Wikileaks-Hosting: Amazon beugt sich politischem Druck – und kickt Plattform raus

Marek Hoffmann

Amazon sorgte in der Vergangenheit immer wieder mal für Aufreger. Erinnert sei an die gelöschten negativen Bewertungen im Zusammenhang mit dem Windows 7-Vorverkauf, das Löschen von E-Books ohne Erlaubnis der Kindle-Kunden oder auch den nicht ganz astreinen Zugriff auf deren „Popular Highlights„. Jüngst kam auch noch der Vorwurf der unerlaubten Lockangebote im Zusammenhang mit dem hierzulande stattgefundenem „Cyber Monday„. Und jetzt, nur wenige Tage später, rappelt es schon wieder in der Kiste.

Grund ist dieses Mal ein Umstand, den ich zuvor noch gerne als gelungenen PR-Stunt bezeichnet hätte: das Hosting der Wikileaks-Seiten. Nachdem kurz vor der Veröffentlichung brisanter Diplomaten-Depeschen am vergangenen Sonntag ein Hacker die Whistleblower-Plattform mit einer DDOS-Attacke in die Knie gezwungen hatte, wurde bekannt, dass der Gründer Julian Assange sie nun auf Amazon-Servern beheimaten würde. Gestern war Wikileaks nun aber wieder „down“ – allerdings nicht aufgrund einer erneuten Attacke, sondern weil der Online-Versandhändler die Plattform rausgekickt hatte. Offenbar auf politischen Druck hin, wie sich herausstellte.  

Amazon hat dazu zwar keine offizielle Stellungnahme abgegeben. Viele US-Medien berichten aber übereinstimmend, dass Senator Joe Liebermann, Vorsitzender des Senatsausschusses  für Heimatschutz, den Konzern indirekt zu der Entscheidung gedrängt hat. So sollen Senatsmitglieder mit Amazon in Kontakt getreten sein und sich nach den Vereinbarungen für das Hosting erkundigt haben. Dabei wurde auch die Frage gestellt: „Gibt es Pläne, die Seite abzuklemmen?“ Hierzu muss man wissen, dass Amazon den Content der auf seinen Servern gehosteten Seiten nicht überprüft, ähnlich wie das bei YouTube der Fall ist.

UPDATE Newsletter BASIC thinking

Du willst nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 12.000 Vordenker bekommen jeden Tag die wichtigsten News direkt in die Inbox und sichern sich ihren Vorsprung.

Nur für kurze Zeit: Anmelden und mit etwas Glück 50€ Amazon-Guthaben gewinnen!

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung. Beim Gewinnspiel gelten die AGB.

Es darf also angenommen werden, dass der Versandhändler Sorge hatte, vom Heimatschutz wegen eines möglichen juristischen Vergehens belangt zu werden und sich daher zu etwas entschloss, das seine Geschäftsbedingungen durchaus zulassen: Das Verbannen eines auf den hauseigenen Servern gehosteten Angebots, wenn es „illegalen, schädlichen oder anstößigen Content“ enthält.

Ja, und nun befindet sich Amazon – im Grunde unfreiwillig – mitten in einer Auseinandersetzung zwischen den Gegnern und den Befürwortern von Wikileaks. Während die einen (in Person von Lieberman) die Maßnahme nämlich als „richtige Entscheidung“ loben, die „den Standard für andere Unternehmen setzen sollte, die Wikileaks nutzt, um sein unrechtmäßig angeeignetes Material zu verbreiten“, halten die anderen (in Person des EFF-Mitglieds Kevin Bankston) dagegen. Die Entscheidung sei „enttäuschend“, auch wenn sie nicht gegen den ersten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verstößt, die unter anderem die Presse- und Meinungsfreiheit garantiert.

Das jedoch sehen viele Amerikaner anders. Und so wird es sich zeigen müssen, ob Amazon auch aus dieser Geschichte mit einem blauen Auge herauskommt oder von den Usern mal ordentlich abgestraft wird.

(Marek Hoffmann / Foto: Flickr – Fotograf: Teeejayy)

Du möchtest nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 12.000 smarte Leser bekommen jeden Tag UPDATE, unser Tech-Briefing mit den wichtigsten News des Tages – und sichern sich damit ihren Vorsprung. Hier kannst du dich kostenlos anmelden.

STELLENANZEIGEN
Openstack Engineer (m/f/d)
CompuGroup Medical SE & Co. KGaA in Koblenz
Duales Studium Informatik (B.Sc.) am virtuell...
IU Internationale Hochschule in Bad Homburg vor der ...
Praktikant:in Content Marketing (m/w/d)
Effizienzpioniere GmbH in Stuttgart
Duales Studium Social Media & Young Talen...
JOHNSON CONTROLS in Germering
Praktikant Online-Marketing und Brand/Content...
Vodafone GmbH in Düsseldorf
Praktikum Social Media Marketing und PR
Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG in Waldenburg
Praktikum TV Redaktion – Content ReCrea...
ProSiebenSat.1 Careers in München
Social Media Manager (w/m/d)
Arbeiter-Samariter-Bund Baden-Württember... in Mannheim
Teile diesen Artikel
Folgen:
Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.