Sonstiges

GEMA-Allianz klagt gegen YouTube – und die Franzosen sind weiterhin dabei

Der Streit zwischen der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) und YouTube in Deutschland geht in die nächste Runde. Die Rechteverwerter kündigten am gestrigen Donnerstag an, gemeinsam mit amerikanischen und europäischen Partnern nun beim Hamburger Landgericht Klage gegen das Videoportal zu erheben. Im August waren sie mit dem Versuch gescheitert, eine einstweilige Verfügung gegen die Google-Tochter zu erwirken. Gleichzeitig wurde bekannt, dass sich die Internetplattform in Frankreich mit dem dortigen Urheberrechtsverband „Société des Auteurs, Compositeurs et Éditeurs de Musique“ (SACEM) auf einen Lizenzvertrag geeinigt hat.

Allerdings bedeutet das keineswegs, dass die GEMA nun einen Verbündeten im Prozess gegen das YouTube verloren hat. „Die Einigung zwischen der SACEM und übrigens auch der italienischen SIAE und YouTube hat mit Deutschland überhaupt nichts zu tun“, sagt Bettina Müller, die Pressesprecherin der deutschen Verwertungsvereinigung. „Beide Gesellschaften sind keineswegs aus der Allianz ausgeschieden.“ Vielmehr sei es so, dass das Portal mit den einzelnen Verbänden Lizenzabkommen im jeweiligen Land abschließe. YouTube zahle nun an die SACEM für die in Frankreich aufgerufenen Videos. Für das französische Repertoire, das über die Plattform in Deutschland abgerufen werde, erhalte sie jedoch weiterhin nichts. Deswegen würden sie und die italienische Urhebervereinigung eben auch in Deutschland klagen wollen.

Zusätzlich verkompliziert wird das ganze dadurch, dass die GEMA die Interessen der Textdichter und Komponisten vertritt, nicht aber die der Sänger und Musikgruppen. Die von ihr eingenommenen Erträge gehen also nicht an diejenigen, der das Lied singen, sondern an die, die es geschrieben haben. Für die Vergütung der Interpreten seien wiederum die Labels zuständig, die ebenfalls mit der Google-Tochter verhandeln, erläutert die GEMA-Sprecherin. Und Die GEMA habe damit gar nichts zu tun, betont Müller: „Wir haben bisher kein einziges Video selbst gesperrt.“ Das bedeutet dann natürlich auch, dass sogar nach einer Einigung mit der Verwertungsgesellschaft das Problem der verschwindenden Titel auf YouTube noch immer nicht gelöst ist. Aber vielleicht hilft der Prozess wenigstens, die Rechtslage zu klären, so dass danach endlich Abkommen mit allen Rechteinhabern geschlossen werden können.

(Nils Baer)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Nils Baer

Nils Baer hat im Jahr 2010 über 100 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

11 Kommentare

  • OffTopic: Die Startseite lädt bei mir sehr lange und wirft schließlich eine Fehlermeldung raus: „chrome://noscript/content/RequestWatchdog.js:1011“. Das Problem tritt schon länger auf, war früher (einige Wochen?) aber nicht feststellbar. Firefox 3.6.1 unter Win XP. Könnt Ihr da nicht mal ran?

  • „Die von ihr eingenommenen Erträge gehen also nicht an diejenigen, der das Lied singen, sondern an die, die es geschrieben haben.“

    Stimmt so nicht, denn es gibt ja genug Interpreten welche selbst Texter und Komponisten, der im Studio eingespielten Werke sind.

  • trotzdem finde ich es richtig, wenn die künstler etwas von dem geld abbekommen, das ihnen eigentlich zustehen würde, wenn ihre lieder auf youtube gespielt werden – so schön es auch ist, dass man sich alles kostenlos ansehen kann!

  • Ist denn bekannt, ob die GVL (die die ausübenden Künstler vertritt) auch dieser Allianz angehört? Wenn verklagen, dass richtig, aber ich hab das Gefühl, dass man hier wieder halbherzig Sachen macht und die GVL danach in die Röhre schaut. Kann mir nicht vorstellen, dass die GEMA da auch gleich im Namen der GVL mitklagt, auch wenn sie i.d.R. die Einkünfte der GVL miteinsammelt und dann weiterleitet.
    Wie dem auch sei: Ich denke eine vernünftige Einigung sollte in beiderseitigem Interesse sein. Die Verbände unterschätzen vermutlich den Werbeffekt und Videoportale die Attraktivität, die sie mit aktuellen Musikvideos besitzen…

    Eigentlich kann es doch nicht so schwer sein ne gemeinsame Lösung zu finden…

    just my 2 cents…

  • Youtube stirbt für mich so langsam. Das ganze Rechte-Gehangel hat die Erreichbarkeit der ganzen Videos so stark leiden lassen, dass ich mich schon nach Alternativen umgeschaut habe. Leider müssen die Video-Poster auch die Alternativen nutzen 🙂 Am Besten finde ich hier momentan Vimeo, dort ist die Videoqualität sehr gut und momentan der Content auch recht hochwertig.

  • Es spricht nicht für die GEMA, dass man das Thema jetzt schon mehrere Monate einfach nicht über die Bühne bringt. Den Imageschaden müssen die erstmal verdauen.
    YouTube steht hier als der da, der gern Videocontent bieten möchte aber nicht darf…

    @Sumit: Stimm dir zu 🙂

Kommentieren