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Keine Daten-Flatrates mehr bei AT&T: Vorbild für deutsche Anbieter?

Wir haben die Thematik auf Basic Thinking schon häufiger am Rande gestreift: Wie lange wird es wohl noch dauern, bis die Netze der Telekommunikationsunternehmen unter der durch mobile, internetfähige Gadgets einerseits und Plattformen wie YouTube, die enorme Datenmengen erzeugen, andererseits, verursachten Datenlast zusammenbrechen? Ohne – aus verständlichen Gründen – die Antwort auf diese Frage abzuwarten, hat der US-Konzern AT&T nun gehandelt. Anstatt Datenfressern ab einer bestimmten abgegriffenen Datenmenge mit Drosselung der Bandbreite zu begegnen, setzt das Unternehmen auf seinem Heimatmarkt künftig auf Volumentarife.

Was genau bedeutet das? Wie auf der offiziellen Seite des Telcos zu lesen ist, wird den amerikanischen Kunden bereits ab kommenden Montag die Möglichkeit geboten, sich für eine von zwei neuen Tarifarten zu entscheiden, je nachdem, ob man viel oder wenig mobil surft. Für 15 US-Dollar (knapp 12 Euro) gibt es das DataPlus-Paket mit monatlich 200 Megabyte Datenvolumen. Wer nur ab und zu von unterwegs ins Netz geht, könnte damit deutlich günstiger bedient sein, als mit den bisherigen (AT&T-)Angeboten. Das Unternehmen behauptet, 65 Prozent seiner Smartphone besitzenden Kunden lägen monatlich unterhalb dieser Grenze, wodurch viele von ihnen bis zu 50 Prozent im Vergleich zu ihrem bisherigen Vertrag sparen könnten.

Wer nun aber doch über die Grenze hinausschießt, muss noch mal das gleiche Paket zum selben Preis ordern – sonst ist Schicht im WWW-Schacht. Um das mal an Beispielen plastisch zu machen: Mit 200 MB sollen laut AT&T 1.000 E-Mails ohne und 150 mit Anhang verschickt oder empfangen werden können. Zudem 400 Webseiten aufgerufen und 50 Fotos auf den Seiten von Sozialen Netzwerken gepostet und noch ein 20-minütiges Video gestreamt werden können.  

Wer hingegen immer und überall surfen will und dies auch tut, muss etwa 10 Dollar mehr berappen (etwa 20 Euro). Dafür gibt es dann das DataPro-Paket mit zwei Gigabyte Datenvolumen. Ist das aufgebraucht, kostet der Nachschub zehn Dollar und enthält ein weiteres Gigabyte. Die obere Grafik deutet an, wie stark der Bedarf an Ressourcen bei Besitzern von mobilen Internet-Gadgets in den kommenden Jahren noch steigen wird. (Der Marktforscher Rysavy Research hat einen interessanten Bericht dazu veröffentlicht (PDF)).  

Droht nun auch hierzulande ein Ende der Daten-Flatrate? Die Möglichkeit besteht. Sie hängt aber von einigen Faktoren ab, beispielsweise den Ergebnissen in der Netzneutralitätsdebatte. Zudem wird sich zeigen müssen, wie gut (schnell, effizient und kostengünstig) es der Deutschen Telekom und Vodafone hierzulande gelingen wird, den neuen Mobilfunkstandard „Long Term Evolution“ (LTE) zu etablieren. Derzeit befindet sich der UMTS-Nachfolger noch in einem Teststadium, soll aber irgendwann die dringend erforderlichen, höheren Netzkapazitäten liefern. Auch das effiziente Ausschöpfen des Potenzials, das sich den Telcos durch die erst kürzlich ersteigerten Frequenzen für den drahtlosen Netzzugang bietet, könnte eine Rolle spielen. Und zu guter Letzt dürfte es natürlich auch am Kunden liegen, ob er bereit ist, für eine besonders schnelle und qualitativ gute mobile Netzanbindung mehr Geld zu bezahlen.        

(Marek Hoffmann / Grafik)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

27 Kommentare

  • Das Problem ist einfach, dass ein paar Prozent an Heavy Usern mit Tethering, Ad-hoc Sharing etc. die Verträge so nutzen, wie sie überhaupt nicht gedacht waren.
    Hierzulande hat man ja mit GPRS-Drosselung und i-Jail OS schon gute Möglichkeiten gegen Missbrauch von UMTS Flatrates.

  • Hat at&t nicht ein unglaublich schlechtes netz? Was erklären könnte wieso die Herren denn aufeinmal so am Rad drehen. Ja, die Telekom oder Vodafone werden da weniger bedenken haben. Imho sind die Ressourcen ja noch vorhanden….

  • @Ingo: Na ja, insofern schon, als dass er vielleicht aus der Sicht der Anbieter argumentiert hat. 😉

  • Immer die gleiche Leier…
    Erst Volumenpakete, dann die ersten Flatrates, dann heulen alle über „Missbrauch“ (->intensive nutzung) und dann setzen sich die Flatrates doch durch.

    Angefangen hat es mit dem Festnetztelefon.
    Das gleiche später mit DSL Tarifen.
    Auch in nicht-technischen Bereichen von Fitness Center bis Freibad-Saisonkarte…
    Die mobilen Telefontarife sind gerade auf dem Weg
    und die mobilen Internettarife werden folgen.

    Flatrates sind ein Ergebnis unseres Gesellschaftssystems und der heutigen Denkweise. Ob Flatrates, Open Source, Demokratie oder Gleichberechtigung…
    Das sind alles Dinge die nicht einfach durchzusetzen sind, aber Gewinnen werden sie früher oder später.

    Deswegen meine Meinung: Die deutschen wissen das genau, zögern es noch etwas hinaus, und dann wird sich die Flatrate hier durchsetzen.

    /moralpredigt

  • @Marek
    „Wer hingegen immer und überall surfen will und dies auch tut, muss etwa 10 Dollar mehr berappen (etwa 20 Euro).“ Vertippt! 😉
    10 Dollar sind etwa 8 Euro, und 20 Dollar sind etwa 15 Euro. 20 Euro sind etwa 24 Dollar.

  • Ich habe gerade folgendes gedacht: Das wird so nicht funktionieren. Denn so wird man den Fortschritt nur aufhalten. Auch habe ich mich gefragt, warum die Provider in dichtbesiedelten Gebieten nicht in eine WLAN-Infrastruktur investieren.

    Eine integrierte Lösung, wo der Nutzer nichts tun muss und nicht einmal merkt, dass er WLAN nutzt wäre dabei notwendig.

    Manchmal glaube ich, dass es in den Unternehmen keinerlei Wissen über Ursache-Wirkungsprinzipien vorhanden ist.

  • Ich denke auch die Preise werden Steigen, aber die Flatrate werden wohl bleiben, die Leute sind hierzulande einfach daran gewöhnt und Misstrauen jeden Datentarif aus früheren schlechten Erfahrungen damit.

    Auch wäre es vermutlich ein großer Rückschlag für die Mobile Geräteindustrie , wie Smartfon und iPad die ja gerade erst ihren Siegeszug antreten sollen, denn die Leute würden dann sicher weniger dieser Geräte kaufen oder eher Wlan dafür benutzen.
    Trotzdem denke ich auch das in Dt die Preise für Festnetz Flatrates wegen dem gnadenlosen Konkurrenzkampf schon zu günstig sind und wohl nach einer Marktbereinigung wieder steigen werden.
    Auch scheint der Preis nicht das alleinige Kriterium zu sein , die Telekom ist bei der Festnetz Flat im Schnitt mit 10€ Teuer und kann sich dennoch Behaupten.

  • Ich glaub der exzessiven Nutzung von Flatrates kann man ganz gut mit der Drosselung nach einer gewissen Datenmenge Einhalt gebieten. Und auch wenn jetzt wieder alle schreien, dass das dann keine Flatrate sei (was sie aber doch ist, solange es mit Internet-Flat und nicht mit UMTS-Flat beworben wird) finde ich dieses Modell gut. Es ermöglicht mir die mobile Internetnutzung, bei relativ geringen und vor allem überschaubaren Kosten. Keine bösen Überraschungen, sowas find ich immer gut 🙂

    Sinnvoll wäre der Aufbau von mehr WLAN-Access-Points wie von #12 angesprochen wohl wirklich, oder auch das günstige Verteilen von UMTS-Mikrozellen an bspw. Cafes oder andere Orte von öffentlichem Interesse.

  • @Bastain. Nicht vertippt, aber offenbar missverständlich ausgedrückt. 😉 Die 10 Dollar mehr beziehen sich auf die zuvor genannten 15 Dollar in dem anderen Paket. Macht somit 25 Dollar, was etwa 20 Euro entspricht. 🙂

  • Sind wir nicht alle ein bisschen Flatrate? Sind wir nicht alle ein bisschen verwöhnt? Leben in saus und braus, leben ohne Grenzen, mit Völlerei und ohne Einschränkung. Schon klar, dass da der ein oder andere Entzugserscheinungen bekommt. Wenn die 200MB voll sind, dann einfach mal ein Buch zur Hand nehmen…

  • „…setzt das Unternehmen auf seinem Heimatmarkt künftig auf Volumentarife…“

    Im Prinzip ist dagegen nichts zu sagen. Der Gelegenheitssurfer kann nicht bis in alle Ewigkeit gezwungen werden, die Kosten des Powerusers quer zu subventionieren. Jeder zahlt was er an Volumen verbraucht, das ist nur fair…

  • Wie idiotisch ist das denn? Es besteht eine Nachfrage. Die Standard-Reaktion sollte es doch sein, das Angebot auszubauen.

    Jedenfalls habe ich das schon einmal zu oft gehört um es ernstzunehmen. Anstatt sich solchen Mist auszudenken sollen sie lieber die Netze entsprechend ausbauen, oder glauben die Anbieter etwa, die Nachfrage wird geringer werden?

    @uniquolol Für gelegenheitssurfer gibt und gab es stets entsprechende Kleintarife. Aber Gelegenheitssurfer bringen eher wenig Geld in die Kassen von Anbietern, natürlich wollen die Anbieter Dauernutzer.

  • Flatrates sind wichtig fürs Mobile Internet. Und die Flatrates lassen sich alle Provider recht teuer bezahlen. Unter 10 bis 15 Euro bekommt man so was nicht also sollten die Provider aufhören zu jammern.

    Zu den Powersaugern.

    Die gibt es sicherlich wobei deren Anteil die wirklich sehr viel Nutzen sicherlich bei maximal 15% liegen darf. Viele wählen ein Flatrate weil manche Provider nur folgendes bieten. 200 MB oder Flatrate. Würde es jetzt noch eine Staffelung geben (z.B 500 MB und vielleicht noch 1500 MB) dann würde nicht jeder zum Flatrate greifen.

    Das ein gewisse Reiz entsteht so eine Flatrate mal richtig aus zu kosten ist klar. Nur geht diese Spieltrieb nach ein paar Monate vorbei.

    Ich glaube auch nicht das die Flatrates teurere werden, sondern im Gegenteil noch günstiger werden. DE ist in Bezug auf Mobile Internet Hochpreisgebiet.

    Die meist vorhandene Drosselung der Datenrate ab X GB sorgt so wie so schon für eine Bremse. Also wozu diesen gejammere?

    Und sollten einzelne Provider wohl die Power Nutzer vielleicht freiwillig entlassen, warten sicherlich andere Provider die gerne solche aufnehmen.

    Bei Mobilfunk und Festnetz Telefon/DSL ist es immer das gleiche. Die Mischkalkulation macht es aus. Zwar wird immer beklagt wenn vielleicht 10 bis 20% vieles nutzen, aber das vielleicht 20 bis 40% kaum ihre Flatrate nutzen, wird gerne verschwiegen.

    Auch zu die Investitionskosten muss folgendes gesagt werden. Klar kostet der Ausbau viel Geld nur wird dies nicht finanziert von vielleicht ein paar Nutzer sondern durch die Gebühren die mehrere Millionen Nutzer zahlen. T Mobile wird bei rund 10 Millionen Vertragskunden in DE die im Durchschnitt monatlich 25 Euro zahlen mehrere Millionen allein einnehmen. Wenn die dann wirklich mal jährlich einer Million in den Ausbau investieren bleibt immer noch genug übrig.

  • Ich weiß gar nicht wo das Diskussionspotential ist. Wenn ein Anbieter eine „Flatrate“ mit „unendlich“ viel Volumen bewirbt, dann ist es einfach lächerlich Leuten Missbrauch vorzuwerfen die sie auch viel nutzen.
    Die Poweruser wählen ja gerade DESHALB die Flatrate, weil sie eine Flatrate ist.
    Das ist so wie wenn Porsche sich bei seinen Kunden beschwert dass sie auf der Autobahn über 110 fahren – „MISSBRAUCHT NICHT UNSERE MOTOREN, DIE 500PS SIND NICHT ZUM SCHNELLEN FAHREN DA!“
    Oder 1 Liter Milchpakete, von denen man nur 200ml trinken darf, sonst missbraucht man das gute Getränk. So ein Hirnriss.

    Falls die Netzkapazitäten nicht ausreichen dann sollen die Provider das auch entsprechend kommunizieren, bewerben und in ihren Verträgen und Konditionen klarmachen.

    Wenn unendlich draufsteht muss NIEMAND ein schlechtes Gewissen haben der sich mit seinem 3G-Anschluss 50GB Linuxdistributionen läd. Denn genau dafür HAT ER BEZAHLT.

    -(Anmerkung am Rande: Hab selber das O2-Internetpaket M mit 200MB und anschließender Drosselung auf GPRS und komme gut hin)

  • Wer mit billligen Werbephrasen Kunden lockt und sich dann beschwert, das diese Sprüche ernst genommen werden, der hat jedes Recht auf Beschwerde darüber verwirkt.

    Ich kann Fabian ^^ nur zustimmen. Das ist wirklich ein Witz.

  • Nun ja, eine Lösung mit dem Problem umzugehen. Das es anders geht sieht man beispielsweise in Hongkong. So gibt es dort bei CSL drei Mobile Internet Flatrates mit unterschiedlicher max. Geschwindigkeit: für maximal 3,6 MBit/s zu umgerechnet rund 21 Euro im Monat, 7,2 MBit/s für rund 33 Euro und 21 MBit/s für 46 Euro. Möglicherweise eine sinnvollere Lösung die Netzaulastung zu steuern, als einfach die Handy Internet Flatrate Angebote abzuschaffen.

  • Also man darf ja auch nicht vergessen, das die USA Netze (Handy,Mobile Internet) lange nicht so ausgereift sind wie in Deutschland. Auch aus eigener Erfahrung weiß ich, das AT&T ein sanierungsbedürftiges Netz hat. Für AT&T hast das ganze 2 Vorteile: Es reduziert die Netzlast und es spült Geld in die Kassen um dieses dann hoffentlich in den Ausbau und der Entwicklung des Netzes zu stecken.

  • Naja ich denke wer UMTS nutzt der wird wohl keine 2GB im Monat verbrauchen. Das würde doch viel zu lange dauern bei dieser niedrigen Geschwindigkeit. Also solange das Kabel-DSL eine echte Flatrate bleibt ist für mich die Welt inordnung….

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