Hoffen auf Apples Segen: Amazon stellt App für iPad vor

André Vatter

Samstag in einer Woche ist es soweit und Apple bringt das iPad in die Läden – zumindest laut Ankündigung. Bis zur Stunde finde ich im deutschen Apple Online-Store keine Vorbestellmöglichkeit, lediglich einen Benachrichtigungsdienst wird angeboten. Dennoch geht es schon heiß her…

Wie erwartet, hat Amazon gerade seine Bücher-App vorgestellt. Laut der „New York Times“ erlaubt es die Anwendung den Lesern, Seiten per Touchscreen langsam zu wenden. Die gesamte Büchersammlung wird übersichtlich dargestellt (siehe Bild links), im Hintergrund lehnt eine sitzende Figur gegen einen Baum, die Sonne darüber variiert je nach Uhrzeit. „Wir haben wirklich ein Tablet-fähiges Interface entwickelt, das den Haupt-Screen neu darstellt und die Leseerfahrung verbessert“, teilte Ian Freed der Zeitung mit. Er ist Vize-Präsident der Kindle-Abteilung. „Unser Team hatte einigen Spaß damit.“ Über die App sollen Kunden die Möglichkeit erhalten, Bücher direkt aus der Anwendung heraus im Amazon Store zu kaufen.

Und genau hier liegt das Problem. Amazon hat die App in dem Glauben entwickelt, dass Apple sie ohne großen Widerstand durchwinken wird. Seit heute ist es möglich, Anwendungen für das iPad einzureichen, damit diese (zumindest theoretisch) pünktlich zum 3. April bereitstehen. Wer aber Apples Store-Politik den iPhone-Entwicklern gegenüber in den vergangenen Monate beobachtet hat, weiß, dass es hier nervenzerreibenden Verzögerungen kommen kann – oder aber auch zu einem schlichen „Nein!“ seitens Apple. Gründe dafür werden nur selten genannt, mal seien Programmierfehler ausschlaggebend, mal Jugendschutzbedenken, meistens aber handelt es sich um den Vorwurf eines „duplizierenden Features„. Dahinter steckt die Apple-Regel, nach der keine App auf das iPhone kommen darf, die mit den nativen Anwendungen konkurriert. Diese Begründung wurde auch genannt, als Google Einlass für die die VoIP-App Voice erbat. Wie sieht es also nun bei einem digitalen Bücherladen aus?

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Bei dem iPhone hat sich diese Frage nicht gestellt, erst das iPad wird mit iBooks, Apples eignem digitalen Buchladen, ausgeliefert. Wenn Apple der Amazon-App grünes Licht gibt, wird damit der Konkurrenz Tor und Tür geöffnet – und Amazon hat das wesentlich größere Angebot an digitaler Lektüre. Apple verdient zwar Provisionen bei den In-App-Verkäufen mit, dennoch dürfte Cupertino bereits seit längerem an einer Strategie feilen, wie mit dem Wettbewerb auf der eigenen Plattform umzugehen ist. In ein, zwei Wochen wird sich zeigen, ob sie Amazon Steine in den Weg legen oder nicht. Dasselbe gilt für den zweiten Wettbewerber Barnes & Noble – auch dieser Buchhändler hat vergangenen Woche eine eigene App für das Tablet vorgestellt.

Noch ein interessantes Nebendetail: Bei der Recherche habe ich gerade die Feature-Listen für das iPad auf der deutschen und US-amerikanischen Apple-Seite miteinander verglichen. Auf Apple.de wird kein Wort über iBooks verloren: kein Link, kein Text, keine Bilder. Auf der US-Präsenz gibt es eine umfangreiche Hintergrundseite zu der Funktion. Deshalb habe ich gerade in München angerufen, wo Apple seine deutsche Niederlassung unterhält:

André: „Hallo, eine kurze Frage. Beim Vergleich der beiden Seiten fiel mir auf, dass iBooks in Deutschland nicht als Feature auftaucht. Kommt das iPad hierzulande ohne Buchladen?“

Apple-PR: „iBooks wird auch in Deutschland kommen.“

André: „Warum wird es dann nicht dementsprechend beworben? Sind vielleicht zum Start noch nicht genügend Verla…“

Apple-PR: „iBooks wird auch in Deutschland kommen.“

André: „Ich danke Ihnen für die Information.“

(André Vatter / Bild: Engadget)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.