Sonstiges

Geldkiller. Zeitkiller. Internet.

Internet frisst Mareks Zeit auf wie ein PacmanAm Montag hatte die BBC darüber berichtet, welcher astronomische ökonomische Schaden der Wirtschaft in UK durch Twitter, Facebook & Co. entsteht. Demnach kosten Angestellte, die während ihrer Arbeitszeit (privat!) die Seiten Sozialer Netzwerke ansteuern, ihre Arbeitgeber sagenhafte 1.380.000.000 Pfund (~1.527.631.061 Euro) pro Jahr. Befragt wurden offenbar 1.460 Büroangestellte, von denen sich die Hälfte schuldig bekannte, etwa 40 Minuten pro Woche auf Kosten des Chefs zu surfen. Ich weiß nicht genau, was man von einer Studie halten kann, deren Stichprobe so mikroskopisch klein ist (immerhin hat das Vereinigte Königreich etwa 60.587.000 Einwohner), die mit so vagen Bezeichnungen wie „Büroangestellte“ hantiert und die nicht offenlegt, auf welcher Basis die Zahlen gewonnen wurden.

Spielt aber auch kein Rolle. Die Studie hat mich nämlich nur dazu angeregt, einer anderen Frage nachzugehen, nämlich dieser: Wie viel Zeit verbrenne ich pro Tag durch die unnütze Verwendung des Internets? Ich hab’s bei mir noch nicht nachgemessen, ich komme aber bestimmt auf eine Stunde pro Tag – exklusive meiner Arbeitszeit natürlich! Ich versuche mal zusammenzufassen:

– E-Mail-Checken: Ich habe auf meinen PC (oder PC’s oder PCs?) Messenger installiert, die mich über die Eingänge neuer Mails informieren. Trotzdem logge ich mich noch immer viel zu häufig händisch ein, um zu kontrollieren, ob die Messenger auch wirklich akurat arbeiten. Dann checke ich noch den Spam-Ordner, könnte ja was Wichtiges drin sein – obwohl ich unter Umständern erst am Vortag dort nachgeguckt habe (Selbstzerstörung-Modus ist auf eine Woche gesetzt!)

– Ich kann meine Mails auch über das Handy abrufen. Das tue das auch oft. Eigentlich ist dies aber nicht nötig, da ich sowohl die Push-Funktion aktiviert habe, als auch das automatische Laden nach 15 Minuten (wo „Push“ nicht funktioniert). Und wenn ich nach Hause komme…siehe oben.

– Wenn ich für meine Promotion online recherchiere, steuere ich dann und wann auch mal Wikipedia an. Ziehe ich die reine Lesezeit ab, die ich für das Entnehmen der für mich wichtigen Information benötige, bleiben ungefähr noch 30-40 Prozent der Zeit über, die ich damit verbringe, Hyperlinks zu folgen. Aus Neugierde. Ohne echten Bezug zu meiner Ausgangsfrage. Bei Wikipedia ist dieses Verhalten am schlimmsten, kommt aber auch auf anderen Seiten vor.

– Stichwort: Online-Banking. Es gab Zeiten, in denen der Schuh stärker kniff als heutzutage. Die Folge war ein recht frequentes Ansteuern meines Bank-Accounts. Selbst nach Ladenschluss. Könnte ja sein, dass die Überweisung irgendwo hängengeblieben ist und verspätet noch auf meinem Konto eintrifft. Nicht ein einziges Mal passiert, aber ich glaube an Ausnahmen. Und außerdem bin ich ein Gewohnheitstier, komme aber langsam von dieser Gewohnheit weg. Langsam.

– Ich parke Domains bei Sedo. Jedes Mal, wenn sich jemand für eine meiner Domains interessiert, bekomme ich per Mail eine Benachrichtigung. Das hält mich aber nicht davon ab, meinem Account trotzdem häufiger als nötig einen Besuch abzustatten. Und wenn ich schon mal da bin, gucke ich mir auch noch die Besucherstatistiken an. Zweckfreie Handlung, aber sie beruhigt mein Gewissen, indem sie mir vorgaukelt, ich hätte mich nicht umsonst angemeldet. Dass ich durch diese Handlung noch mehr Zeit als überhaupt nötig verbrenne… Schweigen.

– Ich hatte mal ein Blog, beziehungsweise habe es immer noch. Und weil dem so ist, gucke ich manchmal nach, ob mir vielleicht jemand doch noch einen Kommentar hinterlassen hat. Der müsste sich dann aber im Spam-Ordner befinden, denn über alle anderen Kommentare werde ich per Mail benachrichtigt. Und wenn ich schon mal da bin, noch schnell die Statistik gecheckt.

Puh, was noch? Ach ja:

– So wie andere vor dem Fernseher entspannen können, kann ich das beim Surfen. Twitter-Beiträge scannen, zum wiederholten Mal Online-Nachrichtenportale ansteuern (könnte sich ja etwas Spektukuläres ereignet haben, in der letzten Stunde), alte Mails löschen. Zum Glück spiele ich so gut wie nie Online-Spiele, denn da packt mich immer der Ergeiz und die Zeit-Verschwendungs-Uhr läuft und läuft. Und Mitglied bei Sozialen Netzwerken bin ich auch nicht, vielleicht aus un- oder unterbewusstem Selbstschutz.

Ich denke, das war’s. Wie viel Zeit ich meines – wie ich finde: wertvollen – Lebens mit wertlosen Internettätigkeiten verschwende? Ich weiß es nicht genau. Zu viel, das ist sicher. Werde es mal messen und in den nächsten Tagen posten. Und jetzt die Hosen runter und raus mit der Sprache: Wie viel Zeit geht bei euch drauf?

(Marek Hoffmann / Bild: Pixelio – Fotograf: Viktor Mildenberger)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

37 Kommentare

  • Nun so streng darf man das auch nicht auslegen. Denn viele der auf den ersten Blick als Zeitfresser eingestuften Tätigkeiten bringen einen auf neue Ideen, bzw wenn man eh viel online tätig ist, verschmilst das. Aber das Statistiken nachschaun etc. ob nun die Blogstatistik oder adsense kann schon Zeitraubend sein. Da sollte man sich vielleicht eine effektive Routine für solche Tätigkeiten zulegen.

  • Passend dazu gibt es eine Studie aus Australien, die besagt, dass…
    People who do surf the Internet for fun at work – within a reasonable limit of less than 20% of their total time in the office – are more productive by about 9% than those who don’t.

    Vgl.: http://ow.ly/x2rI

  • Der Mensch kann nicht acht Stunden am Stück produktiv sein, man geht eine Rauchen, hält büroklatsch auf dem Flur und holt sich ´nen Kaffee.
    Ist normal und menschlich und sofern es keine eindeutigen, innerbetrieblichen Regelungen gibt, ist das private Surfen woh auch da einzuordnen. Was nicht ausschliesst, das es Menschen geben, die es übertreiben, aber die gibt es unter den Rauchern, Kaffeetrinkern und Klatschtanten auch. Das ist Augenmaß und Eigenverantwortung des Einzelnen gefragt, um das Vertrauen von Chef´s nicht zu verspielen und so indirekt die Einführung von mehr Kontrolle zu rechtfertigen.

  • Eigentlich kann man ja nur während der Arbeit surfen, wenn man nicht genug zu tun hat? Und ob man dann ’ne Zeitung liest oder im Internet surft ist ja kein riesen Unterschied …

    Ausserdem werden viele Leute sich ja auch auf e-commerce Seiten tummeln und helfen so der Wirtschaft (Abends hätten sie vielleicht keine Zeit dafür oder machen lieber was anderes?) …

  • Über das Internet hat man auch mal gesagt, dass es ein Geld und Zeitkiller ist. Doch wieviele Arbeitsplätze durch das Netz neu entstanden sind hat keiner vorausgesehen.

  • Hi,

    wieviel Prozent mehr an Produktivität wird eigentlich von einem motivierten Mitarbeiter gegenüber einem demotiviertem Mitarbeiter geschaffen? Bei solchen Studien wird offenbar immer unterstellt, dass sämtliche im Internet surfende Mitarbeiter keine Eigenverantwortung besitzen, und entweder den Umsatz massiv steigern oder surfen. Aber dass man vielleicht mit ein wenig Ablenkung in Leerlaufzeiten (die es in jedem Bürojob ab und an gibt) im Endeffekt qualitativ höherwertige Arbeit abliefern kann, bleibt offenbar unberücksichtigt.

  • don tapscot sagt dazu: „Leute, ihr habts nicht kapiert.“

    Sich in Social Media zu bewegen, zu chatten, skypen, youtube videos gucken ect. bringt enormes know-how. Der tägliche Umgang mit gleichzeitig mehreren Medien schult, die Gewinnung von Informationen, Die präsenz in den Medien ist für die Zukunft einfach wichtig.

    Wenn ein Mitarbeiter bei Twitter ein Problem schildert und sein Provider erhält die Meldung, schickt ihm einen Meldung mit einem Link zur Problemlösung zurück, so ist das nicht Zufall, sondern z.B. ein Ergebnis der Zusammenarbeit von Salesforce.com und Dell. Man ruft nicht mehr nur bei der Hotline an, sondern twittert sein Problem. Der Provider twittert ebenfalls.

    Das ist die Zukunft. Ständige Präsenz medienübergreifend. Und dafür brauchts Mitarbeiter, die die Kompetenz haben, solche Ideen umzusetzen und sich darin sicher bewegen zu können.

    Die Zeiten schwinden, wo man zur arbeit geht um zu machen, was einem angetragen wird und man zu hause seinen Spass hat. Privatleben und Arbeitsleben vermischen sich. Und so ist es nur konsequent, dass man während der vermeintlichen Arbeitszeit auch sein Facebook im Hintergrund laufen hat.

  • @ Satyasingh: Du hast den Kniep-Augen-Smiley am Ende deines Posts vergessen. 😉

    @ Hendrik: Könnte man ja fast schon als boshafte Behauptung aufnehmen. 😉

  • Wenn man auf der Suche nach Zeitkillern, da findet man in fast allen Tätigkeiten sowas, bis auf die „echte“ Arbeitszeit natürlich. Nun das entkommt man der eigentlichen Frage, wie man die Arbeitszeit gestaltet

  • Nach der Parkinsonschen Formel braucht der Mensch so viel Zeit für eine Arbeit, wie ihm dafür zur Verfügung steht.

    Wenn ich mir für einen Artikel eine Stunde gebe und ihn in dieser Zeit fertigstelle, sehe ich eine weitere Stunde Surf- und Recherchezeit nicht als „Zeitverschwendung“ an – es entspannt mich, bringt mich auf neue Ideen und lässt meinem Unterbewusstsein Zeit, die Neuronen neu zu strukturieren. Ingesamt kommt es also meiner Produktivität, meinem Wohlbefinden und damit allen, mit denen ich zu tun habe, zugute.

    Eine rein mathematische Betrachtung ist m.E. der falsche Ansatz, den diese „Studien“ anlegen. Vielleicht ist ja auch die gesamte Studie eine Zeitverschwendung?

  • @ Joerg: Yepp – Routine-Kreativ-Abteilung arbeitet auf vollen Touren und wird hoffentlich bald mit eiiner Lösung aufwarten können. 😉

    @ Anonymous & Diltigug: Wird wohl so sein. Problem ist aber allseits bekannt, dass viele Menschen die ganze Hand nehmen, wenn man ihnen den kleinen Finger bietet. Habe mal für ein Firma gearbeitet, bei der die Raucherfraktion so lange geraucht hat, wie sie gearbeitet hat- Oder anders herum – ganz wie man es sehen will. Ging den Nicht-Rauchern natürlich schwer auf den Senkel, da den Rauchern vom Chef die Pausen zugestanden wurden, dies aber natürlich stark aus dem ruder lief. Zumal man immer gemeinsam rauchen gegangen ist. Da kam es schon mal vor, dass einer keine 10 Minuten wieder im Büro war – und schwupps war es mit der Gruppe wieder draußen. Ausnahmen? Wahrscheinlich. Aber die bestätigen ja die Regel.
    @Andi: Danke.
    @ Markus: Überlege noch, ob du das ernst gemeint haben könntest… 😉
    @ Tom: Wie wahr!
    @ Carsten: Ich kann dir nicht ganz folgen. Zum einen frage ich mich, ob du statt steigern vielleicht senken gemeint haben könntest („entweder den Umsatz massiv steigern oder surfen.“) Zum anderen frage ich mich, ob sich ein Mitarbeiter durch das Surfen tatsächlich selbst motiviert. Ansonsten gebe ich dir Recht: Motivierte Arbeiter sind mit Sicherheit zu bevorzugen und brauchen ihre kleinen Inseln (siehe Google).
    @ Klaus-Peter: Recht hast du! Und bei einem verwaisten Blog sogar noch seltener. Aber ich bin ein Opfer meiner Gewohnheit, zumindest noch.
    @ Peter: Yepp.

  • Geiles Gerät!
    Ich nutze schon seit nem halben Jahr das ganz einfache google maps auf meinem Iphone, da ich irgendwie keine Lust hab, jedes Jahr meine Kartenmaterial teuer upzudaten. Ich denk mal die Navihersteller können sich jetzt warm anziehen …

  • @ Sven: Würden wir jetzt telefonieren, würde ich sagen, du bist falsch verbunden. Du wolltest eigentlich mir André über das Navi fürs Android reden, oder? 😉

  • Ich habe Spiegel Online aus meinen Bookmarks entfernt – schafft ca. 30-60 min mehr Zeit täglich. Jetzt müsste man nur noch auf Google Reader mit den täglich über 100, meist unrelevanten IT und Web Nachrichten verzichten.
    Als Alternative schaue ich täglich die Tagesschau, die mir alles wichtige des Tages in 15 Minuten erklärt. Fürs Web kann ich nur http://rivva.de/ empfehlen, da bekommt man das „relevante“ aus dem Web schön zusammengefasst.

  • @ Thomas: Ich habe drei Online-Nachrichten-Portale, die ich täglich ansteuere und habe dafür die Tagesschau rausgekickt. Was die in 15 Minuten bringen, habe ich online in 5 aufgesogen. Hinzu kommt, dass ich sehr gerne rumstöber und mich von Überschriften verlocken lasse.

    @ Oops: Wilfing – geile Sache! Nie zuvor gehört. Was es nicht alles gibt.

  • @Marek: Shit Du hast Recht. Naja, kommt davon wenn man im Internet zu viel gleichzeitig macht. Ich schaffs sofgar 2 BT Posts gleichzeitig zu lesen 😉
    Parallel arbeite ich noch an 5! ernsthaften Projekten gelichzeitig, so in 30 Minuten Scheiben, die ich über den Tag verteile… Da kann man dann schonmal mit dem Tab durcheinaderkommen 🙂

    Um zum Thema zurückzukommen: Ich hab für mich persönlich, um nauch nur einigermassen mit der Inforamtionsflut Internet zurechtzkommen, ff komplett abgeschafft:

    1) TV
    2) Bücher
    3) Zeitschriften, ok bis auf die de:bug ab und zu, wenn die Sonne zu hell fürs Iphone ist 😉
    4) Zeitung, ok bis auf die ZEIT ab und zu

    So schaff ich meinen täflichen Internetmedienkonsum so einigermassen, OHNE dass meine 8h Arbeitszeit drutner leidet

    Substitution von anderen/klassischen Medien halt.

  • @Marek: Schlafen schon, Essen….hmmm, ja ich sollte mal wieder meine Tastatur saubermachen 😉 Aber ich schaffs tatsächlich it 8-9h am Tag alles hinzubekommen. Geht aber auch nur weil ich Freiberufler bin und nicht tagelang in irgendwelchen sinnlosen Meetings sitze 🙂

  • Ich liebe diese kleinen Anekdoten, besonders wenn ich mich darin so wieder finde.

    Du scheinst gar keine Zeit damit zu verbringen anderer Leute Blogbeiträge zu kommentieren?

  • Nur am Rande und (fast) OT: 1460 Befragte sollten nach gängigem Verfahren für eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe im Allgemeinen, und für eine Stichprobe aus der Grundgesamtheit der „im Büro arbeitenden erwachsenen Britten“ vollkommen ausreichen. Um in Deutschland mit 80 Millionen Bürger repräsentativ zu erheben, benötigt man meines Wissen nach auch kein größeres Sample.

    BTW ich bin heute im s.g. „Homeoffice“ :))

  • @ Oliver: Komme momentan kaum dazu, die Kommentare hier zu kommentieren… Aber ich arbeite dran. Ein bisschen Zeit dort abzweigen und schwupps ist ein bisschen Zeit hier da… z.B. zum Kommentieren von anderer Leute Blogeinträgen. 😉

    @ Frank: Ja, Danke! Andi hatte mich auch schon darauf hingewiesen, dass ich einen Kurs in Statistik an der Volkshochschule nötig hätte. 😉

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