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Musikindustrie: Physische Datenträger bleiben auch künftig das Medium Nummer eins

So, nach der Kleckerinfo vom Wochenanfang zum boomenden Online-Versandhandel (!) legt der Bundesverband Musikindustrie nun noch einmal mit konkreten Verkaufszahlen nach. Auf einen Nenner gebracht? „Joah, lief schon mal besser.“

In der Mitteilung wird Wert darauf gelegt, dass das Jahr 2009 als „Krisenjahr“ verstanden wird, in dem man sich „gut behauptet“ habe. Im vergangenen Jahr konnte die Musikindustrie einen Gesamtumsatz in Höhe von 1,803 Milliarden Euro verzeichnen. 2008 waren es noch 1,842 Milliarden Euro, also rund 2,1 Prozent mehr. Dazu sollte noch erwähnt werden, dass in die Statistik zum ersten Mal die Einnahmen aus Leistungsschutzrechten sowie den neuen Erlösquellen wie Merchandise, Künstlermanagement und Lizenzeinnahmen mit eingeflossen sind. Das eigentliche Minus dürfte also ein wenig größer sein.

Wie erwartet, ist der Umsatz mit dem reinen Musikverkauf zurückgegangen und zwar um minus 3,3 Prozent auf 1,530 Milliarden Euro. Das halbwegs stabile Ergebnis verdankt die Musikindustrie nach wie vor dem physischen Datenträger Compact Disc. Nach Informationen des Verbandes macht das Geschäft mit CDs und DVDs noch immer 90 Prozent des Gesamtumsatzes in dem Sektor aus. Noch einmal: 90 Prozent! 2009 war übrigens auch das Jahr, in dem der Verkauf von Langspielplatten erstmal wieder die Millionenmarke knackte. Erkläre mir mal jemand diese Entwicklung. Ich meine, die Musikindustrie braucht offenbar in nächster Zeit keine kreativen Vertriebskonzepte für das Internet – weil offenbar nur ein überschaubarer Bedarf besteht.

Im O-Ton des BVMI-Geschäftsführers Stefan Michalk klingt das dann so: „Die deutschen Musikfirmen haben erfolgreich in die digitale Zukunft investiert, ohne den physischen Markt zu vernachlässigen.“ Dabei ist der Umsatz mit Musikdownloads 2009 ordentlich in die Höhe geschossen, um genau zu sein um 34,6 Prozent von 87,9 Millionen auf 118,3 Millionen Euro. Der Verband zeigte sich einigermaßen überrascht darüber, dass Online-Käufer offenbar nicht – wie überall vermutet – in der Single-Abteilung suchen, sondern gerne auch ganze Alben (Bundles) kaufen.

Allgemein gesehen versuchen sich die Musikfirmen neben dem Kerngeschäft ein zweites Standbein aufzubauen: Merchandise, Künstlermanagement, Brand-Partnership, Pauschalvergütungen – dieses Beiwerk des Entertainment-Business holte bereits sechs Prozent des Gesamtumsatzes herein. Künftig soll diese Zahl weiter steigen.

(André Vatter)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

12 Kommentare

  • Ja gut… Natürlich ist trotzdem zu sehen, dass Online Verkäufe steigen, während die Gesamtzahlen fallen. Ich hoffe, dass die Plattenfirmen diese Studie jetzt nicht zum Anlass nehmen, beim Online Musikhandel nachzulassen.
    Ich kaufe nämlich seit ein paar Jahren meine Musik fast zu 100% in digitaler Form. Und es ist einfach eine tolle Sache.

  • @paulthecook

    Damit scheinst du aber in der Minderheit zu sein. Was auch verständlich ist.
    Die einen haben DRM, die anderen wiederum nicht. Dann gibt es auch noch lange alle Bands in digitaler Form, andere sind wiederum schlichtweg zu teuer etc.
    Selbst Itunes wird „kaum“ genutzt um Musik in digitaler Form zu kaufen. Zumindest konnte ich dies in meinem Freundeskreis beobachten. Zu umständlich 🙂
    Einmal wollte ich mit meinem altem Nokia über den Ovistore Musik kaufen … mit dem Ergebnis, dass es in Luxemburg nicht möglich war. Bei Amazon dasselbe, auch da funktioniert der MP3 Laden nicht…

  • Interessante Zahlen. Hoffentlich zieht die Industrie nicht wieder die falschen Schlüsse daraus.

    Natürlich gibt es immer die Sammler die etwas im Schrank stehen haben wollen und/oder was zum Anfassen brauchen.
    Zudem hat die CD eine bessere Qualität als die mp3.
    Auch das DRM darf man nicht vergessen. Das ist mit einer CD einfacher.

    Solange das Produkt „Digitale Musik“ nicht die Form hat, die der Kunde erwartet, wird er weiterhin CDs kaufen oder illegal mp3s laden.

  • Es mag vielleicht altmodisch klingen aber das haptische Erlebnis einer CD ist nicht zu unterschätzen;
    man hat noch etwas in den Händen (und kann das ja auch wie bereits kommentiert wurde OHNE Probleme auf mehrere PC’s überspielen),
    und nicht nur eine virtuelle elektronische Kopie…

    Diese Vorteile bewegen mich auch dazu, die CD-Variante selbst dann noch vorzuziehen, wenn sie 4€ teurer ist… 😉

  • […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Basic Thinking, André C. Vatter, Herr MaschinenMensch, Tobias Abeling, Alexander Felde und anderen erwähnt. Alexander Felde sagte: Musikindustrie: Physische Datenträger bleiben auch künftig das Medium Nummer eins: So, nach der Kleckerinfo vom Wo… http://bit.ly/9RLsFX […]

  • „Physische Datenträger bleiben auch künftig das Medium Nummer eins“

    Was ist denn ein NICHT-physischer Datenträger?

  • Hi,

    wenn ich mal ein einzelnes Lied haben möchte, logge ich mich kurz im iTunes- Store ein und klicke auf „bestellen“. Was ist daran umständlich? Und wenn ich mal wieder ein ganzes Album kaufen möchte, kauf ich mir eine CD. Ich denke auch nicht, dass die CD verschwinden wird, denn gerade als Musikliebhaber hat man auch gerne eine CD im Schrank. Genauso wird das wahrscheinlich mit Büchern sein.

  • Also ich für meinen Teil habe schon seit vielen jahren keine CD mehr gekauft. Für mich ist der Online-Kauf viel praktischer, ich sehe für mich keinen Grund noch zu einem „Physischen Datenträger“ zu greifen.

  • Ich bin wirklich hoch erstaunt, dass der CD-Verkauf immer noch satte 90 Prozent des Umsatzes ausmacht. Dies zeigt deutlich, dass iTunes & Co. ganz sicher nicht die Rettung der Musikindustrie sind – zumindest noch nicht. Merchandising mag hingegen ein stärkeres Wachstumsfeld sein.

    Freilich ist die Haptik einer CD lange nicht durch eine MP3 zu lösen. Aber ich glaube, dass der BVMI die Lage falsch darstellt. Die Zahlen stimmen. Klar, aber ich denke, dass sich die Musiknutzung der Mehrheit deutlich verändert hat. Illegale Beschaffung ist gang und gäbe. Das bringt natürlich kein Geld, macht aber sicherlich das Gros der umgeschlagenen Musik aus. Hierzu müssen schlüssige Lösungen gefunden werden – und das können keine Restriktionen sein.

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