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Hitler-Meme: Constantin-Film is not amused und sperrt Videos aus urheberrechtlichen Gründen (Update)

So wie es aussieht, ist bald Schluss mit lustig. Denn offenbar können die Verantwortlichen bei Constantin Film nicht darüber lachen, dass ihr preisgekrönter Film „Der Untergang“ auf YouTube dermaßen durch den Kakao gezogen wird. Bevor ich im Einzelnen erzähle, was passiert ist, möchte ich noch schnell all jene Leser ins Boot holen, die keine Ahnung haben, wovon ich hier eigentlich rede. Also: Im Jahre 2004 kam der oben genannte Film in die Kinos, der sich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte beschäftigt, dem Zweiten Weltkrieg. Der Fokus liegt dabei vor allem auf den letzten Kriegstagen und den Geschehnissen im sich in Berlin befindenden Führerbunker von Adolf Hitler. In einer Szene des Films wird dem Diktator in diesem unterirdischen Quartier von seinen Beratern offenbart, dass der Krieg verloren sei. Daraufhin rastet dieser aus und hält eine bitterböse Wutrede.

Just diese Szene wurde mittlerweile von unzählige YouTube-Usern dergestalt parodiert, dass sie ihren Originalton beibehalten, diesen aber um eigene (englischsprachige) Untertitel ergänzen. Diese geben aber nicht wider, was Hitler sagt, sondern lassen es in mehr oder minder witzigen und einfallsreichen Worten so aussehen, als würde sich Hitler über aktuelle Themen in Rage reden. Eines der bekanntesten Videos dieser Art, in der sich Hitler über den Weltrekord des (farbigen) 100-Meter-Sprinters Usain Bolt aufregt, wurde bis dato knapp über eine Million Mal angeklickt. Und damit kehren wir zum Anfang zurück. Das als Filmverleih und Filmproduktiongesellschaft agierende Unternehmen Constantin Film hat nämlich damit begonnen, die Meme-Videos aufgrund von Copyright-Verstößen von YouTube zu löschen. „Dieses Video enthält Content von Constantin Film. Dieser Partner hat das Video aus urheberrechtlichen Gründen gesperrt.“ Ich habe diesbezüglich die Pressestelle von Constantin Film kontaktiert und das ist, was man dort zu dem Thema zu sagen hatte…

Nix. Zumindest nicht am Telefon. Ich habe daher meine Fragen per E-Mail an die Pressestelle geschickt und werde die Antworten mit euch teilen, sobald ich sie vorliegen habe. Bis dahin bleibt mir nur, mir meine eigenen Gedanken zu den von Constantin Film veranlassten Sperren zu machen. Drei Gründe sind dabei am wahrscheinlichsten.

1. Constantin Film gehört sowohl zu den Produzenten als auch den Verleihern des Film. Und wie das nun einmal gang und gäbe ist, wenn das eigene Material unautorisierterweise irgendwo im Netz auftaucht: Der Verbotsreflex setzt ein und es wird versucht, seinen Content zu schützen. Vor was auch immer. Im Falle der Hitler-Videos könnte nämlich durchaus die „Fair Use„-Rechtsdoktrin greifen. Und diese besagt in Bezug auf das anglo-amerikanischen Copyright-System, dass nicht-autorisierte Nutzungen von geschütztem Material zulässig ist, wenn sie unter anderem in Form einer Parodie das urheberrechtlich geschützte Werk verwendet. Ich bin kein Jurist und weiß deswegen nicht, ob etwas Vergleichbares auch auf Deutschland zutrifft. Dies spielt aber auch nur eine untergeordnete Rolle, da die Videos auch im anglo-amerikanischen Raum gesperrt sind.

2. Die Verantwortlichen bei Constantin Film haben nur wenig Humor und sind genervt von den Parodien ihres Films. Da das Sujet von „Der Untergang“ zugegebenermaßen alles andere als witzig ist, ist es auch denkbar, dass man in den Videos eine nicht akzeptable, weil unangemessene Form der Auseinandersetzung mit dem Film sieht. Zudem könnte die Sorge entstehen, der gute Ruf des Films, sein anspruchsvoller Content könnte durch die Parodien abgewertet werden. Dies wäre vor allem dann nicht so gut, wenn Constantin Film das Werk ins Ausland verkaufen möchte (und was bisher meines Wissens noch nicht geschehen ist). 

3. Zu guter Letzt besteht auch die Möglichkeit, dass Constantin Film gar nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Bitte einer dritten, außenstehenden Partei gehandelt hat. Immerhin wurde durch Adolf Hitler vielen Menschen enormes Leid zugefügt. Gut möglich, dass etwa Historiker, Politiker, Nachfahren von Opfern oder Anhänger des Judentums daher einen solchen Umgang mit Hitler für bedenklich halten und dies dem Unternehmen kommuniziert haben.

Was davon tatsächlich zutrifft, hoffe ich euch bald mitteilen zu können.

Update: Montag, 26. April, 14.20 Uhr:

Und da ist sie, die Reaktion der Presse-Abteilung von Constantion-Film auf meine Anfrage: „Lieber Herr Hoffmann, vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich bitte um Ihr Verständnis, dass wir zu diesem Thema keine Kommentare mehr abgeben möchten.“ Keine Kommentare mehr – wie schön. Nun denn, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als an dieser Stelle auf einen Spiegel-Artikel zu verlinken, in dem meine oben geäußerten Vermutungen zu den Lösch-Gründen teilweise bestätigt werden. 
 

(Marek Hoffmann)

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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

30 Kommentare

  • Ahja. Mit Hitler Geld verdienen ist okay, ihn zu verarschen und Leute damit zum lachen zu bringen nicht. Kühle Geschichte, Constantin.

  • Habe mir grad eines der Videos angeschaut. Ich verstehe nciht, was den Leuten daran so gefällt. Ich schätze wenn man selbst deutsch spricht geht der Witz dadurch verloren, dass man weiß was gesagt wird und nicht nur was da als Untertitel geschrieben steht.
    Kein einfaches Thema aber, wie man mit solchen Parodien umgehen solte. Grundsätzlich bin ich dafür dass sie erlaubt sein sollten. Ich finde der Clip geht jetzt nicht unter die Gürtellinie wie viele andere Videos.

  • So ein Blödsinn! In solchen Fällen sollte das Copyright-Gesetz nicht gelten. Macht ja an sich keiner Geld damit!?

  • Hallo,
    wen Ihr mit diesem Satz meintet steht für mich außer Frage. Es ist trotzdem unangemessen zweideutig: „… Nachfahren von Opfern oder Anhänger des Judentums…“

  • @Stella: Und genau solche Kommentare finde ich unangemessen ansich. So langsam sollte man jeden selbst die Wortwahl überlassen und nicht die Sittenpolizei spielen…

  • @Copyright: Nö, gilt in D und dem großen Rest von Europa nicht (GB ist die Ausnahme, deshalb unterscheidet man kontinentaleuropäisches Recht und _anglo_amerikanisches).
    Ebenso gibt es im kont. Rechtssystem kein „Fair Use“. Für uns Deutsche gilt Urheberrecht und Verwertungsrecht.
    Verwertungsrecht ist klar: Mein Content, macht ihn weg.
    Urheberrechtlich könnte man sagen (Der (die) Urheber, nicht der Verwerter): Das entstellt mein Werk. Wobei da schon einiges kommen muss, damit das vor Gericht durchgeht.

    Copyright ist für Deutschlands Rechtssystem schlicht nicht existent.

  • Stimmt, der hat ja heute Geburtstag…

    Wie sagte mein Opa immer: Wenns keiner gewesen sein will, ist erstmal Hitler schuld.

    War doch ähnliches wie letztes Jahr diese Fotogeschichte mit DuBistTerrorist oder diese Politikergeschichten.

    Ist doch nur Spaß

  • Constantin Film war es auch, die mit der ersten Abmahnung eines RapidShare Uploaders gerade in die Geschichte eingehen. Ironischer Weise wurde wegen Bushidos Film abgemahnt, der es bekanntlich selbst nicht so genau nimmt.

    Suchbegriff bei Interesse: „Rapidshare Abmahnung“

  • @le schmu: Danke dir für den Hinweis. Ich habe versucht, den Artikel an den entsprechenden Stellen möglichst politisch korrekt zu verfassen. Manchmal weiß ich aber echt nicht mehr, was noch darunter fällt und was schon nicht mehr. Und dass einige denken, dass mir das nicht sonderlich gut gelungen ist, zeigt auch der Kommentar von Stella.

    @LennStar: Danke für die Aufklärung in Sachen Copyright. Aber wie ist das denn nun in den USA? Dort werden die Videos ja auch gesperrt. Greift denn das das „Fair Use“-Prinzip nicht? Und falls nein, warum nicht? Es handelt sich doch schließlich um eine Parodie.

  • @le schmu
    Bitte…..der braune Mob ist so ziemlich eine der erbärmlichsten Organisationen die ich kenne.

    Jedes Mal wenn ich deren Webseite lesen, möchte ich meinen Schädel gerne gegen die Kante meines Schreibtischs knallen lassen.

    Übrigens – Ich esse auch noch Negerküsse und nicht….äh…Schokoküsse?

    Wer lässt sich denn auch bitte gerne von Schokolade küssen? 😉

    @Stella
    Alles ist klar, aber hauptsache erstmal meckern?
    So muss das sein….

    @Marek Hoffman
    Guter Artikel, traurig das Constantin-Film diesen Weg geht.
    Die Videos werden zwar eh nie wieder aus dem Netz zu bringen sein, aber naja.

    Das Meme war eins der wenigen über die ich zwar ehrlich gesagt nie lachen konnte, aber wems gefällt. Wahrscheinlich ist es lustiger für Leute, die wirklich kein deutsch verstehen.

    Alles in allem, lass dich nicht von diesen „political correctness“ Leutchen einschüchtern.

  • In Neuseeland kann man das noch anschauen. Das ist sowieso total ärgerlich. ich stell videos auf mein blog und miene deutschen leude könnens nicht anschaun weils in D zensiert wird

  • @Marek: Ich stimme dir zu, ich hab mich jetzt auch nicht an der Formulierung gerieben (obwohl selbst „betroffen“). Ich habe als regelmäßiger Leser dieses Blogs eben das Gefühl, dass seine Macher aufgeschlossene Leute sind und auch gerne mal Dinge hinterfragen. Daher der Hinweis.
    Political Correctness ist ja kein Selbstzweck, sondern sollte in erster Linie dem Wunsch entspringen, den Leuten Respekt entgegenzubringen, über die man spricht. Da man seinen Gegenüber oft nicht gut genug kennt, kann man ja auch ein wenig offen für dessen Empfindungen sein, die er einem klarzumachen versucht. Man reißt sich ja dabei auch nichts aus! 🙂 Danke jedenfalls!

    @Farun: „Der braune Mob“ ist eine Stimme von deutschen Schwarzen, die einem legitimen Interesse Ausdruck verleihen, auf den alltagssprachlichen Diskurs in Deutschland einzuwirken. Warum das erbärmlich sein soll, erschließt sich mir nicht. Und wenn mich einer mit den kolonialen Attributen „farbig – Mischling – Schlitzauge“ belegen sollte, würde ich mir das auch nicht gefallen lassen. Du etwa?

  • @le schmu
    Der braune Mob ist eine Seite von Menschen, die sich gerne als Opfer sehen bzw. darstellen möchten, nicht mehr und nicht weniger.

    Und ob die Seite von Weißen, Schwarzen, Gelben oder meinetwegen auch Ausserirdischen betrieben wird, ist mir herzlich egal.

    An ihrem dämlichen Inhalt ändert es nichts.

    /edit:
    Für mich ist viel mehr dieser gezwungene Hinweis darauf, dass diese Seite doch von Schwarzen (!!!111) betrieben wird, Rassismus.

    Hätte die Seite für dich mehr oder weniger Relevanz, wenn sie von Weißen betrieben würde? Nein?
    Warum teilst du mir dann die Hautfarbe der Verfasser mit?

  • @Christian: Hab’s auch gesehen. 😉 Kein Problem! Aber die naheliegende, freudsche Fehlleistung, mich mit einem Gewaltforscher zu verwechseln, stimmt mich ja schon nachdenklich… 😀

  • @Farun,
    naja, die Identität der Macher einer Seite ist schon relevant: Es ist nämlich ein Unterschied, ob bestimmte Leute entscheiden, wie über andere geredet wird, oder ob jemand selbst entscheidet, wie er genannt werden will. Das ist ja grade die Sache mit „farbig“ und „schwarz“. Das erste war erst mal die koloniale Bezeichnung von Weißen, die damit alles meinten, was „nicht weiß“ war (also Afrikaner, Araber, Malayen, später auch Chinesen („gelb“), etc. – interessanterweise aber eben nicht Italiener oder Spanier, die ja auch zuweilen dunklere Haut haben). Schwarz ist (zumindest in dem Sinne, wie es der „Braune Mob“ versteht) eine Eigenbezeichnung, an die die eigene Identität geknüpft ist. Ich finde, das kann man schon respektieren.
    Das manche Sache dort vielleicht etwas über das Ziel hinausschießen, würde ich auch nicht bestreiten.

  • @Marek: mit dem Vertipper sind wir jetzt quitt 😉
    Du siehst hier im Kommentarthread übrigens den Kern meiner ursprünglichen Polemik…sobald das Thema auf den Tisch kommt, rutscht der Karren unweigerlich in eine Gutmenschendiskussion ab, die Inverse zu Godwin’s Law gewissermaßen 😉

    Ich bin auf Deine Reaktion gespannt, sofern Du die Zeit findest…

    cd

  • @Christian: Oops, sorry. Hab’s geändert. 🙂 Finde ich, kann nur nicht sagen, wann. War ja keine kurze Antwort. 😉

  • Arrrrgh, mir tut es in der Seele weh, wie sich die inflationäre Verwendung von „teilen“ dank Facebook und Twitter durch die deutsche Sprache frisst.

    Oben steht: „…Ich habe daher meine Fragen per E-Mail an die Pressestelle geschickt und werde die Antworten mit euch teilen“
    schreibt doch bitte „mitteilen“ das klingt viel runder. „Ich werde euch die Antworten mitteilen“

    Dankeschön!

  • @Marek: Fair Use: Ob das gilt kann wohl nur ein US-Richter sagen 😉 Fair Use basiert ausschließlich auf Fall zu Fall Entscheidungen. Die gründen sich auf 4 Prüfungen.
    Am wichtigsten in diesem Fall dürfte aber sein: Die Unterscheidung zwischen Parodie (Es wird sich über das Werk selbst lustig gemacht) und Satire (es wird sich mit dem Werk über was anderes lustig gemacht). Letzteres kommt im Normalfall nicht unter Fair Use.
    [Die engl. Wikipedia hat das etwas ausgeführt, und da finden sich auch die 4 Prüfungen gleich oben]

    @jeden den Urheberrecht und Copyright (sowie deren Herkunft) sowie „Allmende“ interessieren: http://freie-software.bpb.de/
    Das Buch ist gut, frei wie Freiheit und als pdf sogar wie Freibier 😉 und Teil 1 erklärt das *wirklich* gut.

  • Ich finde es nur richtig. Wie würdet ihr es finden wenn sich einer eure Homevideos auf Youtube schnappt und neu vertont?!

  • Wenn es gut ist – klasse! Wenn es schlecht ist – So ein Blödmann.
    Weder bei dem einen noch bei dem anderen würde ich mir die Mühe machen, irgendwas sperren lassen zu wollen. Erst recht, wenn ich kostenlose Reklame gegen negativ-PR eintausche.
    Ich verstehe nicht, wo dein Problem ist.

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