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Astronauten-Software für Power-Napping soll auch müden Bürohengsten helfen

Unter Andrés vor ein paar Tagen veröffentlichten Post zum Robonaut 2 kam die Frage auf, ob es sinnvoll sei, so viel Geld in die Weltraumforschung zu pumpen. Oder ob es nicht besser wäre, mit den Millionen Dollar Missstände in der Welt zu beseitigen? Nicht ganz zu Unrecht antwortete darauf ein anderer Leser, dass die Weltraumforschung nicht nur unnütze Geldverbrennung sei, sondern in der Vergangenheit schon viele Technologien und Gadgets erfunden hätte, die uns in unserem täglichen Leben zugute kommen. Hierzu könnte bald auch das zählen, was Elizabeth Klerman mit ihrem Forscherteam vom Brigham and Women’s Hospital in Boston für Astronauten und das Bodenpersonal von Weltraum-Missionen entwickelt hat. Das Problem, mit dem sich die Wissenschaftler beschäftigt haben, war das des Schlaf-Wach-Rhythmus‘ und der damit einhergehenden Leistungsfähigkeit einer Person.

Dass ein unausgeschlafener Mensch eine sehr viel geringere Konzentrations- und daraus resultierend eine verminderte Aufmerksamkeits- und Reaktionsfähigkeit besitzt, als einer, der lange gepennt hat, dürfte jedem von uns klar sein. Von übermüdeten oder nicht ausgeschlafenen Autofahrern verursachte Verkehrsunfälle sind die prominentesten Beispiel dafür, wie schlimm die Konsequenzen sein können, wenn ein Mensch nicht ausreichend schläft. Ebenfalls vor allem aus dem Straßenverkehr bekannt ist der Sekundenschlaf, die trügerische Variante des sonst sehr wirksamen, sogenannten Power Naps. So leistungsfördernd dieser in der Regel zwischen 15 und 30 Minuten dauernde Kurzschlaf sein mag, so kontraproduktiv ist dagegen oft ein zu langer Schlaf. Einige von euch kennen dieses Phänomen vielleicht vom Wochenende, wenn sie ausschlafen können und sich dann (trotzdem) den ganzen Tag müde fühlen. Mittels eines Computerprogramms wollen Klerman und ihre Kollegen nun die unterschiedlichen Faktoren analysieren, die den Tagesrhythmus eines Menschen und in der Folge auch seine Leistungsfähigkeit und Wachheit bestimmen – und diesen „entgegenwirken“.

Zu den Faktoren zählt die Wissenschaftlerin sowohl von einer Person selbst beeinflusste Bedingungen als auch äußere Einflüsse: Die Schlafdauer einer Person in der vorhergehenden Nacht, die Dauer der Wachzeit, seine Zeiteinteilung und eigene Zeitwahrnehmung sowie auch die Intensität und Wellenlänge des Lichts. Der Forscherin zufolge schafft kaum jemand berufliche Höchstleistungen spät am Abend oder früh am Morgen. Und starke Verschiebungen der inneren Uhr können dazu führen, dass ein Mensch sein Zeitgefühl verliert und bei ihm Körperfunktionen gehemmt werden, die für sein Einschlafen oder Wachsein wichtig sind. Deshalb sei die Berücksichtigung so vieler Faktoren unabdingar. Dies gelte vor allem für Astronauten, da diese nicht nur immer Präzisionsarbeit abliefern müssen, sondern durch den Aufenthalt im Weltraum zudem oft keinen echten, durch Sonnenauf- und untergang bestimmten Tagesrhythmus mehr hätten.

„Falls etwa eine wichtige Mission wie etwa das Andocken oder ein Raumspaziergang um zwei Uhr morgens angesetzt ist, muss penibel geplant werden, was man tun kann, damit der Astronaut genau dann einsatzbereit ist. Da muss man wissen, ob etwa ein Nickerchen, eine Portion Koffein oder eine Beeinflussung des Schlaf-Wach-Rhythmus durch Beleuchtung am sinnvollsten ist“, so Klerman. Dazu werden mit dem Computerprogramm daher in einem ersten Schritt zunächst die individuellen Tagesrhythmen der Sternreisenden gemessen. Anschließend erstellt jeder von ihnen einen eigenen Zeitplan mit vorgesehenen Arbeits- und Schlafzeiten. Die Software sagt dann voraus, wann mit voller und wann mit nur vermindeter Einsatzbereitschaft zu rechnen ist. Darüber hinaus zeigt die Software auch auf, wie die innere Uhr bewusst beeinflusst werden sollte, um zu einem bestimmten Zeitpunkt im Verlauf des Tages besonders leistungsfähig zu sein. 

Sollte diese Software auf dem breiten Markt Anwendung finden, könnten hiervon in erster Linie Personen aus Schicht-Berufen profitieren, angefangen bei Ärzten und Polizisten über Brumminfahrer bis hin zu Security-Mitarbeitern. Und in zweiter Linie würden wir Endverbraucher profitieren, da die genannten Berufsgruppen dann wacher und somit effektiver arbeiten könnten…

(Marek Hoffmann / Foto: Flickr – Fotograf: NASA)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

14 Kommentare

  • Jauuuu, toll, dann können wir noch effizienter arbeiten.. damit könnten wir vielleicht die 50 Stundenwoche realisieren und weitere Menschen arbeitslos machen. Wer will schon in seiner Freizeit wach sein, 100% Leistung für den Markt, der Feierabend ist zum regenerieren da..

    Tolle Idee, die Astronauten bringen uns wirklich viel mit ihren Entdeckungen, zum Glück haben wir dieses Geld nicht für nachhaltige Energieerzeugung, Armutsbekämpfung, Bildung und anderen sozialen Firlefanz verschwendet..

  • Eigentlich fühle ich mich von den Leuten, die unter einen Artikel „waaah, komplett nutzlos, gib mir meine zeit zurück“ schreiben eher genervt, aber jetzt kann ich sie total verstehen.

    Der Artikel ist komplett nutzlos. Wie wäre es mit einem Artikel „Brennstoffzelle soll Umwelt schützen“ oder auch „Schokolade macht dick – aber glücklich“. Oder „Schlagbohrer können Gelenke schädigen“.

    Wirklicher mehrwert macht ein blog mehr wert.

  • Eigentlich fühle ich mich von Leuten, die mich angreifen, weil sie meine Aussagen nicht verstehen eher genervt, deshalb erkläre ich es etwas genauer.

    Ich finde den Artikel absolut nicht sinnlos, das habe ich auch nirgendwo ausgedrückt. Ich habe ein mögliches Szenario der Artikelthematik (nicht des Artikels selbst) bewertet. Ich habe meine Meinung ausgedrückt und gleichzeitig Alternativen genannt.

    Was ich mich jetzt Frage ist:
    Bedeutet Mono jetzt in dem Fall „Affe“ (Spanisch) oder „allein“ (Griechisch), oder einfach nur, dass du gern in Mono (CLI) programmierst. Die Musikgruppe ist damit wohl kaum gemeint.

  • @Lars: Ich glaube, du hast @Mono da irgendwie falsch verstanden. Ich glaube nicht, dass er bei seinem Verriss meines Artikels auf dich Bezug genommen hat. 🙂 Und zu deinem Kommentar: So wie du es siehst, kann man es sehen. Das hatte ich zu Anfang meines Artikels ja explizit hervorgehoben. 🙂

  • Naja ich hoffe das sich diese Technik nicht durchsetzen wird. Somit wird man noch mehr Zeit auf der Arbeit vergeuden oder sogar seine Freizeit auf der Arbeit im Ruheraum absolvieren müssen. Schenkt den Menschen doch einfach etwas mehr Freizeit dann sind die auch alle entspannter und arbeiten effektiver.

  • Interessanter Ansatz. Glaube aber nicht dass das für die genannten Personen von nutzen sein kann. Das würde für nen langfristigen Erfolg sehr viel Selbst-Disziplin erfordern, was bei Astronauten sicher gegeben ist aber bei normal Berufstätigen eher nicht, da das Privatleben nie genau geplant werden kann.
    Es gibt sicher Errungenschaften, die die Wichtigkeit der Raumfahrt besser wiederspiegeln.

  • Ich finde das gut, weil man somit aus der 40 Stundenwoche eine 30 Stundenwoche machen kann. Oder aber in Berufen wie Busfahrern, Ärzten etc. in denen sich keine zeitlichen Einsparungen durch effizientere Arbeit ergeben, lassen sich zumindest Fehler reduzieren. Wer dabei an eine 50 Stundenwoche denkt, kann das gerne tun. Ich werde ganz bestimmt keine 50 Stunden arbeiten sondern mich mehr den 30 Stunden annähern. Denn die Arbeit ist für den Menschen da und nicht der Mensch für die Arbeit 😉

  • Wenn ich trotz langem Arbeitstag abends ausgehen will, hilft mir ein Powernap. Oder wenn ich am Wochenende eine sportliche Leistung bringen will, muss ich wach und fit sein. Ich persönlich komme soweit gut klar und brauche keine Software. Aber generell muss sich diese Thematik nicht nur um effizientes Berufsleben drehen, sondern wäre auch im Privatleben denkbar.

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