Googles Millionen-Spende an Wikipedia: Bestechung oder gute Absicht?

Marek Hoffmann

Da dürften sich die Verantwortlichen bei der Wikimedia Foundation aber gefreut haben: Um den ewig klammen Betreibern der Online-Enzyklopädie Wikipedia helfend unter die Arme zu greifen, hat Google nämlich in seine Portokasse gegriffen und zwei Millionen Dollar rausgeholt. Das hat Jimmy Wales per Tweet verkündet und auch eine Stellungnahme für heute angekündigt. 

Bis dahin bleibt genügend Zeit und Raum, um über Googles Motivation für die Spende zu spekulieren. Sollte es eine andere als Großzügigkeit sein, wird sie vermutlich ohnehin nicht in der Presseerklärung auftauchen. Natürlich besteht diese Möglichkeit, immerhin hat das Unternehmen aus Mountain View sich bereits in der Vergangenheit oft sehr generös gezeigt, etwa bei der humanitären Hilfe für Haiti, dem Gratis-WLAN auf US-Flüghäfen zu Weihnachten oder der Geld-Spende für die Stadt The Dallas. Zumindest in den beiden letzten Beispielen wäre aber Schelm, wer Google nicht nur Uneigennützigkeit unterstellen würde. Ich bin aber gern ein Schelm…

Kooperation beim Bewegtbild?

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Vor einigen Tagen habe ich darüber geschrieben, dass Wikipedia mittelfristig gerne seine Server für mehr Video-Beiträge aufrüsten würde. Möchte Google dieses Unterfangen möglicherweise vorantreiben, um dann auf der Online-Enzyklopädie viele Bewegtbild-Beiträge von der hauseigenen Video-Plattform YouTube wiederzufinden? Gegebenenfalls auf diese Weise sogar Traffic von Wikipedia auf YouTube umleiten? Woher sollten die Videos auf Wikipedia sonst stammen, wenn nicht von YouTube-Usern? Aus Fernseharchiven, von anderen Plattformen, selbst gedreht? Gegen diese Vorstellung spricht aber vor allem ein Grund: das Urheberrecht. Wikipedia wird keine Videos akzeptieren, bei denen das Urheberrecht nicht eindeutig geklärt ist. Damit fällt schon eine ganze Menge an YouTube-Material durchs Raster. Zudem könnte der Umstand, dass Wikipedia das hochgeladene Bild- und Film-Material bisher immer selbst verwaltet hat, gegen diese Idee sprechen.

Geld für ein besseres Image

Ein anderer Grund könnte Image-Politur sein. Zugegebenermaßen hat das Unternehmen durch den Rückzug aus China positives Feedback erhalten. Aber dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Google in letzter Zeit häufig negativer Kritik ausgesetzt war und immernoch ist – jüngstes Beispiel sind Datenschutzbeanstandungen an Googles „Buzz“, ältere Beispiele sind Google „Books“ oder „Street View„. Wie Turi2 gerade berichtet, möchte der Suchriese sich bezüglich seines Straßendienstes offenbar endlich mit der Politik einigen und wird daher den Dienst am 23. Februar in Berlin auf einer Infoveranstaltung vorstellen. Durchaus denkbar, dass dies zusammen mit dem allerersten Fernseh-Werbespot des Unternehmens und der Spende an die Wikimedia Foundation Teil einer Kampagne ist, mit der sich Google der Öffentlichkeit von seiner Schokoladenseite präsentieren möchte.

Bye-bye Knol?

Denkbar ist auch, dass Google seinen eigenen „Wikipedia-Killer“ Knol bald einmottet und daher nun Jimmy Wales‘ Plattform als Zentrum des Wissens im Internet umschmeichelt. Und warum? Beispielsweise, weil die Online-Enzyklopädie ein guter Content-Lieferant ist. Immerhin stehen bei vielen Suchanfragen die Erklärungen der Wikipedia als Ergebnisse an erster Stelle – und reichen vielen Usern aus, so dass die Wikipedia-Seite gar nicht mehr aufgerufen wird. Und bevor jemand anfängt, darüber zu meckern, wie etwa bei den News-Machern, erstickt Google mit zwei Millionen grünen Scheinchen jeden Gedanken an einen solchen Aufstand im Keim.

Oder sind am Ende Eric Schmidt, Sergei Brin und Larry Page doch nur Gutmenschen. Ich bezweifle es – und ihr?

(Marek Hoffmann)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.