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'Songs2See': Fraunhofer-Institut zaubert Musik von CD aufs Notenblatt

Es gibt eine Legende, wonach der Ex-Beatle Paul McCartney keine Noten lesen kann. Ob das nun stimmt oder nicht, sei mal dahin gestellt. Allerdings gibt es sicherlich außer mir noch mehr Menschen auf der Welt, die zwar ein Instrument spielen, aber eben besagte Musikzeichen nicht lesen können. Ich habe dabei bisher immer auf Tabulaturen zurückgegriffen, und zwar sowohl beim Nachspielen von Kompositionen als auch beim Schreiben eigener Stücke. Das könnte nun durch eine neue Erfindung des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) um einiges vereinfacht werden.

Die Software „Songs2See“ visualisiert nämlich in Echtzeit Musikstücke und gibt sie automatisch in Noten, Griffen oder anderen Spieltechniken (etwa Anschlägen oder Balken für die Tonhöhe und -dauer) wieder. Das bedeutet, dass Noten-Legastheniker wie ich künftig drauflos rocken können und die Software das Resultat in Notenschrift festhält. Das IDMT sieht das Einsatzgebiet ihrer Entwicklung allerdings an etwas anderer Stelle:

Mit Songs2See wird das Lernen eines Instruments zum Kinderspiel. Erweitern Sie Ihr Musik-Videospiel oder Ihre Musik-Lernsoftware um ein einmaliges Feature, mit dem der Nutzer statt eines Game-Controllers echte Musikinstrumente zur Eingabe einer Melodie nutzt. Der Spieler wählt dafür beliebige Titel aus der eigenen Musiksammlung als Übungssong aus, die er mit seinem Instrument nachspielt und übt. Das motiviert und schult sowohl das musikalische Wissen als auch die motorischen Fähigkeiten – und nicht das Auswendiglernen von Tastenkombinationen auf dem Game-Controller.

Und so sieht die Benutzeroberfläche aus:

Abgesehen vom pädagogischen Ansatz unterscheidet sich diese Herangehensweise insofern, als dass die Software dabei behilflich sein soll, das Spielen auf einem Instrument erst zu erlernen. Hierzu können beliebige Lieder von einer Audio-CD oder MP3-Player abgespielt und von der Software in Noten niedergeschrieben werden. Anschließend stehen sie dann dem Lehrling zum Nachspielen zur Verfügung. Ich habe hierfür immer YouTube-Videos genutzt, aber so geht es natürlich auch.

Ein schönes Feature der Software ist dabei, dass die in Noten angezeigten Lieder für verschiedene Instrumente angepasst werden können. Bislang sind das die Flöte, die Harmonika und das Glockenspiel. Gitarre, Klavier oder Schlagzeug funktionierten bei meinem Test noch nicht.

Apropos Test: Ich verfüge im Büro über keine Webcam und kein Mikrofon (und auch über kein Musik-Instrument), die Voraussetzung für die Nutzung sind, so dass ich die Software nicht testen konnte. Wer von euch Songs2See aber gern mal ausprobieren möchte, kann die Software auf der Institutsseite aufrufen und anschließend auch offline nutzen.

(Marek Hoffmann)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

11 Kommentare

  • Das glaube ich nicht.
    Wenn du ein Hörbuch in eine Spracherkennungssoftware einspeist, hast du ja im Endeffekt den gesprochenen Text in Buchstaben, was meines Wissens nach nicht illegal ist.
    Verbessert mich, wenn ich mich irre.

  • Rechtlich kenne ich mich nicht aus, aber das Programm kann auch einfach nur für eigene Musikstücke benutzt werden. Solange keine Stücke mit besagten „Copyright-Fuck-Gesetzen“ mitgeliefert werden, sollte es doch eigentlich kein Problem geben, oder? Nero gibt es auch noch, obwohl man damit Raubkopien erstellen kann 😛

  • Hab davon schon letzt Woche gehört und konnt’s gar nicht glauben. Ist auf jeden Fall extrem praktisch, die Sache mit den rechtlichen Dingen stell ich mir jedoch auch problematisch vor.

  • Nach der großen Klagewelle Anfang des Jahrtausends werden die meisten im Netz erhältlichen Tabulaturen auch durch fähige Musiker händisch erstellt. Wenn jetzt eine Software sowas automatisiert macht, sehe ich da eigentlich keinen Unterschied.

  • Das Programm ist für den Unterricht nicht Praxis geeignet. Ich dürfte als Musiker sauberer singen als die meisten Kinder spielen. Bei der Auswertung wird jedes Kind frustriert. Weiter kümmert sich das Programm nicht darum, wie lange ein Ton gespielt wird, Hauptsache man trifft den Ton. Es ist wichtig wie lange Ton klingt. Abgesehen davon zwingt das Programm absolut mechanisch unmusikalisch zu spielen. Das Programm dürfte mehr nutzen als schaden.

  • @StephanZ: Du musst bedenken, dass diese Programm nur der erste Schritt ist und sicherlich nicht für den alltäglichen Gebrauch gedacht ist, sondern vielmehr für Forschungszwecke. Die Technik, die hinter dem Programm steht, ist selbstverständlich noch weit von der Perfektion entfernt.

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