Sonstiges

2011 wird das Jahr, in dem uns alles gefällt

I like: Investor Saad Khan beschreibt auf VentureBeat, wie er neulich Auto fuhr und er bei einem Song aus dem Autoradio spontan „Gefällt mir“ drücken wollte. Das geht natürlich nicht – noch nicht. Denn inzwischen hat sich der Gefällt-mir-Button aus Facebook heraus ja auf Websites ausgebreitet. Seitdem können einem Texte, Bilder oder Produkte gefallen. Zusätzlich zu Personen. Apple hat mit seinem größtenteils langweiligen sozialen Netzwerk Ping immerhin die Möglichkeit vereinfacht, Songs und Alben per Knopfdruck zu mögen, die man ehrlich erworben hat.

Mit Foursquare, Friendticker und Facebook Places kam quasi die Möglichkeit hinzu, Orte zu mögen. Auch wenn alle Dienste die Funktion noch „Einchecken“ oder ähnlich nennen, es ist das gleiche Prinzip. Und wie ich Facebook kenne, fällt den Jungs vielleicht ein gemeinsamer Begriff für beides ein, so wie man vor knapp einem Jahr Fans und Fanseiten durch „Gefällt mir“ ersetzt hatte.

Umfragen würden überflüssig, Likes wichtiger als Verkaufszahlen

Was fehlt noch? Gar nicht mehr so viel vom nicht-virtuellen Leben da draußen. Menschen finden sich ja auf Facebook, man muss sie nur namentlich kennen, Geschäfte, Produkte auch, wenn sie eine Facebook-Seite haben. Für alles andere wird sich in diesem Jahr noch eine Lösung finden, zum Beispiel die Funktion zu mögen, dass mein Kollege mir eine Flasche Cola aus dem Automaten mitbringt. Doch halt, selbst das gibt es schon. Nennt sich Statusupdate, können die Freunde mögen, man selbst aber auch. Mehr ins Details gehend könnte man dann natürlich noch mögen, dass mir das rechte Stehklo in der Bürotoilette besser gefällt als das linke. Aber vielleicht gibt es auch Grenzen, was man mögen kann und anderen mitteilen muss und was nicht.

Nett wäre eine Art Wochenübersicht darüber, was meine Freunde und ich selbst in der Woche am meisten gemocht haben. Und toll wäre natürlich auch eine Liste der meistgemochten Dinge weltweit, ähnlich wie Twitters Trending Topics. Es müsste nur noch mehr ins Detail gehen als bisher. Dann könnte es bald Ranglisten für Handys, Bildschirme, Personen, Straßenbahnen, Orte geben.

Nach dem Hype kommen die „Profis“

Für Produkte interessant, würden Like-Zahlen neben Verkaufszahlen erscheinen und damit eine neue Währung bedeuten: Likes. Und natürlich könnte man auch wählen, welcher Spieler der deutschen Nationalmannschaft einem am besten gefällt oder welche politische Partei. Einfache Werkzeuge würden dabei helfen herauszufinden, wie viele Likes es in dieser und der Vorwoche gab. Umfragen würden dann praktisch überflüssig werden.

Immer nur mögen, wird aber irgendwann nicht mehr gehen. Genauso menschlich ist das Gegenteil: Dinge nicht zu mögen. Wenn es mich ärgert, dass der Chef mich eine Stunde länger arbeiten lässt oder mein Auto 500 Meter vor der Tankstelle liegen bleibt, dann will ich auch dafür Unterstützer. Und dann will ich die übelste Spelunke in meiner Gegend auf Platz 1 der meistgehassten Orte wiederfinden. Ich hab da auch schon eine im Auge. Mit Likes ließen sich theoretisch sogar Abstimmungen durchführen – was praktisch natürlich an Datenschutzbedenken scheitern würde.

Wie ginge es danach weiter, wenn wir alles gemocht oder gehasst haben? Vermutlich mit den Schattenseiten. Die Werbeindustrie wird sich einschalten und die Vermarktungsprofis, die den zu oft nicht-gemochten Personen, Orten oder Dingen wieder einen hellen Anstrich verpassen. Alles im Leben hat zwei Seiten: Yin und Yang Like und Dislike.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

28 Kommentare

  • „Nett wäre eine Art Wochenübersicht darüber, was meine Freunde und ich selbst in der Woche am meisten gemocht haben.“

    Wie, da gibt’s noch keine App für? Das müsste doch eigentlich mit der API möglich sein

  • @Sebastian
    Das wäre ja langweilig und da ist doch noch der ganze unnötige Kram wie Statusupdates usw. mit dabei. 😉
    Ich meinte vielmehr eine Übersicht á la:

    Diese Woche mochten…
    12 Freunde basicthinking Artikel XY
    5 Freunde Produkt Y
    2 Freunde Anwendung Z
    etc…

  • @ Simon: Die Idee ist gar nicht so schlecht. Wär schon mal interessant zu sehen, was die Freunde so „liken“, wenn man den Newsfeed nicht permanent beobachtet.

  • Ich jedenfalls mag nicht, dass Facebook dazu alles mitloggen kann, was ich so tue, weil sie ja überall einen Like-Button anzeigen. Wer weiß vielleicht kann man sich ja irgendwann die Porno-Seiten anzeigen lassen, die die Freunde so besucht haben, oder die Stellenvermittlungen die die Mitarbeiter so besucht haben, oder irgendsowas?

  • Kommt 2011 der große „social“ Umbruch?…

    Ich finde ja, dass sich die Revolutionsankündigungen der Social Media-Jünger immer mehr so anhören wie „dieses Jahr wird das Linux-Jahr“. Aber dennoch muss man diesem Beitrag von Basic Thinking in vielen Punkten beipflichten. Facebook ist n…

  • Ehrlich gesagt, kann der FB-Button einen auch ganz schön nerven! Zumal kommt es mir manchmal so vor, als ob sich das ganze Internet nur noch um Facebook dreht.

    #fail

  • Meine Erkenntnis: Der Like-it-Button ist was für Leute, die zu faul sind, einen Kommentar zu schreiben, aber präsent sein wollen 🙂

    Ich will den „I don’t like it“-Button.

    Denn es gibt Dinge, die man nicht nicht liken kann.
    O. k. da war doppelte bairische Verneinung drin.
    Nochmal, Transl: …Dinge, die man nicht ignorieren kann.

    Vielleicht kommt ja dann die Werbeeindustrie drauf, was die Leut wollen. Zurzeit ist noch so, dass man zwar ge-targeted wird, aber lausigst.
    Beispiel: Hat man 3 Jeans gekauft, dann kriegt man noch 3 Monate lang überall im Netz Jeans-Ads. Blöd.

    Ad-Blocker an und Ruh ist.
    Allerdings habe ich es noch nicht geschafft im fb die Werbeanzeigen verschwinden zu lassen. Darauf ein Don’t like it.

  • Ich möchte eigentlich gar keinen Button. Vielleicht bin ich zu alt um das Konzept zu verstehen, zu ignorant um mich von dieser Art der Empfehlung mitreißen zu lassen, oder zu besorgt, dass meine Beschäftigung im Internet zu transparent werden.

    Nichts dagegen habe ich, wenn man an der Zahl der Likes die Resonanz eines Beitrages ablesen kann – was aber ohne Dislikes auch nichts aussagt. Aber das dann allen Kontakten mitgeteilt wird, wo man war und was man angeguckt hat, geht mir deutlich zu weit.

    Daher bekommt der Like-Button ein Dislike und wird fürderhin ignoriert.

  • „Yin und Yang Like und Dislike.“ …. das ist das beste Fazit, dass man unter den Artikel shreiben konnte…das fasst es wirklich gut zusammen…

  • Was den Leuten gefällt , kann „Gott sei‘ s gedankt“ noch niemand so genau Vorhersagen….
    Man versucht es immer wieder wie nun mittels Facebook „Like-it-Button“, nur sind viele dieser Analysen ging schon gehörig „Schief“.
    So könnte es sogar Facebook selbst ergehen , zuviel Gehype was meist eine Gegenreaktion bewirkt ….
    Ist eine Sache erst Mainstream und jeder „Bauer“ benutzt es , müssen sich ja die Vorreiter wieder davon Absetzen und einen neuen Trend Kreieren.
    Daher bin ich mir nicht Sicher ob auch 2011 ein weiteres „Jahr des Facebook werden wird , die Medien scheinen sich da zu Sicher in ihren Vorhersagen?
    Wohl nicht ganz aus Einennutz , da sich monentan jegliche Facebook- News halt gut „Verkauft“.

  • Ich habe gelesen, dass mithilfe des „link buttons“ bald eine eigene Suchmaschine entwickelt wird. So kann man den suchenden ja noch genauere Ergebnisse bieten als google (sicherlich konkurenzfahig)
    Ach und nochwas 😀 in der Aktuellen Chip steht, dass Google auch ein Patent auf einen Like Butten bekommen hat, der soll aber ein wenig anders als der von facebook sein. Vieleicht könntet Ihr ja auhc mal was darüber schreiben

  • Ich finde, dass dem Ganzen zu viel Bedeutung beigemessen wird. Also zumindest würde ich sagen, dass es nicht so sehr um eine wirkliche Bewertung eines Artikels oder Produkts geht. Es ist eher eine Art Trend und das einzig Positive hierbei ist, dass es zur Verbreitung beitragen kann. Je mehr Leute irgendwas mögen, je häufiger Webseiten dieverse Ranglisten veröffentlichen, desto schneller verbreitet sich ein Artikel, eine Nachricht oder sowas.

    Allerdings – wer hätte es gedacht – ist auch dieses Thema nicht so einfach und es geht los mit den Datenschutzfragen / -diskussionen und man sollte aufpassen: http://www.thomashelbing.com/de/facebook-social-plugins-datenschutz-bdsg-datenschutzhinweise-privacy-policy-like-button-gefallt-mir

    Ich mag es auch nicht, wenn zu viel an daten „gesammelt“ wird und man kaum was davon mitbekommt.

  • Ja Facebook ist ganz schön mächtig geworden, auf jeden Computer in der Öffentlichkeit sieht man die Seite mit dem Blauen Hintergrund – ob es mir gefällt – da bin ich mir nicht so ganz schlüssig

  • was soll der letzte satz mit dem „like und dislike“? du hast es doch eigentlich selbst geschrieben, dass dieser button nichts mit mögen oder nicht mögen zu tun hat, sondern lediglich eine verknüpfung von verschiedenen datensätzen ist, nämlich in dem fall ein nutzeraccount mit irgendeiner anderen entity, was bedeutet, dass der nutzer irgendeine beziehung zu dem spezifischen „ding“ hat. welche beziehung das sein soll, ist mitnichten einfach mit „like“ zu umschreiben. es könnte auch heißen „möchte updates von ‚ding‘ haben“ oder „wollte mal an die pinnwand von ‚ding‘ schreiben“ oder oder oder…. die ganzen leute, die ständig einen dislike-button fordern, überblicken überhaupt nicht was es mit dem like-button auf sich hat, nämlich ein data mining instrument erster güte, das man mit selbst geschriebenen facebook apps wunderbar nutzen kann, um kostengünstig marktforschung zu betreiben, ohne teure und lästige telefongespräche führen zu müssen. jeder klick auf einen like-button stellt eine verbindung zu anderen daten her, wie eine freundschaftsbestätigung auch eine verbindung ist. das hat mit mögen oder nicht mögen erstmal nichts zu tun. also schreib auch nicht so einen unsinn.

  • Da hat mcnesium wohl nicht ganz unrecht mit seiner Aussage. Ich bin daher auch gespannt, wie die Diskussion um FB weitergeht, wenn die aktuelle Diskussion um Google-Analytics mal wieder verstummt ist. Leider schnallen die wenigsten Leute was da zurzeit überhaupt abgeht. Naja, hauptsache kostenlos 😉

  • Likes zur statistischen Auswertung für Konsumerhebungen finde ich relativ sinnvoll, wobei man beachten muss, ob alle Leute auch immer das liken was sie wirklich mögen und als ‚must have‘ betrachten. Da hege ich schon meine Zweifel, denn was man anonym in einer Umfrage angeben kann ist bei facebook nicht unbedingt möglich, oder nur begrenzt. Das ganze als Währung einzuführen wäre unter allen Gesichtspunkten fahrlässig.

  • […] Die Registrierung funktioniert nur mit einer Kreditkarte. Es gibt eine einfache und eine Premium-Mitgliedschaft, wobei nur letztere wirklich Music Unlimited bedeutet. Bei der einfachen Mitgliedschaft von derzeit 3,99 Euro (später 4,99 Euro) darf man für 30 Sekunden reinhören, bekommt aber zusätzlich immerhin vollen Zugang auf zahlreiche Musikkanäle. Wirklich interessant wird es mit der Premium-Mitgliedschaft für derzeit 9,99 Euro (später 12,99 Euro), mit der man wirklich unbegrenzt Musik hören kann. Neben der ordentlichen Musikauswahl überzeugt hier auch die Klangqualität. Der eingebaute Player spielt und skippt ohne Mucken, die Bedienung ist selbsterklärend, einzelne Stücke lassen sich mit zwei Klicks in die eigene Mediathek oder auf eine Wiedergabeliste hinzufügen. Nicht ganz klar ist mir, wozu man bei Stücken auf “Gefällt mir” klicken kann, wenn man die später gemochten Stücke auf keiner Liste mehr wiederfindet, wie Last.fm das zum Beispiel löst. Dafür gibt es wenigstens einen “Gefällt mir nicht“-Button. […]

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