Unvarnished: Neue Denunziationsplattform für Schmierkampagnen im Arbeitsumfeld

André Vatter

Was ein kranker Kram, ich habe gerade nach „Ich find dich scheiße, so richtig scheiße“ von TicTacToe auf YouTube gesucht, doch Sony Music hat da (mal wieder) dankenswerterweise einen Riegel vorgeschoben – sonst wäre ich jetzt richtig in Stimmung.

Es geht um die Seite Unvarnished.com, was auf Deutsch soviel wie „ungeschminkt“ bedeutet. Die Plattform – sollte sie wirklich eines Tages live gehen (ich habe mich gerade um einen Beta-Zugang beworben, nur probeweise) – wird sie der Traum aller Personaler und der Albtraum aller Angestellten, die im Arbeitsalltag mit Kollegen interagieren müssen. Grob gesagt geht es darum, dass in diesem „sozialen“ Netzwerk jeder jeden bewerten kann, eine Art Xing mit Fünf-Punkte-System also. Und so funktioniert Unvarnished: Die Mitglieder loggen sich per Facebook ein, auf diese Weise soll kontrolliert werden, dass der entsprechende Nutzer über 21 Jahre alt ist. Dann lässt sich für jeden Arbeitskollegen eine Seite erstellen – sofern bereits eine existiert, umso besser. Hier kann ich dann im Schutze der Anonymität mal ordentlich vom Leder ziehen. Vielleicht spreche ich seine Essgewohnheiten an oder die bemerkenswerten Transpirationsfähigkeiten seines Körpers? Unvarnished sammelt die Bewertungen jedes Mitglieds und spuckt bei jeder Recherche neben den Kommentaren auch eine Bewertung in Sternen aus. Was vielleicht noch Erwähnung finden sollte: Einmal abgegebene Bewertungen können durch das Opfer nicht nur nicht zurückverfolgt werden – sie sind darüber hinaus unlöschbar.

Die „Times“ hat den Gründer Peter Kazanjy zum Interview gebeten. Darin zeigte er sich über die Aufregung verwundert: „Wir versuchen, die berufliche Reputation aus der Offline-Welt auch online sichtbar zu machen.“ Eine Seite wie LinkedIn würde ja nur die weichgespülte Selbstbeweihräucherung der Mitglieder zeigen – mehr nicht.

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Dass die Kommentare anonym abgegeben werden, sei dabei unbedingt wichtig. Andernfalls könnten die Kritiker „nicht aufrichtig oder nuanciert“ urteilen, so Kazanjy. Auf das Missbrauchspotential eines solchen „Features“ angesprochen erwiderte er, dass Unvarnished über einige Sicherheitsmechanismen verfüge, dass etwaige Beschimpfungen nicht Überhand nehmen. Da die Mitglieder über Facebook ihre Identitäten verifizieren, seien zum Beispiel verleumderische Kommentare bis zu ihren Urhebern zurückverfolgbar – zumindest für den Betreiber. Achja, und dann gebe es ja noch die Bewertung der Kritiker, wie man sie von Amazon kennt: „War diese Menschenrezension für Sie hilfreich?“ Je mehr Zustimmung diese erfahren, desto mehr Gewicht wird ihr Urteil im Netzwerk haben.

Das oben geschilderte Prinzip der Plattform wird dann künftig auch bei ihrem Wachstum kräftig mithelfen. Ich kann zwar keine zu meiner Person abgegebenen Kommentare löschen – ich kann sie aber, nachdem ich ebenfalls Mitglied geworden bin, durch meine eigene Meinung ergänzen. Außerdem steht es mir frei, meine Freunde zu bitten, auf meinem eigenen Profil den ein oder anderen Stern zu hinterlassen. Das klingt doch großartig…

Ihr findet das alles nicht gut? Okay, dann hört euch noch zum Abschluss Kazanjy Verteidigung an: „Wenn jemand ein Anliegen hat, kann er auch schon heute eine Schmierkampagne hinter deinem Rücken veranstalten. Das passiert in der Online-Welt jeden Tag.“ Na, dann: Ein Stern! Raus!

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.