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"Allgemein gehaltenene Zauberernacht": Warner Bros. lässt Harry Potter-Party platzen

harry_notterDas Prinzip sogenannter Underground- oder Pop-Up-Restaurants ist so einfach wie einladend: Wer mit einem praxiserprobten Kochtalent gesegnet ist und nichts dagegen hat, dass fremde Menschen kurzzeitig in die eigenen Wände einkehren, um sich am heimischen Tisch niederzusetzen, kann mitmachen. Frau Marmite Lover – so ihr Name in dem neuen Gastro-Sektor – hat mit ihrem ersten Underground-Restaurant in London eine kleine Welle ausgelöst, sogar dem „Guardian“ durfte sie schon Rede und Antwort stehen: „Meine Anfangsidee war einfach: Leckeres Essen in einer persönlichen Umgebung für kleines Geld anbieten. Gewürzt wird das Ganze mit einem bisschen Punk-Rebellion und einer Do-it-yourself-Einstellung, die ich mir aneignete, als ich noch in einer politischen Samba-Band spielte und in den Camps von Anti-G8-Veranstaltungen kochte.“ Klingt nett, sympathisch, da würde man ja gerne einmal an einem Abend zulangen, wie ich finde.

Für Halloween hat sich Frau Marmite etwas Besonderes einfallen lassen: eine Harry Potter-Party, bei der alle im entsprechenden Kostüm auflaufen sollen. Außerdem sind ausschließlich Gäste erwünscht, die sich durch die komplette Romanreihe gewühlt haben (das hatte sich der Sohn der Dame so gewünscht). Der genaue Ort wird bis zur Buchung geheim gehalten, sicher ist nur, dass die private Party „irgendwo“ im Stadtteil Kilburn stattfinden wird. Für 25 Pfund (rund 27 Euro) erwartet den Besucher ein bunter Abend samt Schnitzeljagd mit geheimen Passwort zum Zuflüstern, Butterbier, Hexenkessel-Kuchen, Fizzpop-Schokoladenfrösche, Miraculin-Puder und was weiß ich noch alles.

Man weiß nicht wie, doch irgendwie muss Lord Voldemort von den Plänen Wind bekommen haben. Denn jetzt, wenige Tage vor Halloween, klopft einer seiner akkreditierten Stellvertreter in Form eines Anwalts bei der Gastgeberin an. Er kommt von Warner Bros. – genauer gesagt von Warner Bros. Entertainment Europe, Abteilung „Legal and Business Affairs“. In einem Brief an „Ms. Marmite Lover“ (beim Verleiher glaubt jemand, dass sie tatsächlich so heißt – übrigens ist Marmite abscheuliches Zeug), wird ihr mitgeteilt, dass man davon erfahren habe, dass sie eine „Harry Potter©-Nacht im Underground Restaurant“ plane. Mit Butterbier™!  Das muss einen der Verantwortlichen auf die Palme gebracht haben. „Wie Sie wissen dürften, gehört Warner die Schutzmarke und besitzt und/oder kontrolliert das Urheberrecht zugehörig der Harry Potter-Serie, die auf J.K. Rowlings international bejubelten Kinderromanen basiert“, verklausuliert der Jurist sein Anliegen. „Warner gehören darüber hinaus sämtliche angegliederten Merchandising-Rechte und man vergibt Lizenzen an andere, um verschiedene Aspekte des Harry Potter-Property benutzen zu können – inklusive des Harry Potter-Namens, des Logos, der Figurennamen, Themen, Ereignisse und anderer dazugehöriger Merkmale der Serien der Harry Potter-Bücher und -Filme.“

Schwere Geschütze und ganz großes Kino. Ms. Marmite Lover wird nahegelegt, die Pläne zur Harry Potter-Nacht schnellstmöglich aufzugeben und diesen Entschluss auch Warner schriftlich zu bestätigen. Dann versucht sich der Jurist noch etwas unbeholfen im Metier eines Event-Planers: „Warner hat – natürlich – nichts dagegen, wenn sie eine allgemein gehaltenene Zauberer/Halloween-Nacht im Underground Restaurant abhalten.“

Frau Marmite Lover, die als „Mutter“ im Hauptberuf nicht wirklich die große Kohle macht, hat postwendend geantwortet. Sie schrieb dem Anwalt, dass sie den Titel der kleinen Feier wie gewünscht nun in „allgemein gehaltenene Zauberernacht“ geändert hätte. „Außerdem habe ich erwähnt, dass es J.K. Rowling, die sich als alleinerziehende Mutter selbst einmal durchkämpfen musste und an den National Council of One Parent Families spendete, sicherlich verstehen würde, wenn eine ebenso alleinerziehende Mutter ein wenig Kreativität und Unternehmertum an den Tag legt.“ Puh, Motto-Partys. Ich sag’s euch…

(André Vatter / Foto: Pixelio – Fotograf: Günter Hommes )


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

12 Kommentare

  • Als nächstes schlagen dann wohl die Abmahnadvokaten von Lucasfilm noch auf Star-Wars- Cosplay-Veranstaltungen auf und verlangen von jedem Wookie oder Stormtrooper eine Pauschale für das verwenden geschützter Marken in ihren Kostümen.
    So kann man sich seine Fangemeinde natürlich auch zerstören.

  • Das erinnert mich an Szenen aus Mafiafilmen, wo mal eben ein paar nette Jungs irgendwo aufkreuzen und die Sachlage klarstellen.

  • die Frage die ich mir immer stelle… wenn dort ein Anwalt sich hinsetzt die ganze Sch… schreibt. Das kostet Warner Geld und wofür? Für kostenlosesn Imageverlust… da sollte man doch vorher mal drüber nachdenken

  • Ich finde es immer wieder fantastisch wie es große Firmen schaffen sich selbst komplett lächerlich zu machen. „Oh nein, sie machen einen Gewinn von 20 Euro durch die Verwendung des Namens Harry Potter.“ Seinen eigenen Fans das Leben zu erschweren und eine (quasi durch einen geringen Betrag finanzierte) Fanparty zu verbieten ist schon eine harte Nummer. Wenn das alle Musiker in Zukunft so machen gibt es keine Fans mehr, nur noch heimliche Verehrer die nirgendwo zu sehen sind.

    Wie die Veranstalterin schreibt, vermute ich ebenfalls dass Joanne K. Rowling selbst gar nichts dagegen hätte, dass Fans mit dem Namen ihrer Figur ein Bischen „Taschengeld“ (oder habe ich die 100 Pfund Eintritt pro Person überlesen ?) verdienen. Wenn es um ne Großveranstaltung ginge könnte man es ja ggf. noch verstehen … aber so fehlen einem manchmal die Worte.

  • Warner kann es nun einmal nicht ausstehen, wenn der HP Name benutzt wird. Ob es jetzt eine Mutter ist, die eine Party schmeißt, oder eine kleine Webseite. Die behalten alles ganz scharf im Auge und sobald man auch nur ein bisschen Kohle mit dem Namen macht, sind sie gleich zur Stelle.
    @Dominik: Es sind 25 Pfund

    Was mich gerade beim durchlesen gewundert hat: Es gibt ja mittlerweile Harry Potter LARPs. Das Warner da noch nicht kassieren kam, wundert mich etwas. Oder können die sich noch mit Umkostenbeitrag rausreden?

  • Man hätte wirklich etwas kulanter sein können. Tja – sobald mit etwas Kohle zu verdienen ist dann findet sich immer eine clevere Rechtsabteilung welche die Rechte auch mit Vehemenz durchsetzt. Schade…

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