wo unter „Meine Dienste“ der Punkt „Twitter-Anrufe“ auftauchen sollte. Ich habe mich eben erst registriert – bei mir ist es natürlich nicht der Fall. Wäre ich frei geschaltet, würde ich JaJah den Namen meines Twitter-Accounts mitteilen und den VoIP-Dienst autorisieren, für mich auf die Microblogging-Plattform zuzugreifen.

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Ist alles soweit eingerichtet, kann ich über das Twitter-Webinterface oder über jeden beliebigen Client einen Tweet in der Form „@call @xyz“ abschicken, wobei @call für JaJahs Twitter-Repräsentanz und @xyz für den Namen des Anzurufenden steht – dieser muss natürlich ebenfalls bei JaJah registriert sein. Kurz nachdem der Tweet abgeschickt wurde, klingelt dann bei mir und ihm das Telefon. JaJah räumt jedem Nutzer zwei kostenlose Gesprächsminuten ein, „das verbale Equivalent für einen Tweet“, wie es heißt.

Mashable weist zurecht darauf hin, dass dieses System in der Praxis schnell auf Probleme stoßen kann: Ein Twitter-Nutzer kann jeden anderen zu jeder Zeit aus dem Bett klingeln, sei er ein Freund oder wildfremd. Zieht man das grassierende Spam-Problem mit in die Rechnung ein, ist ein Missbrauch so gut wie sicher.

Noch ein nicht zu unterschätzendes Hindernis kommt hinzu: Ich habe nichts von einer „Kooperation“ zwischen JaJah und Twitter gelesen. Wie es aussieht, benutzt der VoIP-Dienst die Plattform wie ein Otto-Normal-Twitterer und zapft bei angeforderten Anrufen einfach die kostenlose API an. Ob Twitter das gutheißt? Vielleicht gehören VoIP-Dienstleistungen ja auch bald zum Portfolio der kostenpflichtigen Premiumdienste, die direkt vom Betreiber angeboten werden. Dann müsste JaJah wohl oder übel wieder den Platz räumen.

(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.
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