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Angetestet: Google Sidewiki – das neue Meta-Internet?

sidewiki

Bei den meisten Produkten, die Google ins Netz wirft, sagt man sich: „Na, endlich! Wie lange habe ich darauf gewartet.“ Nur bei Sidewiki will dieses Gefühl bei mir nicht aufkommen. Grob gesagt geht es bei dem Dienst darum, ein Art Overlay-Bewertungssystem für jede Website im Internet und das jeweils angesprochene Thema anzubieten. Beispiel: Ich suche nach einem guten Hotel in Hamburg, kann mich aber nicht entscheiden. Also gebe ich die URL der Touristeninformation an und schalte Sidewiki ein. Es erscheint eine Seitenleiste mit den hinterlassenen Kommentaren von Nutzern, die mich an ihren reichhaltigen Erfahrungen teilhaben lassen. „Ah“, denkt man. „Super Tipp!“. Dann bucht man die empfohlene Absteige.

Soweit zumindest die Theorie. Google wählt naturgemäß ungleich dramatischere Beispiele, wie die Infoseite über Herzerkrankungen, zu deren Vorbeugung ein Spezialist wie aus dem Off noch persönliche Tipps geben kann. Hier gibt es auch noch ein hübsches Info-Video.

Damit ihr wisst, wovon ich rede, macht doch einmal die Probe aufs Exempel und besorgt euch Sidewiki. Wir haben es mit keinem Add-On für Firefox oder Explorer (Chrome ist noch in Arbeit) zu tun, sondern mit einer Erweiterung der Google Toolbar, die ihr euch hier besorgen könnt. Nach der Installation werdet ihr belehrt, dass es sich bei Sitewiki um eine „Erweiterte Funktion“ handelt, ihr also den Datenschutzbestimmungen zustimmen müsst: „Bei den erweiterten Funktionen der Google Toolbar wie PageRank und Sidewiki werden Adressen und andere Websiteinformationen zum Zeitpunkt Ihres Besuchs an Google gesendet.“

Die Kommentare erscheinen auf der linken Seite, natürlich habt ihr auch die Möglichkeit, eigenen Senf dazuzugeben, der dann mit euren Google-Profilen verlinkt wird. Außerdem sammelt Google die Kommentare ein, die zwar auf anderen Seiten, jedoch zum selben Thema gemacht wurden. Sämtliche Einträge werden automatisch nach Relevanz sortiert, wozu auch die Bewertungsfunktion ihren Anteil beiträgt.

Fazit:

sidewiki2So – und nun? Ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Alles, was ich sehe ist, dass Sidewiki ein Art Meta-Internet etabliert, das sich über das bestehende Netz legt. Die Qualität kann bisher leider nicht überzeugen: „Ich mag Ahmadinedschad nicht!!“ heißt es zum Beispiel bei Spiegel Online, ich kann den abgeladenen Kommentar auf der Startseite aber nicht zuordnen. Offensichtlich sind die Nutzer mit der Aufgabe überfordert und fragen sich (zurecht), ob denn nun die Seite oder der besprochene Gegenstand diskutiert werden soll.

Pressetext schrieb zudem vor wenigen Minuten, dass Sidewiki Potential für „Missbrauch“ und „Falschinformationen“ mitbringe – was durchaus stimmen kann, von Google unter dem Hinweis auf die Bewertungsfunktion aber zurückgewiesen wird. Doch für wirkliche Transparenz beim Flaggen oder Voting bräuchte man eine Kontrollinstanz: Vielleicht ein Meta-Sidewiki, über das Bewertungen von Seitenbewertungen bewertet werden? Und was ist mit der Übersicht? Braucht es wirklicht irgendwann eine Sidewiki-Suche? Werden wir dann auch kontextbasierte Werbung sehen?

Ich kann den Ansatz des Projektes nachvollziehen, stolpere allerdings über all diese Fragen, bevor mich wirkliche Begeisterung ergreifen kann. Möglicherweise denkt ihr anders darüber.

(André Vatter)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

15 Kommentare

  • Mmhh, noch unentschlossen. Nach einem ersten „Wow“ kam auch gleich der Missbrauchsgedanke auf. Kann mich deiner Einschätzung eigentlich nur anschliessen. Und einfach weiter ausprobieren…

  • Was kann denn der Seitenbetreiber genau? Kommentare in einer anderen Farbe schreiben oder doch auch Inhalte bestimmen / Kommentare löschen etc? Ist vielleicht nicht ganz unwichtig zu wissen, bevor die ersten Unholde anfagen im Vertrauen auf die Unwissenheit der Allgemeinheit ihr Unwesen zu treiben….

  • Mh, neu ist das aber nicht (wenn ich’s richtig überflogen habe). Da gibt’s einige Webservices, die solche »Website-Kommentare« auch bieten. StumbleUpon hat z.B. auch so eine Funktion, glaube ich. Damn, ich kann mich kein Stück erinnern, wie die anderen Services heißen, wird man sicher bei Firefox-Addons fündig.
    Aber wenn’s Google macht, werden sich halt 10 Milliarden mehr Leute dran beteiligen und der Konzern kann sein Datenmonopol weiter ausbauen.

    Wer’s braucht.

  • Das wird wohl zunächst ein neues Marktsegment für Werbeagenturen und ähnliche Branchen werden. Bei den enormen Zugriffszahlen bei Google kann unmöglich jeder Eintrag oder jede Bewertung geprüft werden und da ist „Missbrauch“ meiner Meinung nach vorprogrammiert.

    Den Grundgedanken finde ich jedoch recht gut – was Google und letztendlich die Nutzer daraus machen bleibt jedoch abzuwarten.

    Beste Grüße

  • Ich möchte zu gerne wissen, was Google mit den ganzen persönlichen Daten, die es mit Chrome und auch Sidewiki über die User sammelt, anstellen wird…

  • Welche persönlichen Daten? Meine Güte, woher soll Chrome irgendwas in der Richtung denn wissen? Meinste das Ding speichert, wenn ich ne Onlinebestellung mach, gleich mal meine Anschrift und so?

  • nicht zu vergessen : fytch.com . da ich der Datenkrage nicht noch meine Surfspuren in Rachen werfen will nutze ich Fytch. Es darf ja auch etwas neben Google geben, daher nutze ich grundsätzlich keine Google Dienste… naja die Suchmaschine schon

  • Das Thema um Google ist ja mittlerweile ein leidiges. Aber wenn man doch mal ganz ehrlich ist, dann ist es im Grunde eh schon zu spät. Denn Google ist nicht nur als Suchmaschine das Maß aller Dinge. Ich braucht ja nur mal schauen was so Firmen pro Monat für Suchmaschinenoptimierung ausgeben: https://www.pixena.de/kosten-seo-suchmaschinenmarketing Dann ist doch der Stellenwert schon vollkommen klar. Irgendwann wird Google noch das Selbstfahrende Auto auf den Markt bringen und dann weiß Google wirklich alles. Außer wir posten es bei Facebook..;-)

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