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Amazon rüstet auf: Kindle soll besseren Browser erhalten

Es gibt wieder Gerüchte aus Cupertino. Bevor aber die Apple-Verachter unter euch zu den Körben mit dem virtuellen Matsch-Obst laufen, um es als Wurfgeschoss in Richtung meines Kopfes zu schleudern: Haltet ein, Freunde. Es handelt sich dieses Mal nämlich um ein anderes, in dieser Gegend von Kalifornien ansäßiges Unternehmen, nämlich Amazon. Um ganz genau zu sein um Lab126, ein Tochterunternehmen des Social-Commerce-Versandhauses. Und aus der Schmiede dieses eigenen Angaben zufolge „innovativen Konsumenten-orientierten Startups“, das „einfach zu bedienende, hochintegrierte (was auch immer das heißen mag) Konsumartikel designed und entwickelt“, um damit Amazons Kunden zufrieden zu stellen, stammt…: der Kindle. 

So doll zufrieden scheint man bei Lab126 nun aber offenbar nicht mehr mit dem E-Reader zu sein. Zumindest wurde an mindestens einer Stelle Verbesserungspotential oder -bedarf erkannt. Gut möglich, dass das Konkurrenzprodukts des nur knapp eine Meile (drei Minuten Auto-Fahrtzeit) entfernten Rivalen hier ein wenig stärker zur Einsicht beigetragen hat, als es die User bisher geschafft haben. Jedenfalls sucht Lab126 per Inserat (das schon seit längerem existiert, auf das die Kollegen von Webmonkey aber erst jetzt durch einen Tweet aufmerksam geworden sind) nach tatkräftiger Unterstützung für das Web-Browser-Team.

Die Stellenbeschreibung enthält neben dem üblichen Gepläkel über das tolle Team und die geforderten Wesenszüge (Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität) folgende aufschlussreiche Details:

  • Design und Implementierung neuer Features im Browser
  • Unterstützung und Pflege der bereits auf dem Browser vorhandenen Implementierungen
  • Beschreibung technischer Anforderungen und Software-Design-Spezifikationen sowie Erstellung anderer Arten von Dokumentationen
  • Zudem werden als Voraussetzung für den Job neben einem Bachelor in Informatik vor allem Erfahrung mit den aktuellen Web-Standards und Rendermaschinen verlangt. Hinzu kommen eine langjährige Erfahrung in Java-Programmierung sowie Linux-Kenntnisse. Dies dürften ausreichend Hinweise darauf sein, dass Amazon seinem E-Reader ein kleines Pimping im Bereich Browser verpassen möchte – die dieser auch bitternötig hat. Für den ursprünglichen Zweck – das Lesen von Texten im Zeitungs- oder Bücherstil – mag er nämlich völlig ausreichend sein. Wenn es aber um die Darstellung von Bildern oder anspruchsvolleren Websites geht, hinkt der E-Reader sogar hinter so manch älterem Smartphones hinterher. Ganz zu Schweigen vom iPad.

    Nun stellt sich mir und vielleicht auch einigen von euch die Frage, was Amazon mit diesem kosmetischen Eingriff eigentlich für ein Ziel verfolgt? Klar dürfte sein, dass man sich trotz der vielen Makel, die das Apple-Produkt hat, nicht mit diesem auf Augenhöhe wird messen können. Denn das iPad kann im Grunde alles, was der Kindle kann, dies gilt aber bei weitem nicht auch umgekehrt. Geht es also um Schadensbegrenzung, eine Präventivmaßnahme, damit die eigenen Kunden nicht zur Konkurrenz überlaufen, wenn sie das iPad auf den Markt bringt?

    Eine abschließende Antwort darauf habe ich nicht parat. Vielleicht schätze ich die Lage auch völlig falsch ein, wenn ich die Zukunft des Kindle so düster darstelle. Möglicherweise reagiert Amazon auch nur auf das Feedback seiner Kunden, die sich von Anbeginn einen besseren Browser gewünscht haben. Gerne könnt ihr mir euere Einschätzung hierzu in den Kommentaren posten. Sollte dies aber nicht der Fall sein und man rüstet sich für den bevorstehenden Kampf mit dem iPad, dann ist es sinnvoll, mit der Arbeit am größten Manko zu beginnen – dem Browser eben. Sind die Kunden nämlich in dieser Hinsicht erstmal besänftigt und halten Amazon die Stange, können weitere Veränderungen sukzessive vorgenommen werden.

    (Marek Hoffmann)

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    Über den Autor

    Marek Hoffmann

    Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

    8 Kommentare

    • „Social Commerce Versandhaus“?

      Ist jetzt alles „social“? Ist das der neue Hype, alles „social“ zu nennen? Commerical ja, social schon mal gar nicht.

      Ich bestelle seit 1999 bei Amazon. Dieses „Hype“-Wort Social lese ich hier das erste mal. Da kann man ja nur mit dem Kopf schütteln.

      Ist T-Mobile für euch auch etwa ein „Social Telecom Company“? Die Post ein „Social Logistic Service“? Marlboro ein „Social Luxury Company“? Tzz.

    • „Bevor aber die Apple-Verachter unter euch zu den Körben mit dem virtuellen Matsch-Obst laufen, um es als Wurfgeschoss in Richtung meines Kopfes zu schleudern“ 😀

      Einfach herrlich, solche Jokes macht BasicThinking aus wenn Ihr mich fragt!
      Da
      You made my Day…

      Aber social versteh ich bei Amazon jetzt auch nicht…?

    • HI

      der Google-Maps-Link tut nicht, da fehlen einfach sämtliche Informationen über die anzuzeigende Wegstrecke… 🙂

      Sebastian

    • @Social Hype: Wow. Hätte ich auch nur im Entferntesten geahnt, dass das Wörtchen „Social“ so einen Anfall bei dir auslöst, hätte ich mir bestimmt ein anderes Synonym für Amazon gesucht. 🙂 Da ich deine Aversion nun aber kenne, noch ein guter Rat von mir: Such nicht bei Wikipedia nach Amazon. Dort benutzen sie das Wort nämlich auch in dem Zusammenhang. Soll wohl Empfehlungshandel bedeuten. 🙂

      @Conic; 😉

      @Sebastian: Hab’s gefixt. Danke! 🙂

    • Sorry, aber wieso erwähnt ihr so selten das E-Ink-Display? Das iPad ist übrigens auch nichts anderes als ein stinknormales ebook ohne tastatur, mit touchdisplay und mickrigem OS. Herrje, ihr blast apple wirklich viel lob in den hintern.

    • EI-Pad hier, EI-Pad da….
      Komisch, dabei hat´s noch keiner von Euch in der Hand gehabt, oder…? ts ts ts :o)

      Das Ei-Pad ist nicht mehr als ein Notebook im Taschenformat mit Touchscreen als Tastaturersetz. Aber max. 10 Stunden Akkulaufzeit, fehlende Flash
      Unterstützung sowie Standard 4:3 Format sind nicht gerade hervorstechende Inovationen.

      Das Ei-Pad ist keine Konkurrenz für den Kindle von Amazon. Aber das liegt weniger an aufhellendem Apfellogo und Apps!

      Der Kindle ist ein E-Reader (elektronischer Leser!!!), bei dessen Entwicklung das Hauptaugenmerk auf Lesbarkeit, Handling und Akkulaufzeit lag. Also mit 2 Wochen Standby Leistung und mehreren Tagen Benutzung ohne Ladung ist es nahezu konkurrenzlos!

      Ich möchte dem Schreiber des Artikels mal unterstellen, dass er sich m it der Thematik nicht wirklich auseinandergesetzt hat, aber interessant ist dennoch, dass Amazon noch was am Browser-Erlebnis tun will. Verständlich, denn geplant ist ja, dass E-Books aus einem Amazonshop heraus direkt in den Kindle geladen werden können…

    • Es wundert mich tatsächlich, dass dieses Feature so spät kommt. Es war eine ziemlich offensichtliche Sache, dass Apple auf das iPad-Pferd setzen würde und Amazon hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine breite Kindle-User-Basis (zumindest in den USA). Doch statt diese Gelegenheit zu nutzen und die Vorrteiterrolle einzunehmen wurden schlechte Marketingstrategien über die Innovation gestellt und Apple der einfache Weg zum Ziel frei gemacht.

      Mal abwarten was mit diesem Fehlstart jetzt noch aufzuholen ist und wie gut die Umsetzung auf dem Kindle am Ende sein wird.

    • @Anonymous: Was du ueber das iPad sagst, duerfte wohl so aehnlich und mit den noetigen Abaenderungen auch fuer das iPhone (im Vergleich mit anderen Smartphones) gelten. Und wie erfolreich das ist, weisst du ja selbst. 😉
      Bzgl. E-Ink gebe ich dir Recht, es hat eindeutige Vorteile. Gleichzeitig aber auch den Nachteil, dass es nur Graustufen darstellen kann – zumindest gilt das fuer den Kindle. Den Browser anzupassen, dabei aber den E-Ink beizubehalten, erscheint insofern in meinen Augen nur sinnvoll, wenn man ihn – wie bei LG oder Sony – mit Farbe aufmotzt.
      Im Uebrigen stehe ich Apple durchaus kritisch gegenueber und halte von analorientierten Zuckerspielchen nicht viel. 😉

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