Angetestet: Google Sidewiki – das neue Meta-Internet?

André Vatter

sidewiki

Bei den meisten Produkten, die Google ins Netz wirft, sagt man sich: „Na, endlich! Wie lange habe ich darauf gewartet.“ Nur bei Sidewiki will dieses Gefühl bei mir nicht aufkommen. Grob gesagt geht es bei dem Dienst darum, ein Art Overlay-Bewertungssystem für jede Website im Internet und das jeweils angesprochene Thema anzubieten. Beispiel: Ich suche nach einem guten Hotel in Hamburg, kann mich aber nicht entscheiden. Also gebe ich die URL der Touristeninformation an und schalte Sidewiki ein. Es erscheint eine Seitenleiste mit den hinterlassenen Kommentaren von Nutzern, die mich an ihren reichhaltigen Erfahrungen teilhaben lassen. „Ah“, denkt man. „Super Tipp!“. Dann bucht man die empfohlene Absteige.

Soweit zumindest die Theorie. Google wählt naturgemäß ungleich dramatischere Beispiele, wie die Infoseite über Herzerkrankungen, zu deren Vorbeugung ein Spezialist wie aus dem Off noch persönliche Tipps geben kann. Hier gibt es auch noch ein hübsches Info-Video.

Damit ihr wisst, wovon ich rede, macht doch einmal die Probe aufs Exempel und besorgt euch Sidewiki. Wir haben es mit keinem Add-On für Firefox oder Explorer (Chrome ist noch in Arbeit) zu tun, sondern mit einer Erweiterung der Google Toolbar, die ihr euch hier besorgen könnt. Nach der Installation werdet ihr belehrt, dass es sich bei Sitewiki um eine „Erweiterte Funktion“ handelt, ihr also den Datenschutzbestimmungen zustimmen müsst: „Bei den erweiterten Funktionen der Google Toolbar wie PageRank und Sidewiki werden Adressen und andere Websiteinformationen zum Zeitpunkt Ihres Besuchs an Google gesendet.“

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Die Kommentare erscheinen auf der linken Seite, natürlich habt ihr auch die Möglichkeit, eigenen Senf dazuzugeben, der dann mit euren Google-Profilen verlinkt wird. Außerdem sammelt Google die Kommentare ein, die zwar auf anderen Seiten, jedoch zum selben Thema gemacht wurden. Sämtliche Einträge werden automatisch nach Relevanz sortiert, wozu auch die Bewertungsfunktion ihren Anteil beiträgt.

Fazit:

sidewiki2So – und nun? Ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Alles, was ich sehe ist, dass Sidewiki ein Art Meta-Internet etabliert, das sich über das bestehende Netz legt. Die Qualität kann bisher leider nicht überzeugen: „Ich mag Ahmadinedschad nicht!!“ heißt es zum Beispiel bei Spiegel Online, ich kann den abgeladenen Kommentar auf der Startseite aber nicht zuordnen. Offensichtlich sind die Nutzer mit der Aufgabe überfordert und fragen sich (zurecht), ob denn nun die Seite oder der besprochene Gegenstand diskutiert werden soll.

Pressetext schrieb zudem vor wenigen Minuten, dass Sidewiki Potential für „Missbrauch“ und „Falschinformationen“ mitbringe – was durchaus stimmen kann, von Google unter dem Hinweis auf die Bewertungsfunktion aber zurückgewiesen wird. Doch für wirkliche Transparenz beim Flaggen oder Voting bräuchte man eine Kontrollinstanz: Vielleicht ein Meta-Sidewiki, über das Bewertungen von Seitenbewertungen bewertet werden? Und was ist mit der Übersicht? Braucht es wirklicht irgendwann eine Sidewiki-Suche? Werden wir dann auch kontextbasierte Werbung sehen?

Ich kann den Ansatz des Projektes nachvollziehen, stolpere allerdings über all diese Fragen, bevor mich wirkliche Begeisterung ergreifen kann. Möglicherweise denkt ihr anders darüber.

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.