Gute PR-Arbeit: Schlaf-Forscher sprechen sich für Kindle aus – und gegen das iPad

Marek Hoffmann

Sollte es Barnes & Nobles oder Sony, aber vor allen Dingen Amazon gelingen, die Ergebnisse dieser Studie in eine große Werbekampagne geschickt einzuflechten, dann könnten sie vielleicht so die Verkaufszahlen ihrer E-Reader noch weiter steigern. Vorstellbar wäre etwa ein Konzept, bei dem die Ängste von Menschen mit Schlafstörungen geschürt werden. Oder eines, bei dem die Konkurrenz aus Cupertino einen Seitenhieb abbekommt. Und hierum geht’s: Schlaf-Forscher vom UCLA Sleep Disorders Center in Santa Monica haben etwas herausgefunden, was so neu nicht ist. Nämlich, dass Geräte, die Licht aus- oder abstrahlen, das Einschlafen erschweren, Schlafstörungen bewirken oder den Schlaf-Wach-Rhythmus stören können. Dies hängt damit zusammen, dass dieses künstliche Licht die Produktion des körpereigenen Hormons Melatonin, das unter anderem in der Netzhaut des Auges gebildet wird, einschränkt. Dieses „natürliche Schlafmittel“ bewirkt aber, dass wir zur gegebenen Zeit ins Schlummerland hinübersetzen.

Nun haben die Forscher aber eigentlich nicht wegen dieser Erkenntnis das Interesse der Los Angeles Times – und mittlerweile auch eines großen Teils der Blogosphäre – auf sich gezogen. Vielmehr sorgte ein Warnhinweis für die – möglicherweise bewusst heraufbeschworene – Publicity (für sich oder das Krankenhaus): „Die Quintessenz ist, dass Schlaflosigkeit und elektronische Gadgets, die Licht ausstrahlen, vor dem Zubettgehen nicht miteinander kombiniert werden sollten.“ Und dann kommt der Kracher, eine kostenlose Kaufempfehlung, in deren Genuss sonst eigentlich nur Apple kommt: „Kindle ist besser für Ihren Schlaf.“

Der Grund: Sowohl der Amazon-Reader als auch die Produkte der oben genannten Anbieter verwenden zur Anzeige von E-Books die ePaper- oder E-Ink-Technologie. Dabei wird versucht, das Leseerlebnis dem bei einem echten Buch nachzuempfinden. Und zwar nicht nur, indem die Seiten der E-Books durch die Nachahmung der Tinte (oder Farbe) der einer gedruckten Seite ähneln. Sondern auch, indem das Licht von ihnen in ähnlicher Weise reflektiert wird respektive das Lesen der Texte im direkten Sonnenlicht möglich ist. Diese Technik verzichtet aber – und das ist der springende Punkt – bei der Darstellung der Seiten auf eine Hintergrundbeleuchtung. Kindle und Co. senden also kein Licht aus und können deswegen beispielsweise nicht unter der Bettdecke gelesen werden.

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Das geht dafür aber mit einem iPad. Bei diesem besteht der Touchscreen, ähnlich wie bei vielen Fernsehern, Monitoren und Handys, aus Flüssigkristallen. Ja, und diese strahlen natürlich. Weshalb sie alle vor dem Schlafengehen nicht benutzt werden sollen, will man denn gut einschlafen können. Alle wohlgemerkt, nicht nur das iPad. Nun darf sich jeder von euch seine eigene Meinung zu der Story bilden…

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(Marek Hoffmann / Foto: Flickr – Fotograf: Scott McLeod)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.