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Kampf gegen Piraten: In Frankreich zeigt 'Three-Strikes'-Gesetz entgegengesetzte Wirkung

Erinnert ihr euch noch an Hadopi und das Three-Strikes-Law? Hinter Erstgenanntem verbirgt sich die französische Behörde, die sich den Schutz der Urheberrechte auf die Fahne und den Kampf gegen Piraten auf die Tagesordnung geschrieben hat. Und bei Letzterem handelt es sich um ein Gesetz, das Raubkopierer für ein Jahr vom Internet aussperrt, wenn sie zuvor zwei Mal „auffällig“ geworden sind und gegen festgelegte Normen verstoßen haben. Es wurde von Frankreichs Oberstem Verfassungsgericht zunächst aufgrund von Verstößen gegen die per Verfassung garantierte Kommunikationsfreiheit abgelehnt, wurde im September 2009 dann aber doch noch durchgewunken.

Wie die New York Times nun berichtet, wurde seitdem keine einzige Warnung gegenüber Personen ausgesprochen, die urheberrechtswidrige Kopien von Musik-Tracks, Filmen, Software oder anderen duplizierbaren Medien angefertigt hätten. Und es wurde keine einzige Verbindung zum Internet gekappt. Und warum? Nicht etwa, weil in Frankreich plötzlich alle so lieb geworden oder aus Angst vor den möglichen Sanktionen auf den von der Regierung vorgegebenen Pfad der Tugend zurückgekehrt wären. Vielmehr ist es – offenbar – wieder einmal das gute Geld, das den Grund liefert.

Denn wie es scheint, ist die Behörde laut einem Sprecher gar nicht scharf darauf, jeden einzelnen Schwarzbrenner aus dem Verkehr zu ziehen, sondern nur die großen Fische. Das heißt, die besonders aktiven, jene also, die einen besonders hohen Schaden verursachen. Wobei dieser, wie einige von euch bereits von einigen Diskussionen hier auf dem Blog wissen dürften, von den „Guten“ ja immer mittels einer nicht ganz nachvollziehbaren und zuweilen sehr willkürlich erstellt wirkenden Formel errechnet wird.

Und das wiederum dürfte damit zusammenhängen, dass die Jagd auf solche Strolche den Staat eine ganz schöne Stange Geld kostet – und dann soll es sich auch lohnen. Um mal Butter bei die Fische zu tun, wie der Kölner so schön sagt:  Jean-Claude Larue zufolge, dem Vorsitzenden einer Handelsgruppe, die die Interessen von Videospiel-Publishern vertritt, würde das Überwachen von 100 Spielen pro Jahr über 400.000 Euro kosten. Na, wenn das mal nicht eine Erkenntnis ist.

Apropos Erkenntnis: Offenbar gibt es in dem Kabinet von Sarkozy auch Politiker, die zwar eine späte, aber immerhin überhaupt eine Erkenntnis erlangen. Demnach dämmert es Jean-François Copé langsam, dass das “ Three-strikes“-Gesetz so seine „Schwächen“ hätte, die ihm seinerzeit nicht aufgefallen wären, als er für dessen Inkrafttreten gevotet hatte. Zudem hätte sich seine Einstellung gegenüber dem Thema Piraterie „entwickelt“.

Als für Kritiker des Gesetzes amüsante Schlussnotiz unter dieses zum Scheitern verurteilte Projekt sei noch Folgendes angemerkt: Laut mindestens einer Studie (der Universität von Rennes, PDF), ist die Zahl der im Internet schwarz gehandelten Medien seit der Einführung des Three-Strikes-Law nicht nur nicht zurückgegangen – sie ist sogar noch gestiegen. Es scheint so, als würden die Piraten also nicht umdenken. Vielleicht sollten es also mal die Politiker versuchen.

(Marek Hoffmann)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

33 Kommentare

  • ..tja, soviel zum Thema weniger Denglisch zu verwenden.

    Zeugt einfach von Sprachfaulheit, statt „für dessen Inkrafttreten gestimmt hat“ , „gevotet“ zu schreiben.

  • Anonymous: Ja, das alte Problem mit dem Denglisch. Für mich stellt es sich so dar, dass wenn das Wort „Voting“ im Duden zu finden ist, sollten „voten“ auch erlaubt sein. 🙂

  • Bitte ändert dieses „gevotet“ in ein (Nachtrag: ECHTES) deutsches Wort ab.

    Wie wäre es mit einem Bündnis des Staates mit der Wirtschaft? Der Staat setzt die Regeln und die Unternehmen (die das Interesse dran haben) können Beweise sammeln und einreichen. Fertig. Da braucht man doch keine staatlichen Fahnder…

  • Schadenfreude…

    Kampf gegen Piraten: In Frankreich zeigt ‘Three-Strikes’-Gesetz entgegengesetzte Wirkung Wie die New York Times nun berichtet, wurde seitdem keine einzige Warnung gegenüber Personen ausgesprochen, die urheberrechtswidrige Kopien von Musik-Tracks, Filme…

  • „Als für Kritiker des Gesetzes amüsante Schlussnotiz unter dieses zum Scheitern verurteilte Projekt sei noch Folgendes angemerkt:“ Dieser Satz macht mir Kopfschmerzen, ich musste ihn etwa dreimal durchlesen, um ihn zu verstehen.

  • @ 8: Echt? Ist ein normaler Satz wie ich finde.
    @ Topic: Naja, schmunzel musste ich schon, vor der Inkrafttretung, sowie jetzt. Die Leute verstehen es einfach nicht wie man mit dem Internet umzugehen hat.

  • Pardon lieber Autor, aber das ist einfach Unfug. Bevor man von einer kontraproduktiven Wirkung des Gesetzes sprechen kann, sollte festgestellt werden, dass es einen Wirkzusammenhang zwischen dem neuen Gesetz und erhöhter Piraterie gibt.
    Gibt es einen einleuchtenden Grund warum durch drohende Bestrafung die Filesharing-Aktivitäten gesteigert werden ?

    Für mich stellt es sich eher so dar, dass es einen verlässlichen Trend von steigenden Aktivitäten gibt der trotz (aber nicht WEIL ) neuer Gesetzesregelungen ungebrochen ist.

    Also bitte mal über Kausalitäten nachdenken, bevor hier eine wilde Schlagzeile gemacht wird.

  • @#10

    Natürlich gibt es einen zusammhang:

    1. Wie erwähnt wurden ist wird explizit Jagt auf große Fische gemacht,
    um so sicherer fühlen sich die kleineren.

    2. Tut das Gesetzt selber in dem erst beim dritten Verstoß (Three-Strikes) eine wirkliche bestrafung stattfindet.
    So denkt ja jeder, der noch nicht erwischt worden ist, zwei mal hab ich ja noch frei.
    Ist einfach ein freifahrtsschein für die leute.

  • @ #11
    Sorry magic, entweder bist du stoned oder noch sehr jung.

    Mit diesem Gesetz wird mit Sicherheit nicht geltendes Recht aufgehoben. Es geht um eine zusätzliche ultimative Strafe zur Abschreckung (so mein Eindruck).
    Damit werden keine Gefängnisfreikarten verteilt für kleine Fische und Einmal-Täter.

    Nur dieses eine Gesetz tritt dann nicht in Kraft, der Rest der Strafverfolgung bleibt unbenommen.

  • Das gemeinhin bekannte Filesharing ist doch in Europa so gut wie Tot, nur noch kleine Fische oder Unbedarfte halten sich dort auf.
    Wenn es noch genutzt wird dann zunehmend zb. über Proxis , dem Tor Netzwerk oder sicheres P2P wie Anomos für anonymes Filesharing.
    Ohne normales P2P bekommt man eben nicht an die IP der Kopierer worauf diese Gesetze ja Beruhen.
    Wie auch sonnst finden die illegalen Aktivitäten zunehmend in der Cloud statt und da kommen die Überwacher ohne weitere größere Gesetzesänderungen kaum noch heran.
    Beide Seiten Rüsten zwar immer noch auf nur ist Abzusehen das wie im Artikel beschrieben die Kosten für die Überwachung im Gegensatz zu den Einnahmen zunehmend steigen und ineffektiver werden.

    Längst Sinnt man auf andere Methoden als „Three-Strikes Gesetze“ , etwa die Haftbarmachung der Provider , was nicht nur völlige Zensur bedeutet sondern auch wohl die Internetzugänge durch Versicherungen für Strafzahlungen massiv Verteuern würde und einer Kultur Flat durch die Hintertür gleich käme.

  • @#12

    Jo gut geraten bin stoned, was ja aber nicht heißt das das alles scheiße ist was ich geschrieben hab.

    Denn wie im Text steht: „Jean-Claude Larue zufolge, dem Vorsitzenden einer Handelsgruppe, die die Interessen von Videospiel-Publishern vertritt, würde das Überwachen von 100 Spielen pro Jahr über 400.000 Euro kosten.“

    Das zeigt ja schon dass, das überwachen der kleinen finanziell garnicht möglich ist.
    Und das wär für mich schon sowas wie ein Freifahrtsschein….
    Ausserdem ist Gefängnissfreikarte auch übertrieben, da die kleinen dafür eh noch nicht eingesperrt werden würden.

    Jedoch hast du recht das man das Gesetzt nicht in zusammenhang zu der erhöhten Piraterie stellen kann.

  • Also ich weiss ja gar nicht warum ihr euch alle wegen ein wenig Piraterie aufregt. Die ist nunmal normal. Ob nun bei real herzustellenden Produkten, als auch bei geistigem Eigentum und längst in die Verkaufspreise mit einkalkuliert. Der Rest der dagegen angehenden sogenannten Gesetze ist bloße Abschreckungsmaßnahme. Witzig anzumerken ist auch, dass der finanzielle Schaden solcher Überwachungsmaßnahmen im geeigneten Rahmen oftmals den tatsächlichen Schaden überwiegt.

    Was mich wesentlich bedenklicher stimmt, dass zunehmend Gesetze getestet werden welche eindeutig gegen die Grundgesetze der entsprechenden Länder verstoßen (In Frankreichs Fall die Kommunikationsfreiheit). Ist das nun ein Probelauf wie weit man in die Interessen des Einzelnen eingreifen darf?

    Ich würde mir eher darüber mal Gedanken machen, als über die tatsächlichen Auswirkungen solcher Kleinlichen ausschliesslich der Industrie zu Gute kommenden Gesetze. Wo bleibt mein Recht als Bürger, denn de Fakto wird jeder einfach unter Verdacht gestellt und pauschal mitgestraft. Wo ist da die Verhältnismäßigkeit der Mittel geblieben?

  • Ich sehe die Sache ähnlich wie Henrik. Das Medium Internet gehört heutzutage zum notwendigen Bedarf zur Informationsgewinnung. Sicher, es gibt noch genug Menschen, welche sich über die sonstigen Medien schlaumachen, jedoch ist das Medium gerade für jüngere Leute unabdinglich. Daher sollte der Zugang zu diesem Medium aus welchem Grund auch immer nicht gesperrt werden. Momentan bieten ausserdem immer mehr Behörden, Banken und sonstige Alltags-überlebenswichtigen Dienstleistungen online an. Momentan ist dies zwar nur eine Zusatzmöglichkeit im Vergleich zur persönlichen oder postalischen Kommunikation, da diese neue Art jedoch in den meisten Fällen viel günstiger sein wird, ist es eine Frage der Zeit, bis die ersten privatwirtschaftlichen Unternehmen auf reine Online-Angebote umstellen. In diesem Zusammenhang den Zugang zu diesem Medium zu verbieten, nimmt die Grundlage zu einem würdigen Leben.

  • @ Marek Hoffmann :
    Kannst du meinen Einwand in #10 nachvollziehen ? Diese Art zu schreiben schafft bei mir nicht gerade Vertrauen in eure Berichterstattung.

  • @frank So abwegig ist der Gedanke nicht, dass manche Menschen denken: „Ok, beim dritten Mal wird mir der Anschluss gekappt. Nun müssen sie mich ja zweimal warnen. Das kann ich abwarten oder gar noch ein bisschen provozieren.“ Meinst du nicht? Mit den Mitteln für die Überwachung verhält es sich ebenso wie mit den ganzen anderen Überwachungsideen (Kameras, Nacktscanner, elektronischer Personalausweis, Elena, Zensus2011 etc.) – hohe Kosten, geringer Nutzen und immer weiter eingeschränkte Bürger- und Freiheitsrechte. Daher volle Zustimmung zu @henrik

  • Ich werf mal nen minimalen Vorschlag in den Raum:
    Kritik ist wichtig! Kritik ist gut!
    Besser Lösungen vorschlagen ist aber in diesem Fall das Gold das wir suchen.
    Aber Kritik üben und neue Lösungen vorschlagen um eure Kritik direkt selbst zu „übermalen“

    Und zu dem Artikel:
    Es ist ein Schritt gewesen.
    Experiment nicht einmal fehlgeschlagen sondern einfach andere Ergebnisse erhalten als von der Politik erwartet; Resultat: Neue Erkenntnisse.
    Der Mensch lernt nur durch „Trail and Error“ das war immer so und wird immer so bleiben – Ich seh wirklich nicht das Problem darin.

  • @faunik
    Klingt für micht nicht logisch, warum sollte ein neues Gesetz ein Startschuss sein jetzt mit Piratierie anzufangen bzw. bestehende Aktivitäten auszuweiten ?
    Jetzt irgendeinen Grund bei den Haaren herbeizuziehen nur um jeden Preis dieses Gesetz zu konterkarieren, zeugt nicht gerade von der Fähigkeit die Dinge nüchtern zu betrachten.

    Das Gesetz hat genügend Anhaltspunkte um es sachlich zu zerreißen, aber es sogar noch als Triebfeder für illegale Aktivitäten hinzustellen ist Humbug.

  • @frank
    Du hast mich nicht verstanden – daher empfehle ich dir noch einmal genau zu lesen. Und wenn du über eine grundlegende Menschenkenntnis verfügst, dann dürftest du den möglichen Gedankengang nachvollziehen können. Humbug ist insofern, wenn man nicht über den Tellerrand schauen kann.
    Im Übrigen ist die „Illeglaität“, von der du so selbstverständlich sprichst, eine von der Industrie definierte und vielleicht nicht von der Allgemeinheit oder Mehrheit getragene.

    @Philipp
    Das Problem hat Henrik gut aufgezeigt. Und wer sich ein wenig mit Ideen zum Schutze von Urheberrechten – und nicht Verwertungsrechten – beschäftigt, der weiß, dass es gute Ideen gibt. Die Kriminalisierung der Nutzer ist nur ein Weg und zwar ein kostenspieliger Irrweg.

  • @Faunik
    Ok ich gebs mal grade offen zu: Mir sind in den letzten 4 Jahren, in denen ich das Thema nun verfolge keine wirklich sinnhaften guten Ideen zur Lösung dieses massiven Problems untergekommen – Mag daran liegen, dass mein Interesse manchmal zu weit gestreut ist 😉
    Hier bitte ich um Entschuldigung mich mal grade blöd zu stellen und um Aufklärung zu bitten!

    In meinen Augen begehen sowohl der Bereitsteller der Urheberrechtlich geschützen Daten – Nicht der Hoster sondern nennen wir ihn den „Uploader“ – sowie der User in beiden Fällen einen Delikt.
    In erster Instanz sehe ich also kein Problem darin auch den User zu belangen. In welchem Maße ist eine andere Frage.
    Bitte also Aufklären warum dies in Irrweg ist – Dass dieses Vorgehen kostspielig ist stimme ich zu!

    Back to the top: Wenn möglich würde ich gerne etwas von diesen guten Ideen erfahren 🙂 Danke im Vorraus!

  • @ Marek Hoffmann : Bekomm ich eine Antwort auf meine Frage ? Wo liegt der Zusammenhang von Three-Strikes und erhöhter Piraterie ?

    Im Titel steht “ Kampf gegen Piraten: In Frankreich zeigt ‘Three-Strikes’-Gesetz entgegengesetzte Wirkung “

    Anders ausgedrückt, gibt es Belege warum das ‘Three-Strikes’-Gesetz die Piraterie fördert ? Ich finde das ist keine Kleinigkeit, hier wird eine Kausalität unterstellt die nicht bewiesen ist.

  • Es gibt auch „keine wirklich sinnhaften guten Ideen zur Lösung dieses massiven Problems“ und kann es kaum geben ohne Massive Einschränkung , Zensur und Überwachung des gesamten Internetverkehrs.

    Es ist wie beim Autoverkehr versuchen zu wollen Geschwindigkeits- Übertretungen , falsch Parken ect. ein für alle mal Unterbinden zu wollen.

    Der Provider kann gar nicht überall Überprüfen welcher Download Legal und welcher Illegal ist ? außer bei einigen P2P Netzen für die das Gesetz Zugeschnitten … nur weichen die User dann halt auf andere Methoden aus die die Provider nicht überprüfen können.

    Daher wollen die Rechteinhaber halt gern nicht mehr den Uploader oder User ins Visier nehmen sondern eher die Provider, da bei denen mehr zu Holen ist … zudem sollen sie das Internet Überwachen und Filtern.

    Das wäre dann so als wenn Autos nur noch Motor mäßig max. 100km/h schnell fahren können und das Problem der Raserei wäre gelöst.

  • @Philipp
    Auf jamendo.com stellen zum Beispiel tausende Künstler ihre Musik kostenlos zum download zur Verfügung und vielleicht hast du mitbekommen, dass auch bekannte Bands ähnliche Projekte machen (Radiohead, NIN etc.) Creative Commons dürfte für die meisten Leser hier ein gängiger Begriff sein.
    Es gibt also eine Menge Menschen, die der Meinung sind Kunst ist Allgemeingut und es ist gut, wenn sie weite Verbreitung findet. Wem das etwas wert ist, der kann gerne etwas spenden. Im Übrigen erschließt man sich so neue Käufer.

    Wenn man nun zusätzlich weiß, dass der Künstler an den kommerziellen Einnahmen seiner Werke fast keinen Anteil hat, dann ist klar, wer ein Interesse an rigiden Gesetzen hat. Und das hier benannte Gesetz sowie alle entsprechenden Initiativen auch auf europäischer Ebene sind nichts anderes als Lobbyarbeit der entsprechenden Industrie. Das geht am Bürger und an der Wirklichkeit schon längst vorbei.
    Und was sind die Urheberabgaben, die ich beim Kauf eines Druckers, Handys, einer Festplatte, eines CD-Rohlings etc. zu entrichten habe? Ich zahle andauernd, aber ich darf dann doch nicht kopieren?
    Die Lösung für das Problem der Verwertungsindustrie (haben sie eigentlich wirklich eins?) ist es dem Bürger endlich wieder hochwertige Produkte anzubieten und sie ihm schmackhaft zu machen, anstatt ihn ständig auzunehmen und zu kriminalisieren.
    1. Produkte wie CDs sollten günstiger sein – 10,- € wären ein guter Preis, den viele – mehr als jetzt – bereit sind zu bezahlen.
    2. Die Qualität muss verbessert werden. Es ist doch wirklich armselig, wenn privat gerippte Musikstücke eine höhere Qualität aufweisen, als die in diversen MP3-Shops angebotenen.
    3. Auf Kopierschutz sollte die Industrie verzichten, weil besonders die unbescholtenen Konsumenten unter nicht abspielbaren Medien, Gängelung durch DRM und sogar kriminellen Machenschaften (Sony mit ihren rootkits) leiden. Außerdem können hier massiv Kosten eingespart werden.

    Schau dir mal in Ruhe diese beiden Videos an:
    http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/87/
    http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/88/

    Wenn schließlich jemand doch Urheberrechte verletzt, dann kann man natürlich den Verletzer kriminalisieren, so wie es jetzt geschieht, man kann aber auch das Urheberrecht als solches in Frage stellen und überprüfen.
    Für mich läuft es darauf hinaus die Gesetzeslage zu ändern, ein besseres Produkt anzubieten und die Chancen in den neuen Möglichkeiten zu erkennen. Law & Order führt selten zu einer Verhaltensänderunng, insbesondere dann nicht, wenn etwas nahezu gesellschaftlicher Konsens ist.

  • @Philipp
    Auf jamendo.com stellen zum Beispiel tausende Künstler ihre Musik kostenlos zum download zur Verfügung und vielleicht hast du mitbekommen, dass auch bekannte Bands ähnliche Projekte machen (Radiohead, NIN etc.) Creative Commons dürfte für die meisten Leser hier ein gängiger Begriff sein.
    Es gibt also eine Menge Menschen, die der Meinung sind Kunst ist Allgemeingut und es ist gut, wenn sie weite Verbreitung findet. Wem das etwas wert ist, der kann gerne etwas spenden. Im Übrigen erschließt man sich so neue Käufer.

    Wenn man nun zusätzlich weiß, dass der Künstler an den kommerziellen Einnahmen seiner Werke fast keinen Anteil hat, dann ist klar, wer ein Interesse an rigiden Gesetzen hat. Und das hier benannte Gesetz sowie alle entsprechenden Initiativen auch auf europäischer Ebene sind nichts anderes als Lobbyarbeit der entsprechenden Industrie. Das geht am Bürger und an der Wirklichkeit schon längst vorbei.
    Und was sind die Urheberabgaben, die ich beim Kauf eines Druckers, Handys, einer Festplatte, eines CD-Rohlings etc. zu entrichten habe? Ich zahle andauernd, aber ich darf dann doch nicht kopieren?
    Die Lösung für das Problem der Verwertungsindustrie (haben sie eigentlich wirklich eins?) ist es dem Bürger endlich wieder hochwertige Produkte anzubieten und sie ihm schmackhaft zu machen, anstatt ihn ständig auzunehmen und zu kriminalisieren.
    1. Produkte wie CDs sollten günstiger sein – 10,- € wären ein guter Preis, den viele – mehr als jetzt – bereit sind zu bezahlen.
    2. Die Qualität muss verbessert werden. Es ist doch wirklich armselig, wenn privat gerippte Musikstücke eine höhere Qualität aufweisen, als die in diversen MP3-Shops angebotenen.
    3. Auf Kopierschutz sollte die Industrie verzichten, weil besonders die unbescholtenen Konsumenten unter nicht abspielbaren Medien, Gängelung durch DRM und sogar kriminellen Machenschaften (Sony mit ihren rootkits) leiden. Außerdem können hier massiv Kosten eingespart werden.

    Schau dir mal in Ruhe diese beiden Videos an:
    http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/87/
    http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/88/

    Wenn schließlich jemand doch Urheberrechte verletzt, dann kann man natürlich den Verletzer kriminalisieren, so wie es jetzt geschieht, man kann aber auch das Urheberrecht als solches in Frage stellen und überprüfen.
    Für mich läuft es darauf hinaus die Gesetzeslage zu ändern, ein besseres Produkt anzubieten und die Chancen in den neuen Möglichkeiten zu erkennen. Law & Order führt selten zu einer Verhaltensänderunng, insbesondere dann nicht, wenn etwas nahezu gesellschaftlicher Konsens ist.

  • Hey danke Anonymous,
    wusste ich zwar schon alles.
    Außer die Einträge / Videos von Sixtus 🙂 Danke dafür.

    Gut das mit den „neuen“ Vertriebswegen beobachte ich seit Anfang 🙂
    DRM Freie Musikshops ala 7Digital werden sogar brav von mir benutzt.

    Das etwas an dem Abgabenmodell der Musikindustrie nicht stimmt….
    Hey das steht schon seit Jahren fest, warum sich aber daran nichts ändert?!
    Liegt vielleicht auch daran, dass die Künstler sich nur minimal dagegen zur Wehr setzen und ihnen mal die neuen Vertriebswege wirklich schmackhaft gemacht werden müssen.
    Das Qualität zu mehr Abnehmer führt beweist zur Zeit ja wieder der „Aufschwung“ der deutschen Exportwirtschaft.

    Aber mal noch eine Frage:
    Warum wird immer Musik zu rate gezogen als Beispiel?
    Wie sieht es mit Software aus – Spiele jetzt mal ausgenommen?
    Sind es dort die Preise? Entwicklungen kosten ja leider Gottes Geld ^^

    Und bei Filmen? Kinotickets haben sich im Preis halbiert.
    Wobei ja vl. UltraViolet da ein Schritt in die richtige Richtung ist 🙂

    Kultur mag ein öffentliches Gut sein. Aber das deswegen alles „umsonst“ sein soll versteh ich einfach nicht. Vielleicht sehe ich dafür aber auch einfach zu oft den Menschen der freiwillig nicht für die kostenlosen – qualitativ hochwertigen Werke anderer etwas gibt.
    Man schaue sich die motivation von Spenden zum Beispiel für BT oder andere Blogs an. Die Bezahlquoten bei der „kostenlos“ angebotenen Musik oder der Spende für Opensource etc.
    Ich bin dabei auch keine weiße Weste. Aber angewöhnt hier und da mal ein paar Euro dafür durchgehen zu lassen habe ich mir langsam wirklich angewöhnt.

    Just my 5 cents 😉

  • @Philipp
    Die Musik- und die Filmbranche sind diejengen, die massiv auf die Politik einwirken. Sie sind es, die ihr veraltetes Geschäftsmodell durchdrücken wollen.

    Software? Du meinst hoffentlich nicht die unsäglichen Softwarepatente. Dazu empfehle ich dir netzpolitik.org und insbesondere die Einträge zu ACTA zu lesen.
    Windows ist übrigens nur deshalb so verbreitet, weil es eben leicht kopiert werden konnte und nicht, weil es besonders gut gewesen wäre. Und aufgrund dieser Verbreitung hat sich MS riesige Geschäftsfelder erschlossen. Das heißt also, dass die Unternehmen von der Verbreitung ihrer Programme auch profitieren.
    Und es gibt endlos Beispiele, die zeigen, dass man auch auf andere Weise Geld verdienen kann. Opera ist das beste Beispiel. Ich habe schon für die Version 4 damals gerne Geld bezahlt, aber seit ein paar Jahren ist Opera kostenlos und immer noch der beste Browser der Welt. 😉

    Oder meinst du Computerspiele? Spiele, die man zum Teil nur noch spielen kann, wenn man gleichzeitig online ist (und dabei ist es kein online-game)? Wenn ich könnte, würde ich mir diese Gängelung auch nicht gefallen lassen. So kaufe ich derartiges einfach nicht.

    Aber nebenbei bemerkt ist es naiv zu glauben, dass jeder, der sich etwas kopiert, das sonst auch kaufen würde. Gerade bei Software ist es doch so, dass es für viele zu teuer ist. Auch kann man nicht alles kaufen, was einem gefällt. Dazu reicht schlicht das Geld nicht.
    Und die, die am lautesten wegen verletzter Rechte schreien (z.B. Sony) sind auch die, die Computer sabotieren und selbst Software stehlen.

    Musik kostenlos zur Verfügung zu stellen hat durchaus Vorteile. Wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, kann man bei live-Auftritten mehr Besucher erwarten.
    Alternative Systeme wie das im Video erwähnte von den Einstürzenden Neubauten sind auch nicht zu unterschätzen. Ich war schon vor Jahren Mitglied, konnte live an den Proben teilhaben, Ideen einbringen, habe die neue CD direkt in dreifacher Ausfertigung bekommen (!) und habe eine @neubauten.org E-Mail-Adresse bekommen. Für 35€ im Jahr ist es nicht nur mir wert Musik und Musiker zu unterstützen, die noch ihre eigenen Ideen verfolgen.

    Grundsätzlich aber muss man sich die Frage stellen, was denn etwas kosten soll und darf und was es einem wert ist. Es wird in D so viel gespendet, dass ich eigentlich keinen Grund sehe daran zu zweifeln, dass mit dem Bewusstmachen auch Spenden einhergehen. Die Menschen brauchen aber auch mehr Geld, als nur das zum Leben nötigste… Die Verarmung ist ein Teil des Problems.

    Meiner Ansicht nach wäre jedoch das bedingungslose Grundeinkommen die Basis, auf der die meisten quasi kostenlos schaffen könnten. Nur bei tatsächlich wertschöpfenden Tätigkeiten würde eine zusätzliche Entlohnung noch Sinn machen. Dann würde eine CD nur noch 1€ kosten und die Musikvielfalt würde sich noch einmal ordentlich erhöhen.
    Leider sind die Chancen dafür derzeit noch zu schlecht.

  • @Phillip
    So – auf Heise war heute folgende Meldung:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Weniger-beschlagnahmte-illegale-CD-und-DVD-Kopien-1043835.html

    Wenn du dort einmal liest, was denn überhaupt in welchem Umfang und vor allem WO nachgemacht oder kopiert wird, dann siehst du, dass das Problem, welches man uns gerne als bedrohliches darstellen will, ganz woanders sitzt.

    Und so manche illegale Kopiererei zum Beispiel von Medikamenten kann man auch durchaus nachvollziehen. Wir sollten aufhören so scheinheilig zu tun, als wären die anderen die Bösen. Wir beuten die anderen Länder aus und die wehren sich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln – und das noch in sehr geringem Ausmaß.
    Was bei uns Gesetz ist/wird, ist erstens noch lange nicht für die gesamte Menschheit gültig und zweitens noch nicht einmal von unserer ganzen Gesellschaft, ja manchmal nur von einzelnen Interessenvertretern getragen.

    P.S.: Dieses Mal habe ich nicht vergessen den Namen einzutragen. 😉

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