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Hope Plus: Obama, Bill und ihr globales Online-Hilfsprojekt

WeltretterWenn der mächtigste Mann der Welt und der immer wieder mal reichste Mann der Welt gemeinsame Sache machen, dann darf man zurecht gespannt sein, was dabei herauskommt. Im Dezember werden US-Präsident Barack Obama und Microsoft-Gründer Bill Gates dieses Geheimnis lüften und der Öffentlichkeit ihr gemeinschaftliches Projekt – „Hope Plus“ – auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen vorstellen.

Bei „Hope Plus“ soll es sich Headstar zufolge um ein globales, mehrsprachiges Web-Portal handeln, das der Menschheit nichts weniger als den Weltfrieden bringen möchte, das es gleichgesinnten Menschen ermöglichen soll, gemeinschaftlich an sozialen Projekten zu arbeiten, wie zum Beispiel dem Aufbau von Schulen, bei Projekten gegen Umweltverschmutzung oder Hilsmaßnahmen für Katastrophenopfer. Der zum Unterfangen gehörige Slogan lautet: “Ein Ort, an dem Menschen NROs treffen, mit ihnen zusammenkommen und in ihnen mitwirken können.“

Geleitet wird das Projekt regierungsunabhängig von PoliticsOnline – dem amerikanischen Beratungsunternehmen, dessen Gründer Phil Noble dem derzeitigen US-Präsidenten schon bei seiner enorm erfolgreichen Internetkampagne beratend zur Seite stand. Noble zufolge hat man sich bei der Idee zu  „Hope Plus“ teilweise am Friedenscorps der Vereinigten Staaten aus den 1960er Jahren orientiert. Damals richtete John F. Kennedy das Corps mit der Absicht ein, Freiwillige für humanitäre Einsätze in Entwicklungsländern zu rekrutieren. „Die Idee war, ein weltweites Online-Friedenscorps zu schaffen – oder ein globales, ’soziales eBay'“, so Noble. Eine weitere Inspirationsquelle sei ein landesweites aber mittlerweile eingestampftes Portal für gemeinnützige Aktivitäten gewesen, das er für die BBC betreut hatte.

„Hope Plus“, das neben Microsoft unter anderem auch von IBM und Cisco unterstützt wird, soll weitestgehend „user-generated“ sein, was bedeutet, dass sowohl der Inhalt als auch die Entwicklung des Portals maßgeblich von den Usern mitbestimmt werden. Darüber hinaus soll es mit der Web 2.0-Technologie ausgestattet werden, die schon Obama in seinem Wahlkampf so erfolgreich eingesetzt hatte. Damit will man sich – in positiver Hinsicht – deutlich von anderen NROs unterscheiden, die alle noch sehr stark im Web 1.0 zu verorten seien, so Noble weiter.

Die Chancen stehen meiner Meinung nach nicht schlecht, dass es „Hope Plus“ schaffen kann, international erfolgreich zu werden. Dies liegt zum einen an Obamas immer noch große Popularität – vor allem im Ausland – und den finanzstarken Partnern an seiner Seite, die zudem das nötige Know-how fürs Web 2.0 mitbringen. Mit Einfluss oder viel Geld ließen sich schon immer Berge versetzen – beides zusammen genommen dürfte dies aber erst recht ermöglichen. Zum anderen bin ich deswegen zuversichtlich, weil das Internet, richtig genutzt, die Möglichkeit eröffnet, Stolpersteine beispielsweise in Form von bürokratischem Hick-Hack viel schneller und einfacher zu meistern. Last but not least werden sich durch „Hope Plus“ auch wieder diejenigen hilfsbereiten Menschen mobilisieren lassen, die nicht nur hierzulande durch unterschiedliche Skandale den Glauben an Hilfswerke verloren haben. Denn so wie es scheint, steht das Projekt nicht zuletzt für ein hohes Maß an Transparenz. Bleibt nur zu hoffen, dass „Hope Plus“ nicht an zu vielen Köchen oder der babylonischen Sprachverwirrung scheitert.  

Und was haltet ihr von dem Projekt?

(Marek Hoffmann / Bild: Pixelio – Fotograf: Dieter Schütz)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

14 Kommentare

  • … nun eine globale Engagementplattform, die inhaltlich völlig offen ist, kann ich in einer globalisierten Welt nur begrüßen. Skeptisch muss ich freilich werden, wenn ich höre, dass ein Staat und mehrere Großunternehmen, die immer ordentlich an Daten interessiert sind, die sie eigentlich nichts angehen, an der Sache beteiligt sind. Wer verwendet den User Generated Content wie und wofür?! Dürfen sich auch regierungs-kritische Organisationen vernetzen oder geht das vielleicht zu weit? Einige Fragen bleiben für mich also offen. Kritisch beäugen werde ich die Sache aber auf jeden Fall.

  • Bill Gates hat bisher alle seine Charity-Projekte und seine Stiftung mit ziemlich viel Herzblut geführt, Obama läßt noch auf die großen Veränderungen warten und es wäre an der Zeit, etwas zu bewegen – und so kann man eigentlich sehr viel erwarten. Bin mal gespannt 🙂

  • @ Oliver: Na jetzt bin ich aber gespannt- wo wohnste denn?

    @ Jan: Wie schon gesagt: Dadurch, dass hinter dem Projekt so große Namen und so viel Geld stecken, wird „Hope Plus“ natürlich ein ganz anderes Standing haben als z.B. betterplace.org. Ich erwarte, dass sich zuvor verschlossene Türen wie von selbst öffnen werden, viel Prominenz versuchen wird, das Projekt aus PR-Gründen zu unterstützen, bürokratische und politische Hürden leichter überwunden werden können etc. Ich denke auch eher, dass man in dem Bereich kooperiert, als sich gegenseitig aufkauft oder aussticht. Alles andere wäre auch irgendwie an der Idee vorbei gearbeitet. 😉

    @ Hannes: Ein Staat ist meines Wissens an dem Projekt nicht beteiligt. Geleitet wird das Projekt regierungsunabhängig von PoliticsOnline (s.o.). Darüber hinaus weiß ich aber nicht, inwiefern die projektunterstützenden Unternehmen Einfluss auf die Geschäftsführung von „Hope Plus“ haben und inwieweit sie Einsicht in die (User)Daten haben. Müsste ich noch mal recherchieren…

    @ Trier-Er: Das waren auch meine ersten Gedanken. 🙂

  • Ich habe ja nun auch in keiner Weise recherchiert. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass ich mir Schwierigkeiten aus dieser Richtung vorstellen kann. Und ich finde die Frage, ob nun auch Protestengagement gemeint oder nicht, nicht unbedingt unberechgigt…

  • Bin da eher skeptisch. Vor allem weil es bereits zig Netzwerke dieser Art gibt. Die Ressourcen und Popularität der Akteure sollten lieber in die Weiterentwicklung bereits gewachsener Strukturen investiert werden. (was nicht heißen soll dass ich dem Projekt keine Zukunft gönne)

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