Nokia verkauft weltweit weniger Handys – und kann mit den Schultern zucken

Jürgen Vielmeier

Nokia ist am Ende. Diesmal wirklich. Endgültig. Oder? Nein, nicht wirklich. Streng genommen müsste es längst so weit sein. Nokias aktuelle Smartphones überzeugen durch Hardware, das hoffnungslos veraltete Betriebssystem Symbian aber macht auch in der 3er-Version die Benutzung eines Touchscreen-Handys zum Krampf. Eine echte Antwort auf iOS, Android, Bada, Windows Phone 7 oder webOS hat Nokia noch nicht gefunden. Das zusammen mit Intel entwickelte System MeeGo hat für Smartphones noch keine Marktreife erlangt.

Das hat sich auch in den aktuellen Finanzzahlen niedergeschlagen, die Nokia heute veröffentlicht hat. Der Gesamtumsatz des Konzerns stieg von 12,0 (Q4 2009) auf 12,7 Milliarden Euro (Q4 2010). Das bedeutet einen geringen Zuwachs von bloß 6 Prozent. Der Jahresumsatz stieg von 41 auf 42,4 Milliarden Euro. Das sind mickrige vier Prozent Zuwachs. Der operative Gewinn stürzte im Quartalsvergleich um 26 Prozent von 1,47 auf 1,09 Milliarden Euro regelrecht ab. Bis auf China ging die Zahl der verkauften Handys und Services zurück, in Europa etwa um 2 Prozent, in Nordamerika gar um 32 Prozent. Der Marktanteil bei Handys fällt nach eigenen Angaben innerhalb des Geschäftsjahres von 35 auf 31 Prozent. Nokia sieht die Felle davon schwimmen und findet kein Mittel, den Niedergang aufzuhalten.

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So, und jetzt lesen wir die Zahlen einmal anders herum. Der Umsatz ist im Jahresvergleich trotz der schier übermächtigen Konkurrenz von HTC, LG (ebenfalls mit Verlusten), Samsung und Apple um vier Prozent gewachsen. Der Jahresgewinn ging im Krisenjahr um 9 Prozent nur leicht zurück (von 3,5 auf 3,2 Milliarden Euro). Gleiches mit dem Marktanteil, der immer noch ein Drittel beträgt. In Deutschland ist gar fast jedes zweite verkaufte Smartphone ein Nokia-Gerät. Die stark rückläufigen Verkaufszahlen in Nordamerika betreffen einen seit jeher schwachen Markt. Nokia hatte dort nie den gleichen Stand wie in Europa, wo im 4. Quartal 33,5 Millionen Einheiten verkauft wurden, in Nordamerika dafür 2,6 Millionen.

Und was ist jetzt die neutrale Sicht auf die Ergebnisse? Nokia verliert Marktanteile weltweit, ganz klar. Und doch ist man bis auf Nordamerika fast überall so stark aufgestellt, dass man die Ergebnisse drüben in Helsinki mit einem Schulterzucken quittieren kann. Die Kunden laufen davon, aber angesichts deutlich attraktiverer Smartphones der Konkurrenz hätte man weit Schlimmeres erwarten können. Obwohl Smartphones inzwischen seit einigen Jahren auf dem Markt sind, ist ihr Anteil an den Gesamtverkäufen von Handys noch gering. Nokia hat mit fast einem Drittel Anteil am Gesamtmarkt hier allerbeste Chancen, sich die Konkurrenz weiter vom Leib zu halten. Nur muss den Finnen dazu langsam etwas einfallen. Ein benutzerfreundliches Betriebssystem, das auf Smartphones zum Einsatz kommt, muss her. Sei es MeeGo oder zur Not auch mal ein nicht selbst entwickeltes System wie Windows Phone 7 oder Android. Mitte Februar will Nokia eine neue Strategie vorstellen, um Apple und der anderen Konkurrenz Paroli zu bieten. Hoffen wir für Nokia, dass man dann etwas Handfestes vorzeigen kann.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.